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Test: Dunlop Jimi Hendrix Fuzz Face & Mini, Distortion-Pedal

22. Mai 2021

Jimi Hendrix Sound aus einem kleinen blauen Ufo

„The Authentic Hendrix Analog Series“. Eine Beschreibung, um Seiten zu füllen … Hinter dem ausladenden Namen verbirgt sich eine Kleinauflage von 3 Bodenpedalen, dem Dunlop Cry Baby WahWah, dem Octavio und dem hier vorgestellten Jimi Hendrix Fuzz Face JH-F1. Es handelt sich dabei um eine detailliert nachempfundene Kopie des Dallas Arbiter Fuzz Face von 1969, welches Hendrix z. B. sehr intensiv auf dem Album Band Of Gypsys nutzt. Alle Konstruktionsmerkmale entsprechen bis aufs Kleinste den originalen Vorgaben vor ca. 40 Jahren, ein Merkmal, das sich durch die gesamte Authentic-Serie zieht. Übernommen wurden auch einige zuweilen sehr „ungestüme“ Detaillösungen bzw. ein paar grobschlächtige Erscheinungsmerkmale, die auf den ersten Blick etwas verwirrend wirken, jedoch auch das heimelige Flair einer ambitionierten Bastelarbeit versprühen. Wer sich einmal die manchmal abenteuerlich anmutende Verkabelung von Hendrix Stage-Setup angesehen hat (ich sage nur: Spiralkabel auf Zug zwischen zwei Marshall Heads zur Parallelschaltung gespannt) kann problemlos abstrahieren, wie die Custom-Bodenpedale in das allgemeine Erscheinungsbild des Künstlers passten.
Übrigens, wer bisher noch nicht wusste, woher der Jargonname „Tretmine“ für Bodenpedale stammt, bei dem Fuzz Face muss man nicht lange nach der Erklärung suchen …

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Konstruktion des Dunlop Jimi Hendrix Fuzz Face

Ok, die Amis sind ja zuweilen schon ein lustiges Völkchen, aber der Mega-Smilie, der dich den gesamten Auftritt lang in einer vollen Breitseite angrinst, hat es schon in sich. Selten, besser gesagt nie, ist mir ein optisch exaltierteres Bodenpedal untergekommen. Bei soviel Freundlichkeit, die am Boden vor dir liegt, fällt es einem regelrecht schwer, dem Probanten regelmäßig zwecks Aktivierung ins Gesicht zu treten, obwohl er trotz übelster Behandlung fleißig weiter lächelt. Ich muss mich regelrecht zwingen, den Schalter zu betätigen.

Kreisrund wie ein Diskus kommt das Fuzz Face daher, eingehüllt in eine aufwändige Hammerschlaglackierung, Farbrichtung blau-türkis. Als einzige Regelmöglichkeiten sind 2 Potentiometer Volume und Fuzz ausgeführt. Das Gerät verfügt zudem über einen stabilen True-Hardware-Bypass. Um dem Schuh etwas mehr Grip zu vermitteln, wurde um den Schalter herum eine geriffelte, angenehm weiche, kleine Gummimatte mit eingelassenem Schriftzug aufgeklebt. Die Stirnseite verfügt über die Input- und Output-Buchsen, das war es! Kein Netzgeräteanschluss, kein Klangregler oder sonstige Ergänzungen, Replika pur! Um die Batterie zwecks Spannungsversorgung zu platzieren, muss man eine auf der Unterseite des Pedals mittig platzierte ca. 3 cm lange Kreuzschraube lösen. Nach Lösen offenbart sich ein sehr spartanisches Innenleben in PTP-Handverdrahtung, sauber verlötet und übersichtlich angeordnet. Etwas lieblos wirkt die Batteriehalterung, besteht sie doch nur aus einer Mini-Metallwand und einem Schaumstoffpolster auf der Innenseite der Bodenabdeckung, das die Batterie mit leichtem Druck notdürftig fixiert. Auch wenn es etwas krude wirkt, es funktioniert. Wie gesagt, Replika pur …

Deutlich günstiger, aber nicht weniger „effektiv“, die Mini-Version.

Das Gehäuse besteht aus ca. 4 mm dickem Stahlblech und darf damit in die Rubrik „ultrastabil“ eingeordnet werden. Hat man die Batterie fixiert, darf man zum allseits beliebten Fummelspiel „Schraube sucht Loch“ antreten. Eine etwas nervige Geduldsprobe, von daher ist es wärmstens zu empfehlen, den Batteriezustand in regelmäßigen Abständen, insbesondere vor Shows, zu prüfen. Ein spontaner Batteriewechsel auf dem eigenen Floorboard in einer Spielpause kann sonst schon mal zu wüsten Tobsuchtsanfällen führen. Glücklicherweise hat das Fuzz Face eine sehr geringe Stromaufnahme, was die Lebensdauer der Batterie deutlich über dem Standard rangieren lässt. Trotz Heavy-Duty-Stahlblech sollte das Fuzz Face für den Transport auf einem entsprechenden Board oder anderweitig in einem passenden Transportbehältnis fixiert werden. Die beiden Potentiometer stehen dermaßen keck aus dem Gehäuse hervor, dass zum Beispiel nicht fixierte Pedale oder andere harte Gegenstände aus dem berüchtigten „Alles-was-der-Sechssaiter-noch-so-braucht-Transportsack“ den Potiachsen den Garaus machen können. In Sachen Standfestigkeit geben drei geschraubte Gummifüße dem Pedal den nötigen Halt.

