Test: IK Multimedia ARC System 3, Software zur Lautsprecherkalibrierung

25. Mai 2020

Bessere Akustik ohne Umbauarbeiten

test IK Multimedia ARC System 3

IK Multimedia ARC System 3, Software zur Lautsprecherkalibrierung

„A new dimension of acoustic correction” verspricht der italienische Hersteller IK Multimedia auf der Produktseite zu seinem ARC System 3. Und diese „neue Dimension“ war – wenn ich mir unseren Test zum letztjährigen Vorgänger ARC System 2.5  anschaue – anscheinend auch bitter notwendig. „Nicht komplett unbrauchbar und kann einen auf die richtige Spur führen, das war’s dann aber wohl auch (…) Netter Versuch“ – so das Fazit meines Kollegen Markus Schröder. Da hat anscheinend auch IK Multimedia schnellen Handlungsbedarf gesehen. Hatte es rund sieben Jahre gedauert, um die Version 2.0 auf die Version 2.5 zu hieven, so verging kaum ein Jahr, bis man die Ausgabe 3.0 nachschob. Aber hat man damit die Kritikpunkte des Vorgängers ausräumen können? Ist das IK Multimedia ARC System 3 jetzt tatsächlich eine potente Hilfe bei der Verbesserung der Raumakustik im Studio, die sich auch gegen die Konkurrenz wie z. B. Sonarworks Reference behaupten kann?

IK Multimedia ARC System 3

Das ARC-Plugin

IK Multimedia ARC System 3: Was ist das überhaupt?

Das ARC System 3 besteht aus Messmikrofon, Analyse-Software und Korrektur-Plugin. Die Software gibt am Ende keine Ratschläge, durch welche baulichen Maßnahmen die Akustik meines Studios verbessert werden kann, sondern korrigiert vielmehr mit Hilfe eines Plugins das Abhörsignal – passt also das Signal an den Raum an. Was unter dem Strich natürlich wesentlich kostengünstiger ist als irgendwelche Umbaumaßnahmen. Sofern es dann funktioniert.

Versionen und Preise

IK Multimedia bietet auf seiner Website zwei Versionen an: Einmal die Software alleine (für offiziell 237,99 Euro) und einmal die Software plus MEMS Mikrofon (für 304,99 Euro). Das Bundle hatte allerdings zum Testzeitpunkt noch den Vermerk „Pre-Order“; als Lieferdatum wird das 2.Quartal 2020 angegeben. Heißt: Wer kein Messmikrofon hat, kann sich das „IK Multimedia MEMS Microphone for ARC System“ für aktuell 77,- Euro aber auch solo kaufen. Die gute Nachricht hier vorab: Das ARC System ist – anders als sein Vorgänger – nun auch mit den Modellen anderer Hersteller kompatibel.

Sicher sind die Rabatte, die IK Multimedia gewährt: Wer bereits ein IK-Multimedia-Produkt besitzt, das mindestens 99,- Euro kostet, bekommt das ARC 3 System als Crossgrade für ebenfalls 99,- Euro. Kunden, die die Version 2.0 haben, erhalten einen 50,- Euro Coupon; und wer die Version 2.5 nach dem 1. April 2020 erworben hat, erhält ein kostenloses Update auf die Version 3.0.

IK Multimedia ARC System 3

Die Installation ist – bis auf einige Kleinigkeiten – simpel

Ausgepackt bzw. heruntergeladen und installiert

Der Download der rund 50 MB großen Zip-Datei geht selbst in Gebieten mit schwacher Netzabdeckung schnell über die Bühne. Die Installation dagegen hakt zweimal kurz. Auf einem der Testrechner meldet sich der Virenscanner von Windows 10, weil die zu installierende Datei nachlässigerweise keinen Hersteller angibt und deshalb verdächtig erscheint, dann ließ sich das enthaltene Microsoft Visual c++ 2015 auf beiden Testrechnern nicht installieren – was aber nichts ausmacht, die Software läuft auch so.

Für die Autorisierung der Software wird dann ein (kostenloses) Kundenkonto bei IK Multimedia benötigt, das fix eingerichtet ist – plus den Authorization Manager von IK Multimedia. Nach der ersten Autorisierung gab es den Hinweis „9 Authorizations left“. Was bedeutet, dass IK Multimedia noch immer das System mit zehn möglichen Installationen fährt, statt endlich mal auf ein zeitgemäßeres System umzustellen, das z. B. drei mögliche Installationen anbietet, aber jederzeit die Rücknahme einer Installation ermöglicht – wie es fast überall schon lange Standard ist. So läuft man Gefahr, dass Menschen, die gerne mal ihren Rechner umbauen und upgraden, irgendwann ohne weitere Installation dastehen. Unverständlich, dass IK Multimedia da noch immer nicht nachgebessert hat.

