Test: Mad Professor Amber Overdrive Distortion Pedal

15. Dezember 2020

Goldener Ton im Bernsteingewand

Mad Professor Amplification, die finnische Amp- und Pedalschmiede, ist bekannt für ihre qualitativ hochwertigen und beliebten Zerrpedale. Zum Test soll mir das Amber Overdrive zur Verfügung gestellt werden, und so erwarte ich voller Vorfreude den Paketboten. „Echt mad, dieser Professor“ denke ich mir dann mit leicht verdrehten Augen, als ich zwei identische, orangefarbene Kistchen aus dem Karton schäle. Doch Moment… Ein kleiner, schwarzer Aufdruck auf einem der Pedale weist eins der mir zu Füßen liegenden Amber Overdrives als „Custom“ aus. Mal schauen, ob sich der klangliche Unterschied der beiden Pedale als genauso unauffällig erweist, wie die Optik.

Mad Professor Amber Overdrive – Facts & Features

Bis auf den kleinen, schwarzen Aufdruck „Custom“ unterscheiden sich beide Pedale optisch nicht. Beide kommen im etwa 250 Gramm schweren, orange lackierten Metallgehäuse. Vier kleine Gummifüße versprechen rutschfreien Schaltspass auf glatten Oberflächen und sind leicht entfernbar, falls man Klettband zur Befestigung auf dem Pedalboard nutzen möchte. Der Eingang befindet sich rechts neben der Netzbuchse, Batteriebetrieb ist möglich, zum Wechsel der Batterie muss allerdings das Gehäuse aufgeschraubt werden, was ich für wenig praxistauglich halte. Bei einem der Geräte war bei Lieferung die Batterie leider schon leer.

Mad Professor Amber Overdrive Batteriewechsel

Für den Batteriewechsel muss die Bodenplatte abgeschraubt werden. Informationen über verwendete Bauteile findet man bei geöffnetem Pedal nicht.

Was das Netzteil angeht, stellt der Mad Professor Amber Overdrive allerdings keine hohen Ansprüche; 9V DC – mit Pluspol aussen am Hohlstecker – ist ein gängiges Format. Im vorderen Drittel der Pedal Oberfläche befindet sich der Fußschalter, der angenehm schwergängig seinen Dienst verrichtet. Ein deutlich wahrnehmbarer Schaltwiederstand bringt die rote LED an der Spitze des Pedals zum Leuchten und den Verzerrer in Betrieb. Die drei Potis zur Soundformung tragen die Bezeichnungen „Drive“ für den Verzerrungsgrad,, „Tone“ für den Höhenanteil und „Volume“ für die Lautstärke des Effekts. Die für Mad Professor typischen Kappen der Potis sind gut handlebar, obwohl sie eng beieinander liegen, dürften aber bei versehentlichem Fußkontakt etwas zu leicht verstellbar sein. Links aussen befindet sich die Ausgangsbuchse. Soweit die Äußerlichkeiten.

Amber Overdrive – Der Sound

Mad Professor hat schon seit längerem ein wirklich heißes Eisen im Feuer, das sich „Golden Cello“ nennt. Ein Overdrive Pedal mit nachgeschaltetem Delay, dass sich vom Grundsound her großer Beliebtheit erfreut. Ein schönes Review dazu gibt`s bei Youtube:

