Test: Dunlop Authentic Hendrix ’69 Pedals, Gitarren-Pedale

10. Dezember 2019

Hendrix Spirit auf kleinstem Raum

Einige Zeit war es still um Dunlop. Zuletzt hatten wir den MXR Clone Looper, ein feines, leistungsfähiges Looping-Pedal im Test, aber ein echtes, neues Top-Produkt haben Dunlop und MXR bislang zurückgehalten. Was ins Auge gefallen war: die farbenfrohen Mini-Pedale von MXR.
Es ist vielleicht zu weit gegriffen zu behaupten, dass MXR das Mini-Format von Pedalen salonfähig gemacht haben, aber auf fast jedem zweiten Mini-Board ist beispielsweise das MXR Carbon Copy Mini-Delay anzutreffen. Hat halt was, auf engstem Raum Vielfalt zu haben – soweit haben Dunlop mitgedacht und nun die Retro-Schiene aufs Neue entfesselt: vier neue Authentic Jimi Hendrix-Pedale, die bereits auf der Winter-NAMM vorgestellt worden waren. Scheint eine ganz beliebte Schiene zu werden, den Signature-Sound von berühmten Künstlern nun auch in Pedalform einfangen zu wollen. Ist das eher Gimmick, ohne echte Daseinsberechtigung? Bin mir im Vorfeld ehrlich gesagt nicht ganz sicher, denn billig sind die kleinen Teile trotz ihrer Größe nicht unbedingt. Wir haben uns mit allen vier Neuerscheinungen hingesetzt: Der Authentic Hendrix 69 Uni Vibe, der Fuzz Face, der Octavio Fuzz und den Band of Gypsy Fuzz. Dürfte also brutzeln, knistern und jaulen, was das Zeug hält. Jedes der vier Authentic Hendrix Pedale soll also eine bestimmte Facette des Hendrix-typischen Sounds abdecken. Gemeinsam erzeugen sie lückenlose Soundvielfalt – oder sind sie bis zu einem gewissen Grad redundant? Wo liegen die Überschneidungen?

Dunlop Authentic Hendrix ’69 – Psych Series Fuzz Face Distortion

Beim ersten Überblick wird zumindest schnell deutlich, worauf der Schwerpunkt bei der Authentic Hendrix-Reihe liegt: Fuzz in all seinen Facetten. Der Psych Series Fuzz Face Distortion dürfte das aggressivste und zugleich vielseitigste unter diesen Fuzz-Pedalen sein. Ausgestattet mit zwei Modi, die distinkt sind und gleichermaßen häufig von Jimi Hendrix verwendet wurden: Schneidender Crunch, gewonnen aus Silizium-Power sowie warmer, angezerrter, um nicht zu sagen smoother Germanium-Sound. Zwei Regler besitzt Psych Series Fuzz Face Distortion:

  • Volume lässt die Lautstärke des Output-Signals einstellen
  • Fuzz die Intensität der Verzerrung.

Darüber hinaus besitzt das Mini-Panel einen weißen Plastikknopf, der es einem erlaubt, zwischen beiden Modi hin- und herzuschalten. Sämtliche Pedale aus der Dunlop Authentic Hendrix-Reihe besitzen die gleichen Maße, wiegen 340 g und sind 90 x 40 x 55 mm groß – echtes Mini-Gehäuse also. Alle Pedale arbeiten mit True-Bypass. Nicht viel dabei also – im Lieferumfang enthalten sind noch die 9 Volt-Netzteile und darüber hinaus besitzen die Pedale bis auf den Fußschalter ansonsten keine Bedienelemente auf dem Panel.

Recht schnell wird klar: In der kleinen Box steckt ordentlich Power. Der Silizium-Sound schneidet ohne Ende und klingt in meinen Ohren ein bisschen nach einer Fuzz Factory von ZVex: ungemein dreckig und brutzelnd, ohne jedoch zuviel an Kontur einzubüßen. Ein sehr guter, für sich stehender Fuzz – unabhängig vom Hendrix-Nimbus.

