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Test: Lake People F311 Q, 4-kanaliger Mikrofonvorverstärker

Praxiseinsatz des Lake People F311

Ein 4-Kanal Vorverstärker in guter Qualität wird oft auch für Schlagzeugaufnahmen für die Hauptspuren Kick, Snare und Overheads benutzt. Deshalb soll diesmal, neben der Eignung Gesang, auch auf diesen Bereich der Fokus gelegt werden. So kommen auch mal einige andere Mikrofone als meine übliche Auswahl zum Einsatz. Als Großmembran weiterhin dabei ist mein AKG C414 B-ULS, dazu das Black Hole BH-2 von JZ Microphones. 

Die zwei Kondensator-Gesangsmikros

Für die Kick nehme ich meine etatmäßige Grenzfläche von Audio Technica, die ATM87R. Als zweiten Kandidaten hole ich von Blue Microphones den Kickball hervor, der vom Namen her natürlich schon den Einsatzzweck vorgibt. Der Kickball ist ein dynamisches Mikrofon, das durch einen integrierten Vorverstärker allerdings Phantomspeisung benötigt.

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Groß gegen klein, der Kickball mit der optionalen Spinne

Die Snare wird mit dem Clipmikro AT35 von Audio Technica abgenommen, die aktuelle Version hört auf den Namen ATM350. Als dynamischen Vertreter nutze ich das D2 von Audix.

Clipmikro und dynamische Lösung für Snare

Für Overhead ist natürlich wieder das AKG Großmembran erste Wahl, als Kleinmembraner nehme ich meine alten KM 140 von Neumann mit dazu.

Zwei Klassiker für Overhead, Großmembran vs. Kleinmembran

Neben dem Vergleich mit dem großen Modell aus gleichem Hause sollen auch die internen Preamps aus dem UA Apollo Twin Interface zum Einsatz kommen. Viel zu tun, also legen wir los.

Zuerst widmen wir uns wieder dem wohl häufigsten Einsatzzweck für einen externen Preamp, Sprach- und Gesangsaufnahme. Wir starten mit dem AKG C414. 

Die Grundstruktur des Klanges ist sehr ähnlich. Das lässt sich auch leicht überprüfen. Da ich das Mikro an einen Splitter angeschlossen habe, kann ich beide Preamps von Lake People gleichzeitig beschicken. Mit dem Phase-Reverse-Knopf eliminiere ich die gleichen Signalanteile. Seltsamerweise muss ich bei gleicher Potieinstellung den F355 mit Gain Fine um 3 dB anheben, um denselben Ausgangspegel zu erhalten.

Viel Unterschied ist nicht zu vermelden. Der F355 klingt in den tiefen Mitten etwas runder und weicher, beim F311 klingt der Höhenbereich ein wenig heller und ungeordneter. Hier dürfte sich der Class-AInput des teureren Geräts bemerkbar machen. Das Rauschen ist beides Mal auf gleich niedrigem Niveau.

Auch das Black Hole fördert dieselben Unterschiede zutage, da es heller abgestimmt ist, kommen hier die härteren Höhen des F311 etwas mehr zum Tragen.

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Größer sind die Unterschiede mit beiden Mikros zu den internen Apollo Preamps. Hier hört sich der Lake People deutlich plastischer an. Auch die Höhenzeichnung ist angenehmer, besser aufgelöst und spricht schneller an. Insgesamt liefert das Apollo aber für seine Geräteklasse ein wirklich gutes Ergebnis ab. Auch im Rauschverhalten steht es dem externen Preamp in nichts nach.

Bei den beiden Bassdrum-Mikros geben sich die drei Preamps nicht viel. Hier kann auch der Apollo mithalten. Am flexibelsten ist natürlich der Low-Cut des F355, aber auch der bei 70 Hz feste Low-Cut des F311 leistet für die Kick gute Dienste. 

F355 und F311 gleichzeitig betrieben

Ganz ähnlich stellt sich die Situation an der Snare mit den Kondenser-Clipmikro von Audio Technica dar. Beide Lake People Preamps geben sich nichts, die Ansprache ist schnell und direkt, der Sound glasklar. Phase-Reverse erzeugt wieder eine komplette Auslöschung der beiden Signale. 

Da kann das Apollo nicht ganz mithalten. Das Signal ist nach oben nicht so offen und es fehlt etwas die Spritzigkeit. Dadurch klingt die Aufnahme etwas flach und weniger dynamisch. 

Das gleiche Ergebnis erziele ich auch mit dem dynamische D2 von Audix und den beiden Lake People. Die Aufnahme ist quasi identisch. 

