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Test: Dreadbox Kinematic, Band Boost Filter Pedal

4. Juni 2021

Cooles Filter, Autowah und "Anfetter"

Die Firma Dreadbox ist ein relativ junges „Boutique-Unternehmen“ mit Sitz in Athen, das 2012 von Yiannis und Dimitra (beide damals noch Amateurmusiker) gegründet wurde. Ihr erster Synthesizer war ein Fußsynth (der Vorfahre des Murmux Pedalsynth). Die Firma ist momentan noch recht überschaubar, alles wird in einer kleinen Werkstatt mit viel Liebe gebaut und montiert. Die Philosophie der Gründer ist es, Geräte zu entwickeln, die sie in erster Linie selbst verwenden möchten. Dreadbox startete erst mit der Herstellung diverser Effektpedale, konzentrierte sich dann später auf die Entwicklung analoger Desktop- (teilweise modular) Synthesizer und fokussierte sich dann erneut auf die Entwicklung von Effekt-Pedalen. Unser heutiges Testobjekt, das kürzlich erschienene Dreadbox Kinematic Pedal, entstammt einer Serie von drei neuen „Tretminen“.

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Das hellblaue Pedal ist laut Hersteller ein VCA-basierter Kompressor und ein Hüllkurvenfilter-Effektpedal. Diese Beschreibung mag womöglich etwas zu „sophisticated“ klingen, man könnte auch sagen, es ist ein Auto Wah (also ein Bandpassfilter, das einen gewählten Frequenzbereich heraushebt), aber gleichzeitig auch ein Kompressor. Diesen beiden Komponenten wurde zusätzlich noch ein sogenannter Drive-Effekt (letztendlich ein Fuzz-artiger Verzerrer) im Signalweg nachgeschaltet, der bei Bedarf das Eingangssignal „anfettet“ bzw. verzerrt. Gleichzeitig kann das Gerät auch als Lowpass-Filter fungieren. Man kennt das von einem Mischpult, es werden einfach tiefe Frequenzen herausgefiltert, nur dass man die Frequenz hier nicht auf ca. 80-90 Hz festlegt, sondern diese frei wählbar ist. Somit erhält man beim Drehen des FILTER-Potis die gängigen Filtersweeps.

Der Hersteller hat den Namen des Pedals nicht zufällig gewählt. Die Kinematik (altgriechisch – Bewegung) ist ein Gebiet der Mechanik, in der die Bewegung von Körpern rein geometrisch mit den Größen, Zeit, Ort, Geschwindigkeit und Beschleunigung beschrieben wird. Sie umschreibt, wie sich ein Körper bewegt, weshalb die Kinematik auch schlicht als die Lehre der Bewegung bezeichnet werden kann.

Der Touch-Wah bzw. Envelope Filter Effekt, der bereits in den 70ern primär für Tasteninstrumente wie beispielsweise das Fender Rhodes oder das Hohner Clavinet entwickelt worden war, fand später auch Fans im Bereich der Saiteninstrumente (Bass, Gitarre). Als Vorreiter ist hier vor allem das legendäre Mutron II der Firma Musitronics zu erwähnen, das Stevie Wonder bei der Produktion des Titels Higher Ground einsetzte. Darüber hinaus erlangte auch das Q-Tron-Pedal des amerikanischen Herstellers electro harmonix großen Bekanntheitsgrad.

Da sich ein flexibles Filter-Pedal sowohl für den Einsatz mit einem Synthesizer oder Keyboard, aber natürlich auch für Saiteninstrumente eignet, werden in den Klangbeispielen dieses Tests auch beide Abteilungen berücksichtigt. Schauen wir uns das Gerät nun einmal etwas genauer an:

Dreadbox Kinematic – Facts & Features

Die Abmessungen der Dreadbox belaufen sich auf 100 x 56 x 140 mm, somit ist es etwas größer als die meisten Effektpedale (z. B. BOSS, MXR etc.). Das Pedal bringt ca. ein Pfund auf die Waage und wurde sauber lackiert. Es wurde zudem robust verarbeitet, macht einen wertigen Eindruck und besitzt einen „japanischen“ Stil, der eher sachlich als „fancy bzw. „Boutique“) herüberkommt. Die Klinkenbuchsen für Ein- und Ausgang (6,3 mm) sowie die Buchse für die Stromversorgung wurden an der Stirnseite montiert. Die Stromaufnahme ist mit gerade einmal 85 mA recht bescheiden. Die Stromversorgung erfolgt erwartungsgemäß über die übliche 9-V-DC-Netzadapterbuchse, ein Batteriebetrieb ist nicht möglich. Die Potis laufen mit dem gewünschten leichten Widerstand, die Potiknöpfe besitzen den typischen BOSS-Stil, den man u. a. von unzähligen Gitarreneffektpedalen kennt.