Dunlop Authentic Hendrix ’69 – Octavio Fuzz

Einen Octaver-Fuzz im Retro-Look haben Dunlop bereits rausgebracht, doch diesmal bringen sie den Sound des Ganzen eben im kleinen Gehäuse unter. Kern des Octavio Fuzz: sein Silizium-basierter Sound, der sich im Grunde in keinster Weise vom originalen „Cheese Wedge“ Fuzz von Dunlop unterscheidet. Das originale batteriebetrieben Cheese Wedge war für seine Klobigkeit bekannt – damit ist nun Schluss. Auch das Panel des Octavio Fuzz ist extrem überschaubar:

  • Level für die Lautstärke des Output-Signals
  • Fuzz lässt einen das Ausmaß der Verzerrung einstellen.

Ziel und Zweck des Octavtio Fuzz ist zweifelsohne das Herauskitzeln jenen berühmten oktavierten Fuzz-Sounds, der bei Purple Haze und One Rainy Wish gleichermaßen zum Einsatz kam. Diese Iteration des Octavio Fuzz soll zudem mit einer besseren Anschlagssensitivität ausgestattet sein und so das Spielgefühl besser transportieren können. Auch beim Octavio Fuzz (wie bei allen anderen Authentic Hendrix Pedalen) greift übrigens auch wieder das doch sehr ansprechende, psychedelisch gehaltene Artwork von ILOVEDUST,

Und auch hier dominiert eine fuzzy Wand – im ersten Klangbeispiel ohne und im zweiten mit dem aktivierten Octaver. Im Gegensatz zum Fuzz Face ist der Octavio weitaus komprimierter – ein gated Fuzz, der bei erhöhtem Gain unheimlich durchschneidend erklingt.

Dunlop Authentic Hendrix ’69 – Band of Gypsys Fuzz

Während seiner Zeit bei der Band of Gypsys nutzte Jimi Hendrix auf der Bühne gut und gerne einen Fuzz, um den sich bis heute Mythen ranken. Aggressiver und bissiger als seine anderen Fuzz-Pedale auf der Bühne, kam das Pedal gut und gerne in den Crescendos der Jam-Sessions zum Einsatz, welche die Band of Gypsys häufig lostrat. Tatsache ist: Die Jahrzehnte verstrichen und niemand weiß bis heute so richtig, was für ein Fuzz-Pedal das eigentlich war. Den Jungs von Dunlop und MXR reichten jedoch die Aufnahmen, die von der Band of Gypsys existieren, um eins und eins zusammenzuzählen und dem Sound auf die Schliche zu kommen, den Jimi mit dem mysteriösen Fuzz-Pedal erzeugte. Auch hier ist das Panel überschaubar:

  • Output lässt die Lautstärke einstellen, mit der das Pedal sein Signal erzeugt.
  • Tone ermöglicht es, die Klangfarbe als solche einzustellen
  • Fuzz erlaubt es dem Spieler, die Stärke der Verzerrung einzustellen.

Wichtig zu wissen: Der Schaltkreis, auf den die Dunlop-Jungs den charakteristischen, mysteriösen Sound zurückführten, ähnelt sehr dem des Octavio Fuzz, nur ohne den Octaver-Effekt. Hier könnte sich also die Befürchtung der klanglichen Redundanz bewahrheiten.

Tatsache ist aber: Das hier ist der „Brutale“ unter den Vieren: Doomig, tiefenlastig, mit ordentlicher Oszillation und einem gepressten, drückenden Sound. Speziell bei höheren Lautstärken drückt und dröhnt es hier aus allen Ecken – man kann sich vorstellen, was hier im Bandkontext entfesselt werden kann. Im zweiten Klangbeispiel zeigen wir die Sensitivität der Dunlop Authentic Hendrix Pedale – die Responsivität ist ziemlich gut, der Silizium-Schaltkreis sorgt dafür, dass auch nur das schleichende Spiel gut transportiert wird.

Dunlop Authentic Hendrix ’69 – Uni-Vibe Chorus/Vibrato

Das einzige Modulationspedal der neuen Reihe, das jedoch ebenfalls nicht ohne ein bisschen Fuzz-Schmutz auskommt. Ob sinnvolle, klangliche Ergänzungen zwischen den vier Pedalen möglich sind, werden wir noch überprüfen. Was diesen Uni-Vibe von den unzähligen anderen Pedalen dieser Modulations-Klasse abheben soll, ist in der Tat der dichte, fast schon sirupartige Vibe-Sound, den Hendrix mit Band of Gypsys aufs Band brannte und dessen Charakter am ursprünglich von Jimi genutzten Shin-Ei-Vibe-Pedal angelehnt ist. Das Bedienpanel lautet wie folgt:

  • Speed stellt die Modulationsgeschwingigkeit ein
  • Level ermöglicht das Einstellen der allgemeinen Lautstärke des Outputs
  • Depth lässt einen die Intensität des Effektes einstellen.