Auch hier müssen sich die internen Preamps des Audiointerfaces knapp geschlagen geben. F311 und F355 klingen etwas wuchtiger, in der Dynamik kann das Apollo aufgrund der trägeren Ansprache des Mikros aber aufholen. Insgesamt, so muss man konstatieren, schlagen sich die Interface-Vorverstärker mehr als beachtlich.

Steht noch die Overhead-Anwendung aus. Dafür wird je ein Paar der beiden Mikrofone über dem Schlagzeug platziert. Hier schlägt sich der F355 am besten, das Set klingt wie aus einem Guß mit der nötigen Tiefenstaffelung. Die AKGs wirken ein wenig räumlicher, mit den Neumanns kommt ein kompakterer Klang zustande, der intimer wirkt. Auch der F311 liefert beides Mal eine gute Performance, es fehlt ihm aber ein Quäntchen Dreidimensionalität und die Becken werden etwas schärfer.

Nicht schlecht schneidet auch das Apollo Interface ab. Bei der komplexen Aufgabe ist der Abstand zu den externen Preamps allerdings etwas größer geworden. Das Set klingt insgesamt etwas enger und die letzte Dynamikstufe fehlt. 

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Fazit

Mit dem F311 Q liefert Lake People einen vierkanaligen Preamp, der die Gene des teureren F355 mitbekommen hat.

Die Ausstattung wurde auf ein normales Niveau gebracht, geblieben ist der gute und neutrale Klang, der dem F355 nur wenig und nicht in allen Anwendungsgebieten nachsteht.

Dazu kommt die gute Verarbeitung und die platzsparende Unterbringung aller vier Kanäle in einer Höheneinheit und der günstige Preis.

Wer mit den Preamps seines Audiointerfaces nicht glücklich ist und einen färbungsfreien Vorverstärker sucht, ist beim F311 gut aufgehoben.

Plus

  • guter, neutraler Klang
  • sinnvolle Ausstattung
  • gute Verarbeitung
  • 4 Kanäle
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Gain-Potis nicht gut ablesbar

Preis

  • Ladenpreis: 1.499,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Spannend! Danke für den Bericht.
    Das Geschilderte entspricht in etwa meiner Erfahrung. Mit den LP Preamps. Es ist natürlich dann letztendlich entscheidend, wie jeder für sich diese mal mehr mal weniger feinen Unterschiede einordnet. Das Hängt vom eigenen Anspruch und sicherlich auch vom Verwendungszweck der Aufnahmen ab. Wie wichtig sind Räumlichkeit, Tiefe und seidige Höhen im Endprodukt.
    Man sollte aber nicht ausser Acht lassen, wie sich diese Eigenschaften beider Verwendung mehrerer Spuren aufaddieren und das gilt leider auch für die „schlechten“ Klangcharakteristiken einfacher Preamps. Zu guter Letzt benötigt man im Studio sowohl Aufnahme- als auch Abhörkette in passender Qualität um die Vorteile hochwertiger Mikrofonvorverstärker zu nutzen. Wenn es da irgendwo einen Flaschenhals gibt wird es schwierig davon zu profitieren.
    Anmerkung: Meiner Erinnerung nach sind die Kappen der Pegelsteller am F311 aus Metall (eloxiertes Aluminium) und nicht aus Plastik. Ich habe aber beide Preamps schon lange nicht mehr im Studio.

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      Freut mich natürlich immer, wenn ein Kenner der Testgeräte meinen Eindruck teilt.
      Gerade wenn mehrere Kanäle gleichzeitig aufgenommen werden bietet der F311 eine klasse Performance zum günstigen Preis.
      Aber klar, die Kette muss stimmen, da hast du recht. Deshalb immer das Gesamtbudget im Auge behalten.
      Die Kappen sind Plastik, was ich jetzt nicht schlimm finde. Aber die Ablesung ist echt etwas kritisch (sieht man auch auf den Bildern), weswegen ich da einen kleinen Minuspunkt vermerkt habe.

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Ah, ok dann hat mich die Erinnerung bezüglich der Potikappen getrogen. Der Minuspunkt für die schlechte Ablesbarkeit ist in jedem Falle gerechtfertigt. Man bedient solche Geräte eben eher selten voll ausgeleuchtet. Mich ärgert das an vielen ansonsten vorbildlich konstruierten Rackgeräten. Wie z.B. bei meinen geliebten GMLs wo die Skalen hinter den Potikappen verschwinden, wenn man leicht schräg draufschaut, was der Normalfall sein dürfte. Soetwas sollte aber niemanden vom Kauf abhalten. Ich sehe das eher als Hinweis an die Hersteller zur Verbesserung.

