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Test: Elysia mpressor, Studio-Kompressor

27. Juni 2018

Beeindruckend wie eh und je

elysia mpressor

Vorwort der Redaktion

Es geht weiter mit unseren zeitlosen Klassikern, denn auch der Elysia mpressor hat schon mehr als 10 Jahre auf dem Buckel und ist nach wie vor in unveränderter Bauweise im Handel. Grund genug, auch diesem Klassiker nochmals näher zu betrachten:

„Fest gemauert in der Erden – steht die Form aus Lehm gebrannt. Heute muss die Glocke werden! – Frisch, Gesellen, seid zur Hand! Von der Stirne heiß rinnen muss der Schweiß, soll das Werk den Meister loben! Doch der Segen kommt von oben …“

Als vollanaloger Kompressor ist der Elysia mpressor der Nettetaler Firma Elysia ein besonderer Hingucker. Während sich die Audio-Gemeinde mit auf perfekten Klang getrimmten digitalen Kompressoren aufgeilt, so versperren großflächige TFTs heute oft den Blick zur analogen Welt – die wohlgemerkt bis dato ihre Berechtigung nicht verloren hat.

Elysia formte sich aus Dominik Klassen, einem erfahrenen Marketingmenschen und Ruben Tilgner, seines Zeichens ein ehemaliger wichtiger Entwickler der Firma SPL. Er war unter anderem für die Entwicklung des bekannten Transient-Designers verantwortlich.

elysia mpressor

mPressive der Elysia mpressor

Der Elysia mpressor ist ein ganz besonderer Kompressor, der neben „normalen“ Anwendungen auch für extremes Klangdesign einsetzbar ist. Für den Klang zeichnet sich die jahrelange Erfahrung des Entwicklers verantwortlich, kennt er sich doch hervorragend mit Pegeldetektion, VCAs und Hüllkurven aus. Noch wichtiger ist hingegen, wie man diese Kenntnisse in ein fertiges Produkt umsetzt.

Das Gehäuse des Elysia mpressor mutet optisch in einem Granit-Look an. Selbstverständlich handelt es sich dabei nicht um ein Steingehäuse, sondern um solide lackiertes und gepulvertes Aluminium. Beachtlich ist dabei die Materialstärke, die an den wichtigen Stellen bis zu 8 mm umfasst! Die Verarbeitung des Gerätes ist grandios, sogar die Potiknöpfe sind aus dem Vollen gefräst, hier geht so schnell nichts kaputt. Auch wenn es in diesem Zusammenhang kleinlich klingt – mit dem Elysia alpha kann nicht mal der mpressor mithalten, verfügt der alpha doch sogar über gleitgelagerte Potiknöpfe …

Generell kann das Design des Elysia mpressor mit jedem preisgekrönten Plug-in mithalten, jedoch ist beim mpressor alles echt und nicht nur ein virtuelles Rendering. Dabei soll die optische und mechanische Opulenz die eigentliche Aufgabe eines Kompressors nicht übertünchen, sondern unterstützen. Es möchte also gar nicht erst der falsche Eindruck entstehen, wenn man den mpressor betrachtet, ohne ihn gehört zu haben.

Die Technik des Elysia mpressor ist vollkommen diskret aufgebaut und ich meine hiermit keine frei verdrahteten Transistor-Bälle, sondern sauberes Platinen-Layout ohne Chip-OpAmps und einen mechanisch erstklassigen Geräteaufbau.

elysia mpressor

Die komplette Schaltung des Elysia mpressor ist aus einzeln ausgesuchten Bauteilen entstanden und konnte somit von Grund auf mit idealistischem Hintergrund klanglich optimal gestaltet werden. Wirft man einen Blick ins Innere, so möchte der Begriff „Kompromiss“‚ in weite Ferne rücken. Ich gebe zu, dass mir ein derartiges Gerät, fernab von Pragmatismus, imponiert. Wer mehr wohlgeformte Worte über den mpressor lesen möchte, dem würde ich gerne die Elysia Homepage zur Bettlektüre empfehlen.

Nun ja, den Aufbau eines Kompressors dürften interessierte Leser dieses Berichts sicherlich kennen. Am mpressor sind vor allem zunächst die Wertebereiche der Parameter interessant, die man so in kaum einem anderen Gerät findet. Während der Threshold- und der MakeUp-Regler mit 16 dB Headroom noch halbwegs spießig daherkommen, so sind Attack-Zeiten von nur 0,01 ms und ein Ratioregler der von 1:1,2 über 1:1 in einen negativen Bereich von 1:-4 übergeht doch viel interessanter.

