Test: Kali Audio IN-5, Nahfeldmonitor

22. März 2021

3-Wege-System zum kleinen Preis

kali audio in-5 test

Kali Audio IN-5, Nahfeldmonitor

Mit der Kali IN-5 hat der kalifornische Hersteller Kali Audio seinen neuesten Studiomonitor vorgestellt und für einen Stückpreis von nicht einmal 350,- Euro bekommt man hier ein Ausstattungspaket, bei dem andere Hersteller nur träumen können. Ob die Features und Funktionen auch einem studiotauglichen Klang zugutekommen, das schauen wir uns im folgenden Test an!

Ausstattung des Nahfeldmonitors

Mit den Maßen 382 x 286 x 205 mm überragt der Kali die meisten seiner Mitbewerber um ein paar Zentimeter und auch die angegebenen 10,4 kg zeigen, dass hier offensichtlich eine Menge „Material“ verbaut wurde – und dem ist in der Tat so: Das 3-Wege System arbeitet mit einem 5“ Basstreiber, einem 4“ Mitteltöner, der als Koaxialchassis konzipiert wurde und in seinem Zentrum einen 1“ Soft-Dome-Hochtöner trägt.

Als Aktivlautsprecher wird jedes Chassis von einer eigenen Endstufe mit 80 Watt (Woofer) und jeweils 40 Watt für Midrange und Tweeter angetrieben. Interessant ist, dass für den Bassbereich sogar 20 Watt mehr zur Verfügung stehen als beim großen Bruder, der IN-8 mit 8“ Basschassis. Die Übergangsfrequenzen liegen bei 280 Hz und 2.800 Hz – was mich etwas stutzen lässt. Im unten anzusehenden Video wird von einer echten Koax-Box mit „angeflanschtem“ Subwoofer gesprochen, wobei 280 Hz nun doch schon deutlich in den unteren Mitten zu finden ist. Nun gut – wichtig ist, was vorne rauskommt.

KaliAudio_IN-5_Front_Close

Die Chassis sitzen in einem Holzgehäuse, wobei die Befestigungsschrauben hinter einer Kunststoffblende versteckt sind. Zwischen den beiden Chassis sitzt noch ganz verloren eine kleine blaue LED, die einem zeigt: Ich bin eingeschaltet und „ready for action!“ Das Material von Bass und Mitteltöner ist „schnödes“ Papier, aber richtig verarbeitet hat sich dies in vielen Lautsprechern als ein sehr tauglicher Werkstoff bewiesen. Klar – die Kohlefaserbeschichtung meiner KSD C88 Ref. gibt schon mehr her, aber noch mal: Wichtig ist, was vorne rauskommt!

Apropos vorne rauskommt: Die Schwungvoll designte Bassreflexöffnung hat natürlich den Sinn, dass man auch bei höheren Pegeln keine Flattergeräusche oder Kompressions-Pusten wahrnimmt. Aber den Satz hört man ja mittlerweile von fast allen Herstellern mit Bassreflexrohren – aber nicht alle bekommen es auch so hin. Dazu später mehr.

KaliAudio_IN-5_Studio Front

Die Rückseite sieht oben auf den ersten Blick aus wie die Tafel nach einer 45-minütigen Mathematikvorlesung: Skizzen und Grafiken und ein kleines Mäuseklavier zur Anpassung der Speaker an Raum und Aufstellung. Ich bin bei diesen Grafiken auf der Monitorrückseite hin- und hergerissen. Auf der einen Seite sind alle Informationen an der Box und das Handbuch findet man nach dem Auspacken sowieso nie wieder. Ist der Monitor aber fest eingebaut, dann kann man meist nicht mehr „schnell mal“ auf die Rückseite schauen, um die Höhen doch noch etwas zurückzunehmen. So ist dann das Handbuch doch wieder notwendig. Ich werte dies aber nicht als Nachteil, sondern als Geschmackssache.

Das gilt auch für die Frage, ob ein moderner Studiomonitor wirklich noch einen Cinch-Eingang braucht? Die IN-5 bietet natürlich aber auch Klinken- und XLR-Buchsen an. Der Cinch-Stecker ist doch schon aufgrund seiner Mechanik nicht für eine Studioverbindung geeignet. Aber stören tut er auch nicht. Und sie wissen ja: wichtig ist … ja, okay.

