Test: Korg Kross, Synthesizer-Workstation

2. Oktober 2013

Korgs neue Einsteiger-Workstation

Nicht nur für Live-Keyboarder könnte das neue Produkt aus dem Hause Korg interessant sein. Neben vielen Sounds und Funktionen verfügt die Workstation über einen Sequencer, Arpeggiator und weitere Bestandteile für den kompletten Produktionsprozess. Alles gute Gründe, sich die Korg Kross einmal genauer anzuschauen.

Überblick

Korg bringt die Workstation Kross sowohl in der 61er als auch der 88er-Version auf den Markt. Mit gerade einmal 4,3 kg (88 Tasten: 12,4 kg) bietet sich die Kross zunächst vor allem für den Live-Einsatz an. Die Tastatur der 61er-Version ist leicht gewichtet und lässt sich gut spielen. Aftertouch bietet sie leider nicht, dafür einen guten Anschlag, mit dem man sowohl pianistisch sein Können zeigen, als auch mit einem Synth-Solo überzeugen sollte. Der größere Bruder mit dem vollen Tastaturumfang bietet eine „Natural Weighted Hammer Action“-Tastatur, die eher in Richtung der Pianisten geht.

Farblich sieht die Kross von oben zunächst aus wie viele andere Keyboards auch. Dreht man die Workstation jedoch einmal herum, strahlt einem die feuerrote Unterseite entgegen. Dieser farbliche Akzent wird vor allem auf der Bühne zur Geltung kommen und verleiht der Workstation ein sehr modernes Äußeres. Dazu trägt auch das Gehäuse bei, was vor allem seitlich und auf der Hinterseite mit einigen abgerundeten Kanten überzeugen kann.

Die Unterseite ist richtig schön rot und sogar mit Tragegriff

Wer die bisherigen Workstations von Korg kennt, wird sich auch gleich auf der Kross zurechtfinden. Program, Combinations, Sequencer und eine Sektion für die globalen Einstellungen kennt jeder, der schon öfters mit den Korg Geräten gearbeitet hat. Ein Großteil der Bedienung erfolgt über das 240 x 64 Pixel große LC-Display.

Für das Arbeiten im Live-Betrieb reicht das Display auf alle Fälle aus, denn alle wichtigen Informationen werden klar und deutlich dargestellt. Sounds programmieren macht damit jedoch weniger Spaß, so dass der Hersteller passenderweise eine Editor-Software für PC und Mac mit zum Kross dazu gepackt hat. Damit lässt es sich schon erheblich besser und komfortabler arbeiten.

Die Verarbeitung des Gehäuses und der Bedienelemente ist sehr gut. Trotz des gewichtssparenden Plastiks ist das Gehäuse sehr stabil, die Drehräder sind zwar sehr leichtgängig, laufen aber absolut sauber in ihren Bahnen und die Funktionstasten haben einen ordentlichen Druckpunkt und sind größtenteils hintergrundbeleuchtet. Ganz links befinden sich Pitch Bend- und Modulationsrad. Direkt darüber zwei SW-Tasten, die man frei mit verschiedenen Funktionen belegen kann.

Anschlüsse

Zwei Audioausgänge (2x 6,3 mm Klinke), Anschluss für einen Kopfhörer (3,5 mm Klinke) sowie ein Audio- und Mikrofoneingang sind die Hauptverbindungsmöglichkeiten des Kross. Strom bezieht die Workstation wahlweise per externem Netzteil oder mit Hilfe von sechs AA-Batterien. Laut Hersteller liegt die Betriebsdauer mit Batterien bei rund 4-5 Stunden. Ein MIDI-Duo, ein SD-Kartenslot, USB-to-host Anschluss sowie drei Buchsen für Damper, Switch und Pedal komplettieren die Rückseite der Kross.