Da nun viele Gitarristen, darunter auch ich, das Delay lieber weiter hinten in der Effektkette haben möchten, befindet sich im Inneren des Amber Overdrives nun exakt die Zerrstufe des Golden Cello Pedals ohne das Delay. Lediglich am Output wurde etwas verändert, was genau das ist, worüber die Homepage des Herstellers schweigt und wozu auch sonst keine genauen Informationen verfügbar sind. Wie man in dem Video des Golden Cello schön hören kann, erwirbt man mit dem Amber Overdrive also ein fett, satt und weich klingendes, allerdings wenig vielseitiges Overdrive Pedal. Ziel des Mad Professor Amber Overdrive Pedals ist es, den Sound eines mit einem Zerrpedal angeschobenen, sich bereits in Verzerrung befindlichen Verstärkers auch vor einem clean eingestellten Amp zu erzeugen. Das ist ein hoher Anspruch, denn das, was an Interaktion zwischen Zerrpedal und verzerrtem Amp passiert, dürfte nur schwer auf Platine zu bannen sein. Doch zum Sound kommen wir gleich, vorher muss noch das zweite Pedal, das Mad Professor Amber Overdrive Custom zum TÜV. Wie zu erwarten, lässt das geöffnete Pedal auch hier keine Rückschlüsse auf die verwendeten Bauteile zu. Laut Beschreibung handelt es sich bei der Custom Ausführung um einen Mod mit dem Namen „Midas Touch“. Also soll die goldene Verzerrung des Golden Cello noch etwas goldener werden. Mirakulös beschrieben ist das auf jeden Fall, und neugierig macht es auch. Nehmen wir uns zunächst das Amber Overdrive Pedal ohne den Midas Touch vor. Als Grundsound wähle ich ein mir gerade zur Verfügung stehendes Engl Fireball 25 Top, das mit Hilfe einer Two Notes Audio Torpedo Captor X Loadbox in die DAW gespielt wird. Ihr hört zunächst den cleanen Referenz Sound, gespielt mit dem Halspickup und dem Stegpickup einer Ibanez AZ226. Beim Humbucker am Steg hört bereits ein dezent einsetzendes Zerren des Amps. Eventuell eingesetzte Effekte kommen aus der DAW.

Als erstes hören wir den Amber Overdrive ohne den Midas Touch Mod, im zweiten Beispiel die identische Einstellung des Pedals mit Mids Touch Mod. Alle Regler stehen bei diesen Beispielen in Mittelstellung. Deutlich wird sofort der offenere Klang des Pedals mit dem Midas Touch Mod, die Höhen sind brillanter, der „Nöck“ des Halspickups kommt klarer heraus. Insgesamt liefern aber beide Pedale hier einen Sound, der der Beschreibung tatsächlich sehr nahe kommt. Ein Zerrpedal vor einem bereits zerrenden Amp „verschluckt“ sich gern, das simuliert der Mad Professor Amber Overdrive sehr schön.

Bei den beiden nächsten Soundfiles stehen Drive- und Toneregler jeweils auf 3 Uhr. Auch hier hat das Custom Pedal die Nase wieder etwas vorn. Wunderbar bei beiden Pedalen ist der Fuzz-Anteil, der sich jetzt im Sound dazumogelt. Die Nebengeräusche werden bei beiden Pedalen jetzt allerdings langsam störend.

Die lezten beiden Beispiele lassen den Tonregler noch mal arbeiten, in diesem Fall wird er zurückgedreht. Der Höhenanteil verschwindet natürlich, dafür wird der Ton wunderbar „smooth“. Hier hat für mich das Pedal ohne den Mod den schöneren Ton, der wunderbar für Fusion geeignet ist.

Ganz zum Schluß hier noch mal ein First Take Jam zu einem Backing Track, um die Praxistauglichkeit des Amber Overdrives zu demonstrieren.

 

 

Fazit

Das Mad Professor Amber Overdrive Pedal zeigt sich wunderbar harmonisch, satt und mit schönem Fuzz-Anteil im Sound. Das Custom Pedal mit dem Midas Touch Mod hat dabei für mich die Nase im Gesamteindruck etwas vorn, es klingt luftiger, offener und musikalischer. Die Nebengeräusche bei höheren Gainsettings sind schon störend und der umständliche Batteriewechsel führt auch etwas zur Abwertung. Ansonsten ein feines Pedal, das ich unbedingt zum Testen empfehle, wenn ein harmonisches, musikalisches Zerrpedal auf der Wunschliste steht. Das Preis- Leistungsverhältnis geht völlig in Ordung und ist in meinen Augen sogar sehr gut.

Plus

  • Sound

Minus

  • Nebengeräusche
  • Batteriewechsel umständlich

Preis

  • 179€
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