KaliAudio_IN-5_Grafik

Ein Pegelregler, die Kaltgerätebuchse und ein Ein/Aus-Schalter runden die Ausstattung der Kali IN-5 ab. Sehr ordentlich für diese Preisklasse, wie ich meine.

KaliAudio_IN-5_Connection

Wie ist die Kali Audio IN-5 verarbeitet?

Dieses Kapitel beginne ich ziemlich ungern mit einem Autovergleich (bitte um Applaus!). Saßen Sie schon mal in einem Dodge Challenger, Ford Mustang oder einem Chevrolet Camaro? Wenn Sie zum US-Car Händler mit Ihrem Fahrzeug eines deutschen Premiumherstellers gefahren sind und sich dann in diesen US Boliden gesetzt haben, dann werden sie beim Ausatmen ein langgezogenes „Okeeeeeeeh“ von sich geben. Alles da, was man braucht und es wackelt oder knarzt auch mittlerweile nicht mehr, aber eine sorgfältige Verarbeitung sieht nun mal anders aus. Und so kommen wir zur Kali: Im Grunde gibt es nicht viel zu meckern und so auf den ersten Blick passt es schon. Beim genauen Hinsehen fällt auf, dass der Klebstoff, der die Kalotten fixiert, nicht so perfekt aufgetragen wurde.

KaliAudio_IN-5_Bassreflex

Beim Blick ins Bassreflexrohr fällt einem auch eine unsaubere Kante auf und apropos Kante: Die hinteren Gehäuseecken sind leider sehr scharfkantig, hier sollte man tunlichst aufpassen.

KaliAudio_IN-5_Ecke Spinne

Kurzer Besuch während des Tests!

Bei der vorderen Blende fragt man sich auch: Bug oder Feature? Der Kunststoff formt an der oberen Kante einen leichten Bogen, so dass die Blende nicht gerade am Holzgehäuse sitzt. Das wirkt ein bisschen so, als ob sich die Blende beim Montieren etwas verformt.

KaliAudio_IN-5_Abdeckung

Zurück im Autohaus ermutigt Sie der Händler, das Fahrzeug doch bitte einmal zu starten und in diesem Moment wissen sie: Wichtig ist, was vorne rauskommt! Ob das bei der Kali auch so ist, finden wir im Kapitel zur klanglichen Bewertung raus!

Die Messwerte

160 Watt Gesamtleistung, 39 Hz (-10 dB) als untere Grenzfrequenz, 115 dB maximaler Schalldruck (SPL) bei weniger als 2 % Verzerrung (THD). Das klingt für einen Studiomonitor in dieser Preisklasse schon mal mehr als anständig. Dazu ist der Frequenzgang ist wie mit dem Lineal gezogen. Die Elektronik ist sehr rauscharm – in normalen Studiobedingungen ist kein Rauschen zu hören. Von dieser Seite aus passt alles sehr gut!

aliAudio_IN-5_Frequecy

Wie klingt die IN-5 von Kali Audio?

Fangen wir so an, damit für Sie, lieber Leser, jede weitere Kritik immer relativ zu folgender Aussage einzuordnen ist: Die Kali IN-5 ist preisbezogen ein sehr guter Monitorlautsprecher, der im Heimstudio und als Zweitabhöre für die Musikproduktion sehr gut geeignet ist. Punkt.

Setzen wir die Kali in Relation zu anderen Monitorlautsprechern in diesem Preisgefüge, fällt einiges auf, was einem bewusst sein sollte. So ist der Bass kräftig und auch sehr definiert. Selbst mit 2 dB Anhebung und höherem Pegel wird er nie unsauber oder verwaschen. Bei Diana Partons „Thats All“ kommt der akustische Bass stets kontrolliert und auch ausreichend tief. Ein Subwoofer ist hier nicht notwendig. Selbst die oft kritischen und zum Dröhnen neigenden harten Zupfer kommen unkomprimiert und mit dem notwenigen Druck. Und auch bei höheren Pegeln blieb die Bassreflexöffnung angenehm leise. Strömungsgeräusche oder Chassis-Flattern war nicht zu vernehmen.

