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Test: Lake People F311 Q, 4-kanaliger Mikrofonvorverstärker

5. November 2018

Glasklar aufnehmen

lake people f311 qMit dem Lake People F311 möchte Lake People aus Konstanz die Gene des Klassikers F355 in ein kostengünstigeres Format gießen. In wieweit das gelingt, der AMAZONA.de Test wird es zeigen.

Ausstattung des Lake People F311

Der F311Q ist ein vierkanaliger Mikrofonvorverstärker. Unter dem Namen F311D ist auch eine zweikanalige Version erhältlich. Beide Geräte nutzen ein 1 HE, 19“ Gehäuse aus stabilem Stahlblech mit der Lake People typischen dunkelgrauen Frontplatte aus Aluminium. Das Gain von 0 – 66 dB wird mit einem Rasterpoti in 11 Schritten geschaltet. Jeder Kanal verfügt über ein Low-Cut-Filter bei 70 Hz mit 12 dB/Okt. Steilheit und einen Phase-Reverse-Schalter. Beide Funktionen werden bei Aktivierung durch eine gelbe LED angezeigt.

Die Phantomspeisung wird gemeinsam pro Kanalpaar geschaltet. Die 7-stufige LED-Pegelanzeige kann intern kalibriert werden. 

Zwei Kanäle teilen sich die Phantomspeisung

Als letztes Bedienelement befindet sich auf der Frontplatte ein Netzschalter.

Rückseitig befindet sich eine Kaltgerätebuchse, auch ein Ground-Lift-Schalter ist vorhanden. Das interne Netzteil arbeitet mit 230 und 115 Volt. Als Ein- und Ausgänge hat der Hersteller XLR-Buchsen von Neutrik verbaut. Ungewöhnlich sind die zusätzlichen unsymmetrischen Ausgänge über Cinch.

Werte des Lake People F311

Der Preamp besitzt eine Eingangsimpedanz von 5 kOhm, die Ausgangsimpedanz ist mit <30 Ohm angegeben. Die maximale Verstärkung beträgt 66 dB. Maximaler Eingangs- und Ausgangspegel betragen +21 dBu und +25 dBu. Der Übertragungsbereich reicht von 5 Hz bis 70 kHz.

lake people f311 q

Der Klirrfaktor ist mit <0,001 % angegeben, das Rauschverhalten liegt bei -129 dB (@ 60 dB Gain).

Unterschiede F311 zu F355

Bis auf den Frequenzgang, der beim F311 bis 70 kHz reicht und beim F355 bis 150 kHz geht, unterscheiden sich die Datenblätter der beiden Lake People Preamps nicht.

Anders sieht es bei der Ausstattung aus. Als wichtigster Punkt fehlt dem kleinen Bruder die Gain-Feineinstellung, die beim F355 von -5 dB bis +5 dB reicht. Somit muss man beim F311 mit der Anpassung in 6 dB Schritten klarkommen. Der durchstimmbare Low-Cut, den der F355 von 12 – 250 Hz anbietet, musste beim F311 einem Low-Cut mit festem Filterwert bei 70 Hz weichen. Auch PAD und Mute wurden beim günstigeren Gerät wegrationalisiert und die Phantomspeisung ist nur paarweise zu aktivieren.

Die großzügige Aussteuerungsanzeige mit 16 LEDs des F355 wäre beim 4-kanaligen F311Q schon aus Platzgründen nicht zu realisieren gewesen, die 7-stufigen Ketten liefern aber noch ausreichend Information. Beide Pegelanzeigen sind kalibrierbar, beim F311 muss man dafür aber das Gehäuse öffnen, die Einstellung beim F355 ist auf der Front erreichbar.

Oben ein Kanal F355, unten zwei Kanäle F311

Während der F355 pro Kanal über zwei gleichwertige XLR-Ausgänge verfügt, wurde beim F311 der zweite Ausgang durch eine unsymmetrische Cinch-Buchse ersetzt. Hier fehlt auch die GP-I/O-Option zur Fernsteuerung der Mute-Funktion, logisch, die gibt es beim F311 ja auch gar nicht.

Die beiden Rückseiten

Die Schalter des teureren Gerätes machen einen hochwertigeren Eindruck, dafür sind die großen Potis des F311 besser zu bedienen. Noch schöner wäre es gewesen, wenn hier die glatten Plastikknöpfe eine Riffelung erfahren hätten und die Einkerbung weiß unterlegt wäre.

Keine Kompromisse macht Lake People beim Gehäuse und der Verarbeitung, die sind bei beiden Geräten auf gleich hohem Niveau. Platz spart der F311, hier sind auf 1 HE vier Kanäle untergebracht.

