Test: Ethno World 6, Sample-Library

1. Februar 2017

Weltsounds in den eigenen Händen

Die Weltsounds in den Händen

Über sechs Jahre ist es nun her, dass der Vorgänger von Ethno World 6 erschienen ist. Nun steht der Nachfolger an und hält einige Neuerungen parat. Ethno World 6 Complete besteht nun aus insgesamt 28.789 Samples, die in einer Auflösung von 24 Bit und 44,1 kHz vorliegen und in insgesamt ca. 800 Patches münden. Die Library besteht dabei aus zwei Teilen: Ethno World 6 Instruments und Ethno World 6 Voices, die man auch einzeln erwerben kann.

Der Kopf hinter der Library ist der preisgekrönte Filmkomponist Marcel Barsotti, wobei sich der Musikproduzent Andreas Hofner für die Leitung der Aufnahmen der mehr als 70 Musiker und Sänger aus aller Welt verantwortlich zeichnet.

Kontakt Player Engine & NKS Support

Ethno World 6 basiert auf der Kontakt Player Engine aus dem Hause Native Instruments. Käuflich erwerben, registrieren und herunterladen kann man die Library über Best Service, dabei ist die 33,4 GB schwere Library auch als Boxed-Version auf zwei Discs erhältlich.

Unterstützt werden folgende Schnittstellen: AAX native, AU, RTAS und VST. Auch kann Ethno World 6 über den Kontakt Player im Standalone-Modus betrieben werden.

Die Installation geht einfach vonstatten. Nach der Installation muss das Produkt lediglich über Kontakt als Library hinzugefügt und über Native Access von Native Instruments zusätzlich registriert werden und schon kann es losgehen.

Ein Highlight: Ethno World 6 unterstützt nun den NKS-Standard, so dass die Library auch im Zusammenspiel mit Komplete Kontrol genutzt werden kann.

Ethno World 6 Voices

Ethno World 6 Voices unterteilt sich in die Kategorien: North America, South America, Europa, Africa, West Asia, East Asia. Darunter befinden sich dann weitere Unterkategorien. Beim Navigieren durch die Samples helfen dabei die klaren Beschreibungen, so dass man sich schnell zurechtfindet. Insgesamt ist die Vielfalt, Qualität und Authentizität der Samples fantastisch, was anhand des nachfolgenden Soundbeispiels deutlich wird. Egal ob man Vocal-Phrasen, Licks, Chants oder gar vollständige Songpassagen sucht, bei Ethno World 6 Voices wird man auf jeden Fall fündig.

Im Quick Edit Fenster stehen auf einen Blick die wichtigsten Parameter zur Verfügung

Natürlich ist Ethno World 6 dabei nicht nur ein Sample-Player, sondern stellt den Nutzern zusätzlich eine Vielzahl an Klangbearbeitungsmöglichkeiten zur Verfügung. So lassen sich Effekte hinzuschalten, der Start- und Endpunkt der Samples bestimmen, die Schnelligkeit und Tonhöhe verändern und um weiche Übergänge zu erzielen steht auch bei Ethno World Voices ein Legato-Modus zur Verfügung. So braucht man eigentlich keine weiteren Plug-ins, um das gewünschte Klangergebnis zu erzielen.

Den zentralen Ausgangspunkt bildet dabei immer das Quick Edit-Fenster, das die wichtigsten Klangbearbeitungsfunktionen auf einem Screen vereint. Wer tiefer einsteigen möchte, kann über eine Reiternavigation in die Sektionen Effects, Group Edit, Microtuning, Performance und IDB-Info eintauchen. Manche Sektionen halten dabei weitere Untermenüs bereit wie beispielsweise Effects, wo sich ein Compressor-, Saturation-, Delay-, Chorus-, Phaser-, und ein EQ-Modul verbergen. Durch die Unterteilung der Sektionen bleibt das User-Interface dabei stets übersichtlich.

Effekte satt. Ethno World 6 bietet eine Vielzahl an Klangbearbeitungsmöglichkeiten, so dass man ohne zusätzliche externe Plug-ins das gewünschte Klangergebnis erzielen kann.

Der Reverb ist von allen Fenstern aus zugänglich und kann durch einen Schieberegler in der Intensität gesteuert werden. Weitere Bearbeitungsmöglichkeiten gibt es bei Klick auf den Button, so dass man die Effektart, Größe des Reverbs und das Pre Delay zusätzlich den eigenen Wünschen entsprechend einstellen kann.

Nützlich auch die Filtersektion, wobei insgesamt drei Bänder zur Verfügung stehen

Erfreulich ist auch, dass man unter dem Reiter IDB-Info Zusatzinformationen zu den ausgewählten Samples findet.