        • Profilbild
          Armin Bauer  RED

          Genau so ist es. Habe die Erfahrung gemacht, dass deutsche Hersteller solche Punkte aber durchaus dankbar aufnehmen.
          Mit meinem Millennia hatte ich ein ähnliches Problem. Das erste Mal eingesetzt und eine Input Buchse hat nicht mehr entriegelt! Keine Neutriks verbaut, verstand ich dann auch nicht, wieso der Hersteller bei einem Gerät für > 2000,- sich ein paar Cent für 100% funktionierende Teile einspart. Na ja, der Vertrieb hätte es gerichtet, habe aber aus Zeitersparnis zur Selbsthilfe gegriffen.

          • Profilbild
            AMAZONA Archiv

            Ja, kenne ich hatte, ich bei einem Amek9098 pre/EQ. XLR Entriegelung blockiert. Dass kann dann schon richtig nerven, wenn man in Eile ist oder das teure Gerät beim Ausbau wegen kurzer Kabel yogisch mit einer Hand zwischen den anderen Rackpreziosen rumbalancieren muss, während man mit der anderen panisch nach einem Notschraubenzieher in Reichweite zum entriegeln sucht. Das alles nur weil irgendwo beim Hersteller unbedingt ein blöder BWLer seine Daseinsberechtigung demonstrieren musste.

  2. Profilbild
    hometom

    Vielen Dank für den tollen & ausführlichen Testbericht!
    Eine Frage bleibt für mich aber dennoch offen….
    Wie würde der Autor denn klanglich den F311 gegenüber dem ISA Two einordnen?
    Deshalb ist ja unter anderem auch dieser Test entschanden oder?
    Wäre für mich eine super Entscheidungshilfe!

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      Hmm, nicht leicht zu beantworten.

      Wenn es um eine analytische und detaillierte Signalverstärkung geht, würde ich den F311 auf jeden Fall vorziehen.
      Wenn die zusätzlichen Ausstattungsmerkmale des ISA Two, Line- und Instrument-Input, Insert, durchstimmbarer LowCut, Impedanz Umschaltung von Relevanz sind, macht er das Rennen.
      Preislich liegen sie ja dicht beieinander (F311 D, die 2-Kanal Version), der Lake People klingt etwas hochwertiger, der Focusrite ist flexibler.
      Also, je nachdem und was schon vorhanden ist.

  3. Profilbild
    hometom

    Vielen Dank für die rasche und wie immer sehr pragmatische Antwort!
    Genau das ist es, was man in diesem Kontext braucht….

    Bin auf der Suche nach sauberer Signalverstärkung, hab‘ aber noch den Schwachpunkt der Wandlung.
    Mein letzter Versuch war das RME Babyface pro das immer als so klang neutral beschrieben wird. Hat mir das Signal, meinen Ohren nach, aber immer zu sehr gefärbt, sprich es „abgedunkelt“
    Dazu noch mein Great River ME-1V, ist mir alles viel zu „Vintage“
    Ich konnte zuerst meinen Ohren nicht trauen, als ich gegen das Babyface mein Live Mischpult „Presonus Studio Live Series III“ antreten habe lassen… Das Presonus bildet viel musikalischer aber auch offener ab und färbt das Signal meiner Meinung nach bei weitem nicht so.

    Da es von LP auch AD Wandler gibt, dachte ich mir, dass ich mit der Kombination F311 mit einem hauseigenen Wandler von LP eventuell glücklich werde??

    Da es sich zu 90% um Vocal Aufnahmen handelt, war meine Überlegung, dass der ISA vielleicht sogar besser passen könnte, wenn er etwas Charakter mitbringt… sehr schwierig, ich weiß…
    Eigentlich würde auch ein Kanal genügen, da wäre der ISA One digital vielleicht die bessere Wahl…(Wandlung wäre dabei, aber ist die so gut?)
    Ich weiß, man kommt nicht um’s Probieren herum ;-(

    Vielleicht haben Sie trotzdem noch einen kleinen Input für mich :-)

    Vielen Dank!!

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      Ist natürlich schwierig, dass so zu beurteilen.
      Ganz wichtig ist das Mikrofon, Mik + Preamp müssen eine Einheit bilden.

      Ich denke der ISA ist raus, der kann die geforderte Neutralität und Auflösung nicht liefern. Der F311 kann nur diese Neutralität.

      Spontan würde mir da mein kürzlich angeschaffter SSL X-Rack VDH einfallen. Sehr neutral, kann aber auch mit VHD Drive Harmonische hinzu fügen. Problem: Liegt bei ca. 1000,-, dazu noch das Rack und die Wandlung. Es gibt auch eine günstigere API500 Variante, die habe ich aber noch nicht gehört.

      Ansonsten könnte auch der Grace Design M101in Frage kommen, liegt aber auch bei annähernd 1000,-, braucht dann aber kein Rack mehr.

      Externe Wandlung würde ich immer vorziehen, LP und auch RME sind da eigentlich immer eine gute und solide Wahl.

      Ich drücke die Daumen, dass sich was passendes findet.

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