Test: KS Digital C-120, Koaxialer Midfield-Monitor

2. Oktober 2020

Präzision, Neutralität, Klang

ks digital c120 test

KS Digital C-120, aktiver koaxialer Midfield-Monitor

Da habe ich die Anfrage der Redaktion nach dem Test einer KS Digital-Abhöre wohl mal wieder etwas zu unbefangen beantwortet. „Klar, schickt her“, hatte ich doch noch an die A-200 der Saarbrückener die allerbesten Erinnerungen.

Stutzig wurde ich erst bei der Anfrage der Firma nach einem Liefertermin, würden die Teile doch per Spedition auf Palette geliefert. Auf Palette, ein Studiomonitor? Nun habe ich doch mal nachgeschaut, was ich da so zugesagt hatte. Der Produktname hätte es schon vermuten lassen, in der C-120 werkelt ein ausgewachsener 12“ Woofer, ganz so schnuckelig klein können die Teile also gar nicht sein.

KS Digital C-120

Ganz schön großes Bassreflex-Gehäuse

Die C-120

Der aktive Monitor von KS Digital ist mit einem 12“ Woofer mit Karbonmembran und einem 1“ Hochtöner bestückt. Beide Magnete bestehen aus Neodym. Die Anordnung ist koaxial, das bedeutet, der Hochtöner ist mittig im Tieftöner angeordnet und somit werden alle Frequenzen von einem Punkt aus abgestrahlt. Das vorgesetzte Horn ist recht groß ausgeführt, um diesen Bereich dem Einfluss der schwingenden Tieftonmembran zu entziehen. Ganz in Weiß gehalten ist es der absolute Hingucker der Box.

KS Digital C-120

Das Horn sitzt in der Mitte

Platz finden die Speaker in einem Würfel mit der Kantenlänge 45 x 45 x 48 cm. Das MDF-Gehäuse ist mit einer mattschwarzen Nextel-Lackierung peinlich genau überzogen. Die Box ist als Bassreflex gebaut, die beiden dreieckigen Ports befinden sich auf der Vorderseite

Dazwischen sitzt die blaue LED, die Betriebsbereitschaft signalisiert. Mit 32 kg benötigt der Monitor einen stabilen Stand, ganz edel erledigt das die firmeneigene Rahmenkonstruktion. Hierfür sind in der C-120 seitlich M8 Buchsen eingelassen.

KS Digital C-120

KS bietet auch einen passenden Rahmen

Rückseitig ist das Amp-Modul eingebaut. Es leistet pro Weg 100 Watt RMS, die Trennung erfolgt bei 1.200 Hz. Die Eingänge sind in analoger wie auch in digitaler Form als XLR-Buchse vorhanden. Der AD/DA-Wandler arbeitet mit 24 Bit/192 kHz. Über Ethernet In und Out kann ein alternativer Monitor-Controller angeschlossen werden.

Drei gerasterte Potis sind für Volume, LowShelf und HighShelf vorhanden und erlauben jeweils eine Anpassung um +/-6 dB. Nachfolgend können sechs weitere vollparametrische EQs gesetzt werden, die aber nur über den optionalen Remote Controller zu erreichen sind. Von Haus aus optimal eingemessen wird jede einzelne Box mit der FIRTEC-Technologie, die den Lautsprecher mit linearer Phase und optimalen Impulsverhalten steuert. Wer sich da noch genauer einlesen möchte, hier der Link zur passenden KS Digital Seite.

Die C-120 liefert einen gewaltigen max. SPL von 140 dB Peak und kann einen Frequenzgang von 25 Hz bis 22 kHz abdecken. Als ausgewiesener Midfield-Monitor sollte sie mindestens 1 m vom Hörer entfernt stehen, aber durch die gewaltige Leistung sind auch deutlich größere Hörabstände möglich.

Das CX-System

Die C-120 ist Teil der CX-Produktlinie. Erweitert werden kann der Fullrange-Lautsprecher mit zwei Bassmodulen, der CB120 und der CB150. Beide Subs unterscheiden sich durch die Größe ihres Speakers, 12“ in der CB120, die CB150 arbeitet mit einem 15“ Tieftöner. Die Gehäusegröße entspricht der C-120, auch das Gewicht kommt annähernd hin.