Beginnen wir jedoch beim Attack-Regler. Dieser kann in einen so genannten Auto-Fast Modus umgeschaltet werden. Dieser ermöglicht eine halbautomatische Regelung des Attack-Parameters, wie wir es schon von anderen Kompressoren her seitens des Release-Parameters kennen. Je nach Beschaffenheit des Eingangssignals prägt der mpressor diesem bei aktiviertem „Auto-Fast“ seinen Klangcharakter auf. In den Positionen unterhalb von 6 ms wird der klangliche Output des Elysia mpressors dann sehr experimentell. Oft hört man nur noch Knack-Geräusche von Transiententeilen. Je nach Eingangssignal ist hier also Tür und Tor für Spielereien jeder Art offen.

elysia mpressor

Ähnlich verhält es sich mit dem Release-Regler, der zwar über keinen Auto-Fast Modus verfügt, jedoch über einen Anti-Log Modus. Dieser ermöglicht ein Regelverhalten mit umgekehrt logarithmischer Hüllkurve für extreme Pump-Effekte, die ein normaler Kompressor eigentlich ums Biegen und Brechen vermeiden möchte. Die Devise des mpressors lautet somit: „Normal gibt’s ja schon!“

Auch der Wertebereich des Ratio-Reglers ist erweitert. Über der 1:1 Schwelle kann man den Elysia mpressor in einen 1:-X Bereich fahren. Das darf man jetzt aber nicht mit einem Expander/Gate verwechseln, diese haben unterhalb des Threshold eine negative Ratio. Der mpressor arbeitet in diesem Ratio-Bereich oberhalb des Threshold mit der negativen Ratio. Wie es sich für einen Klangformer gehört, arbeitet der mpressor übrigens als Hardknee Kompressor.

Jetzt kommen wir aber zu den wirklichen Schmankerln. Es gibt am Elysia mpressor eine Funktion namens GainReduction-Limit. Damit kann man einstellen, wie stark der Elysia mpressor den Pegel generell absenken darf. Unterhalb dieses Wertes passiert mit dem Audiosignal also gar nichts, während der mpressor darüber extrem wild arbeiten kann. Einer kompletten gezielten Neuformung der Transienten steht also nichts im Wege.

elysia mpressor

Ebenfalls ungewöhnlich ist für einen Kompressor das Vorhandensein eines Equalizers, wobei schon der Equalizer alleine ungewöhnlich ist. Er arbeitet nämlich gleichzeitig mit einem High- und einem Lowshelf um nur eine Centerfrequenz. Wird der EQ-Gain-Regler nun im Uhrzeigersinn von der Mittenposition bewegt, so werden die Frequenzen über der Center-Frequenz angehoben und darunter abgesenkt. Je weiter der Gain erhöht wird, desto größer wird auch die Güte der Shelving-Filter, so dass am Anschlag jeweils ein Tief-/Hochpassfilter entsteht. Hört sich interessant an, ist es auch!

Dass der Elysia mpressor zweikanalig ist, sieht man schon an den Abbildungen. Selbstverständlich steht auch eine Link-Funktion zur Verfügung. Etwas schade ist, dass man den EQ nicht per Schalter in den Sidechain-Weg oder in das Regelverhalten einschleifen kann, denn so hätte man mit einem Tastendruck noch weitaus mehr Möglichkeiten. Bei hohem Input-Pegel werden die 2. und 3. Harmonischen übrigens stark betont, was einen besonders fetten Klang ermöglicht.

Im auf der Elysia-Seite erhältlichen Handbuch werden alle Funktionen sehr gut und anschaulich beschrieben.

6_ely6.jpg

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    psv-ddv  AHU

    Danke für den spannenden Bericht zu diesem tollen Kompressor!
    Die Frontplattengestaltung ist mir zwar etwas zu verspielt, die Verarbeitung und das Gehäuse an sich sehen aber beeindruckend aus. Was soll eigentlich das riesige weisse „Auge“ in der Mitte, hat das eine Funktion?
    Danke auch für die Klangbeispiele, so etwas ist immer sehr nützlich für einen ersten Eindruck wohin die klangliche Reise mit der Kiste geht.
    Das Teil erinnert mich vom Klang her ein wenig an meinen Amek9098 Kompressor.
    Beim Layout der Platinen möchte ich allerdings anmerken, das eine solche saubere, graphisch-symmetrische Anordnung der Bauteile nicht klangfördernd ist sondern nur gut aussieht. So ein Layout schafft unnötig lange Leiterbahnen und damit Signalwege bzw. erhöht den Einfluss von Einstreuungen auf die Bauteile.

  2. Profilbild
    Markus Schroeder  RED

    Für alle die keine €4000 haben, für derzeit $79 (normal 199), ist das mpressor Plug-In auch extrem gut. Wie in in meinem Test zum museq Plug-In geschrieben habe: Elysia hat nichts zu gewinnen wenn sie schlechte Plug-Ins herausbringen. Wenn nur die GUI nicht so winzig wäre, das macht nicht wirklich Spaß. Aber das ist ein generelles, tiefsitzendes Problem bei Plug-In Alliance.

    Ein A/B Test ist natürlich immer spannend und meist auch erhellend/ ernüchternd.

    :)

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