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Test: Gibson Les Paul Standard 50s TB, E-Gitarre

22. Juni 2021

Back In Business Again!

Test: Gibson Les Paul Standard 50s TB, E-Gitarre

„Eine Les Paul Standard im Test? Wollt ihr mich veräppeln? Ebenso gut könnte man einen JCM 800 2203 „testen“. Was bitte soll denn ein Test über ein Instrument, über das nun wirklich schon alles geschrieben wurde, was man sich nur irgendwie vorstellen kann.“ So werden bestimmt viele Leser denken, wenn sie die Ankündigung zu diesem Test bemerken. Auf den ersten Blick mag auch sehr viel an dieser These stimmen, allerdings hat die Firma Gibson gerade im Bezug auf ihren Hauptumsatzträger eine sehr bewegte Vergangenheit hinter sich. Darüber hinaus jedoch haben Gibson einen in vielerlei Hinsicht fundamentalen Wechsel gewagt. Allein der Blick auf den aktuellen Custom Shop zeigt – Gibson bietet seine gesamte Historie als Back-Katalog auf Custom Shop-Niveau an. Das ist in vielerlei Hinsicht eine kleine Sensation und dürfte die Marke von Grund auf neu beleben. Gibson haben aus der Vergangenheit gelernt und die Gibson Les Paul Standard 50s, die uns hier vorliegt, soll die aktuelle Fertigungs- und Schaffensqualität bezeugen. Von daher ist also ein Test der aktuellen Gibson Les Paul Standard 50s TB (Tobacco Burst) gar nicht mal verkehrt.

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Gibson und der Neubeginn

Wie viele gehöre auch ich zu den Les Paul Spielern der ersten Stunde. Startete die Einführung des ältesten Signature-Modells der E-Gitarren Geschichte aller Zeiten im Jahr 1952 aufgrund des riesigen Erfolgs von Leo Fenders Broadcaster / Telecaster Offensive noch vergleichsweise ruckelig in gleich mehreren Detaillösungen, entwickelte sich das Modell doch gerade bis Ende der Sechziger zu einem gleichwertigen Konkurrenten der E-Gitarren Branche, welche Fender und Gibson bis dato relativ gleichmäßig unter sich aufteilten. Nicht zu vergessen, die legendären ca. 2.000 LP Standards von 1958 – 1960, welche mit einem Durchschnittspreis von ca. 500.000 $ gehandelt werden, bei einem bekannten Vorbesitzer auch gerne einmal die 1 Mio. Grenze knacken.

Gibson 50s Les Paul E-Gitarre
Während Gibson in der Vergangenheit mehrere Male den Kunden mit Entscheidungen wie zum Beispiel der Verwendung des Robo Tuners, das Aushöhlen des Korpus zum Chambered Body hin von sich Reden machte, wurden erst kürzlich die Karten neu gemischt: zurück zur legendären Qualität, welche das Trademark weltweit berühmt machte, lautet die Devise.
Test: Gibson Les Paul Standard 50s TB, E-Gitarre
Die damalige Führungsriege wurde durch die neue Führungskraft James Curleigh als CEO ersetzt. Die Zeichen stehen auf Anfang, die Firma hat sich neu positioniert und wir sind sehr gespannt, welche Wellen das schlagen wird. Wie eingangs erwähnt: eine Rückbesinnung auf die Traditionen und ein rundum erneuertes Custom Shop-Angebot sind nur der Anfang.