Das Dreadbox-Pedal im Einsatz

Die Aktivierung des Effekts erfolgt erfreulicherweise relaisgesteuert, das bedeutet, der „Fußschalter“ ist in Wirklichkeit ein Taster, dessen Impuls die Umschaltung auf elektronischem Wege vornimmt (CMOS Bypass mit Soft-Touch-Schalter), somit ist kein Umschaltgeräusch (Knacken) wahrzunehmen. Ist der Effekt aktiv, wird uns dies durch eine kleine rote Leuchtdiode (3 mm) signalisiert. Ein kleiner Kippschalter entscheidet über die Betriebsart des Effekts. In der ersten Betriebsart arbeitet das Pedal als vollanaloger VCA-basierter Kompressor, Bandpass-Filter, in der zweiten Betriebsart als Lowpass-Filter mit Auto-Wah-Effekt. Die Overdrive-Schaltung (Kompression mithilfe von Dioden) wurde in der Signalkette hinter dem Filter  platziert. Das Eingangssignal erreicht bei Rechtsanschlag des LEVEL-Potis eine Pegelanhebung von maximal 18 dB. Möchte man das Kinematic-Pedal auch an Modularsysteme koppeln, stünden zu diesem Zweck drei Patch-Punkte zur Anbindung (Miniklinke) zur Verfügung.

Regler

Der kleine Kippschalter (Mitte, rechts) erlaubt die Auswahl zwischen den zwei soeben erwähnten Betriebsarten.

DRIVE

Mit diesem Regler kann das Eingangssignal mehr oder weniger komprimiert werden, man kann also angezerrte bzw. heftig verzerrte Klänge erzeugen. Der Charakter ist mit einem Fuzz-Effekt vergleichbar.

FILTER

Der Filter-Knopf bestimmt die Cutoff-Frequenz, besitzt jedoch auch weitere Funktionen. Steht der kleine Kippschalter auf der COMP-Stellung, boostet der Filter-Knopf die gewählte Frequenz. Man hat dann quasi ein Bandpass-Filter, das ähnlich wie bei einem Wah-Wah-Pedal einen bestimmten Frequenzbereich hervorhebt. Steht der kleine Kippschalter auf ENV FILTER, funktioniert der Filter-Regler als LOWpass-Filter, man kann also die beliebten Filtersweeps durchführen, die man von Synthies her kennt. Damit kann das Eingangssignal natürlich auch „ausgedünnt“ werden, indem man es von tiefen Frequenzen „befreit“.

DRIVE

Der DRIVE-Knopf bestimmt erwartungsgemäß den Grad der Kompression bzw. der Verzerrung, was sicherlich sowohl für den Einsatz mit Keyboards als auch mit einer Gitarre interessant sein dürfte.

LEVEL

… bestimmt die Ausgangslautstärke. Das Pedal kann problemlos Instrumenten- (Gitarre, Bass) und Line-Pegel (Keyboards, Synthies) verarbeiten. Steht der LEVEL-Regler ungefähr auf 12 h, erreicht man das sogenannte „unity gain“, was bedeutet, dass das Ausgangssignal mit aktiviertem Effekt etwa die gleiche Lautstärke wie das Bypass-Signal besitzt. Natürlich hat hier auch der DRIVE-Regler noch ein Wörtchen mitzureden, da er das Signal bei Bedarf auch ordentlich „anblasen“ kann.

ENVELOPE

Dieser Regler besitzt abhängig von der gewählten Betriebsart zwei Funktionen. Im Kompressionsbetrieb bestimmt er die Kompressionsrate, im ENV FILTER-Modus steuert er den Anteil (bzw. die Sensibilität) des Auto-Wah-Effekts. Er bestimmt also, wie heftig der Filtereffekt zu hören ist. Überschreitet das Eingangssignal eine bestimmte Lautstärkeschwelle, wird das „Wandern des Filters“ ausgelöst. Bleibt das Signal unterhalb einer gewissen Schwelle, reagiert das Filter entsprechend weniger heftig oder bleibt davon gänzlich unberührt.

Bedienungsanleitung

Die überschaubare und leicht verständliche Bedienungsanleitung umfasst lediglich zwei Seiten, weshalb wir sie euch an dieser Stelle kurz vorstellen, um zu demonstrieren, wie intuitiv das Pedal bedient werden kann:

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Dreadbox Kinematic Manual 1

Überschaubar erklärt, die Funktion der Bedienelemente

Dreadbox Kinematic, Manual 2

Grundeinstellungen für den schnellen Einstieg

Dreadbox Kinematic: Sound

Da die dreadbox Kinematic sich sowohl für den Einsatz mit Gitarre, Bass, Drumcomputern, Samplern, Keyboards und Synthies eignet, haben wir diese auch mit diversen Instrumenten getestet.

