Test: Doepfer DIY Synthesizer

Klang und Funktionen

Nach der ganzen Arbeit war ich doch einigermaßen gespannt, wie der DIY denn nun klingt. Das schon vorweg: einfach gut! Höhenreich, zappig und klar. Kein Mumpf-Schwupp wie aus einem VA-Synth. Es zeigt sich mal wieder, dass analoge Technik immer noch ein wenig besser klingen kann als digitale. Die Module sind auch erfreulich rauscharm.

Das Multimodefilter ist prima. Die Resonanz pfeift ganz gut und reicht bis in die Selbstoszillation, der Klang ähnelt dem des Filters aus dem alten Oberheim SEM. Die Schaltung ist auch ähnlich, bei beiden handelt es sich um sogenannte State-Variable-Filter, aber das des DIY klingt präsenter und einen guten Tick aggressiver.

Tiefpass:

Band- und Hochpass:

Notch erst ohne Resonanz, dann mit:

Und moduliert man die Cutoff mit dem Rechteck aus dem Oszi, kann man auch mit einem Filter Vocal-ähnliche Klänge erzeugen:

Overdrive ist mit dem Filter etwas anderes als mit dem VCA, hier wird erst der Eingang des VCFs übersteuert (bei maximaler Resonanz), dann zurück auf neutral und anschließend VCA-Verzerrung:

Der eine Oszillator ist natürlich einer zuwenig, aber ansonsten macht er seine Sache gut. Das Rechteck lässt sich mit der obigen Modifikation bis ins Nichts modulieren:

Ein aus meinem Waldorf Blofeld per Audio In eingespeister Sägezahn demonstriert, wie es mit mehr Oszis klingt und was die FM-Eingänge so ermöglichen (FM mit Sinus aus dem Blofeld). Das ist zwar gemogelt, aber ich wollte einfach wissen, wie es dann klingen würde, und wurde auch nicht enttäuscht. Wer das nicht hören möchte, kann ja einfach die nächsten drei Soundbeispiele überspringen.

Zwei Sägezähne:

Lineare FM liefert DX7-ähnliche Klänge:

Logarithmische FM ersetzt den Ringmodulator:

Zu den FM-Methoden siehe Amazona-Artikel über Frequenzmodulation.
Die Modulationsempfindlichkeit ist mit 100KOhm-Widerständen noch verbesserungswürdig, wer will kann für die FM-Eingänge 47KOhm verwenden.

Ein zweiter Oszi muss also unbedingt sein, und in der Tat steht auf meinem Wunschzettel ein zweiter DIY ganz oben. Der ergänzt dann auch den fehlenden zweiten ADSR und mit zwei Multimode-Filtern kann man so einiges anstellen.

Der LFO hat drei Stufen für die Geschwindigkeit und die Frequenz reicht von einem Durchlauf in vier Minuten bis weit in den Audiobereich. Prima!

Der ADSR-Generator hat ebenfalls ein 3-Gang-Getriebe, wobei in Stellung Slow das Attack nicht mehr knackig kommt, es ist dann deutlich hörbar. Im Normal- oder Fast-Betrieb ist das nicht der Fall, und dann ist die Hüllkurve wirklich schnell, ideal für elektronische Percussion. Hier oszillierendes Filter mit ADSR im schnellsten Modus:

Diese dreistufigen Betriebsarten sind sehr nützlich, man kann fein dosieren.

Das Sustain sinkt etwas schnell ab bei gehaltener Note (ca 50% in einer Minute), aber bei Analogschaltungen ist das mehr oder weniger immer der Fall. Das ADSR ist das einzige Modul des DIY, das ein wenig, aber nicht ernsthaft schwächelt. Der ultraschnelle Fast Modus macht das wieder wett.

Zum Attack im Slow Modus hier ein hilfreicher Kommentar von Doepfer:

„Auch im Fast- und Medium-Modus hat die Attack-Zeit eine bestimmte Dauer, da in allen Fällen ein Kondensator über einen Widerstand von 2k2 aufgeladen (Attack) und dann wieder entladen wird (Decay/Release). Schaltet man zu dem Kondensator, der im Fast-Modus verwendet wird (100nF), einen weiteren Kondensator parallel (genau das geschieht mit Hilfe des Bereichsschalters), so verlängern sich alle Zeiten (A, D und R) im gleichen Maß. Der Wert des Kondensator im Fast-Modus ist 100nF, im Slow-Modus werden 47u dazu parallel geschaltet. D.h. der Kondensatorwert und damit alle drei Zeiten erhöhen sich ca. um den Faktor 500. Dadurch wird die Attack-Zeit deutlich spürbar. Die typische Ladezeit bei 2k2/100n liegt bei 20us (für Hüllkurven de facto gleich Null), daraus werden 10ms (500*20us = 10000us = 10ms) wenn man den anderen Kondensator hinzu schaltet. Und 10ms sind natürlich schon eine deutlich hörbare Zeit gegenüber 20us.“

Den Kondensator kann man eventuell gegen einen kleineren austauschen, allerdings verfällt bei Lötarbeiten an der Platine die Garantie.