Unter dem Reiter IDB-Info findet man neben Informationen zur Herkunft der Samples auch wichtige Informationen zum Tastaturlayout und der Spielmöglichkeiten.

Ethno World 6 Instruments

Das User-Interface von Ethno World 6 Instruments ist genauso aufgebaut wie Ethno World 6 Vocals, nur dass eben hier der Fokus rein auf Instrumenten, Loops und Licks liegt. Insgesamt gibt es neun Kategorien: Bowed Instruments, Construction Sets, Gamelan Orchestra, Gongs, Bells & Metals, Key Instruments, Stringed Instruments, Woodwind and Brass, World Drums und World Percussions.

Ethno World 6 Instruments Kategorien

Aus insgesamt neun Kategorien kann man sich bei Ethno World 6 Instruments bedienen. Jede Kategorie beinhaltet darüber hinaus eine Vielzahl weiterer Unterordner.

Alleine die Kategorie Stringed Instruments hält dabei so viele weitere Unterordner parat, dass sie gar nicht alle auf einem Screen in der Kontakt-Menüleiste dargestellt werden können.

Die einzelnen Unterordner halten viele Instrumente bereit, die einen beim Anspielen bereits für eigene Kompositionen inspirieren

Beim Durchstöbern der Klänge fällt einem sofort die hohe Qualität der unterschiedlichen Instrumente auf. Die Samples sind sehr detailliert, wodurch sich jeder Klang durch die Anschlagsstärke der Tastatur zum Leben erwecken lässt. Das macht Spaß und inspiriert. Durch die Vielzahl der Instrumente eignet sich die Library daher nicht nur ausschließlich für Filmmusik oder ethnische Musikrichtungen, sondern auch für moderne Genres und Produktionen, die durch die außergewöhnlichen, authentisch klingenden Instrumente einen besonderen Touch bekommen sollen. Das Soundbeispiel Ethno Dance verdeutlicht es ganz gut, dabei stammen lediglich die Beats nicht von Ethno World 6.

Genau wie beim Pendant Ethno World 6 Voices stehen auch bei den Instrumenten sämtliche Klangbearbeitungsparameter zur Verfügung. Die Reiternavigation ist dabei identisch aufgebaut, so dass man sich im Nu zurechtfindet. Praktisch ist dabei auch die Mircrotuning Sektion, damit man die Instrumente stimmen kann, so dass sich alle Instrumente tonal in die eigene Produktion harmonisch einfügen.

Ethno World 6 beinhaltet nicht nur die reinen Instrumente, sondern auch Licks, Phrasen und Loops

Fazit

Ethno World 6 überzeugt auf ganzer Linie, da die Samples durchweg hochwertig klingen und mit viel Liebe zum Detail gesampelt sind. Das spürt man durchgängig durch alle Instrumente, die perfekt auf die eingespielte Anschlagsstärke reagieren und dadurch so lebendig und echt klingen. Durch den Umfang der Library ist sie vielseitig einsetzbar. Egal ob klassische Filmmusik oder moderne Musikproduktionen, bei den insgesamt ca. 800 Patches ist für jeden etwas dabei, der seine Produktion um ethnische Klänge erweitern möchte.

Plus

  • Umfang der Library
  • übersichtliches User-Interface
  • Qualität und Detailliebe der Samples
  • Vielzahl der Klangbearbeitungsmöglichkeiten
  • Vielseitigkeit

Preis

  • Ethno World 6 Complete: 449,- Euro
  • Upgrade von früheren Versionen auf Ethno World 6: 159,- Euro
  • Ethno World 6 Voices: 259,- Euro
  • Ehtno World 6 Instruments: 259,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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        Chick Sangria  

        Die GUI ist schon ziemlich grenzwertig – überall lustige Chinesen, Indianer, und auf dem Cover eben diese schöne Schwarze. Zeugt nicht gerade von einem sensiblen Umgang mit Fremdheit. Aber das ist wohl ein Problem der ganzen Weltmusik-Branche. Man hätte ja auch eine steirische Harmonikaspielerin abbilden können, aber da denkt dann niemand an „Ethno“ ;)
        Schon klar, dass es hier um Sounds geht, aber man kann das schon kritisieren.

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          Tyrell  RED 3

          Ich versteh dich schon, aber muss POLITICAL CORRECTNESS wirklich überall Einzug halten? Ich sag auch heute noch zur Schockoüberzogener-Schaumspeise-mit-Waffel, schlicht Negerkuss. Bin ich deswegen etwa Rassist? Oder anders gesagt, fühlt sich ein Farbiger deshalb diskriminiert? Wenn Peter Gabriel in SLEDGE HAMMER eine Shakuhachi spielt, ist das dann Japanern gegenüber respektlos, weil es ein zenbuddhistisches Meditationsinstrument ist?