Der Aufbau der Gibson Les Paul Standard 50s TB

Die Standards des Instruments sind im Prinzip immer gleich, auf die Details kommt es an. Wer bei amerikanischer Fertigung mit „nur“ knapp 2.300 Euro zu Buche schlägt, wird unter Umständen den einen oder anderen High-End-Bereich kürzen müssen, wir werden sehen. Fangen wir mit der Holzauswahl an. Wie immer Mahagoni, wohin das Auge blickt mit einer zweiteiligen Decke aus Ahorn, um den Höhenbereich etwas zu boosten und dem Auge zu schmeicheln. Bei dem mir vorliegenden Modell ist die Maserung eher dezent, bei 4- bis 5-fach A in Riegel- oder Wölkchenahorn dürfte der VK auch entsprechend höher ausfallen. Den Korpus Mahagoni dreiteilig, den Hals einteilig, in meinen Augen eine gute Wahl. Ich besitze selber mehrere Paulas mit einteiligen, respektive mehrteiligen Korpussen, ein unterschiedliches Resonanzverhalten ist nicht auszumachen. Im Gegenzug jagt ein einteiliger Mahagonikorpus den Preis allerdings massiv in die Höhe, von daher, eine gute Wahl.

Test: Gibson Les Paul Standard 50s TB, E-Gitarre

Nimmt man das Instrument das erste Mal in die Hand, fühlt man sich in der Tat an die Zeiten erinnert, in den Gitarren noch von „Männern“ gespielt wurden ;-) Mit einem Gewicht von 4,2 kg liegt das Instrument zwar noch unter den 5 kg und mehr Vorschlaghammer Paulas aus den Achtzigern, aber auch deutlich über der 3 kg Durchschnittsgitarren Liga, zum Beispiel im Powerstrat Bereich. Auch im Hals-Shaping erfüllt Gibson sein Versprechen, sich möglichst nah an die Legenden vor knapp 63 Jahren zu halten, will heißen, der Hals ist ein kräftiges C, jedoch noch weit von der halben Baseballschläger-Klasse Ende der Sechziger entfernt. Alle anderen optischen Attribute wie das einteilige Binding, die Trapez-Inlays, einteiliges Schlagbrett etc. halten sich erwartungsgemäß ebenfalls an die Vorgaben des Originals. Lediglich ein paar Feinheiten wie der Graph-Tech-Sattel wurden gegenüber dem Knochensattel geändert, was für mich persönlich aus ethischen Gründen sehr zu begrüßen ist. Ebenso verhält es sich mit der Lackierung, welche natürlich auf Nitro-Basis erstellt wurde, dem Instrument bei vergleichsweise geringem Schutz eine maximale Schwingungsvielfalt ermöglicht und recht früh in das so beliebte „Crackling“ übergeht.

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Als Pickups kommen die Burstbucker 1 und 2 zum Einsatz, welche dem 57 Classic nachempfunden sind und auf Alnico Basis ein paar Wicklungen weniger auf den Spulen haben als allgemein hin üblich. Für maximale Annäherung hat Gibson dem Serienmodell sogar ein paar Orange Drop Capacitors spendiert. Geliefert wird das Instrument in einem hochwertigen, klassischen Formkoffer.

Test: Gibson Les Paul Standard 50s TB, E-Gitarre

Der Sound der Gibson Les Paul Standard 50s TB

Schon im Trockenbetrieb spürt man sofort, dass Gibson anscheinend aus seinen unzähligen Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. Da ist es: das legendäre Schwingungsverhalten einer hochwertigen Holzkonstruktion, in Kombination mit perfekter Verarbeitung und der kurzen Mensur von 628 mm. Das Sustain ist außergewöhnlich gut und überhaupt ist die Ansprache des Instruments exakt so, wie man sie aus unzähligen Welthits der Sechziger und Siebziger her kennt. Vorbei die Schmach der „Weight Relief“, welche nicht nur komplett an der Seele des Instruments vorbeiging (eine Les Paul wiegt so viel wie eine Les Paul wiegt so viel wie eine Les Paul), sondern auch das Schwingungsverhalten wie mit einem Schlachtermesser kastrierte. An die Vintage flachen Bünde muss sich der eine oder andere aufgrund der übermächtigen Jumbo-Frets Allmacht erst noch gewöhnen, was aber vergleichsweise schnell vonstatten geht. Ach ja, das Griffbrett ist aus Palisander. Welche Unterart konnte ich leider nicht herausfinden, ich bin mir aber sehr sicher, dass es nicht aus illegalem Einschlag stammt.

