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Test: Digitech Freqout, Gitarrenpedal

18. Juli 2017

Time to freak out!

Als Pedalhersteller hat man es heutzutage nicht leicht. Zum einen ist der Pool an Bodeneffekten bis zum Anschlag ausgereizt, zum anderen ist es wenig sinnvoll, den zweihundertsten TS-9-Klon heraus zu bringen, sei es als „Deluxe-bei-Vollmond-geklöppelten-Made-in-the-one-and-only-deepest-Heart-of-USA-Boutique-Pedal“ oder als „Jetzt-noch-billiger-Presspappeausführung“ für 19,99 Euro.

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Ich möchte nicht wissen, wie viele Ingenieure weltweit sich die Haare raufen, in der Hoffnung eine Eingebung zu erhalten, auf dass ein wirklich neues, aber vor allem auch sinnvolles Pedal das Licht der Welt erblicken möge. Anscheinend hat man bei Digitech einen dieser Erleuchteten irgendwo in der Entwicklungsabteilung sitzen, der alle paar Jahre mit einer wirklichen Innovation, wenn nicht sogar Sensation aufwartet. Wer erinnert sich nicht an den fetten Paukenschlag, mit dem das Whammy Pedal seiner Zeit die Musikszene aufhorchen lies. Nicht ein E-Gitarrist weltweit, der sich bei dem Debut der Gruppe „Rage Against The Machine“ fragte, wie Tom Morello das abgefahrene Solo bei dem Song „Killing In The Name“ umgesetzt hat.

Und jetzt das Digitech Freqout Pedal. Und? Was soll jetzt daran so innovativ sein? Abwarten!

Geschichtsstunde

„Och nö“, höre ich schon die Ersten stöhnen, „nicht wieder die Abteilung Axel erzählt von den Achtzigern / Opa erzählt vom Krieg“. Tut mir leid, ein wenig müssen wir das Rad der Zeit zurückdrehen, zumindest die Jüngeren unter unseren Lesern werden unter Umständen sonst unter dem Problem der späten Geburt leiden.

Wer seinen neuen Amp alleine im Proberaum mal ordentlich aufreißen will, wird den Effekt kennen. Rückkopplung bzw. Feedback erfüllt den Raum. Doch neben dem nervigen Effekt der Mikrofonie (dem widerlichen hohen Pfeifen, was auch sehr schnell bei ungünstig positionierten Mikrofonen auftritt), stellt der ambitionierte Gitarrist bei entsprechender Drehung des Körpers und der Wahl der richtigen Lautstärke und des Verzerrungsgrades auch eine sehr angenehme Begleiterscheinung fest.

Je nach gegriffenem Ton kippt die Seite in eine Obertonschwingung über und liefert ein theoretisch unendliches Sustain. Hochwertige Hölzer und beste Verarbeitung von Instrumenten der höheren Preisregionen sind diesem Verhalten sehr zuträglich, sodass der beschriebene Effekt früher auch immer ein Zeichen für ein sehr gutes Instrument war. Voraussetzung, mindestens Crunch-Verzerrung, besser High-Gain und vor allem eine sehr hohe Lautstärke. Unbedingt anhören: Gary Moore – „Parisienne Walkways“ vom Album „Blues Alive“ bei 2:24!

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Wir sind zurück im Jahr 2017. Inear Systeme beherrschen die Livebühnen, womit hohe Bühnenlautstärken obsolet geworden sind. 50 % aller Gitarristen spielen Kemper-Amps oder vergleichbare Systeme und besitzen überhaupt keinen Schalldruck mehr auf der Bühne. Was das Herz der meisten FOHs höher schlagen lässt, sorgt aber auch dafür, dass keinerlei Interaktion mehr zwischen Gitarre und Lautsprecher mittels bewegter Luft stattfindet. Spielarten wie das oben genannte kontrollierte Feedback sind somit unmöglich.