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            Chick Sangria  

            Lass es mich dir à la Nietzsche erklären: Beschäftigen wir uns nicht auch mit Maschinenmusik, weil wir darin vor Menschen unsere Ruhe haben? Warum muss ich Gesichter auf meiner GUI sehen, wenn ich nur Instrumente brauche? In Version 4 waren ja übrigens auch nur Instrumente zu sehen.

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              Moogli

              Oh geil, endlich ein neues Ethno World. ENDLICH ! Und da ist es mir jetzt auch völlig wurscht, ob mich beim Klang eines gesamplten Föns Trumps Föhnfrisur oder eine Bratwurst von der GUI anlächelt… denn was zählt ist auf’m Platz (also was am Ende raus kommt) und nix anderes. Alles Weitere ist Nitpicking.

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    lightman  AHU

    Political Correctness kann mich mal! ^^ Nee, im Ernst, Weltmusik ist eigentlich nicht mein Ding, aber in solchen Sammlungen findet der Producer mit perkussiven Vorlieben eine Menge tolles Material für neue Tracks. Man muß ja nicht zwingend so’n Ethno-Ding draus machen, nicht, daß hinterher wieder die PC-Bullerei anrückt und Ausverkauf der Kulturen schreit… ;)

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    Filterpad  AHU

    Das unterschreibe ich sofort! Meine Anzahl an Klängen in der Samplelibrary hält sich in Grenzen. Aber wenn man z.B. eine Handvoll asiatische Instrumente in der Sammlung sieht, kommt man unumgänglich auf die Idee, einen Song mit fernöstlichen Elementen zu machen. Diese Library ist vl. nicht ganz meines, aber hätte ich sie, so würden mir dutzend Ideen einfallen. Apropos: Hat jemand schon bemerkt, dass die Flecken im Gesicht die Länder Amerika und Afrika (mit Westeuropa) darstellen!

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      Chick Sangria  

      Jetzt sehe ich es. Man hätte diese ‚eurozentrische‘ Karte natürlich auch auf dem Hintern eines Schuhplattler-Tänzers abbilden können – wäre nicht weniger Ethno.

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      lightman  AHU

      Hoppla, jetzt wo du’s sagst… :)

      Ich hab mir seinerzeit für meinen Roland JV-1000 die SG-Erweiterung Keyboards/Synths aus den 60ern und 70ern beim Musikalienhändler meines Vertrauens gekauft und er gab mir auch die Weltmusik-Karte zum Ausprobieren mit. Es dauerte etliche Wochen, bis ich mich dazu durchrang, das Ding mal auszuprobieren, doch schon nach zehn Minuten Test ärgerte ich mich, es nicht getan zu haben. Am nächsten Tag ging ich gleich zu meinem Händler und kaufte mir (bzw. bezahlte) das Teil. Am Ende benutzte ich vor allem die Percussion-Samples viel mehr als all die E-Pianos und Synth-Flächen der Keyboards-Erweiterung und bin solchen Soundsammlungen gegenüber seither sehr aufgeschlossen. Ich mag aber lieber Einzelsamples, auf Loops kann ich verzichten, sowas setze ich selten ein, und wenn, dann nur meine eigenen.

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    AMAZONA Archiv

    Die Klangbeispiele klingen mir zu holzschnittartig, nicht so wirklich „exotisch“. Wirken nicht sehr inspirierend auf mich. Vor allem das Gesangsgedöns nicht. In etwa so exotisch wie die Frühlingsrollen aus dem Kühlregal beim Kaufland.

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      c.rentschler  RED

      Die Klangbeispiele sind nur ein ganz kleiner Auszug aus den Möglichkeiten von Ethno World 6. Auch hat man durch die Spielweise Einfluss auf Klangergebnis.

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    vssmnn  

    ..erinnert mich irgendwie an mindestens 15 Jahre alte vergilbte selbstgebrannte Archive von Verbatim-CDs, die man dann letztendlich doch nicht wirklich gebraucht hat.
    Wie komm ich nur darauf, wo waren die denn gleich, ah, ich hatte sie schon entsorgt ;-)

  5. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Für das Geld kaufe ich mir lieber ein paar echte Ethno Instrumente anstatt mit tiefgefroren Samples Klavier zu spielen ähhh da passt nicht zusammen. Ehrlich für wenig Kohle gibt es verrückt klingende Ethno Instrumente die nicht schwer zu spielen sind.

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