Test: Gibson Les Paul Standard 50s TB, E-Gitarre

Der verstärkte Klang tut sein Übriges, um dem Tester nach 20 Jahren Les Paul Agonie der traurigsten Sorte endlich wieder ein Schmunzeln auf die Lippen zu zaubern. Um dem Modell einen angemessenen Vintage-Partner im Bereich Verstärkung zur Seite zu stellen, habe ich mich mit Absicht nicht für ein modernes High-Gain-Monster entschieden, sondern eine passende Low-Gain-Variante in Form des Sound City Master 100, in Kombination mit einer 412er Marshall aus den Achtzigern, bestückt mit Celestion G12 65 Vintage Speakern und an Mikrofonen 2 Stück Fame MS57 und einem Heil PR30. So lies sich wunderbar der Spirit der frühen Dekaden einfangen, wobei der Amp bei Volllast schon einen Hauch Fuzz generiert. Ein perfektes Zusammenspiel.

Natürlich kann man dem Instrument auch High-Gain-Töne entlocken, aber die gesamte Konstruktion inklusive der Low-Gain-Humbucker legt die maximale Verwendung von Lead-Sound-Gain nahe. Alte Kamellen wie Free, The Who, Stones oder Led Zeppelin gleiten wie von selbst durch die Finger mit diesem Setup und lassen einen für kurze Zeit in eine glorreiche Dekade jenseits von Backing-Tracks, Kemper und Amp-Emulation Plug-ins abtauchen. Herrlich …

Test: Gibson Les Paul Standard 50s TB, E-Gitarre

Gibson LP Standard 50s TB im Einsatz

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Fazit

Das Instrument ist hervorragend verarbeitet, bietet ein ausgezeichnetes Schwingungsverhalten und vermittelt genau das Gefühl, was man bei einer Paula erfahren möchte. Nichts gegen die unzähligen Luthier, welche mit absoluten Spitzenprodukten den Gitarrenmarkt bereichern, aber sollte Gibson dieses Qualitätsniveau auch in Zukunft halten können, so können sie endlich wieder mit Stolz auf das Glück der frühen Geburt zurücksehen und sich mit aufrechter Haltung präsentieren.

Plus

  • Sound
  • Verarbeitung
  • Historie

Preis

  • 2.298,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    HSTRKMP

    Ganz ehrlich, ich habe das Gejammer über Gibson in den letzten Zehn Jahren nie verstanden. Gerade im Bereich bis 1500€ hatten die immer ein super Preis/leistungs-verhältnis und ich bin mir absolut sicher dass die allermeisten dir immer behauptet haben, dass Gibson „heute keine guten Gitarren mehr baut“ noch nie eine alte gespielt haben.
    Case in point: die Modelle aus der Norlin-Zeit sind mittlerweile Sammlerstücke und erzielen die gleichen albernen Mondpreise wie zb Synthesizer aus dieser Zeit.

  2. Profilbild
    Sterilmusic  

    Ich finde die Klangbeispiele hervorragend und hätte spontan Lust auf einen Kauf.
    Genauso muss das klingen. Neckpickup crunch ist mein Favorit.
    Wahrscheinlich muss ich dann aber auch noch den entsprechenden Röhrenamp einplanen…

    • Profilbild
      Axel Ritt  RED

      In der Tat bekommst du das letzte Stück Authentizität mit einem Verstärker Setup, wie es seiner Zeit in Zusammenspiel mit dem Instrument erreicht wurde, von daher währe eine Kombination mit einem hochwertigen Vollröhren Head zzgl. 412er Cabinet optimal.

      Du erreichst aber auch mit einem analogen Verstärker wie z. B. der BS200 Serie von Hughes&Kettner sehr gute Ergebnisse.

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