Dunlop Jimi Hendrix Fuzz Face Mini

Seit einiger Zeit gibt es nun auch den Nachfolger im handlichen Mini-Gehäuse. Klang und Bauart entsprechen dem großen Modell, nur ist eben alles ein weniger kompakter geworden. So auch der Preis. Der Mini geht nämlich aktuell für 136,- Euro über den Ladentisch.

Zum Verwechseln ähnlich, die Mini-Version der Replik

Der SOUND der Replik

Kernstück der Klangerzeugung des Fuzz Face ist ein BC 108 Silizium-Transistor, eben jener Transistor, der Hendrix Ende der Sechziger seinen charakteristischen Fuzz Face Sound gab. Schaltet man das Pedal ein, ist selbst bei Linksanschlag des Fuzz-Reglers bereits eine recht ausgeprägte Zerre zu vernehmen, die sich recht gleichmäßig über 90 % des Regelweges fortsetzt. Kurz vor Rechtsanschlag scheint dann der Transistor plötzlich regelrecht zu explodieren, wird extrem höhenreich, nimmt an Volume deutlich zu und verpasst dem Sound eine massive Fuzz-Ladung, eben jenen charakteristischen Kratzer, der den Fuzz von seinen Zerr-Kollegen Overdrive und Distortion so massiv unterscheidet. Das ist das Schöne an den analogen unlinearen Pedalen und Amps. Immer wenn du denkst, du hast alle Settings durch, verdreht man manchmal auch aus Versehen einen Schalter und erreicht eine Interaktion in völlig anderen Bereichen des Klangformers und der Sound ändert sich wiederum völlig. Expedition ins Klangreich, man weiß nie, was hinter der nächsten Ecke an Sounds lauert.

Das Einsatzgebiet des Fuzz Face bleibt auf einen cleanen, maximal leicht angezerrten und leicht komprimierenden Amp beschränkt. Mittlere bis hohe Gain-Ansätze moderner Verstärker quittiert das „Fusselgesicht“ mit einem Übermaß an Rauschen und undifferenziert Noise-Orgien, die nicht einmal mehr bei den Smashing Pumpkins als Kunst gewertet werden würden. Interessant auch die Interaktion mit einem WahWah, versucht mal die Verschaltung Wah > Fuzz oder auch Fuzz > Wah zu wechseln, man glaubt nicht, was für klangliche Unterschiede sich aus einem simplen Tausch der Pedal-Reihenfolge ergibt. Anhand des intensiven Verzerrungsgrades, den nahezu alle Verzerrer dieser Dekade aufweisen, erkennt man sehr leicht, dass die Amplifier der damaligen Zeit immer noch primär für einen cleanen Sound ausgelegt waren. Selbst Protagonisten wie der Marshall Full- Stack konnten auch bei Volllast aufgrund ihrer Auslegung nur einen (ohrenbetäubenden) Crunch erzeugen. Singende Leadsounds waren ohne Hilfsmittel wie zum Beispiel das Fuzz Face undenkbar. Einhergehend mit dem harschen Grundklang eines Fuzz müssen die Verzerrungsorgien, die Hendrix und seine Kollegen damals von der Bühne feuerten, den damals vorherrschenden Hörgewohnheiten wie ein einziges Inferno vorgekommen sein. Damals konnte man noch optisch und akustisch provozieren, Revolution war noch manifestierbar, heute kannst du keinen 10-Jährigen mehr mit Slipknot erschrecken, der hält die Maskenmannschaft höchstens für eine Comedy-Truppe einer Standup-Comediean-Show aus dem RTL 2 Fundus.

Dunlop Jimi Hendrix Fuzz Face auf YouTube

Der große Bruder mit seinem kleinen Ableger im direkten Soundvergleich:

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Fazit

Über die Optik kann man streiten, über den Klang nicht. Wer dem klassischen Sound der Sechziger im Hendrix Stil oder auch frühen Black Sabbath frönen will, kommt um den kantigen Matsch eines Fuzz nicht herum. Das Dunlop Fuzz Face besitzt trotz marginaler Regelmöglichkeiten alles, was es für einen LSD geschwängerten Sound braucht und es kommt mit einzigartiger respektive polarisierender Optik daher. Schönes Teil, es wird seine Fans finden.

Zu den Soundfiles: Die gesamte Verzerrung kommt tatsächlich ausschließlich vom Fuzz Face, den clean eingestellten Amp kann man im ersten Soundbeispiel hören.

Plus

  • Sound
  • Authentizität

Preis

  • Dunlop Jimi Hendrix Fuzz Face, 193,- Euro
  • Dunlop Jimi Hendrix Fuzz Face Mini, 136,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Enterprising  

    Danke für den Test! Klingt wirklich gut das Teil. ABER: Was für eine Scheußlichkeit!!! Ich will sowas niemals täglich sehen müssen. Blauer Hammerschlag-Lack und dann noch mit diesem ätzendem Grinsegesicht? Da kam mir direkt ein infantiles „Furzgesicht“ in den Sinn. Da lob ich mir ordentliches Produktdesign. Meine Meinung und jedem das Seine.

  2. Profilbild
    Jan Steiger  RED

    Also ich find ja den cleanen Ampsound am Geilsten 😂
    Aber Fuzz war nie so meins. Vielleicht zu wenig gekifft? Aber schöner Test!

  3. Profilbild
    Sven Blau  

    Der Inbegriff der Tretmine. Tolles Industriedesign. Jemand der sich nicht auskennt hält es vermutlich wirklich für eine Mine :D

  4. Profilbild
    fanatic  AHU

    Der look ist magnificent

    ich muss Jan recht geben, clean klingt in den Beispielen am Besten, der Rest zu diffus

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