Die Basserweiterungen werden von einer 400 Watt Endstufe versorgt und bieten zwei Ein- und Ausgänge, so dass sie als Monosub-Erweiterung oder als Stereosystem eingesetzt werden können. Für die ganz große Lösung lassen sich auch zwei Bässe pro Seite mit in den CX-Systemständer schrauben.

Die Subs erweitern nicht den Frequenzgang nach unten, sondern sind rein zur Leistungserhöhung gedacht. Dabei wird hier bei 80 Hz zur C-120 getrennt.

KS Digital C-120

Die Bassergänzungen CB120 und CB150

Als optionales Element kann die KSC-RC Remote-Control in das System eingebunden werden. Der Controller wird per Ethernet-Kabel an eine Box angeschlossen, von hier wird auf die andere Seite durch geschleift.

Der Controller erlaubt die Einstellungen der Lautstärke, LowShelf und HiShelf, die auch schon an der C-120 direkt zu bedienen sind. Zusätzlich hat der Benutzer nun aber noch Zugriff auf Gain, sechs vollparametrische EQs und Delay.

KS Digital C-120

Die neue KSC-RC Remote

Diese Einstellungen, bis auf Volume, werden im Lautsprecher gespeichert. So dürfte es also möglich sein, sich die Anschaffungskosten für den KSD-RC zu sparen und sich die Unit für das Einmessen im Studio zu leihen. KS Digital bietet diese Option lobenswerterweise für eine geringe Schutzgebühr an.

Wer den Controller aber fest im Setup einbindet, erhält noch die nützlichen Funktionen Dim und Mute mit dazu.

In der Praxis

Hier muss ich mich zunächst beim Hersteller bedanken. Die Speaker wurden nach Absprache im Flightcase versendet, so wird der Rücktransport einfacher. Trotzdem waren immer noch 2x 30 kg in meine Regie im 2. Stock zu schleppen. Was tut man nicht alles für seine Leser …

Da stehen sie nun und sehen in meinem Arbeitsraum ein klein wenig überdimensioniert aus. Hier zum Vergleich meine Emes Violett, die normalerweise den Platz innehaben.

KS Digital C-120

Der Größenvergleich

Mein Stereodreieck hat ungefähr eine Kantenlänge von 2 m, liegt also in den Spezifikationen von KSD. Trotzdem bin ich skeptisch, ob der Monitor in der Nähe nicht zu brutal wirkt.

Ich starte mit einiger Konservenmusik. Zunächst im Andenken an den kürzlich verstorbenen großen Komponisten höre ich mich durch einige Filmmusiken von Ennio Morricone. „The Good, The Bad And The Ugly“ zeigt gleich die große räumliche Darstellung der C-120 auf. Die Instrumente lassen sich im Panorama perfekt orten und auch die Tiefenstaffelung gelingt hervorragend. Tiefe Klangelemente treten präzise auf. Meine Befürchtung ob der geringen Abhörentfernung bestätigt sich übrigens nicht, ich habe nie das Gefühl, dass die Box mich einfach überrollt.

Weiter geht es mit „La Califa“, einem Orchesterstück. Die Augen geschlossen wähnt man sich direkt im Konzertsaal. Die Violinen sind mir bei dem Klangereignis allerdings etwas zu prägnant, eine gute Gelegenheit, die Klangregelung zu testen. Eine Absenkung von ca. 3 dB und der Sound ist perfekt.

KS Digital C-120

Volume, Bass und High sind direkt zugänglich

Weiter mit etwas 80er Elektronik, „Such a shame“ von Talk Talk. Auch hier sind wieder alle Sounds genau auf ihrem Platz. Hier, wie auch beim nachfolgenden „It’s my life“, bettet sich die Stimme des leider kürzlich auch verstorbenen Mark Hollis sehr natürlich in die elektronischen Klangwelten ein. Sehr beeindruckend auch die straffe und präzise Bass-Darstellung, die nie zu dick aufträgt.

Wie souverän die C-120 den gesamten Frequenzbereich abdeckt, zeigt sie auch bei „Killing the blues“ von Robert Plant und Alison Krauss. Sehr schön bietet sie auch die Trennung der beiden Ausnahmestimmen an.

Bei übel komprimierter Musik, wie „Map of the problematique“ von Muse schafft es der Monitor, wieder etwas Dynamik hinzuzufügen und so die einzelnen Elemente greifbarer zu machen.