KaliAudio_IN-5_Front_Close

Der Mittenbereich ist recht neutral, wirkt aber im direkten Vergleich immer etwas verhangen. So fehlt mir bei Frauenstimmen das Strahlen und die Offenheit. Das Klavier wirkt in den höheren Lagen präsent, aber auch hier hat man stets den Eindruck, dass der Pegel zwar stimmt, aber die Oberwellen zu leise sind. Damit wird wieder einmal klar, dass der Sinus- oder Burst-Frequenzganz eines Lautsprechers durchaus völlig linear sein kann, aber das den Charakter des Speakers nicht widerspiegelt. Da sich in dem Bereich, wo die Kali IN-5 etwas verhalten spielt, auch die Übergangsfrequenz zwischen den Koaxialchassis befindet (2.800 Hz) kann (!) man annehmen, dass es sich hier vielleicht um Interferenzen handelt, zudem sich zwischen Soft-Dome und Mitteltöner auch kein „Wave Guide“ oder ein ähnliches Hilfsmittel befindet, um gegenseitige Auslöschungen zu reduzieren. Ob ich hier richtig liege, müssten aber genauere Messungen belegen.

KaliAudio_IN-5_LED

Auch in den Höhen würde ich die Kali IN-5 nicht zu Analytikern zählen, was aufgrund des Soft-Domes auch nicht zu erwarten ist. Die Gewebekalotte der Kali spielt aber recht feinsinnig und dynamisch auf und fügt sich gut in das Klangbild der Kalifornierinnen ein. Detail-Freaks sollten sich aber lieber bei Lautsprecher mit einem AMT (Air Motion Transformer, z. B. von Elac) umsehen. Leider leidet aber oft die Musikalität eines Lautsprechers unter einer Klanglupe im Hochtonbereich.

Von der Räumlichkeit bin ich eher enttäuscht – das muss ich so hart sagen. Gemessen an den Mitbewerbern (Tannoy, Fluid Audio) mag sich der Klang nicht so recht von den Chassis lösen und auch die Tiefen und Breitenstaffelung ist nicht so ausgeprägt. Eine genaue Lokalisierung von Instrumenten fällt mir bei der Kali IN-5 eher schwer – wobei dies auch der einzige echte klangliche Negativpunkt der Kali ist. Wenn man sich ein Koax-System kauft, dann sollte doch eigentlich genau hier die Stärke liegen. Auch hier könnten sich mögliche Interferenzen im Mittelhochtonbereich als Spielverderber entpuppen, denn genau hier nehmen wir Menschen auch sehr viele Rauminformationen auf.

Fazit

Mir ist es wichtig, an dieser Stelle zu betonen, dass die Kali IN-5 dem positiven Ruf des Herstellers alle Ehre machen. Nicht überschäumende, detailreiche Klangspektakel sind ihr Metier, sondern eine nüchterne und neutrale Wiedergabe der Aufnahme. Hier kauft man Langzeittauglichkeit anstatt Effekte und Sensationen. Ein in sich stimmiges Klangbild war bei der Entwicklung der IN-5 sicher oberste Devise. Nur in Sachen räumlicher Abbildung und Verarbeitung habe ich mir ehrlich gesagt mehr erhofft.

Und so haben die Amerikaner bei mir einen sehr guten Eindruck hinterlassen und dem hier geprägten Satz „wichtig ist, was vorne rauskommt“ alle Ehre erwiesen!

Plus

  • Ausstattung
  • Klang
  • Bassqualität
  • Neutralität

Minus

  • Verarbeitung
  • räumliche Abbildung

Preis

  • 349,- Euro (Stückpreis)
Forum
  1. Profilbild
    dns370

    Danke für den Beitrag, hatte die auf meinem Radar! Jetzt nun nicht mehr – werde mich wohl den KSD’s zuwenden – klein und mit genügend saft für meine Sache

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      maho

      Hab die C5 und kann nur bestes drüber berichten!
      Bin immer wieder überrascht was aus den kleinen Dingern so alles rauskommt und vorallem wie tief die runter können. Einige Leute berichten darüber dass sie wohl hart und digital in den Höhen klingen, was ich aber nicht bestätitgen kann (habe Genelec 8020 zum Vergleich). Ich konnte nur festsellen dass die LS ein wenig Zeit gebraucht haben um richtig zu klingen. Soweit ich es techn. nachvollziehen kann, scheint Burn-In kein Mythos zu sein, kann aber auch durchaus an mir gelegen haben….