Klangerzeugung und Favorites

Im Inneren der Korg Kross arbeitet eine Klangerzeugung namens EDS-i (Enhanced Definition Synthesis-integrated) mit einer maximalen Polyphonie von 80 Stimmen. Diese zeichnet verantwortlich für insgesamt 768 Sounds und 32 Drum-Sets. Besonders die 890 Drumsamples, wovon 49 in stereo vorliegen, lassen aufhorchen. Doch fangen wir ganz klassisch bei den Pianos an. Sowohl die A- als auch E-Pianos sind durch die Bank weg sehr gut. Vor allem die vielen unterschiedlichen Soundvariationen ermöglichen ein extrem großes Einsatzgebiet. Per SW1/2 Taste lassen sich bei einigen Presets gut klingende Effekte wie WahWah oder Phaser hinzuschalten. Diese können jedoch auch eigenständig mit anderen Funktionen belegt werden. Weiter geht es mit Standard Brot-und-Butter-Sounds wie Orgeln, Bläser und Streicher. Auch hier findet sich eine gute bis sehr gute Klangqualität, die ganz klar auf den Live-Einsatz ausgelegt ist. Sound anwählen, möglicherweise leicht an die eigenen Wünsche anpassen, speichern und ab auf die Bühne. Intern können maximal 64 sogenannte Favorites abgelegt werden, die man auf Knopfdruck in einer von vier Bänken à 16 Speicherplätzen wiederfindet. Jedem Favorite kann eine Audiodatei zugeordnet werden, so dass man mit dem Kross auch sehr gut (Halb-) Playbacks fahren kann. Klanglich lassen sich die internen Sounds per Tone Adjust bzw. EG Adjust beeinflussen. Damit erhält man Zugriff auf die wichtigsten Parameter wie die komplette Hüllkurve, Cutoff, Resonance und viele weitere Klangcharakteristika.

Angewählt werden die Program-Sounds übrigens über den Category Drehknopf, der die gesamten Sounds in Kategorien wie Piano, E-Piano, Organ, Strings etc. aufteilt. Dieser befindet sich direkt links vom Display.

Maximal 16 Programs zusammen ergeben bei Korg eine Combination, die neben den ausgewählten Sounds auch Tastatur-  und Effekteinstellungen beinhaltet. Gerade in diesem Combination-Modus kommt der Arpeggiator der Workstation sehr gut zur Geltung. Im Programm-Modus steht eine Einheit des Arpeggiators zur Verfügung, im Combination-Modus gleich zwei voneinander unabhängige Einheiten. Der Arpeggiator bietet neben einfachen Standard-Presets insgesamt 916 Typen ab Werk. Damit kann man den Sounds der Kross richtig Leben einhauchen. Zusätzlich kann man per Drum Track-Funktion Schlagzeugpatterns mitlaufen lassen. In den Combination-Hörbeispielen hört man sowohl die Drum Track-Funktion als auch den Arpeggiator.

Soundtechnisch geht es mit sehr druckvollen Bässen und recht passablen Gitarren weiter. Im Bereich der elektronischen Sounds kann Korg wieder voll überzeugen und bietet sowohl atmosphärische Flächen als auch knallharte Synth-Leads. Ein kleines Highlight sind tatsächlich die Drum-Sounds, die mit viel Ausdruck und Dynamik gespielt werden können, was sich auch in der oben genannten Drum Track-Funktion widerspiegelt. Entgegen vieler Konkurrenten findet man hier durchaus vieler Schlagzeugsounds die ausreichend Druck haben.

Etwas schade finde ich die Tatsache, dass die Kross nur maximale 80 Stimmen bietet. Gerade im vielschichtigen Combination-Modus wären 128 Stimmen meiner Meinung nach sehr wichtig.

Sequencer

Als Workstation kann die Kross sowohl MIDI- als auch Audiodaten aufzeichnen. Sogar ein Step-Sequencer mit maximal 64 Schritten ist an Bord. Im MIDI-Bereich bietet die Kross einen 16-Spur-Sequencer mit den üblichen Bearbeitungsschritten. Viel Spaß macht die Bedienung durch das kleine Display leider nicht. Aber schnell mal ein paar Spuren aufzeichnen und später am Computer weiterbearbeiten geht auf alle Fälle. Im Audio-Bereich kann die Kross-Workstation leider nur in stereo (WAV) aufzeichnen und auf einer SD-Karte abspeichern. Durch geschickte Overdub-Aufnahmen kann man jedoch mehrere Aufnahmen hintereinander bewältigen. Auch hier gilt: Fürs schnelle Festhalten von Ideen gut geeignet, alles weitere wird man dann jedoch am Computer erledigen. Die aufgezeichneten Daten können anschließend per SD-Karte zu anderen Geräten transferiert werden. Über die USB-Schnittstelle ist das leider nicht möglich, diese dient lediglich der MIDI-Kommunikation.