Konstruktion des Digitech Freqout

Oder sollte ich besser sagen, waren unmöglich? Eben genau hier setzt das Digitech Freqout an. Es generiert sieben verschiedene Feedbackfrequenzen (1st, 2nd, 3rd, 5th, Nat Low, Nat High und Sub), in die eine schwingende Saite überkippen kann. Über das Doppelpoti Gain/Onset regelt man die Intensität des Effektes und die Zeitspanne, ab wann der Effekt einsetzen soll. Zwei Minischalter erlauben zudem bei Einschalten des Effektes die Aktivierung von Dauerbetrieb bzw. „Momentary“ Betrieb und den Mix von Originalton und Effekt oder aber das Soloabhören des Effektes. Im Normalfall wird man die beiden Klänge mischen, im Solobetrieb kann man aber sehr schön hören, wie der Effekt arbeitet und wann er einsetzt. Zu guter Letzt zeigt eine neunfach LED-Kette an der linken Seite die Arbeitsweise des Effektes auch optisch an.

Digitech Freqout Gitarrenpedal

Das in China gebaute Pedal ist sehr massiv verarbeitet und dürfte ein langes Leben vor sich haben. Leider besitzen die Potis und Minischalter keinerlei Schutz vor unachtsam eingesetztem Schuhwerk, es ist also ein wenig Vorsicht auf der Bühne angesagt.

— Digitech Freqout – Seitenansicht —

In der Praxis mit dem Digitech Freqout!

Es ist immer wieder schön, wenn ein Produkt einen Aha-Effekt auslöst! Dies ist bei dem Digitech Freqout der Fall. Schon bei der ersten Aktivierung macht das Produkt das, was es machen soll, allerdings muss jeder seine persönliche Einstellung im Bereich Gain und Onset finden. Soll der Effekt natürlich klingen, helfen Erfahrungswerte aus dem Proberaum oder von der Bühne. Der Effekt sollte nicht zu schnell einsetzen, da die Saite einen Moment brauch, um die Interaktion aufzubauen. Zu spät macht aber ebenfalls keinen Sinn, da ein natürliches Feedback selten erst nach drei Sekunden oder später einsetzt.

Klanglich wird der Originalton bei Aktivierung leicht verändert, liegt aber wie auch bei dem Whammy im Rahmen des Vertretbaren. Achtung, der Digitech Freqout ersetzt keine Lautstärke auf der Bühne! Für Rhythmus- und Akkordspiel ist er völlig ungeeignet, sein Einsatzgebiet ist das Solospiel, bei dem nur eine einzelne Note gespielt wird. Das beherrscht er aber wie kein Zweiter!

— Digitech Freqout – Unterseite —

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Fazit

Mit dem Digitech Freqout ist dem Pedalhersteller aus Utah wieder einmal ein ganz innovativer Wurf gelungen. Der bisher einzigartige Effekt generiert auch bei geringsten Lautstärken den Feedbackeffekt, der bisher nur mit dem Einsatz großer Lautstärken erzeugt werden konnte. Der Digitech Freqout ist ein brillanter Effekt für kleine Clubgigs, die den Hauch eines Hallenkonzertes aufleben lassen, aber auch ein weiteres Mosaikteil im Puzzle der Entzauberung des altehrwürdigen Rock ’n’ Roll.

Setup: Fame Forum IV Ironfinger, Fame Studio 15 Head, Koch 112 Jupiter Cabinet, Fame MS 57.

Alle Soundfiles wurden bei geringer Zimmerlautstärke eingespielt!

Plus

  • einzigartiger Effekt
  • massive Bauweise
  • True-Bypass

Minus

  • -

Preis

  • Ladenpreis: 179,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ich wünsche mir ein Fusspedal welches den Effekt mit dem Fuß regulierbar macht dann wäre es perfekt.

    • Profilbild
      Atarkid  AHU

      meinst du um damit die obertöne zu steuern bzw überzublenden? Ich denk dabei an AC/DCs „If you want blood“ Album. Da hat man ab und an mal so supergeile feedbacks mit herrlichem Vibrato und wechselnden Obertönen…

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ja Mischung und sound steuern mit dem Fuß. Technisch kein Problem.

    Der Testbericht ist sooooo Charmant geschrieben, ich hätte mich wegschmeißen können!

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