IK Multimedia ARC System 3

Die Sache mit den Autorisierungen ist allerdings undurchsichtig und wenig zeitgemäß

Seltsamerweise verringerte sich der Counter aber nicht, als ich die Software auf meinen zweiten Rechner installierte – immer noch „9 Authorizations left“. Irgendwie ist dieses ganze System nur schwer zu durchschauen.

Das Handbuch ist als rund 60-seitiges englischsprachiges PDF mit beim Download mit dabei, kann aber auch jederzeit über die Website aufgerufen werden, sofern man dort angemeldet ist. zudem lässt sich das PDF auch jederzeit aus der Anwendung heraus aufrufen – ein Feature, das in der Version 2.5 noch fehlte.

Das ist neu in der Version 3.0

Für ihren neuen 3er hat sich IK Multimedia einiges vorgenommen. So soll das ARC System 3 einen brandneuen (natürlich besseren) Analyse-Algorithmus enthalten, der die Messungen nicht wie bisher nur an einem Punkt, sondern auf drei unterschiedlichen Höhenpositionen vornimmt. Dazu kommt ein (endlich) skalierbares GUI, das auch an Retina-Displays angepasst wurde. Viel wichtiger dürfte aber die Tatsache sein, dass ab sofort nicht mehr nur das Original IK-Multimedia MEMS-Mikrofon, sondern auch Messmikrofone von Drittherstellern genutzt werden können. Was zum einen gut für alle die ist, die bereits ein solches Messmikrofon besitzen, zum anderen aber auch die Möglichkeit gibt, eben auf andere, hochwertigere Modelle auszuweichen, falls sie dem MEMS kein Vertrauen entgegenbringen. Weshalb wir uns das MEMS-Mikro mal eben kurz näher anschauen.

IK Multimedia ARC System 3

Das MEMS-Mikrofon kann man auch einzeln kaufen

Das MEMS Messmikrofon

Bei den Messmikrofonen – die von der Form her allesamt ähnlich aussehen, eben wie große E-Zigaretten – finden sich zwei Klassen: Einmal die preiswerte Consumerklasse bis 100,- Euro (z. B. Sonarworks XREF 20 (59,- Euro), DBX DriveRackRTA-M (95,- Euro), IK Multimedia MEMS (77,- Euro), Behringer ECM8000 (36,- Euro)) und die teuren Profigeräte ab 400,- Euro aufwärts (z. B. Earthworks Audio M30 (739,- Euro), NTI Audio M4261 (549,- Euro) oder Earthworks Audio M23R (719,- Euro)). Das Feld dazwischen ist eher dünn besetzt (z. B. mit dem Beyerdynamic MM1 für 158,- Euro oder dem Audix TM-1 für 268,- Euro).

Das IK Multimedia MEMS macht mit seinem billig wirkenden Kunststoffgehäuse auf den ersten Blick keinen sonderlich vertrauenerweckenden und mit seinen gerade mal 25 Gramm Gewicht einen recht zerbrechlichen Eindruck. Selbst Behringers ECM8000 – das weniger als die Hälfte kostet und 136 Gramm auf die Waage bringt – ist mit einem stabilen Metallmantel versehen und hat zudem (neben der Mikrofonklammer) auch noch eine Aufbewahrungsbox und einen Windschutz mit im Lieferumfang.

Intermezzo: MEMS steht übrigens für „Micro-Electro-Mechanical-Systems”. Erstmals in Tintenstrahldruckern verbaut, werden mikroelektromechanische Systeme inzwischen in Airbags und Autoreifen, vor allem aber (seit 2002) milliardenfach in Mikrofonen von Telefonen, Tablets und Laptops verwendet. Anders als übliche Kondensatormikrofone mit ihren empfindlichen Kunststoffmembranen kommen in MEMS-Mikrofonen Akustiksensoren zum Einsatz, die mit Silizium-Wafern hergestellt werden, was zu einer wesentlich kleineren und stabileren Membran führt, die keine Abweichungen innerhalb einer Modellreihe aufweist.