Live-Settings und Effekte

Vor allem beim Live-Einsatz benötigt man oftmals mehrere Sounds gleichzeitig. Die Kross Workstation bietet im Combination Modus alle Split- und Layer-Funktionen, die man von anderen (und vor allem größeren) Korg Workstations kennt, so dass ohne Probleme mehrere Sounds übereinander bzw. nebeneinander gelegt werden können. Darüber hinaus lässt sich beispielsweise jeder verwendete Sound der Combination einzeln in seiner Velocity einschränken, zu den Effekten oder dem Arpeggiator schicken. In diesem Fall ist Kross wirklich sehr flexibel. Soll es mal richtig schnell gehen, kann man über die Quick-Layer bzw. -Split Funktion ruck zuck einen Layer/Split programmieren. Das funktioniert sogar im hektischen Live-Betrieb super schnell.

Die Effektsektion der Kross ist sehr umfangreich. Sieben Effektslots (5 Inserts, 2 Master) lassen sich simultan nutzen. Auswählen darf man hierfür aus 134 Effektarten. Darunter finden sich natürlich Standard Effekte wie Reverb, Chorus, Delay oder aber etwas weitergehende Effekttypen wie Rotary, Amp Simulation oder  ein Vocoder.

Marktausblick

Klanglich ist die Korg Kross aktuell ganz vorne mit dabei. Die Ausstattung beinhaltet alle Bestandteile für das (Vor-) Produzieren eines Songs oder den Einsatz auf der Bühne. Doch die Konkurrenz hat ebenfalls einige interessante Produkte auf Lager. Yamaha hat mit der MX-Serie zwar ebenfalls sehr kompakte und gut klingende Produkte auf Lager. Diese bieten jedoch in vielen Aspekten nicht so viel Ausstattung wie Kross. Auch Roland hat mit den verschiedenen Juno-Modellen einiges auf Lager, ist preislich aber etwas oberhalb von Kross angesiedelt. Die Zeichen stehen also gut für die neue Korg Workstation.

Fazit

Mit der Kross bringt der Hersteller Korg eine neue Workstation des unteren Preissegments auf den Markt. Klanglich ist Kross extrem gut aufgestellt und bietet dazu weitreichenden Zugriff auf die Klangstrukturen. Als Workstation bietet Kross neben einem Sequencer, einer guten Effektsektion und einem Dual-Arpeggiator alle wichtigen Funktionen für den Einsatz im Studio wie auch auf der Bühne. Kompakte Maße, geringes Gewicht, eine gute Verarbeitung und eine klare Bedienung runden das Gesamtpaket Kross ab und machen es zu einem wirklich heißen Kandidaten im Bereich der Workstations bis 1.000,- Euro.

Plus

  • sehr gute Klangerzeugung
  • Dual-Arpeggiator
  • Drum Track-Funktion
  • gute Effektsektion

Minus

  • nur max. 80 Stimmen
  • Display nur bedingt für das Programmieren von Sounds / den Sequencer geeignet

Preis

  • 61 Tasten: Straßenpreis: 699,- Euro
  • 88 Tasten: Straßenpreis: 999,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Saxifraga  

    Korg und Yamaha kochen jeden Tag alte Rezepte neu auf. Die ein oder andere Zutat wird ein wenig geändert, das war es dann. Innovation? Workflow? Fehlanzeige! Bei Yamaha gibt es wenigstens eine gescheite Integration in Cubase.
    Dann doch lieber ein gebrauchtes M50 kaufen, das kann man selber auf Akku umbauen.

  2. Profilbild
    Onkel Sigi  RED

    Hallo Felix,

    ich musste eben über Deinen Minuspunkt „nur 80 Stimmen“ schmunzeln. Kannst Du Dich noch an die Korg M1 mit ihren 16 Stimmchen erinnern?

    Ihr jungen Leute seid MAßLOS!

    *zwinker*

    Musikalische Grüße von

    „Onkel Sigi“ Schöbel

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