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Test: Doepfer DIY Synthesizer


Doepfer DIY Synth

Bilanz

Summiert man die Kosten für einen DIY-Standalone-Synth mit MIDI-Interface, so zeigt sich erstmal, dass das Einsparpotential im Vergleich zu einem fertigen Gerät dieser Art praktisch Null ist:

DIY Platine: 120,-
Kabelsatz: 20,-
Gehäuse: 50,-
Netzteil: 50,-
Potis, Knöpfe, Schalter: 100,-
Mini-Klinkenbuchsen: 20,-
Kleinmaterial: 10,-
MIDI-Interface: 110,-
Patchkabel: 20,-

Gesamt: 500,-

Die Kosten für die Bauteile sind aber sehr variabel, daher sind die Preiskalkulationen nur Daumenwerte. Wer geschickt einkauft, kann durchaus noch einige Euro einsparen.

Wenn ein MIDI-Interface schon vorhanden oder nicht benötigt wird, sieht die Bilanz schon besser aus. Eventuell findet man auch auf dem Gebrauchtmarkt eins.
Der Selbstbau eines Gehäuses oder stattdessen etwas wie ein Alukoffer (gerade habe ich im Baumarktprospekt einen passenden gesehen für 8,79) spart auch Geld. Die Preise für Potiknöpfe variieren je nach Qualität und Design, ich habe in obiger Tabelle 1,50 pro Stück angesetzt. Preiswerte Knöpfe, die denen des Dark Energy recht ähnlich sind, findet man bei musikding.de, auch andere Knöpfe und Bauteile sind dort günstig (z.B. Hallfedern). Das Netzteil ist eine Standardschaltung und kann für ca. 20-30 Euro selbst aufgebaut werden. Minimal liegen die Kosten dann insgesamt bei etwa 300 Euro.

Für einen Einschub in ein Modularsystem ist der DIY wie geschaffen, das ist mit etwa 200-250 Euro für fünf Module plus Slew und Inverter konkurrenzlos günstig. Bei fertigen Modulen würden sich die Kosten auf etwa 400 Euro summieren.

Die semimodulare Variante kann man auch als Modularsystem-Einschub nutzen

Die semimodulare Variante kann man auch als Modularsystem-Einschub nutzen

Ein nichtmodularer Standard-Synth kann auf die meisten Klinkenbuchsen und ein paar Regler verzichten. Es reicht dann immerhin für einen Minisynth aus, mit dem sich schon einiges an vollwertig-analogem Technogebretter veranstalten lässt.

Richtig gut sieht es aus, wenn man die ganze Sache etwas größer konzipiert und zwei DIYs kombiniert. Zwar braucht man dann auch mehr Material und ein größeres Gehäuse, aber nur ein Netzteil sowie Interface, und das Ergebnis kann schon ein monophoner Luxussynthesizer mit zwei Filtern oder ein Modularsystem der Einsteigerklasse sein, das man mit ein paar zusätzlichen Modulen noch aufpeppen kann. Dazu kommt, dass dann Oszillator-Synchronisation und -Frequenzmodulation möglich wird. Mit zwei ADSRs ist man auch gut bedient. Wie gut sowas aussehen kann, zeigt der Doppel-DIY von Synth Project in diesem Youtube-Video.
Doepfer plant, Anfang 2011 eine Zusatzplatine herauszubringen mit Sample&Hold, Rauschgenerator, Zufallsspannung, Ringmodulator und vor allem MIDI-Interface, was die Ausstattung des DIY sinnvoll ergänzt. Der Preis steht momentan noch nicht fest.

Das Doepfer-Netzteil A-100MNT kann zwei DIYs versorgen. Wenn man noch mehr Module hinzufügen möchte, sollte man zum größeren aus dem A-100-Programm für 75 Euro greifen, das bis zu acht DIYs oder Kombinationen aus DIYs und anderen Modulen versorgen kann.
Je nach Gehäuse kann man für deutlich unter 1000 Euro ein nagelneues Modularsystem mit einer guten Ausstattung zusammenbasteln, das ist schon recht preiswert.

Einen Polysynth mit DIYs aufzubauen, scheitert daran, dass nicht alle Parameter spannungssteuerbar sind, sie lassen sich nicht mit einem einzelnen Poti regeln. Denkbar wäre natürlich, die einzelnen Stimmen à la Oberheim 4/8-Voice separat editierbar zu machen. Dafür benötigt man dann aber auch ein polyphones MIDI-Interface oder mehrere MCV4.
Außerdem ist der Preis gegenüber einem gebrauchten Polysynth etwas hoch, wenn man alles addiert, und dann gibt es ja noch das Amazona-Projekt Tyrell, das einen analogen polyphonen Synthesizer hervorbringen soll. Was der dann allerdings kosten wird, steht momentan noch in den Sternen.

Unterm Strich: Am sinnvollsten ist es also, das Ganze entweder etwas größer anzugehen und einen DIY (semi)modular aufzubauen mit Zusatzmodulen bzw. einer zweiten DIY-Platine, als Einschub in ein Modularsystem oder als Bonsai-Synthesizer mit Minimalausstattung. Im Prinzip passt alles in eine größere Zigarrenschachtel.