Für den Preis befinden sich entsprechend zwei Modi in dem Pedal, die durch den kleinen Vibe-Plastikknopf angewählt werden können. Chorus oder Vibrato stehen zur Verfügung und beide sollen einen entsprechend dichten, warmen Sound bereitstellen, auch angelehnt am originalen Leslie-Sound.

Ein bisschen angespielt und man hat tatsächlich das Gefühl, dass es aus dem Laney Verstärker nur so raustropft. Dunlop ist tatsächlich ein verdammt gutes Uni-Vibe-Pedal gelungen, das weitaus wärmer, authentischer und voller anmutet als unzählige Engines, bei denen der Univibe nur eine der vielen Unteroptionen ist. Wer auf den Univibe-Effekt steht und bereit ist für eine Modulation gesondert Geld auszugeben, hat hier einen würdigen Anwärter mit herausstechendem, warmem Analog-Charakter.

Dunlop Authentic Hendrix ’69 – Gemeinsam stark?

Beim Anspielen wurde recht schnell deutlich, dass sich die Pedale zum Teil dann doch stark überschneiden in ihrem Klangverhalten. Sollte nicht überraschen – gleich drei der vier Pedale sind Fuzz-Pedale und entsprechend sind die Unterschiede in erster Linie auf die Silizium- oder Germanium-basierte Bauweise zurückzuführen. Dennoch wurde im Vorfeld der Eindruck vermittelt, dass mit diesen vier Pedalen zusammen ein lückenloses, umfassendes Klangbild gegeben ist, das ungemein inspiriert und ein breites Spektrum abdeckt. Das ist definitiv nicht gegeben. Mein Vorschlag: Das distinkte, große Klangverhalten des Uni-Vibes ist den Kauf wert, in Ergänzung eines der oberen drei Fuzz-Pedale. Der Gypsy-Band brettert und ist ungemein bissig und hart, während der Octavio zwar den Octaver-Effekt bedient, aber ein bisschen schwach auf der Brust klingt, zumindest im unmittelbaren Vergleich mit dem Fuzz Face und dem Gypsy Fuzz. Das blinde Zulegen einer „Hendrix-Wand“ wäre in diesem Falle also nicht zielführend.

Fazit

Überrascht muss ich feststellen, dass hier mehr als nur Gimmick und Marketing-Trick passieren – jedes der vier Dunlop Authentic Hendrix-Pedale hat seine Daseinsberechtigung. Guter Fuzz ist heiß begehrt und tatsächlich sind alle drei Fuzz-Pedale im oberen qualitativen Drittel dessen anzusiedeln, was diesbezüglich auf dem Markt ist. Und der Uni-Vibe klingt schlichtweg großartig. Man darf sich also bei dem Preis vom Mini-Gehäuse nicht zu sehr abschrecken lassen – wer guten, authentischen Fuzz-Sound sucht, kann für den Preis hier beruhigt zugreifen. Je nachdem, was man genau sucht, liegt es nahe, zwischen dem Fuzz Face, Octavio und Gypsy Fuzz zu entscheiden – Germanium und Silizium-Bauweise in einem, transparenter Octaver-Effekt oder brutzelnder, gated Sound – ihr entscheidet.

Plus

  • klanglich satt und fett
  • gute Responsivität
  • Mini-Gehäuse macht was her

Preis

  • Octavio Fuzz: 169,- Euro
  • Fuzz Series Distortion: 169,- Euro
  • Univibe: 169,- Euro
  • Band of Gypsys Fuzz: 169,- Euro
Klangbeispiele
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      Dimi Kasprzyk  RED

      Hey Wellenbad

      Da kannst du zu 100% von ausgehen, dass wir uns das Synesthesia ansehen werden. Sehr gespannt!

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