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Test: JHS Legends of Fuzz, Verzerrer-Pedale

13. Oktober 2020

JHS' Lehrstunde in Fuzz-Geschichte

Mal ehrlich – gibt es eine Firma, die ihre Liebe zum musikhistorischen Erbe von Pedals besser und sympathischer zum Ausdruck bringt als JHS Pedals? Es fallen mir ehrlich gesagt nur wenige Namen ein. JHS Pedals – das ist eine illustre Truppe, welcher der Gründer Joshua Heath Scott voransteht. Joshua hat ein recht sensationelles Händchen für das, was der Pedalmarkt braucht. Zugegeben – man darf keine bahnbrechenden Innovationen erwarten, aber die Firma versteht sich darauf, Charakter zu verkaufen. Darüber hinaus ist Joshua einfach ein Nerd, dessen umfangreiches Wissen zur Gitarren- und Pedal-Welt dazu führt, dass die Firma immer wieder mal geschichtsbewusste Ausflüge wagt. Vintage-Nostalgie wirkt schnell schal und es ist nicht immer glaubwürdig, wenn Hersteller auf dieses Gefühl setzen, um ein Produkt zu verkaufen. Doch JHS kauft man es einfach irgendwie ab. Das PG-14 gefiel uns gut, die Colour Box V2 ist ein völlig einzigartiger Vintage-Preamp und Pedale wie das Bonsai sind inzwischen einfach Kult.

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Außerdem entstand die Firma aus der Leidenschaft eines einzigen Mannes heraus und solche Storys liest man immer gerne. Zugegeben, in der Welt des Gitarren- und Pedalbaus sind individuelle Leidenschaften oftmals der Ausgangspunkt solcher Geschichten, das macht JHS nicht einzigartig. Aber das Team rund um Josh ist ein verlässlicher Anker, der etwas besser macht als alle anderen Pedal-Firmen: zurückblicken und aus dem reichen Erbe der Pedalgeschichte Neues basteln. Modern Pedal-Vintage, built in Kansas, USA? Ein Stück weit, ja. Aber angestaubt ist hier nichts, was der vorliegende Test mal wieder beweist: Die Legends of Fuzz-Serie ist gewissermaßen ein Projekt, das für JHS nicht typischer sein könnte.

JHS Legends of Fuzz – Vintage Fuzz und Old School Distortion

Was ist die Legends of Fuzz-Serie? Vier Fuzz-Pedale, die uns allesamt vorliegen und die von Joshua und seinem Team exakt nach geschichtlichen Vorbildern nachgebaut wurden. Die experimentellen 60er- und 70er-Jahre brachten unzählige Fuzz-Pedale hervor, die inzwischen hoch gehandelt werden und nur noch schwer zu bekommen sind. JHS Pedals sind der Meinung, dass der Sound vieler solcher Pedale unbedingt bewahrt werden muss und wurden entsprechend aktiv. Vier Pedale umfasst diese Reihe:

  • Das JHS Pedals Supreme
  • Das JHS Pedals Crimson
  • Das JHS Pedals Bender
  • Das JHS Pedals Smiley

Die Pedale besitzen ein einheitliches Design, sind schnörkellos und in einem stabilen Metallgehäuse verbaut. Für alle Pedale gilt: Ein Netzteil ist im Lieferumfang nicht enthalten, aber gespeist werden sämtliche der Pedale der Reihe mit dem regulären 9 Volt Netzstecker. Kein CV, natürlich kein MIDI, keine unnötigen Schnörkel. Die mit den Abmessungen 144 x 92 x 51 mm ausgestatteten, am Frontpanel schräg abfallende Gehäuse beinhalten Geschichte, die man möglichst originalgetreu tonal abbilden will. Das ist also das zentrale Anliegen: authentischer Vintage-Fuzz und so darf man keine große Menge an Features erwarten. Zwei 6,3 Klinkenbuchsen für Input, Output, True-Bypass, Stromstecker und ein roter Mode-Knopf, auf den wir zu sprechen kommen werden – that’s it. Wir haben uns die Legends of Fuzz-Serie angesehen und mithilfe des REVV G20 ausführlich getestet.