Ein paar technische Daten: Das Kondensator-Messmikrofon mit Kugelcharakteristik ist 129,5 x 23 mm groß, läuft mit einer Phantomspeisung von 12 – 48 V, hat einen Signal-Rauschabstand von 65 dB(A) und verträgt einen Schalldruckpegel von 124 dBSPL. Während der Vorgänger (IK00008) noch aus einer Chrom-Stahl-Mischung bestand und fast 150 Gramm wog, soll die aktuelle Leichtbauweise das Mikrofon unempfindlicher gegen die Einflüsse von Temperatur und Feuchtigkeit machen. Mag ja sein – stabiler aber sicherlich nicht.

Der akustische Alptraum

Ich gestehe: Um die akustischen Gegebenheiten in meinem Arbeitszimmer (von meiner Frau gerne auch „Spielzimmer“ genannt) habe ich mich nie groß gekümmert. Neben meinem Zaor-Arbeitstisch und einem großen Holzrack (beide voll mit 19er-Geräten) finden sich da auch noch zehn Synthies, rund 30 Spielkonsolen (für meinen Zweitjob als Gamechecker), diverse Monitore, große Regalflächen voller Videogames, gefühlt 15 km an Kabeln und vieles mehr – nur eben keine Dämmplatten, Vorhänge oder ähnliche Signalkiller. Der Albtraum eines jeden Akustikers also. Zur Produktion von Tausenden von Radiobeiträgen für die ARD hat es in den letzten 20 Jahren trotzdem gereicht. Ob ich mit IK Multimedias ARC 3.0 da noch etwas rausholen kann? Oder kapituliert die Software angesichts dieses akustischen Albtraums?

IK Multimedia ARC System 3

Jetzt lassen sich auch Fremd-Mikros nutzen

Der Testaufbau: Take my hand

Messmikrofone, Verbesserung des Abhörsignals – klingt kompliziert und nach einem Ding für Fachleute. Die neue ARC 3.0 Software nimmt den Nutzer aber an die Hand und bringt ihn Schritt für Schritt durch den Analyseprozess. Dazu kann man auch gleich noch ein Videotutorial von der Startseite aus aufrufen – da sollte doch also wirklich nichts mehr schiefgehen.

Im ersten Schritt muss das passende Mikro ausgewählt werden. Zur Wahl stehen die älteren ARC Condenser Mic-Modelle von IK Multimedia (IK 000000 2, IK 000000 8) und das aktuelle ARC MEMS (aka IK 000000 X), aber erstmals auch Mikrofone von Drittanbietern, hier „Generic Measurement Mic“ genannt; bei denen lässt sich dann auch ein Calibration-File des Herstellers dazuladen, um das Ergebnis zu verfeinern.

Es folgt das Audio-Setup: An welchem Interface hängt das Mikro, welches Input/Output-Device wird gewünscht, welche Sample-Rate und Buffer-Size darf es denn sein. Auch das Mikrofonsignal wird hier schon angezeigt, was recht hilfreich ist. Anschließend müssen wir wählen, welche Raumfiguration wir bearbeiten möchten. Zur Wahl stehen „Project Studio“ (eine Person am Schreibtisch mit kleinen Speakern), „Studio – Monitor Spot“ (eine Person am Mischpult, große Speaker), „Studio – Wide Area“ (zwei Personen am Mischpult, große Speaker), „Studio – Back Area“ (wie Wide Area, aber plus zusätzlichem Sofa hinter ca. 1 m hinter dem Pult) und sogar „Movie Studio/Home Theater“ (Leinwand mit Speakern, davor zwei Reihen Kinositze à fünf Plätzen). Es ist also an so ziemlich jede mögliche Konfiguration gedacht. In meinem Fall entscheide ich mich für das „Studio – Monitor Spot“.

Das Mikrofon muss dann für den anschließenden Playback/Mic PreAmp Level-Test auf Kopf- bzw. Ohrhöhe auf einem Stativ befestigt werden. Dazu wird ein Testton ausgegeben, so dass ich da noch nachbessern kann, bis mir die Software anzeigt: Alles im grünen Bereich. So weit, so gut.