Fazit

Noch nie war es so einfach. Wer Spaß am Basteln und etwas Erfahrung als Hobbyelektroniker hat, kann durchaus den Selbstbau ins Auge fassen. Da die Platine fertig bestückt geliefert wird, sind hauptsächlich mechanische und Verkabelungsarbeiten nötig. An Zeit sollte man aber deutlich mehr als ein Wochenende einplanen, da allein das Design und die Bohrungen sowie die Beschriftung der Frontplatte schon eine ganze Weile dauern, wenn das Ergebnis am Ende überzeugen soll.

In finanzieller Hinsicht muss man erst einmal rechnen, denn ein Standalone-Synth mit allem drum und dran kostet etwa so viel wie ein fertiger Doepfer Dark Energy. Das zeigt aber eigentlich nur, dass die Firma Doepfer ihre Produkte schon sehr günstig anbietet. Nur mit geschickter Teilebeschaffung lässt sich das unterbieten.
Interessant wird es, wenn man zwei oder mehrere DIYs und eventuell weitere Module kombiniert, denn dann werden die Kosten für Netzteil und MIDI-Interface relativiert. Als Ergänzung zu einem vorhandenen Modularsystem ist er sehr preiswert, einen kompletten modularen Synthesizer kann man mit DIYs auch günstig zusammenbauen. Und man hat die seltene Gelegenheit, das Design selbst zu übernehmen.

Die Ausstattung mit nur einem VCO und einem ADSR ist minimal, aber was den DIY attraktiv macht, sind die Modifikations- und Erweiterungsmöglichkeiten. Modulations- und Audioeingänge kann man fast in beliebiger Zahl hinzufügen und ihre Empfindlichkeit selbst bestimmen. Und man kann, ohne die Garantie durch Herumlöten an der Platine zu verspielen, per Beschaltung einige Features einbauen , die den DIY noch vielseitiger machen, wie z.B. den LFO mit zwei Frequenz-Potis versehen und so weitere Kurvenformen zu ermöglichen u.v.m., siehe oben.
Die für Anfang 2010 angekündigte Zusatzplatine wird den DIY wohl noch attraktiver machen, sie soll neben ergänzenden Modulen auch ein MIDI-Interface enthalten, das momentan noch einen guten Teil der Kosten verursacht.

Der Klang ist klasse, sauber, rauscharm und dank Multimode-Filter vielseitig, da hat Doepfer ganze Arbeit geleistet. Einziger Kritikpunkt: Das Attack der Hüllkurve ist im langsamsten Modus nicht mehr auf Null zu bringen, dafür punktet sie im normalen und schnellen Modus. Sonst gibt es absolut nichts auszusetzen, der Preis für die Platine ist auch völlig in Ordnung. Dafür gibt es die Bestnote.
Zum Schluss noch vielen Dank an Dieter Doepfer dafür, dass er diesen Test ermöglicht hat, und für die tolle Unterstützung mit Bauteilen und Ratschlägen.

Plus

  • guter Klang
  • Multimodefilter
  • Module einzeln nutzbar
  • relativ einfach zu bauen
  • einige Modifikationsmöglichkeiten

Minus

  • Attack im Slow-Modus nicht auf Null zu bringen
  • nur ein VCO und ein ADSR

Preis

  • DIY-Platine mit Temperaturkompensation: 120,- Euro
  • DIY-Platine ohne Temperaturkompensation: 100,- Euro
  • Kabelsatz: 20,- Euro
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Klangbeispiele

  1. Avatar
    BroSco

    Toller Bericht mal wieder!
    So ein komplett eigener Synth ist schon was Tolles. Es sollte Jeder einen haben. Irgendwann traue ich mich vielleicht auch mal an Sowas ran.

    Nach dem Satz „Ich blinke, also bin ich“ bin ich übrigens eine halbe Stunde nicht mehr aus dem Lachen rausgekommen. Die beste „Ich denke, also bin ich“ Abstraktion die mir bis jetzt untergekommen ist :D

    Frohe Weihnachten!

    Cheers
    Dennis

    • Profilbild
      h.gerdes AHU

      Tja wenn abendländisch-humanistische Bildung und Technophilie zusammentreffen, kommt sowas bei raus ;-)

      Es ist zwar eine Menge Arbeit, aber Doepfer hat es wirklich so einfach wie möglich gemacht. Löcher bohren, zusammenschrauben, verkabeln, Bsiauum! Mit etwas Lötkolben-Erfahrung kann man so einen DIY locker hinkriegen. Knifflig ist nur Fehlersuche.
      Aber kein Vergleich zu Selbstbau-Projekten früherer Zeiten. Ich habe mal einen Elektor Formant angefangen, so richtig mit Platinen ätzen, Transistoren selektieren, bestücken, usw. Irgendwann habe ich den halbfertigen Kram völlig entnervt verkauft. Dagegen war der DIY-Bau jetzt ein Spaziergang.

      Happy Xmas!

  2. Profilbild
    Diodenfreak

    Schön, dass es noch Bausätze gibt. Platinen entwickeln, Ätzen, Bohren und Löten sind nicht jedermanns Sachen und kosten auch eine Menge Zeit. Wenn man dagegen nach Anleitung eine Platine zusammenlötet, hält sich der Aufwand in Grenzen.

    Ich habe Anfang der 80er Jahre versucht, einen Synthesizer nach Schaltungen aus dem Buch von Helmuth Tünker (Electronic Pianos und Synthesizer) zusammenzubauen. Ich gab nach kurzer Zeit auf.

    Zur Zeit baue ich an einem zweiten analogen Synthesizer mit selbst entwickelten Schaltungen.

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