Test: EVE Audio SC3070, Midfield-Studiomonitor

12. April 2021

Neues vom Mittenkönig!

eve audio sc3070 test

EVE Audio SC3070, Midfield-Studiomonitor

Unabhängig von der Branche, wer auch immer es wagt, in ein geschlossenes Produktsystem „einzudringen“, muss entweder viel klappern, um auf sein Produkt aufmerksam zu machen oder aber er überzeugt mit außergewöhnlichen Qualitäten und hat einen langen Atem. Für den Berliner Lautsprecherhersteller Eve Audio trifft zweifelsohne Zweites zu, hat das Unternehmen um Gründer Roland Stenz doch seit seiner Gründung im Jahr 2011 jede Menge Duftmarken im High-End Studiomonitorbereich hinterlassen.

Wer sich mit den Platzhirschen der Branche im Stil von Genelec, Neumann und Dynaudio anlegt, muss tatsächlich mit viel Gegenwind rechnen, aber die nötige Hartnäckigkeit dürfte sich Roland Stenz wohl in seiner DDR-Ausbildung im Bereich Rundfunk- und Fernsehtechnik bis hin zum Anteilseigner der ADAM Audio GmbH geholt haben. Mit der EVE Audio SC3070 liegt uns ein vergleichsweise kompakter Midfield-Monitor als (fast) neuestes Mitglied im Firmenportfolio zum Test vor. Zwischenzeitlich haben die Berliner nämlich noch den 4-Wege-Monitor SC4070 vorgestellt.

Die Konstruktion der EVE Audio SC3070

Wie bei nahezu allen Eve Audio Produkten, hat auch die EVE Audio SC3070 DSP-Technologie verbaut, über deren Aufbau später noch zu lesen sein wird. Der Monitor verfügt über ein 3-Wege-System, das aber nicht wie häufig benutzt in reiner Säulenanordnung verbaut wurde, sondern mit einer linearen Anordnung im Hoch- und Mitteltonbereich bei äußerer Platzierung des Tieftöners.

Aufgrund der Bauweise gibt es daher auch immer eine linke und eine rechte Boxenausführung, dies ist beim Kauf zu berücksichtigen. Mit einem Preis von 1.699,- Euro je Stück stößt Eve Audio daher auch direkt in die Kategorie Neumann KH 310 A, die bekanntermaßen einen sehr guten Ruf genießen und einen würdigen Konkurrenten darstellen.

EVE Audio SC3070 Test

EVE Audio SC3070 Profil

Schauen wir uns zunächst einmal die Lautsprecherbestückung der EVE Audio SC3070 an. Gemäß des Anspruchs eines Midfield-Systems, muss der Lautsprecher über genügend Headroom verfügen, um auch mittelgroße Räume gleichmäßig und „entspannt“ akustisch ausleuchten zu können, was von insgesamt 335 Watt je Box bei einem maximalen SPL von 120 dB pro Paar und mit 185 Watt für den 6,5 Zoll Tieftöner, 100 Watt für den 4 Zoll Mitteltöner und 50 Watt für den Hochtöner übernommen wird. Wie bei allen Eve Audio Lautsprecherboxen mit 3 oder mehr Wegen fällt auch hier die vergleichsweise großzügige Leistungsauslegung des Mitteltöners auf, ein Indiz für den Fokus auf eine sehr gute Mittenwiedergabe, mit der bereits andere Eve Audio Monitore punkten konnten. Der Frequenzgang wird mit 35 – 25.000 Hz angegeben, die Crossover-Frequenzen liegen bei 320 und 2.800 Hz.

Bereits auf den ersten Blick erkennt man bzgl. der einzelnen Lautsprecher die Corporate Identity der Eve Audio Familie. Erneut bestehen Tief- und Mitteltöner aus einer glasfaserbeschichteten Waben-Membran, die aufgrund ihrer geringen Gewichte sehr impulsschnell reagieren, aber in Kombination mit einer weichen Aufhängung dennoch bei starken Auslenkungen über die nötige Verwindungssteifheit verfügen.

Ebenso charakteristisch für den Eve Audio Klang ist der RS3 Air Motion Hochtöner, der sich aufgrund seines ausgewogenen Klangverhaltens mittlerweile in vielen großen Studios ebenfalls sehr großer Beliebtheit erfreut. Um den Hochtöner vor äußeren Einflüssen zu schützen, liegt den Boxen ein Schutzgitter bei, das magnetisch an der Hochtönereinfassung haftet.