IK Multimedia ARC System 3

Die erforderlichen Messpunkte werden angezeigt (Hier am Beispiel Einzelplatz)

Der 21-Punkte-Test

Für die Raumanalyse benötigt ARC 3 sieben Messpunkte auf drei verschiedenen Höhen (Ohrhöhe sowie jeweils 15 cm darüber bzw. darunter). Die einzelnen Capture-Punkte – einer am Kopf (wobei ich mich schon ja frage, wo genau ich bitte in der Kopfmitte 15 Zentimeter unterhalb der Ohren das Messmikrofon platzieren soll – in den Mund schieben?), der Rest um den Körper herum – sind im Programm angezeigt. Die Position des Mikros müsse nicht exakt sein, versichert mir der virtuelle Assistent, eine ungefähre Position würde völlig reichen.

Das bekomme ich hin, denke ich, platziere das Mikro, drücke auf „Capture Point“, je drei kurze Töne werden aus der linken und rechten Box abgeschossen – und es erscheint eine Fehlermeldung. „Oops, something went wrong, please try again“. Was genau nun schiefgegangen ist, verschweigt mir ARC. Doch die falsche Position? Nach ca. zehn weiteren Versuchen habe ich den Fehler gefunden: Das zuvor ermittelte Mikrofon-Level war für den Test ein ganzes Stück zu niedrig. Einfach ein ganzes Stück weiter aufdrehen, dann funktioniert ist. Ich probiere die Einstellung anschließend noch mal auf der Testseite: „Zu laut“. Na egal, für die Analyse jedenfalls ist es gerade richtig.

Die Analyse der 3x 7 Punkte dauert rund eine Viertelstunde, unterbrochen von gelegentlichen Fehlermeldungen. Meist hilft da einfach ein zweiter Versuch vom selben Messpunkt aus. Am Ende dann wird die Raumanalyse gespeichert, um sie anschließend im „ARC3 Correction Plugin“ zu nutzen. Dafür muss ich auch noch eines der 33 „reference speaker icons“ auswählen. Ob ich da nun einen Speaker wählen soll, der meinem ähnlich sieht oder ob die Auswahl rein kosmetischer Natur ist, verschweigt mir die Software. Im Handbuch finde ich dann etwas versteckt den Hinweis, dass die Wahl des Icons keinen Einfluss auf den Sound hat. Das abschließend gespeicherte Analysefile wird dann anschließend im Plugin wieder aufgerufen.

IK Multimedia ARC System 3

Das Speaker-Icon ändert nichts am Sound

Das Plugin

Alles bis jetzt war Vorarbeit; die Früchte der Arbeit ernten wir dann mit dem Correction-Plugin, das auf den Stereo-Master-Bus der DAW gelegt wird. Hier laden wir das Analyse-File, das dann für die notwendigen Änderungen sorgt. Dabei lässt sich schnell zwischen den verschiedenen Raum-Settings umschalten: Eben mal alleine abhören, kommt der Kollege rein oder die Band, nimmt man halt ein anderes Korrektur-File. Da der Algorithmus in ARC 3 geändert wurde, können mit vorherigen Versionen ermittelte Messungen nicht mehr verwendet werden, da müssen dann neue her.

IK Multimedia ARC System 3

Hier die Kurve für meine linke Box … (grün: vorher, orange: nachher)

Im Mittelpunkt des Plugins stehen die Messkurven, getrennt nach links/rechts und Vorher/Nachher. In meinem Fall hat ARC 3 den Bassbereich der linken Box (die in einer Ecke steht und damit anfälliger ist für die Verstärkung von Bassfrequenzen) zwischen 20 und 50 Hz ordentlich gebändigt und dafür Höhen jenseits der 15 kHz nachgelegt. Auf dem rechten Kanal wurde die Kurve zudem insgesamt „gebügelt“ und Ausreißer gemaßregelt. Vom Höreindruck klingt das jetzt tatsächlich etwas ausgeglichener; nicht so dramatisch, dass es direkt ins Ohr fällt (in meinem Alter hört man die Frequenzen oberhalb von 15 kHz ja eh kaum noch), aber schon hörbar. Auch das Stereobild scheint mir eine Spur transparenter und klarer zu sein. Wie gesagt: Da wurde jetzt nichts komplett auf den Kopf gestellt, so dass ich dann mit offenem Mund vor meiner DAW saß, das ist mehr Feinschliff als Axt.

Im Test der Version 2.5 hatte Kollege Schröder in seinem Raum eine überdimensionierte Basskorrektur und einen radikal geänderten Grundklang seiner Boxen festgestellt; entweder trägt da also inzwischen der komplett neue Algorithmus Früchte oder das Ergebnis ist extrem vom Ausgangsmaterial bzw. der individuellen Messung oder der Boxen abhängig.

