Test: MXR Dookie Drive B.J. Armstrong, Verzerrer-Pedal

3. November 2020

Green Day in a box

MXR Dookie Drive B.J. Armstrong

MXR Dookie Drive B.J. Armstrong

Das 1994 veröffentlichte und dritte Studioalbum Dookie der amerikanischen Pop-Punker Green Day gilt unter Fans und Kennern der Szene als ein echter Meilenstein. Das Album fuhr einige beachtliche Erfolge ein, weit über 20 Millionen Kopien gingen damals über den Ladentisch und bescherten der Band spätestens zu diesem Zeitpunkt endgültig den kommerziellen Durchbruch. Der Sound des Gitarristen und Sängers Billie Joe Armstrong war geprägt von einem enormen Punch und einer satten Verzerrung. Erreicht wurde das damals durch den Einsatz von zwei modifizierten Amps – der eine mit hoher Zerrung und Mid-Scoop-Sound, ein zweiter steuerte ein sauber definiertes Klangbild bei, das sich mit einem kräftigen Mittenbild präsentierte. Die US-Effektschmiede MXR hat nun versucht, in Zusammenarbeit mit dem Künstler, den gewaltigen Klang von einst in einen neues Zerr-Pedal zu packen, um den legendären „Dookie-Sound“ für jedermann möglich zu machen. Was dabei herausgekommen ist, werden wir uns im Folgenden nun mal genauer betrachten.

MXR Dookie Drive – Facts & Features

Obwohl das Dookie Drive ja eigentlich den Gitarren-Sound des damaligen Albums repräsentieren soll, befindet sich auf der Oberfläche ein Teil des Artworks vom aktuellen Album „Father of all Motherfuckers“ – in Form eines Einhorns im offensichtlichen Rauschzustand. Es handelt sich bei unserem Testgerät um ein in der Auflage limitiertes Modell, so beschreibt es zumindest der Hersteller. Das Dookie-Drive zählt zu den eher kompakten Pedalen seiner Gattung, das gebürstete Aluminiumgehäuse ist mit seinen Maßen von 110 x 65 x 50 mm und einem Gewicht von nur rund 250 g unauffällig auf dem Pedalboard unterzubringen. Etwas haken könnte die Sache jedoch, denn alle Anschlüsse, dazu zählen der Audioein- und -ausgang und die Buchse für das Netzteil, sitzen an den Seiten des Gehäuses. Sollte man also vorhaben, das Dookie-Drive in Gesellschaft mit weiteren Pedalen zu betreiben, wären ein paar Winkelstecker an dieser Stelle wohl ganz hilfreich.

Neben dem Betrieb mit einem 9-Volt-Netzteil kann das Pedal auch mit einer Blockbatterie zur Arbeit bewegt werden, dazu muss allerdings der Deckel auf der Unterseite komplett abgenommen werden, einen Schnellverschluss gibt es nicht.

Die Bedienelemente

Um den Dookie-Sound zu erreichen, befinden sich folgende Regler und Schalter auf der Oberfläche des Pedals rund um das Einhorn zusammen:

  • Gain – sorgt für die Stärke der Verzerrung
  • Output – dient der Anpassung der Lautstärke
  • Tone – ein rudimentärer Equalizer
  • Blend – sorgt für ein stufenloses Mischen der beiden emulierten Amps von einst
  • Scoop – dämpft das Mittenspektrum des Signals

Natürlich gibt es noch eine Betriebs-LED, die bei aktiviertem Pedal grün aufleuchtet und so die Betriebsbereitschaft signalisiert. Praktisch wäre es noch gewesen, man hätte den Scoop-Schalter mit Leuchtkraft versehen. Der bleibt nämlich dunkel, egal in welcher seiner zwei Positionen. Und wenn wir schon bei Kritik angekommen sind, dann könnte man auch den Metallschalter erwähnen, denn er ist ein mechanischer Typ und erzeugt beim Benutzen entsprechend laute Geräusche. Hier würde ich mir persönlich eine Softklick-Variante wünschen, so etwas gibt es ja mittlerweile sogar bei Pedalen der 50-Euro-Klasse. Ansonsten aber bieten die vier Regler eine ansprechende Qualität, was man bei einem Pedal in dieser Preisklasse bzw. von MXR auch erwarten kann. Sie besitzen einen gesunden Drehwiderstand und wurden selbstverständlich fest am Gehäuse verschraubt.

