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Vintage Digital: E-MU Vintage Pro Synthesizer (2002)

Der Vintage-Pro ist nun selbst Vintage

9. August 2025
E-MU Vintage Pro Synthesizer Expander

E-MU Vintage Pro Synthesizer Expander

Der E-Mu Vintage Pro erschien 2002 als Nachfolger der Modelle Vintage Keys und Vintage Keys+. Als dritter Vertreter dieser Reihe spezialisierte sich das 1 HE-Rack-Modul auf Klänge klassischer Keyboards und Synthesizer aus den 60er-, 70er- und 80er-Jahren. Gegenüber seinen Vorgängern bot der Vintage Pro erweiterte ROM-Kapazitäten, 128-stimmige Polyphonie und eine deutlich größere Auswahl an Presets.

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Gehäuse und Haptik

Der E-Mu Vintage Pro präsentiert sich in einem schwarz-silbernen 19″-Gehäuse mit vier Moog-inspirierten Drehreglern und einem zentralen Jog-Wheel zur Steuerung der Parameter. Das grün beleuchtete, zweizeilige Display ist funktional gehalten und passt zur bewusst reduzierten Vintage-Ästhetik des Gerätes.

Anschlüsse des E-Mu Vintage Pro

Der E-Mu Vintage Pro verfügt über zwei MIDI-In/Out-Sektionen (A und B) und kann somit Daten auf bis zu 32 MIDI-Kanälen empfangen. Sechs Audioausgänge stehen zur Verfügung: Main L/R sowie Sub 1/2 und Sub 3/4 – wobei Sub 1/2 als Inserts ausgelegt sind, etwa für externe Effektgeräte. Zusätzlich ist eine digitale S/PDIF-Schnittstelle vorhanden. Technologisch basiert der Vintage Pro auf der dritten Generation der Proteus-Engine.

Polyphonie und Klangvorrat

Das 128-stimmige Modul richtete sich an Musiker, die authentische Vintage-Klänge in einem kompakten Rack-Gerät suchen: E-Pianos wie Rhodes oder Wurlitzer, Orgeln (z. B. Hammond), Clavinets sowie Emulationen klassischer Synthesizer von Moog, Oberheim, Yamaha – bis hin zu Drumcomputern wie TR-808 und TR-909. Die vier zuweisbaren Drehregler lassen sich auf 12 Parameter umschalten und ermöglichen eine flexible Echtzeitsteuerung, inklusive MIDI-CC-Ausgabe.
Die 512 Presets (256 Werk, 256 User) sind thematisch nach Instrumentengruppen gegliedert und verzichten konsequent auf GM-Strukturen.

Spielmodi des E-Mu Vintage Pro

Der E-Mu Vintage Pro bietet neben dem Single- und Multimode auch Arpeggiator- und Performance-Modi. Im Multimode lassen sich bis zu 32 Instrumente gleichzeitig nutzen und individuell auf den Audio-Ausgängen zuweisen. Der Arpeggiator ist funktional umfangreich ausgestattet, orientiert sich jedoch klar an klassischen Vorbildern. Im Performance-Modus lassen sich Patterns einzelnen Tasten zuweisen – synchronisiert entweder zur internen Clock oder zu einem externen MIDI-Taktgeber.
Mitgelieferte Styles decken Genres von Jazz über Drum’n’Bass bis hin zu elektronischen Patterns ab. Darüber hinaus können bis zu 100 eigene Patterns mit maximal 32 Steps programmiert werden, inklusive Step-spezifischer Parameter wie Keyoffset, Velocity, Duration oder Repeat – ein Verfahren, das stark an klassische Step-Sequencer erinnert, heute aber technisch überholt wirkt.

Ein praxisrelevantes Feature ist die temposynchrone Anpassung von Hüllkurven an eine definierte BPM-Zahl (Tempo Based Envelopes). Diese Funktion reduziert manuellen Anpassungsaufwand und erleichtert das Arbeiten bei nachträglich verändertem Songtempo.