Deutliche Unterschiede gibt es beim Preis. Während für den zweikanaligen F355 knapp 1.600,- Euro aufgerufen werden, zu denen sich bei der Version mit Class-A-Eingängen nochmals 600,- addieren, sind die vier Kanäle des F311Q schon für 1.499,- Euro erhältlich. Also 1.110,- Euro pro Kanal beim dem schon getesteten F355 Class-A Preamp zu unter 400,- Euro Kanalpreis beim heutigen Testkandidaten. Ob sich die Diät auch klanglich auswirkt, wir werden es gleich erfahren.

Forum
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    psv-ddv  AHU

    Spannend! Danke für den Bericht.
    Das Geschilderte entspricht in etwa meiner Erfahrung. Mit den LP Preamps. Es ist natürlich dann letztendlich entscheidend, wie jeder für sich diese mal mehr mal weniger feinen Unterschiede einordnet. Das Hängt vom eigenen Anspruch und sicherlich auch vom Verwendungszweck der Aufnahmen ab. Wie wichtig sind Räumlichkeit, Tiefe und seidige Höhen im Endprodukt.
    Man sollte aber nicht ausser Acht lassen, wie sich diese Eigenschaften beider Verwendung mehrerer Spuren aufaddieren und das gilt leider auch für die „schlechten“ Klangcharakteristiken einfacher Preamps. Zu guter Letzt benötigt man im Studio sowohl Aufnahme- als auch Abhörkette in passender Qualität um die Vorteile hochwertiger Mikrofonvorverstärker zu nutzen. Wenn es da irgendwo einen Flaschenhals gibt wird es schwierig davon zu profitieren.
    Anmerkung: Meiner Erinnerung nach sind die Kappen der Pegelsteller am F311 aus Metall (eloxiertes Aluminium) und nicht aus Plastik. Ich habe aber beide Preamps schon lange nicht mehr im Studio.

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      Armin Bauer  RED

      Freut mich natürlich immer, wenn ein Kenner der Testgeräte meinen Eindruck teilt.
      Gerade wenn mehrere Kanäle gleichzeitig aufgenommen werden bietet der F311 eine klasse Performance zum günstigen Preis.
      Aber klar, die Kette muss stimmen, da hast du recht. Deshalb immer das Gesamtbudget im Auge behalten.
      Die Kappen sind Plastik, was ich jetzt nicht schlimm finde. Aber die Ablesung ist echt etwas kritisch (sieht man auch auf den Bildern), weswegen ich da einen kleinen Minuspunkt vermerkt habe.

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        psv-ddv  AHU

        Ah, ok dann hat mich die Erinnerung bezüglich der Potikappen getrogen. Der Minuspunkt für die schlechte Ablesbarkeit ist in jedem Falle gerechtfertigt. Man bedient solche Geräte eben eher selten voll ausgeleuchtet. Mich ärgert das an vielen ansonsten vorbildlich konstruierten Rackgeräten. Wie z.B. bei meinen geliebten GMLs wo die Skalen hinter den Potikappen verschwinden, wenn man leicht schräg draufschaut, was der Normalfall sein dürfte. Soetwas sollte aber niemanden vom Kauf abhalten. Ich sehe das eher als Hinweis an die Hersteller zur Verbesserung.

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          Armin Bauer  RED

          Genau so ist es. Habe die Erfahrung gemacht, dass deutsche Hersteller solche Punkte aber durchaus dankbar aufnehmen.
          Mit meinem Millennia hatte ich ein ähnliches Problem. Das erste Mal eingesetzt und eine Input Buchse hat nicht mehr entriegelt! Keine Neutriks verbaut, verstand ich dann auch nicht, wieso der Hersteller bei einem Gerät für > 2000,- sich ein paar Cent für 100% funktionierende Teile einspart. Na ja, der Vertrieb hätte es gerichtet, habe aber aus Zeitersparnis zur Selbsthilfe gegriffen.

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            psv-ddv  AHU

            Ja, kenne ich hatte, ich bei einem Amek9098 pre/EQ. XLR Entriegelung blockiert. Dass kann dann schon richtig nerven, wenn man in Eile ist oder das teure Gerät beim Ausbau wegen kurzer Kabel yogisch mit einer Hand zwischen den anderen Rackpreziosen rumbalancieren muss, während man mit der anderen panisch nach einem Notschraubenzieher in Reichweite zum entriegeln sucht. Das alles nur weil irgendwo beim Hersteller unbedingt ein blöder BWLer seine Daseinsberechtigung demonstrieren musste.

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