JHS Pedals Legends of Fuzz – Supreme Fuzz

Den Anfang macht das Supreme Fuzz. Das geschichtliche Vorbild hierbei ist der Shin-Ei-Super-Fuzz, der die klassischen Octave-Sounds produziert, die den Sound der Neo-Krautrock Bands à la White Stripes zuletzt definierte. Der japanische Ur-Fuzz terrorisierte Anfang der 70er in der Black-/Gray-Reihe mit schreienden Octave-Fuzz die Bühnen und kam als Superfuzz bzw. Ultravox Ende der 70er in den USA an. Der Sound fiel den ersten wirklichen Grenzgängern des Grunge wie Mudhoney in die Hände und ist seit jeher Kult. Hier gibt’s keinen warmen Germanium-Fuzz-Sound, sondern eine brutale Mitten-Attacke. Zwei Regler hat der Supreme Fuzz:

  • Volume: für die allgemeine Lautstärke des Outputs
  • Expand: für die allgemeine Verzerrung des Signals

Hinzu kommen zwei rote Schalter auf der linken Seite, die dem puristischen Prinzip zumindest ein bisschen Flexibilität verschaffen: Der Mode-Schalter betont die beigemischte Oktave, das heißt, es wird lauter, mittiger. Der Tone-Regler macht das Gegenteil: Er sägt die Mitten ordentlich ab, sorgt dafür, dass der Sound des Supreme Fuzz ein bisschen breitflächiger wird – dunkler Mid-Scoop Sound eben, der mit dem Octave Effekt zusammen klanglich stark agiert.

Mein Favorit der Legends of Fuzz-Reihe – der Supreme Fuzz liefert einen erstklassigen, saturierten Fuzz-Sound. Bissig, aber warm und voll. Hier wurde die exakte Replika eines Super-Fuzz 1972 umgesetzt. Die Fender Jazzmaster 60s, mit der wir die Beispiele aufnehmen, ist das perfekte Saiten-Pendant für diese Verbeugung vor der japanischen Experimentierfreudigkeit der 60er-Jahre.

JHS Pedals Legends of Fuzz – Smiley Fuzz

Bitte lächeln: Das Smiley Fuzz ist nichts weniger als die exakte Kopie des originalen Fuzz Face. Dieser Silizium Fuzz ist im Gegensatz zum Supreme ein bisschen transparenter und dynamischer. Ein Pedal, das vor allem auf das Volume-Poti eurer Gitarre reagiert. Das Original entstand um 1966 herum aus den Händen von Ivor Arbiter und hat auch seitdem viel in der aktuellen Musikszene des Rock Anwendung gefunden: Die Black Keys nutzen den Fuzz Face gut und gerne, ebenso Jack White in seinen Soloprojekten und Josh Homme. Auch hier gilt wieder: Weniger ist mehr. Genau wie beim Original, gibt das Pedal auch hier nur zwei Regler her:

  • Volume: zuständig für die allgemeine Lautstärke des Output-Signals
  • Fuzz: Grad der Verzerrung des Pedals

Weil Joshua natürlich ein bisschen modifizieren muss, gibt es auch hier ein kleines Addendum, das das Smiley Fuzz vom Original Fuzz Face unterscheidet: Der rote Knopf auf der linken Seite, der in diesem Falle einen ordentlichen Gain-Boost aktiviert.

Der Silizium-Sound dieser Fuzz Face Kopie klingt originalgetreu, harsch, bissig und die Reaktivität des Pedals, die wir mithilfe des Volume-Potis der Fender austesten, spricht für die Verarbeitungsqualität des Pedals. Das Erfreuliche dabei: Das Höhenlastige vieler Silizium-Fuzz-Pedale, die den Sound bisweilen sehr harsch und unerträglich klingen lassen, wird hier durch ein volles Low-End ausgeglichen. Der Gated-Mode, der im vierten Beispiel demonstriert wird, funktioniert ebenfalls blendend.