Insgesamt macht der DIY auch im Vergleich mit anderen analogen Synths eine gute Figur, mir gefiel der Klang auf Anhieb. Und wer sich dann auch noch ein A120 24dB-Filter von Doepfer (ein Moog-Klon) mit einbaut, kann ein sehr breites Spektrum an analogen Filterklängen erzeugen.

Weitere mögliche Modifikationen

Außer den oben genannten sind im Beiheft zur Platine noch einige vermerkt, man kann den Inverter als (invertierenden) Mischer benutzen mit beliebig vielen Eingängen.
Beim LFO kann man zwei Potis für die Frequenz verwenden und so auch Sägezahn-Wellen einstellen, steigende und fallende Flanke werden dann getrennt geregelt.
Den Buffer beim ADSR kann man weglassen, wodurch sich die Form der Hüllkurve ändert, und es ist auch möglich, mehrere Gatesignale parallel über Dioden einspeisen (interessant in Verbund mit einem Stepsequenzer).
Die Resonanz des Filters kann spannungssteuerbar gemacht werden, indem man die Feedbackschleife mit normalisierten Kinkenbuchsen ausstattet und einen (zweiten) VCA einschleift.
Kundigen Bastlern fällt sicherlich noch mehr ein, beispielsweise ein Sägezahn-zu-Dreieck/Sinuswandler für den VCO, der relativ einfach auf einer kleinen Zusatzplatine aufgebaut werden kann. Ein Federhall als Modul, ein Chorus aus einem Bodentreter sind eine prima Ergänzung. Im www findet man viele Anleitungen und Tipps, auf der Doepfer-Seite sind auch einige einfache Modifikationen und Schaltungen aufgelistet. Ein paar Modular-Bastlerseiten finden sich in der Linksammlung unten.

Das MIDI-Interface

Das MCV4 von Doepfer setzt Notenbefehle sowie Aftertouch, Velocity und einen beliebigen Controller in Steuerspannungen von 0-5 Volt um, Gate lässt sich mittels Jumper als 5V, 12V oder Switch (für Moogs) einrichten. Pitchbend wird mit +/- einer Oktave auf die Notenspannung geroutet, das ist ein wenig viel und neigt zu Stufenbildung. Leider lässt es sich nicht geringer einstellen.
Für Velocity, Controller und Notenpriorität gibt es verschiedene Modi, die mit Learntaste und Program-Change-Befehlen eingestellt werden können (auch temporär ohne die Learnfunktion).
Damit lässt sich so ein DIY ganz gut befeuern, man kann natürlich das Interface auch gleich mit in das Gehäuse einbauen.

Das MCV4 kann vier Steuerspannungen und Gate ausgeben

Das MCV4 kann vier Steuerspannungen und Gate ausgeben

Man kann auch mehrere MCV4 zu einem polyphonen Interface koppeln, das ist angesichts des Preises aber eine teure Angelegenheit.

Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Toller Bericht mal wieder!
    So ein komplett eigener Synth ist schon was Tolles. Es sollte Jeder einen haben. Irgendwann traue ich mich vielleicht auch mal an Sowas ran.

    Nach dem Satz „Ich blinke, also bin ich“ bin ich übrigens eine halbe Stunde nicht mehr aus dem Lachen rausgekommen. Die beste „Ich denke, also bin ich“ Abstraktion die mir bis jetzt untergekommen ist :D

    Frohe Weihnachten!

    Cheers
    Dennis

    • Profilbild
      h.gerdes  AHU

      Tja wenn abendländisch-humanistische Bildung und Technophilie zusammentreffen, kommt sowas bei raus ;-)

      Es ist zwar eine Menge Arbeit, aber Doepfer hat es wirklich so einfach wie möglich gemacht. Löcher bohren, zusammenschrauben, verkabeln, Bsiauum! Mit etwas Lötkolben-Erfahrung kann man so einen DIY locker hinkriegen. Knifflig ist nur Fehlersuche.
      Aber kein Vergleich zu Selbstbau-Projekten früherer Zeiten. Ich habe mal einen Elektor Formant angefangen, so richtig mit Platinen ätzen, Transistoren selektieren, bestücken, usw. Irgendwann habe ich den halbfertigen Kram völlig entnervt verkauft. Dagegen war der DIY-Bau jetzt ein Spaziergang.

      Happy Xmas!

  2. Profilbild
    Diodenfreak

    Schön, dass es noch Bausätze gibt. Platinen entwickeln, Ätzen, Bohren und Löten sind nicht jedermanns Sachen und kosten auch eine Menge Zeit. Wenn man dagegen nach Anleitung eine Platine zusammenlötet, hält sich der Aufwand in Grenzen.

    Ich habe Anfang der 80er Jahre versucht, einen Synthesizer nach Schaltungen aus dem Buch von Helmuth Tünker (Electronic Pianos und Synthesizer) zusammenzubauen. Ich gab nach kurzer Zeit auf.

    Zur Zeit baue ich an einem zweiten analogen Synthesizer mit selbst entwickelten Schaltungen.

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