Test: Kush Goldplate, Hall Plugin

8. April 2019

Wenn es Gold ist, glänzt es

Kush Goldplate

Kush Goldplate

Es gibt so einige exzellente Software-Schmieden, doch selbst unter diesen nimmt The House of Kush eine Sonderstellung ein. Der Firmenname referiert dabei offen auf die Cannabis-Sorte und wenn man einen Blick auf die Hardware- und Software-Produkte wirft, kann man nur sagen: Es wirkt.

Zuerst machten Kush, die eigentlich Studio-Hardware herstellen, mit der Software-Version des UBK-1 „Kompressor“ von sich reden: einem Kompressorkonzept, das so außerweltlich ist, dass es nur mit „Movement Generator“ beworben wird. Damit und mit dem Review von Stefan Hedengren im seinem legendären Pro Tooler Blog stiegen Kush in die Plugin-Welt ein. Das Plugin, dessen Namen übrigens auf den „Do androids dream of electric sheep“-Roman referiert, ist bis heute eine Geheimwaffe, um lahmen Tracks auf die Sprünge zu helfen.

Danach folgte der Clariphonic, den es als Hardware und als Software gibt und im Software-Bereich vor allem für sein Air-Band berühmt wurde, sprich die Höhen zu boosten, ohne auch nur einen Hauch von digitaler Färbung hinzuzufügen, stattdessen viel Seidigkeit.

Nach ein paar weiteren Plugins kam dann der Novatron, ein Kompressor, der fließend zwischen Opto-, FET- und VCA-Style-Kompression überblenden kann und viele Nutzerstimmen meinten, dass es das erste Mal war, dass sich ein Plugin wie ein Hardware-Kompressor anfühlte. Was sich verifizierbar sagen lässt ist, dass der Novatron beim Komprimieren die räumlichen Informationen erhält und nicht platt macht, wie viele andere Kompressor-Plugins. Seit ich Novatron besitze, benutze ich kaum noch ein anderes Kompressor-Plugin. Ganz besonders akustische Aufnahmen profitieren von Novatron ungemein.

Nun kommt das neuste Produkt, der Kush Goldplate Plattenhall, von dem Kush selbstsicher sagen: „Für alle, die denken, ein algorithmischer Plattenhall könnte keine 600 Pfund mit Röhren versehene Metallplatte ersetzen: Für die wurde Goldplate gemacht, um ihre Meinung zu ändern.“ Das sind große Worte, die ich selbst Kush kaum abnehmen würde – und anderen Firmen noch viel weniger. Hätte Kush nicht mit ihrer bisherigen Produktpalette gezeigt, was sie können. Trotzdem große Worte, sehen wir uns an, was sie in der Praxis taugen.

Kush Goldplate – Hall

Goldplate ist das erste Plugin von Kush, das aus einer Zusammenarbeit mit einer anderen Firma hervorging. In diesem Fall die Hallspezialisten von Relab, die ihren RX480 und VSR-Hall auch schon an Native Instruments oder Slate Digital lizensierten. Auch in diesem Fall kommen die Hallfahnen von Relab und Sättigungs-Algorithmen von Kush.

Kush Goldplate gibt es als VST-, AU- und AAX-Plugin für MacOS und Windows und benötigt einen iLok-Dongle ab der 2. Generation. Autorisationsoptionen ohne Dongle werden nicht unterstützt. Es gibt neben dem Kauf- auch ein Mietmodell für alle Plugins von Kush für 9,99 USD im Monat.

Kush Goldplate Parameter-Locks

Kush Goldplate Parameter-Locks

Bedienung von Kush Goldplate

Gleich zu Beginn haben wir ein VU-Meter, das zwischen Eingangs- und Ausgangspegel sowie der Lautstärkereduktion umgeschaltet werden kann. Auf dem benötigten Platz hätten auch drei LED-Ketten ohne die Notwendigkeit des Umschaltens gepasst, aber es geht mal wieder um Vintage- und Moody-Vibes.

Die Hallzeit prangt groß in der Mitte und reicht stufenlos von 500 bis 5.000 ms. Das Pre-Delay reicht von 0 bis 250 ms. Damit ist Kush Goldplate eher auf kleine bis mittlere Räume ausgelegt. Eine kleine Besonderheit ist aber der Width-Regler für die Panoramabreite, der von Mono bei 0 % bis zu völliger Stereoseparation bei 100 % reicht. Hier sollte man also mit etwas Bedacht operieren. Eine noch etwas größere Besonderheit ist der Squish-Parameter. Denn der Squish-Kompressor, wurde  dem  UBK-1 entnommen! Bei niedrigen Einstellungen wurde er speziell auf die Verdichtung der Hallfahnen, bei mittleren Einstellungen auf die Erhaltung und Dauer der Hallfahnen und bei hohen Einstellungen für Pump- und Verzerrungseffekte optimiert. Deswegen auch die Anzeige der Gain-Reduktion im VU-Meter.