IK Multimedia ARC System 3

… und hier für die rechte Box

Der ermittelte Verbesserungsvorschlag  ist aber ohnehin nicht das letzte Wort: Im Edit-Fenster des Plugins lässt sich das Ergebnis durch Lo/Hi-Range-Controls (zum Beispiel um altersgerecht die Frequenzen über 15 kHz aus der Bearbeitung zu nehmen), variable Auflösung des Korrekturfilters, Phase-Mode-Options (Natural, Linear) und sechs frei setzbare EQ-Breakpoints auf der grafischen Verlaufskurve an eigene Hörgewohnheiten und Vorlieben anpassen und in vier Presets speichern; so sind dann auch schnelle X/Y-Vergleiche möglich. Allerdings sollte man diese „Individualisierungsmöglichkeiten“ – wenn überhaupt – dann möglichst behutsam einsetzen, machen sie ansonsten die vorherige aufwändige Messung doch eigentlich obsolet.

IK Multimedia ARC System 3

Virtual Monitoring für ein Smartphone

Sehr nützlich schließlich ist die Möglichkeit, per „Virtual Monitoring“ verschiedene Systeme vom kleinen Smartphone über LCD-TVs in verschiedenen Größen bis hin zu Laptops, Car Hi-Fi und verschiedenen Nahfeldmonitoren zu emulieren. Da weiß man dann gleich, wie sich der Mix außerhalb der (eventuell hochwertigen) Studiomonitore anhört und den dann entsprechend anpassen.

Fazit

Gegenüber seinem 2.5-Vorgänger hat das IK Multimedia ARC System 3 gut zugelegt. Die Handhabung ist – bis auf einige unerklärliche Fehlermeldungen beim Messvorgang, die sich dann aber beheben ließen – recht simpel, das Ergebnis im Test war (subjektiv) eine Verbesserung gegenüber dem Ausgangszustand. Dass die dann vom Höreindruck her eher dezent ausfiel, kann viele Gründe haben; man müsste ARC 3 sicher mit mehreren/vielen unterschiedlichen Settings (andere Boxen/Räume) testen, um zu sehen, ob sich der Eindruck der eher vorsichtigen Anpassung verallgemeinern lässt oder ob es an anderer Stelle dann zu drastischeren Änderungen kommt. Die Neuerungen (neuer Algorithmus, skalierbares neues Interface, Einsatz auch von Fremdmikrofonen) jedenfalls machen ARC 3 auch für umstiegswillige ARC-Altbesitzer lohnenswert. Ob man nun aber generell eine derartige Mess-Software benötigt, muss am Ende jeder für sich entscheiden. Ich jedenfalls werde ARC 3 auch weiterhin einsetzen.

Plus

  • verbesserter Analyse-Algorithmus
  • skalierbares Interface
  • endlich auch Fremdmikrofone nutzbar
  • simpler Analyseprozess
  • mehrere Settings speicherbar
  • anschauliche Messkurve
  • Editorfunktion
  • Emulation verschiedener Speaker-Settings per Virtual-Monitoring

Minus

  • temporäre Aussetzer beim Einmessen mit undefinierten Fehlermeldungen
  • veraltetes Autorisierungssystem
  • MEMS-Mikrofon im Plastikgehäuse

Preis

  • 237,99 Euro (nur Software)
  • 304,99 Euro (Bunde mit MEMS-Mikro)
  • 77,- Euro (MEMS Messmikrofon)
Forum
  1. Profilbild
    arnte  

    Jedem der sich etwas mit Akustik und den Einflüssen des Raumes auf selbige beschäftigt hat ist klar, dass nicht der Frequenzgang sondern die Nachhallzeiten über den Frequenzverlauf das wichtigste Kriterium ist. Im so genannten „Wasserfall Diagramm“ sieht man dann neben den Nachhallzeiten auch den Frequenzgang gleich mit. Klar, eine Änderung des Frequenzgangs kann auch die Nachhallzeiten mit beeinflussen. Solange diese PlugIns zur „Raumkorrektur“ aber nicht auf die Nachhallzeiten abzielen und das auch darstellen, kann ich die leider nicht so richtig ernst nehmen. Dann doch lieber REW und selber basteln.

