Auto-Wah für Gitarre und Bass?
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Die Hausmarke Harley Benton vom Musikhaus Thomann hat ihr Angebot in vielen Bereichen erweitert, so ist auch im Bereich Gitarren und Effektgeräte ein enormer Zuwachs der Produktpalette zu beobachten. Einige Kandidaten aus der äußerst umfangreichen Kollektion der MiniStomp-Reihe wurden bereits von uns getestet, heute schauen wir uns das Shaft-Pedal an, ein sehr kompakter Auto-Wah-Effekt. Der Name Shaft wurde durch das Titelthema gleichnamiger Krimi-Fernsehserie (Start 1971) inspiriert, hier spielt eine Wah-Wah-Gitarre eine dominante Rolle und demonstriert, wie man mit einem Wah-Wah-Pedal gekonnt umgeht. Dieses Thema wurde jedoch mit einem gewöhnlichen analogen Wah-Pedal gespielt und wäre mit dem heutigen Testkandidaten so nicht perfekt nachzubilden.
Abgesehen von dem Einsatz mit der Gitarre, dürfte dieses Pedal auch sicherlich für Bassisten interessant sein, deswegen wurden auch Klangbeispiele mit dem Bass erstellt.
Harley Benton MiniStomp Shaft – Facts & Features
Das kleine Pedal ist ein digitales Auto-Wah, das den „Wah-Vorgang“, also das Öffnen und Schließen eines Filters (Bandpass) automatisiert vornimmt. Wie schnell bzw. weit sich der Filter öffnet (moduliert wird), kann mithilfe der vier Regler eingestellt werden. Um Klangverlusten im ausgeschalteten Zustand entgegenzuwirken, wurde das Pedal mit True-Bypass ausgestattet.
Das Pedal besitzt die kompakte Größe von lediglich 92 x 38 x 32 mm, das Metallgehäuse wirkt recht robust und wiegt 133 g. Die Stromaufnahme ist mit den angegebenen 20 mA gering, ein Batteriebetrieb ist nicht möglich, die Stromversorgung erfolgt ausschließlich über ein 9 V Netzteil (Mitte negativ) bzw. Multinetzteil, das verständlicherweise bei einem Kurs von knapp 35 Euro sich nicht im Lieferumfang befincdet.
Bei sämtlichen Pedalen aus der Harley Benton MiniStomp-Serie ist zu bemängeln, dass die Schrift nicht gut abzulesen ist, da diese aufgrund des Minigehäuses recht klein ausfallen muss. Da man auf der Bühne vermutlich seine Lieblingseinstellung bereits gefunden hat, stellt dies aber kein Problem dar. Das für die Geschwindigkeit der Modulation zuständige und für den Bühneneinsatz vermutlich wichtigste Poti erhielt einen weißen Kunststoffknopf, der gut erreichbar und feinfühlig zu regeln ist, die kleinen Potis machen die Bedienung etwas „fummelig“, wo aber hätte man diese auch sonst unterbringen sollen.
Bedienelemente
Die beiden kleinen Potis mit den Bezeichnungen CUTOFF und RESO (Resonanz) bestimmen die Eckdaten des Filters. Beide Potis besitzen eine „Mittelstellung“, in der das Poti leicht einrastet“
SPEED justiert die Geschwindigkeit der Modulation bzw. des Lowpass-Filters.
Der kleine Kippschalter kann zwischen drei Positionen mit den Bezeichnungen
Soft/Normal/Hard
umgeschaltet werden. Der Effekt kann damit „in der Heftigkeit“ variiert werden. Anders ausgedrückt, beeinflusst das Anschlagsverhalten mehr oder weniger die Empfindlichkeit des Filters. Natürlich ist auch ein Fußschalter zum Einschalten des Effekts vorhanden. Eine weiße LED signalisiert, wenn der Effekt aktiv ist.
Sound
Kommen wir zu den Klangbeispielen und beginnen mit der Gitarre. Wer das Gitarrensolo des Songs „What I Am“ von Edie Brickell & New Bohemians (beginnt bei 2.10 min) gehört hat, dürfte bereits eine gewisse Referenz für einen guten Gitarren-Auto-Wah-Sound kennen. Hören wir, ob das Shaft-Pedal in dessen Reichweite kommt.