Mit den Abmessungen von 340 x 250 x 310 mm (B x H x T) muss man das System für ein Midfield-System als äußerst kompakt bezeichnen. Auch das Gewicht von 9,8 kg ist vergleichsweise moderat, jedoch sollte man sich immer vor Augen führen, dass die Boxen nach einem ordentlichen Stativ oder einer anderen entsprechend ausgerüsteten Auflage verlangen. Eine Platzierung auf dem Desktop ist aus haptischen Gründen nicht möglich. Auffällig ist jedoch die vergleichsweise große Tiefe des Monitors im Bezug zu seiner seitlichen Ausdehnung, ein Fakt, der sich wahrscheinlich in der Basswiedergabe bemerkbar machen wird.

EVE Audio SC3070 Test

EVE Audio SC3070 Rückseite

Welche Anschlüsse bietet der Midfield-Monitor?

Die Rückseite der SC3070 gibt sich aufgeräumt und beschränkt sich auf die wichtigen Grundelemente nebst der Bassreflexöffnung, die sich diagonal hinter dem Woofer befindet. Neben der Kaltgerätebuchse und dem Netzschalter haben wir auch die Möglichkeit der Spannungswahl. Über drei DIP-Schalter kann man zwischen zwei verschiedenen Eingangsempfindlichkeiten (+7 dBu, +22 dBu) und der (De-) Aktivierung der internen Filter oder der Volume-Regelung wählen. Als Eingangsbuchsen gibt es symmetrisch XLR und unsymmetrisch RCA. Alle Eingänge sind analog, ein digitaler Input ist nicht vorhanden.

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Die DSP-Steuerung

Wie bereits erwähnt, verfügt die EVE Audio SC3070 über eine aktive DSP-Verwaltung, die sich insbesondere in einer aufwändigen Klangregelung niederschlägt. Über ein Push-Potentiometer, das von einem LED-Kranz eingefasst ist, lassen sich gleich mehrere Funktionen steuern und in ihrer Einstellung überprüfen, indem man den Knopf drückt, die leuchtende LED zu dem zu bearbeitenden Bereich bewegt und dann nochmals drückt. Folgende Regelungen sind möglich:

  • Standby Modus aktivieren
  • Volume Adjustment: Die Einstellung der Lautstärke lässt sich je nach Volumenbereich in Schritten von 2 bis 0,5 dB regeln.
  • Low Filter: Ein Shelving Bassboost/Bassabsenkung, welche(r) alle Frequenzen unterhalb von 300 Hz in 0,5 dB Schritten boostet oder absenkt
  • High Filter: das Gleiche wie im Bassbereich, nur alle Frequenzen oberhalb von 3 kHz
  • Mid Filter: Ein Bandpass-Filter, das bei 1 kHz eine Anhebung/Absenkung von bis zu 3 dB in 0,5 dB Schritten ermöglicht.
  • Desk Filter: Eine spezielle Frequenzbearbeitung, die das Abstrahlverhalten des Desktop kompensiert, indem er die Frequenzen bei 80 Hz anhebt und bei 160 Hz absenkt, ebenfalls in 0,5 dB Schritten einstellbar.

Sollte sich jemand von dem LED-Kranz gestört fühlen, so lässt sich dieser auch optisch komplett deaktivieren.

EVE Audio SC3070 Test

EVE Audio SC3070 im Einsatz

Die EVE Audio SC3070 in der Praxis

Zwei Punkte fallen dem Hörer als erstes auf, sobald man die ersten Töne aus den Lautsprechern hört. Zum einen ist es der sehr kräftige Bassanteil, der selbst ohne Subwoofer von der Box erzeugt werden kann. Aufgrund der geringen Gehäuseabmessungen traut man den Monitoren diese starke Präsenz wahrlich nicht zu, insbesondere was den echten Tiefbassbereich unterhalb von ca. 80 Hz angeht. Wer sich allerdings schon etwas mit dem Portfolio von Eve Audio beschäftigt hat, wird die überproportional gute Basswiedergabe auch schon von den Nahfeldmonitoren der Firma her kennen. Selbst in der Flat-EQ-Einstellung ist der Bassbereich sehr gut definiert und bedarf zumindest in meinen Räumlichkeiten keiner weiteren Justierung. Auch stark basslastige Produktionen werden sauber und akkurat übertragen, kein Dröhnen, kein unnötiges „Verdicken“ und dank der starken Leistungsreserven auch in mittleren bis höheren Lautstärken eine akzentuierte Wiedergabe