Kickdrum

Wir beginnen mit einer Bassdrum (und HiHat, die mono aus meinem BOSS RC-3 Looper ausgespielt wurden), die wir nun in der ersten Betriebsart (COMP) etwas „verbiegen“. Hierbei wurde die Filterfrequenz variiert und gleichfalls moderat mit dem DRIVE-Poti gespielt, um den Klang etwas satter zu gestalten. Es ist gut zu hören, wie das Filter die Resonanzfrequenz verschiebt bzw. die gerade eingestellten Frequenzbereiche heraushebt. In der Endphase des Klangbeispiels wird dann der Sound mit dem DRIVE-Regler komprimiert bzw. „angefettet“:

Drumloop

Auch ein Drumloop eignet sich gut zum „Verbiegen“. Wir hören die Loop (Länge ein Takt) zunächst ungefiltert. Anschließend hören wir vier verschiedene Filtereinstellungen. Hierfür wurde lediglich das Filter-Poti bewegt.

Im folgenden Video sehen wir, wie das bei den Kollegen klingt:

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Synthesizer

Als Klangquelle für das folgende Klangbeispiel diente mein alter (Ende der 90er gefertigte und mittlerweile als Vintage zu bezeichnende), analoger Waldorf Pulse. Über eine Subgruppe meines analogen Mischpults wurde das Signal (Moog-ähnlicher Bass) in das Pedal geschickt und in Logic aufgenommen. Im Verlauf des Klangbeispiels wurden lediglich die Parameter DRIVE und FILTER bewegt:

E-Bass

Auch mit einem E-Bass lassen sich abgefahrene Klänge erstellen. Wir hören einige Phrasen mit meinem Jazzbass, der direkt an den Eingang des Pedals angeschlossen wurde. Nach ca. acht Sekunden wird der Effekt aktiviert, der in diesem Beispiel sehr nach einem Auto-Wah klingt. Mit dem DRIVE-Regler wurde der Sound zusätzlich noch geringfügig „angefettet“.

E-Gitarre

Schließlich hören wir das Pedal mit einer cleanen Gitarre (funky, bluesy). Hier lassen sich mit Leichtigkeit typische „Wah-Wah-Sounds“ realisieren. Der Klang meiner Stratocaster ist zunächst clean zu hören. Nach einigen Sekunden wird der Effekt eingeschaltet, der gleichfalls Auto-Wah-mäßig eingestellt wurde. Nach 24 Sekunden wurde zusätzlich der DRIVE-Regler relativ weit aufgerissen, was den Ton deutlich schmutziger macht:

Insgesamt macht das Schrauben und die Klangverbiegung mit der Dreadbox KINEMATIC viel Spaß, da man im Handumdrehen mit inspirierenden Ergebnissen rechnen darf.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

Stratocaster / Jazzbass / Waldorf Pulse /Boss RC-3 Loop Station – Dreadbox Kinematic – Peavey Classic 20 MH – MESA/Boogie  x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Shure SM57 – Apogee Duett – Mac mit Logic.

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Fazit

Die Dreadbox Kinematic ermöglicht es, im Handumdrehen, sowohl Samples, Drumloops, Keyboard- bzw. Synthie-Klänge als auch z. B. Gitarren- und Bassphrasen ordentlich zu verbiegen, ihnen neues Leben bzw. einen interessanteren Charakter einzuhauchen und somit die eigenen Produktionen klanglich vom Gewohnten etwas abzuheben. Das Filter arbeitet ausgesprochen effektiv und ist intuitiv zu bedienen. Das Kinematic-Pedal ist sicherlich ein sehr ernstzunehmendes „Spielzeug“ für die Produktion und den Live-Einsatz.

Plus

  • Sound
  • Design
  • Verarbeitung
  • Intuitive Bedienung
  • vielseitig einsetzbar

Minus

  • ausschließlich Mono

Preis

  • 179,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Basicnoise  

    Klingt ziemlich gut. Aber ein weiteres und großes Minus ist für mich die nicht veränderbare Resonanz. Damit könnte man nochmal viel mehr raus holen.

  2. Profilbild
    Marco Korda  AHU

    Über Rauschen haben wir auch noch nicht gesprochen (leider) – das ist bei Pedalen nicht zu übergehen. Beim Sound bin ich nicht vor Begeisterung aus den Socken gesprungen, aber für die Preis darf man jetzt bei der (guten ) Ausstattung wohl auch keine Wunder erwarten. Ein solides Produkt, nach erstem Vernehmen.

    Ich würde mir bei Amazona-Tests eine Rubrik/Unterpunkt mit „Alternativen“ wünschen. Das wäre mal eine feine Sache!

  3. Profilbild
    fanatic  AHU

    Warum nicht Stereo, wenn auch Nichtgitarristen angesprochen werden sollen bleibt auch in diesem Fall eine X-Akte……

    • Profilbild
      Johannes Krayer  RED

      Gute Frage, sicherlich wären ein Resonanzregler und eine Stereo-Option für viele Anwender verständlicherweise wünschenswert. Leider sind solche Hardwaregeräte bzw. Pedale dann aber auch deutlich kostenintensiver.

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