Nun ja, das Ganze klingt eher nach einem Phaser oder Tremolo. Auf typische Wah-Sounds mit deutlich wahrnehmbarem Öffnen des Filters warten wir vergebens. Die typische Verschiebung der Resonanzfrequenz in den Mitten, wie man sie von einem Wah-Wah-Pedal kennt, ist hier schlicht nicht zu hören.
Um zu erkunden, wie das Filter moduliert wird, spielte ich eine 16tel-Rhythmusfigur mit einem E7#9-Akkord. Hierbei sind die Regler CUTOFF und RESO nun voll aufgedreht.
Hier besteht tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit einem sich langsam öffnenden bzw. schließenden Wah-Pedal. Der Effekt könnte aber auch mit einem langsam eingestellten Phaser oder Flanger verwechselt werden.
Bei der Soft-Stellung des Kippschalters ist der Effekt quasi kaum wahrzunehmen, deswegen stand der Kippschalter bereits auf „Hard“.
Kommen wir zum Bass:
Im folgenden Klangbeispiel wird der Bass zunächst ohne Effekt gespielt und später aktiviert, um die Unterschiede wahrzunehmen. Aus einem brauchbaren Basston mit dem Jazzbass (beide Tonabnehmer parallel geschaltet) wird ein deutlich pegelschwächerer Sound (da der Filter die Bässe herauszieht), der eher an ein Rotary-Effekt als ein Auto-Wah erinnert.
Stellen wir nun den kleinen Kippschalter auf die „Normal“-Position:
In der Ausklingphase hört man gleichfalls die Entwicklung von Nebengeräuschen, wie Gitarristen sie beispielsweise vom Tremoloeffekt eines VOX AC30 kennen. Selbst wenn man mit allen Parametern ausgiebig experimentiert, lassen sich dem Pedal nur sehr wenige Sounds entlocken, die tatsächlich nach Auto-Wah klingen.
Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:
Stratocaster (SSH) bzw. Jazzbass – Harley Benton MiniStomp Shaft – Peavey Classic 20 MH (cleaner Kanal) – MESA/Boogie 1x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Shure SM57 – MOTU M4 – Mac mit Logic (etwas Hall vom Verstärker hinzugefügt). Der Bass wurde direkt in das M4 gespielt.
Hm, abgesehen von den weiteren Kritikpunkten scheint es sich hier um einen recht kuriosen Marketing Failure handeln.
Anhand des „Speed“-Reglers, der sich selbst auf anderen gut ausgestatteten Auto-Wah (z.B. EH Q-tron) gar nicht findet, hat der Ingenieur wohl eher einen LFO-Filter erschaffen wollen, während die Marketing-Abteilung dann daraus ein „Auto-Wah“ nebst einer hierzu treffenden Bezeichnung „Shaft“ gemacht hat.
Oder eben ein weiterer Fall für Tom Hanks mit „Lost in Translation“ (wer von uns kennt denn schon die korrekten chinesischen Schriftzeichen für „Auto-Wah“?)…..
In diesem Sinne sollte die Bewertung ggf. auch von „klingt wenig nach Auto-Wah“ abgeändert werden in: „Ist entgegen der Produkt-Beschreibung kein Auto-Wah (Envelope-Follower), sondern ein LFO gesteuerter Filter“.
@Metaphistopheles Tom Hanks? Wenn das der mürrische Bill hört…
joo, danke, scheint ich war Lost in Memories :-)
@Metaphistopheles Gute Erklärung. Aber nicht der Tester sollte die Produktbeschreibung anpassen, das sollte der Hersteller tun. Wie so oft bleibt es dabei: Wer bilig kauft, kauft doppelt.
@filmchen Danke.
Ich plädiere für beides: ;-)
a) Ein Hersteller der mit „Apfel“ wirbt und „Birne“ liefert, veräppelt seine Kunden und sollte sich gehörig an der Birne kratzen.
b) Ein Obst-Tester sollte in seiner Bewertung nicht schreiben „dieser Apfel schmeckt wenig nach Apfel“, sondern „Es wurde statt eines Apfels eine Birne geliefert“.
Man stelle sich nur vor, welche Konsequenz daraus erwachsen wäre, hätte Eva dem Adam die Birne der Erkenntnis gepflückt….. Dann würden wir heute noch in Paradies-Creme baden…..