Der zweite Punkt, der sich in den Vordergrund spielt, ist die Mittenwiedergabe des Systems. Insbesondere wenn man von 2-Wege-Nahfeldmonitoren geprägt ist, scheint der Grundklang der EVE Audio SC3070 etwas „hart“, was aber dem zusätzlichen Mitteltöner geschuldet ist. Er überträgt genau die Frequenzen, die des Öfteren aufgrund der Crossover-Frequenz bei 2-Wege-Systemen verloren gehen. Diese deutlich bessere Übertragung macht sich insbesondere im Bereich der Gitarren und des Gesangs bemerkbar, so dass man eine gewisse Einhörzeit benötigt, um sein Gehirn auf den veränderten Grundklang trainieren zu können.

Hat man dies allerdings absolviert, erweist sich die EVE Audio SC3070 gerade im Bereich von Gitarrensounds für viele als echter Game-Changer. Man soll nicht glauben, welche Details man plötzlich wahrnimmt, die bei diversen anderen Monitoren verborgen bleiben. In Zusammenarbeit mit dem Air Motion Transformer generiert die Box eine sehr hohe Auflösung und einen ausgezeichneten Detailreichtum.

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Eve Audio ist es ebenfalls sehr gut gelungen, die bei 3-Wege-Systemen konstruktionsbedingt höhere Gefahr von Phasenproblemen in den Griff zu bekommen. Ich konnte während der gesamten Testphase keinerlei Probleme feststellen. Dass das System die üblichen Parameter wie Tiefenstaffelung, Phantommitte, Impulsverhalten etc. sehr gut akustisch abbildet, versteht sich fast schon von selbst.

In der Summe überzeugt der EVE Audio SC3070 auf allen Gebieten, es war mir wirklich nicht möglich, einen Kritikpunkt in der Konstruktion oder im Klang zu erkennen. Der eine oder andere wird unter Umständen die Abwesenheit von digitalen Eingängen bemängeln, das war es aber auch schon.

Fazit

Mit der EVE Audio SC3070 hat das Berliner Unternehmen ein weiteres Ass in seinem Portfolio-Ärmel. Wer sich in den Übergangsbereich vom Nearfield zum Midfield befindet und seinen Abhör-Fuhrpark um ein 3-Wege System erweitern möchte, liegt bei dem System goldrichtig.

Der Monitor überzeugt mit einer starken Basswiedergabe, einem sehr guten Impulsverhalten und last but not least durch die mittlerweile schon legendäre Eve Audio Mittenwiedergabe, die den Detailreichtum des Klangmaterials um ein Vielfaches erhöht.

Wer einen äußerst kompakten Midfield-Monitor mit herausragenden Klangeigenschaften sucht, sollte die EVE Audio SC3070 unbedingt einmal antesten, es lohnt sich!

Plus

  • Klang
  • Auflösung
  • Impulsverhalten
  • Verarbeitung
  • Abmessungen

Preis

  • 1.699,- Euro (Stückpreis)
Forum
  1. Profilbild
    smoo  

    Danke, ich habe auf den Test gewartet, da ich auf der Suche in der Preisregion bin (Nachfolge der schon sehr guten Event Opal). Meine Fragen blieben trotzdem fast alle offen. Wie sind die Hochtöner gegenüber Adam oder HEDD, oder gegenüber KS Digital? Wie schlägt sich der Monitor gegen preislich fast identische Modelle (KH310, HEDD 20, oder günstigere (KS CS88 Reference). Oder teurere (S3H, A200 V2). Wie tief ist der Bass wirklich nutzbar? Hier ist der Konkurrent wohl HEDD und KS Digital. Natürlich ist das zuviel verlangt, fast niemand kennt alle. Da bleibt nur bestellen und allenfalls zurückgeben. Der Vergleichstest bei Amazona zum S3V/HEDD/Focal war hier super.

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