      Ein wenig verwirend finde ich die Tatsache, dass man nicht Digital rein kann. Auch dass man sich das digitals Innenleben nicht (noch?) zunutze gemacht hat und ein zusätzliches Kit für die Raumoptimierung anbietet.
      Auch wenn ich die LS angemessen bepreist finde, kann ich die (sündhaft teure) Remote nicht als Alternative zu Systemen wie bspw. GLM (Genelec) oder MA1 (Neumann) sehen. Aber was nicht ist kann ja noch werden…. ;)

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        maho

        Ach ja, bevor ich es vergesse weil es bei DSP LS immer wieder thematisiert wird:
        eine zusätzliche Latenz durch Wandlung/DSP liegt außerhalb meiner Wahrnehmung. Ich bin zwar „nur laienhafter Elektromucker“ der kein zeitkritisches Klavierspiel vorweisen kann, aber traue mir trotzdem zu einen Unterschied wahrnehmen zu können, wenn dieser in nennenswertem Ausmaß vorhanden wäre.
        Natürlich schließe ich aber nicht aus, dass sich Andere daran störten.

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    Vincent  RED

    Vielen Dank für den tollen Test! Fand die LS sehr spannend – danke für die gute Einschätzung! Vielleicht stell ich sie mir mal zum probieren hin. :)

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    JensNieco  

    Jörg deine Test lies ich wirklich am liebsten, nicht nur weil du zum gleichen Ergebnis kommst wie ich, nein auch weil du oft auch dinge so schön erklärst.
    Eigentlich sind Lautsprecher Test nicht viel Wert, es wird Tester geben die deine Kritik Punkte als die Größten Pluspunkte Bewerten werden, ich sehe schon andere die das Undifferenzierte in den Mitten als Linear Empfinden nach dem Motto, Mitten müssen so klingen weil sonst HiFi Note.
    Meine KRK hier haben auch diese Verarbeitung, jetzt nichts wildes aber die Spaltmassen sind um beim Auto Vergleich zu bleiben US vs DE nicht wirklich gut oder um genau zu sein zweckmäßig, aber eigentlich ist das zu einfach gedacht, meine Presonus hier haben eine 1A Build Qualität, insbesondere gemessen am Preis, und ich kenne Deutsche Lautsprecher und Firmen die es mit Qualität auch nicht so genau nehmen.

    Mir Klingen die Kalis zu bedeckt und die Hochtöner haben nicht die Details wie ich es mir Wünsche, aber das gilt nicht für die In-5 die hab ich noch nicht gehört.

    lg

  4. Profilbild
    wintegralle  

    Danke nur voll angefahren schlagen sie durch…Bass naja geht besser…Höhen sind ok…mehr nicht..wie gesagt sie schlagen aus…dennoch …leise gesehen einer der besten Ford money..hab sie da..lg..hab sie gegen Krk vt 8 alt, und Gibson auch Krk anlaufen lassen…und die vt 8 sind mir schon zweimal zu Bruch gegangen ..Höhen…die Gibson nicht..komisch…bei denen hier getesteten weiss ich …dauert net lang…weg…also leise.lg

  5. Profilbild
    wintegralle  

    OK sagen wirs so da ich die besten gehört hab..die kannst getrost in die Tonne schmeissen…es sind nur Boxen um auszuloten …wie klingst…mehr nicht….dennoch mag i sie….Mal schauen wenn sie dicht machen..lg..und da ich denn Mist zulange mache ..Anfänger Finger weg…sind nur Spielboxen….bis die Durchschlagen ..und das tun sie..fahr sie voll an und geben nach…Hmmm…muss jeder selber wissen.

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