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Klangprogrammierung

Die modulare Struktur des E-Mu Vintage Pro ermöglicht die Zuordnung von bis zu 35 Patchcord-Zielen, die über virtuelle Kabel mit verschiedenen Modulationsquellen verbunden werden – darunter MIDI-Controller, interne Hüllkurven, LFOs oder Pedale. In puncto Flexibilität zeigt sich das Gerät von seiner starken Seite. Das beiliegende Handbuch bietet eine fundierte Einführung in die Grundlagen der Klangsynthese.
Ein zentrales Highlight ist die umfangreiche Filtersektion mit 50 Filtertypen in zwölf Kategorien, darunter LPF, HPF, EQ, VOW, FLG, REZ, WAH und DST. Einige dieser Filter liegen als 12th-Order-Versionen vor, die bei Verwendung allerdings die Polyphonie deutlich reduzieren können. Zu jedem Filtertyp findet sich im Handbuch eine kurze Beschreibung, was die gezielte Auswahl spezifischer Klangcharakteristika erleichtert.

Auch besondere Features wie benutzerdefinierte oder mikrotonale Stimmungen werden unterstützt – etwa eine 19-Ton-Skala. Bis zu zwölf eigene Temperierungen lassen sich im Gerät speichern.

Effekte

Das interne Effektboard stammt aus der Proteus-Serie und bietet zwei Effektblöcke: Block A für Reverb und Delay, Block B für Modulation und Distortion. Während die Modulationseffekte klanglich überzeugen, bleiben die Reverbs vergleichsweise flach und besitzen wenig räumliche Tiefe. Vier Send-Wege ermöglichen ein flexibles Routing – unter anderem das Einschleifen externer Effektgeräte über die rückseitigen Sub-Ausgänge. Auch weitere Synthesizer lassen sich so unkompliziert über den Main-Out mitführen.

Klangqualität

Wie alle E-Mu ROM-Expander, bietet auch der Vintage-Pro einen ganz eigenen, charakteristischen Klangcharakter. Teils wurde mit den Programmiermöglichkeiten des Vintage-Pro echt abgefahrenes Sounddesign gemacht. Es gibt aber auch vieles, was man dem Kategorie Brot- und Butter-Sounds zuordnen kann.

Trotzdem gehören die Digital-Filter der Serie (die auch in den E-Mu IV Samplern enthalten sind), zu den spannendsten VA-Filtern am Markt. Spannend im Sinn von „musikalisch und unverkennbar E-Mu.

Keyboard Variante

Parallel zum Rack-Modul erschien auch eine Keyboard-Version unter dem Namen E-Mu Vintage Keys Keyboard. Sie basiert auf derselben Klangerzeugung wie der Vintage Pro und bietet eine anschlagsdynamische 61-Tasten-Tastatur mit Aftertouch. Ausstattung und Funktionalität entsprechen weitgehend dem Expander-Modul, ergänzt um zusätzliche Performance-Controls, die vor allem für den Live-Einsatz konzipiert sind.

ROM-Board zum Einbau in andere Emu-Synthesizer

Das Vintage Collection Expansion ROM (auch „Vintage ROM“ oder AP12068‑23 Vintage Collection 32 MB genannt) ist das separate Soundboard, das mit dem Vintage Pro Soundset geliefert wird und auch einzeln verkauft wurde – kompatibel mit den meisten E‑Mu Proteus-2000‑Klasse Geräten.

Diese Expansion-Karten (32 MB ROM) passen in folgende E‑Mu Expander und Synthesizer – und machen sie so zur Alternative zum Vintage Pro/Vintage Keys Pro:

  • Proteus 2000
  • Proteus 1000
  • Xtreme Lead‑1 (XL‑1)
  • Mo’Phatt
  • Virtuoso 2000
  • B‑3 Tonewheel Organ Module
  • Orbit 3
  • Planet Earth
  • Vintage Pro selbst
  • Command Station / Drum‑Station Modelle (MP‑7, XL‑7, PK‑6, MK‑6, XK‑6, Halo)
  • Vintage Keys Keyboard (nicht die ältere Vintage Keys Rackversion)

Ich selbst besitze zwei der Command-Stations von E-Mu und habe darin je vier Boards verbaut.