Doch das ist noch nicht alles, denn im Innern des Gehäuses befinden sich weitere Möglichkeiten, den Sound des Pedals nach den Bedürfnissen des Benutzers anzupassen. Auf der Platine sitzen zwei Trim-Potis, die eine Anpassung der Zerrung sowie der Lautstärke des Crunchsounds ermöglichen.

Das MXR Dookie Drive in der Praxis

Mit einem lauten Knacken also nimmt das Dookie-Drive seinen Betrieb auf – um danach mit einer fast schon unheimlichen Stille zu überraschen. Kein Rauschen oder Brummen trübt das Ohr und dabei ist es egal, wie weit nun das Gain-Poti oder der Tone-Regler aufgedreht werden oder in welchem der beiden Modi sich das Blend-Poti nun gerade befindet. Das verspricht eine hohe Signalqualität und tatsächlich bietet das Pedal durch die Möglichkeit des Überblendens zwischen den beiden Charakteristiken eine ungemein breite Auswahl an Zerrsounds, die mit einer überzeugenden Dynamik das Spielgefühl beflügeln und mit dem erstaunlich effektiv arbeitenden Tone-Poti an den persönlichen Geschmack des Benutzers bzw. des angeschlossenen Amp und der benutzten Gitarre angepasst werden können. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Scoop-Funktion, die selbst dem eingefleischten Metaller mit ihrem druckvollen Sound gefallen dürfte und stets differenziert klingt.

Gain-Reserven sind reichlich vorhanden, das zeigt sich bei Rechtsanschlag des Blend-Potis, bei dem der Sound dem eines modernen High-Gain-Boliden, wie etwa vom Schlage eines Diezel, eines Boogies oder Bogners, erstaunlich nahekommt. Bei Linksanschlag des Blend-Potis hingegen sind Vergleiche zu den legendären Amps von der Insel (Marshall, Vox oder Orange) nicht von der Hand bzw. von den Ohren zu weisen, hier allerdings mit deutlich weniger Zerrung, dafür aber mit einem knackigen und durchsetzungsfreudigen Mittenbereich. Hier gilt es also auszuprobieren!

MXR Dookie Drive – Klangbeispiele

Um den Sound des Dookie-Drive möglichst unverfälscht zu präsentieren, habe ich das Pedal in den Return des Effektwegs meines Mesa Boogie Studio 22+ platziert. Man hört in den folgenden Klangbeispielen also den direkten Klang des Pedals ohne die Vorstufe des Amps. Vor dem Boogie wurde ein AKG C3000 Mikro platziert, aufgenommen wurden die Tracks in Logic Audio ohne weitere Effekte oder Bearbeitung.

Fazit

Ob es nun nach „Dookie“ klingt oder nicht: Das MXR Dookie Drive B.J. Armstrong ist schlicht ein überzeugendes und sehr flexibles Verzerrer-Pedal, das durch die Blend-Funktion ein stufenloses Mischen zweier gelungener Amp-Settings darstellt und auch die Freunde von Zerr-Sounds überzeugen kann, die mit Green Day eigentlich nicht viel am Hut haben. So wie mich etwa. Daher alle Daumen nach oben!

Plus

  • sehr flexibler, dynamischer Sound
  • hohe Gain-Reserven
  • solide Verarbeitung
  • Batteriebetrieb möglich
  • Limited Status

Minus

  • Scoop-Schalter nicht beleuchtet
  • Anschlüsse an den Gehäuseseiten

Preis

  • 243,- Euro
Klangbeispiele
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