JHS Pedals Legends of Fuzz – Bender Fuzz

Vorbild für den Bender Fuzz war der Silver/Orange Tonebender aus dem Jahre 1973 – und zwar der MK3. Das gilt es zu betonen, denn von kaum einem Fuzz-Pedal gab es in den 60ern so viele Iterationen wie vom Tonebender. Von Jeff Beck bis My Bloody Valentine kam der Tonebender in fast jeder Richtung des Rock früher oder später zum Einsatz, sei es Shoegaze oder Krautrock: Alle machten Bekanntschaft mit dem reichen, saturierten Fuzz-Sound des Tonebenders. Aus der Legends of Fuzz-Reihe das klanglich flexibelste Pedal, das auch mit drei statt zwei Reglern auskommt:

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  • Volume: regelt die allgemeine Lautstärke eures Output-Signals
  • Tone: Klangfarbeneinstellung und EQ für den Charakter des Sounds
  • Attack: das Ausmaß an Verzerrung, das ihr wollt, lässt sich hierüber einstellen.

Auch hier wieder: rote Knöpfe für den JHS-Touch. In diesem Falle gibt es einen ordentlichen Mitten- und Gain-Boost.

Diese Replika des Tonebender 1973 ist die vielleicht Flexibelste in der Legends of Fuzz-Serie. Das Klangspektrum durch den Tone-Regler ist hier beachtlich. Ein tiefer, saturierter Sound wie im ersten Beispiel, kann einen sehr Led Zeppelin/Jimmy Page-mäßigen, weichen Fuzz-Sound mit ordentlich viel Höhen wie vierten Beispiel gegenübergestellt werden – der Bender hat meines Erachtens von den vieren am ehesten das Potential zum Dauerbrenner zu werden.

JHS Pedals Legends of Fuzz – Crimson Fuzz

Das Bender, Smiley und das Supreme bedienen die 60er und 70er, doch der Crimson ist an einem Kultobjekt aus den 90ern angelehnt. Der „russische Big Muff“, wie er gerne genannt wird, war die Weiterentwicklung des Red Armey Overdrives von Sovtek und im Grunde genommen der Vorläufer des inzwischen legendären Big Muffs aus dem Hause Electro Harmonix. Das Besondere hierbei war, dass es eben für einen kurzen Zeitraum eine russische Auflage gab, die – und das ist das alte Gesetz von der Legendenbildung durch Mangel – sehr limitiert und entsprechend heiß begehrt war. Worin unterschied sich diese russische Version? Wärmer Sound, mehr Transparenz, mehr Reaktivität. Auch hier hat man es wieder mit einem extrem charakteristischen Fuzz-Sound zu tun, den viele von euch von Gilmour, den Smashing Pumpkins oder gar Thursten Moore von Sonic Youth kennen dürften. Drei Regler gibt es beim Crimson Fuzz:

  • Volume: für die Lautstärke eures Signale
  • Tone: Klangfarbe und ein rudimentärer EQ
  • Distort: Der Zerrgrad des Fuzz-Pedals wird hierüber eingestellt.

Einen Boost für die Mitten gibt es oben drauf durch den kleinen roten Knopf auf der linken Seite des Crimson Fuzz-Pedals. Auch hier also wagen wir den Versuch und spielen uns durch mehrere Einstellungen des Pedals mithilfe des Revv G20 und den Two Notes Cab Simulationen:

Darf es ein bisschen brachialer sein? Der Crimson ist wie erwähnt die exakte Replik des Red Army Overdrive. Dunkel, wenn er muss, fühlt sich der Crimson jedoch am ehesten bei den Mitten zuhause. Der organische Frequenz-Peak liegt ganz klar bei dort und harmoniert prächtig mit dem Bridge-Pickup. Doch zeigt sich im letzten Klangbeispiel, dass der Crimson ein brachiales, muffiges Klangbild von allen Legends am besten beherrscht – da wackeln die Wände.

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Fazit

Gratulation, JHS Pedals. Es bedarf eben einer besonderen Firma, ein derartiges Unterfangen wie die geschichtliche Konservierung von Fuzz-Klassikern so gekonnt und mit Bedacht umzusetzen, dass daraus keine müden Vintage-Mühlen werden, sondern brauchbare, bisweilen fantastische Fuzz-Geräte, die Geschichte authentisch machen. Der 90s Russian Muff-Ableger Crimson, der saturierte Allrounder Bender, die warme Germanium-Kopie des Supreme sowie der bissige Fuzz-Face Smiley – man möchte JHS Pedals für dieses inspirierende, geschichtsbewusste Unterfangen danken.

Preis

  • je ca. 220,- Euro
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