E-Mu XL-7 Command Station

Der Klang ist absolut identisch zu den Expander-Versionen. Übrigens, wer hier auf die Suche geht, kommt oft mit dem Kauf eines Expanders inklusive Board günstiger weg, als das Board einzeln zu kaufen. Zumindest lohnt ein Preisvergleich.

Der E-Mu Vintage Pro auf You Tube

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Mehr Informationen

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Fazit

Heute ist der E-Mu Vintage Pro im direkten Vergleich zu modernen Plug-ins mit hochauflösenden Vintage-Emulationen klar überholt, vor allem für Anwender, die möglichst authentische Nachbildungen von Vintage-Keyboards suchen. Dennoch besitzt die E-Mu-Expander-Serie (und deren zahlreiche Derivate) mit ihren charakteristischen Morphing-Filtern und dem warmen, eigenständigen Grundsound einen Reiz, der auch aktuell noch interessant ist. Unter diesem Aspekt lohnt es sich, diese E-Mu Klassiker mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Plus

  • eigenständiger Klang
  • große Auswahl an Vintage-Keyboards
  • teils spannende und abgefahrene Presets
  • ROM-Board passt in viele E-Mus

Minus

  • Bedienung
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Forum
  1. Profilbild
    Flowwater AHU

    Ich habe hier noch ein paar Nummern älter im Rack verschraubt:

    — EMU UltraProteus

    Die ganzen Natursounds würde ich eher nicht mehr so einsetzen. Aber wenn man sich mit dem Ding befasst und ihn selber programmiert (was am Gerät mit dem Mini-Display allerdings nervtötend ist) … uuuuiuiui 💖💖💖 … Z-PLane-Filter in Verbindung mit haufenweise Samples und multitimbral … ein sehr sehr schöner ROMpler-Teppichleger. Einer der Synthesizer, der mich vermutlich nie wieder verlassen wird.

    • Profilbild
      MadMac AHU

      @Flowwater Ich konnte 89 nicht widerstehen und habe mir beim SSB den Proteus/1 bestellt. Jetzt nach meinem Umzug kommt er wieder ins Rack. Ich werde mich erst von dem Teil trennen, wenn es den Geist aufgibt.

  2. Profilbild
    SynthUndMetal

    Ich habe selbst noch ein paar E-Mu Synths im Rack und finde die immer noch gut. Ein Vintage Pro würde da sicher noch einen Platz finden können, wird aber eher selten angeboten. Was bei den E-Mu Synths leider auffällt, ist die schlechte Qualität des Jog-Wheels. Auch das Display macht bei manchen etwas Probleme.

  3. Profilbild
    Kazimoto AHU

    Alter Schwede, ausgehend von hier zu Doctormix gereist und das Proteus 1 Video geschaut. Sehr unterhaltsam, kann ich nur empfehlen.

    • Profilbild
      Numitron AHU

      @Kazimoto das wo er den Muted guitar Sound von m Beat feat General Levy – incredible zeigt? das Pfeifen vom x Files Theme soll auch dabei sein und der „goldeneye Sound“ (kommt in den Bond filmen und dem N64 spiel dazu vor. :-)

    • Profilbild
      MadMac AHU

      @Kazimoto Ja, habe ich mir auch angesehen. Ich finde Doctormix allgemein sehr unterhaltsam. Irgendwie scheint er immer auf Speed zu sein. Sozusagen als Kontrastprogramm schaue ich mir dann gerne den Tim Shoebridge an. Da kann ich wieder runterkommen.😉

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