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      Markus Galla  RED

      Was nicht mit einer Frequenzgangkorrektur geht: Nachhallzeiten für Frequenzen verkürzen, Raummoden unterbinden. Schon die beiden Kriterien erschlagen jedes Werbeargument. Ohne eine Behandlung der Akustik lässt sich in einem Raum weder vernünftig aufnehmen noch mischen. Das sollte jedem klar sein, der den Kauf in Betracht zieht. Ich habe mal das Plugin von Sonarworks getestet und das Ergebnis ist erschütternd. Es ist unglaublich, was der Raum dem Plugin alles vorgaukelt. Ist das Messmikrofon auch nur einmal im Druckbereich einer Raummode, wird der Bass massiv herunter geregelt. Ist es hingegen genau am Spot mit der maximalen Auslöschung, wird der Bass massiv hochgeregelt. Die Algorithmen wissen eben nicht, warum das Signal an einem Punkt so ist wie es ist. Man kann auch einfach mit REW oder einer anderen Software an mehreren Punkten messen, das Ergebnis mitteln lassen und dann die Korrektur mit einem EQ-Plugin auf dem Master vornehmen (nicht vergessen, dieses vor dem Rendern wieder auszuschalten). Das gesparte Geld investiert man dann besser in einige günstige Lösungen zur Optimierung der Akustik.

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        Michael Krusch  RED

        Dass so ein Plugin die Nachhallzeit des Raumes nicht direkt ändern kann, ist wohl klar.
        Wenn dir aber die eine Raumresonanz den Rest der Musik übertönt und das Plugin diese Frequenz leiser machst, kannst du auch damit besser arbeiten.
        Natürlich sollte man das Problem an der Wurzel bekämpfen, aber im realen Leben ist das nicht immer möglich.
        Und auch ein akustisch behandelter Raum profitiert von so einem Plugin, der er nie dem Ideal entspricht.
        Um das Problem der Raummoden zu umgehen, nimmt man mit der Software Messungen an verschiedenen Stellen vor. Man stellt das Mikrofon ja nicht nur an eine Stelle.

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          Markus Galla  RED

          Ich bezweifele trotzdem stark, dass das einen Unterschied macht, denn auch Sonarworks misst an vielen verschiedenen Punkten. Die damit erstellten Mischungen klingen aber am Ende erheblich verzerrt, weil eben der Raum an jedem Punkt anders klingt und die errechnete Kurve aber nur für einen einzigen Punkt gültig sein kann. Sprich: Sie ist für keinen einzigen Punkt optimal, da sie gemittelt ist. Angesichts der gezeigten Grafiken der errechneten „Optimierung“ scheint mir das gleiche Problem wie bei Sonarworks zu bestehen: Die Eingriffe sind viel zu radikal. Mal davon abgesehen: Man kann auch einfach für wenig Geld ein Messmikrofon kaufen und REW kostenlos nutzen, dann an mehreren Punkten messen und schauen, was passiert. Absorber und Diffusoren kann man selber bauen oder schon mit einfachen Mitteln aus dem Handel große Verbesserungen erwirken. Thomann bietet günstig Komplettpakete für die Akustikbehandlung von Räumen an. Da ist das Geld besser investiert. Wer geführt werden möchte, testet Sonarworks einfach kostenlos und leitet aus der errechneten Korrekturkurve die EQ-Kurve für das DAW EQ Plug-in ab beziehungsweise nimmt anhand der Kurve die Verbesserungen im Raum vor. Das macht man ohnehin nur einmal, wenn alles passt, muss man ja nicht ständig neu messen.

          • Profilbild
            tenderboy  

            Also bei Sonarworks mach ich so 20 Messungen im Umkreis von einem halben Meter rund um den Sweetspot. Die gemittelte Kurve kann man dann noch insgesamt stärker absenken oder anheben.

            Generell klingen meine Mixes jetzt auf den meisten Anlagen jetzt wesentlich ausgewogener als zuvor. Wo die Hauptmode meines Raumes zuvor Probleme im Bassbereich verursacht hat, die die Mixes auf anderen Anlagen unterschiedlich klingen hat lassen, ist jetzt die Portability wesentlich besser.

            Der Raum ist akustisch bearbeitet mit einigem an Akustikmaterial, die Probleme im Bassbereich aber damit nicht behebbar ohne viel Platz oder viel Geld zu kosten.

            Für mich hat sich Sonarworks schon mehrfach gerechnet. Zusätzlich ist ist es super, dass die Korrektur auch in die Windowstreiber eingebunden werden kann.

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