Die Hallfahnen können dann jeweils noch mit einen 6 dB/Okt. Hochpassfilter von 0 bis 500 Hz und einem Tiefpassfilter von 500 bis 8.000 Hz bearbeitet werden.

Das Material der Platte lässt sich zwischen „Steel“ und „Gold“ stufenlos überblenden, was das Resonanzverhalten der Platte beeinflusst. Der Stahl klingt dabei dichter und mehr laid-back, Gold ist heller und seidiger.

Kush Goldplate verfügt über keinen Regler für den Eingangspegel, nur für den Ausgangspegel  zwischen +/-18 dB angehoben oder abgesenkt werden kann.

Der Drive-Regler steuert die Verzerrung, die von sanfter Röhrenanzerre bis zur starken Verzerrung reicht. Hört sich drastisch an, ist aber sehr auf der gemäßigten Seite.

Plattenhall hört sich in der Regel nur als Signalanteil gut an, zumindest kenne ich kaum ein Plattenhall-Plugin, bei dem sich 100 % Effektanteil gut anhört. Da darf natürlich der Mixregler, hier „Blend“ genannt, nicht fehlen. Eine sehr schöne Ergänzung aus der Neuzeit ist die Auswahlmöglichkeit der Parameter-Locks, also die Parameter, die sich beim Preset-Wechsel nicht verändern dürfen. Auch die Preset-Verwaltung in Banken zur Organisation von Presets weiß zu gefallen.

Kush Goldplate Presets und Bänke

Kush Goldplate Presets und Bänke

Klang Goldplate Kush

Der Hall von Kush Goldplate ist sehr dicht und die Hallfahnen sehr detailreich. Doch jenseits von 40 % Wet musikalisch nur noch schwierig einsetzbar, ganz besonders bei akustischem per Mikrofon abgegriffenem Material. Kush Goldplate potenziert die unweigerlich vorhandenen Rauminformationen enorm und das Ganze noch einmal mehr mit einer 50 % Einstellung von Squish. Akustisches Material profitiert aber auch am meisten von Goldplate. Elektronisches Material hingegen verhält sich dagegen wesentlich gezähmter. Bei Software-Synthesizern haben die Parameter Drive und Squish meist nur wenig Auswirkungen.

Dennoch lässt sich der Klang von Kush Goldplate mit den wenigen Parametern gut anpassen. Sicher es bleibt ein Plattenhall, der aber über sehr weite Strecken eingesetzt und fast immer passend gemacht werden kann. Das Plugin klingt zu keiner Zeit verwaschen oder harsch. Egal wie hallig es wird, Charakter und Details bleiben erhalten. Freunde der Laid-Back-Musik jeder Art werden das Plugin sicher lieben und da passt ja dann auch die verqualmte 70er Jahre Teppich-Studio-Optik von Kush. Die Farbgebung der Kush Produkte ist denn auch der einzige Streitpunkt, der mir einfällt. Ansonsten bietet das Plugin jede Menge Glanz und Vibe.

Als Klangerzeuger kamen U-He Repro 1 (Sage-Preset) und Native Instruments 70s Drummer (AR-Tight Full Kit) Drums zu Einsatz. Als Sprach-Teaser kam mal wieder Opa Jott (Album: Mondlixht) zu Wort. Die Audiobeispiele sind alle mit 40 % Wet aufgenommen, soweit nicht anders angegeben.

Markt

Da Kush Goldplate keinen spezifischen Plattenhall emuliert und auch die verschiedenen Vibes der Plattenhall-Plugin so verschieden sind, werden Vergleiche mitunter schwierig und persönliche Präferenzen machen das nicht leichter. Soundtoys Little Plate kostet auch schon 99,- USD und macht außer dem reinen Plattenhall nicht viel, hat jedoch bei mir so ziemlich jedes andere spezifische Plate-Reverb ersetzt, auch wenn ich jetzt auch nicht so oft einen spezifischen Plattenhall brauche. Kush Goldplate ist hier mindestens auf Augenhöhe mit Little Plate, aber noch um ein ganzes Stück flexibler.

Fazit

Viel zu sagen gibt es nicht. Hall-Plugins waren schon immer etwas teurer, aber 199,- USD für einen einzigen Plattenhall-Effekt für kleine bis mittlere Räume? Kush Goldplate ist ein teurer Plattenhall. Sowohl vom Klang her als auch vom Preis. Ist er seinen Preis wert? Ja. Ob es einem jedoch den Eintrittspreis wert ist, ist eine ganz andere Frage.

Plus

  • Klangqualität
  • sehr musikalisch
  • übersichtlichliche Parameter

Preis

  • Ladenpreis: 199,- USD
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