So geht es noch ein Weilchen querbeet durch die Musiksammlung. Dabei offenbaren die C-120 immer absolute Neutralität und bewähren sich als präzises Arbeitswerkzeug. Durch die großen Leistungsreserven bleibt der Monitor auch bei sehr hohen Abhörlautstärken immer souverän und bietet bei jeder Lautstärke dasselbe Klangbild. Erstaunlich auch, trotz der schieren Größe der Box, dass selbst geringe Abhörentfernungen nicht als unangenehm empfunden werden.

Nun möchte ich mit den Abhören aber auch richtig arbeiten, also lade ich eine Orchesteraufnahme mit Chor, die ich vor einiger Zeit abgemischt habe. Nach und nach arbeite ich die gefundenen Einstellungen, die auf meinen Emes Violett entstanden sind, nochmals neu auf. Ich finde mich mit den C-120 sofort gut zurecht und kann einige Passagen, gerade im Bassbereich, noch etwas präzisieren. Mit dem KSD-Monitor habe ich auch hier wieder das Gefühl, mitten im Klanggeschehen zu sitzen. Diese Direktheit und räumliche Darstellung kann die Emes so leider nicht ganz liefern.

Nun baue ich mir zum Schluss noch eine kleine Komposition von Null an auf. Auch hier stellt sich sofort das Gefühl ein, sich zu 100 % auf den Höreindruck verlassen zu können. Klangbearbeitung, Panoramaverteilung, Effekteinsatz, alles geht mit dem C-120 flüssig und zielsicher von statten. Es macht einfach Spaß, gerade auch mit gemäßigter Lautstärke, seine Arbeit auf den KSD-Monitoren zu erledigen. Selbst in meiner 20 qm Regie fühlen sich die Boxen nicht unnatürlich überdimensioniert an und lassen sich überzeugend einsetzen. Nicht vergessen werden darf in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, den Lautsprecher mittels Controller noch genauer an die Raumakustik anpassen zu können.

Wer es gerne noch etwas größer hat, mit den verfügbaren Basserweiterungen dürften sämtliche Wünsche erfüllt werden.

Fazit

Mit dem recht ungewöhnlichen Ansatz der C-120 gelingt KS Digital das Kunststück, einen Studiomonitor für alle Bedürfnisse anzubieten. Er fühlt sich in jeder Musikrichtung wohl und kann für alle Lautstärken und Raumgrößen eingesetzt werden.

Dabei liefert er ein sehr neutrales und direktes Klangbild, das den Hörer auch über einen längeren Zeitraum nicht ermüdet.

Wer den erhöhten Platzbedarf bieten kann, der sollte die KS Digital C-120 bei einer Neuanschaffung durchaus mit in Betracht ziehen.

Plus

  • sehr direkter, grundehrlicher Klang
  • bietet einen großen Lautstärkebereich
  • funktioniert auch in kleineren Räumen
  • kann auf den Raum abgestimmt werden, Remote-Möglichkeit
  • sehr gute Verarbeitung „Made In Germany“
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • analoger und digitaler Eingang

Minus

  • schwer, erhöhter Platzbedarf

Preis

  • 3.070,- Euro pro Stück
Forum
    • Profilbild
      brookdale

      War auch mein erster Gedanke, wobei Kiesler in der 12“-Klasse mit drei Wegen unterwegs ist. Und gerade den sich dadurch präzise abbildenden Mittenbereich schätze ich so an den MEGs. Und er verzichtet auf zusätzliche Hörner/Waveguides.
      Um so mehr würden mich die KS im Vergleich reizen. Auf jeden Fall ein Blickfang, speziell mit den Subs im Rahmen.

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED 1

      Ich habe mir auch schlecht vorstellen können, dass ein Studiomonitor, der eher an ein PA Topteil erinnert, gerade bei einer kleineren Regie und auch geringeren Abhörlautstärken ein überzeugendes Ergebnis liefern kann.
      Ich wurde eines Besseren belehrt, das Konzept funktioniert.

  1. Profilbild
    Tester

    Für mich als rein privaten Musikhörer im unoptimierten Wohnzimmer sind die leider weitaus zu kostspielig. Was wäre denn eine preis-leistungsmäßig bessere Alternative?

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