ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

TEST: MOOG MAVIS, DIY-Bausatz Analog-Synthesizer

Kommt ein Moog geflogen

6. Juli 2022

MOOG Mavis Userbild Vogel im Gras

ANZEIGE

Kommt ein Vogel geflogen, setzt sich nieder auf mein‘ Fuß. Hat ein‘ Zettel im Schnabel, dass ich ihn unbedingt mal testen muss: MOOG MAVIS heißt er also, der neue semimodulare, analoge Desktop-Synthesizer im Kreise der MOOG Werkstatt-Familie. Warum man dem neuen Werkstatt-Spross nun einen Namen aus der Vogelkunde, nämlich übersetzt „Singdrossel“ gab, wird wohl auf ewig MOOGs Betriebsgeheimnis bleiben. „Labor“ oder „Schmiede“ hätte ich da im Werkstatt-Umfeld irgendwie für stringenter befunden, aber hey! Es kommt doch nicht drauf an, was da drauf steht, sondern auf das, was da drin ist – oder? Wir werden testen, ob die Singdrossel auch zu ungeahnten Höhenflügen ansetzen kann oder doch nur einfach eine bleiernde Ente ist. Und damit kommen wir auch gleich zur ersten Frage:

Was ist der MOOG Mavis?

MOOG Mavis Userbild alleine auf weißem Hintergrund

Der MOOG Mavis ist ein monophoner, semimodularer, analoger Synthesizer mit subtraktiver Architektur als Bausatz zum Selbstzusammenbau. Zu den klassischen subtraktiven Komponenten gesellen sich, hier als Premiere in einem Moog, ein Waveshaper und ein LFO, betreibbar im Audiobereich und damit nutzbar als zweiter VCO. Eine umfangreiche Patchbay, bestückt mit gängigen Eurorack-Buchsen, sorgt für eine umfassende Einbindung in bereits bestehende CV-Setups. Der Moog Mavis kann in seinem eigenen Case (Maße: (B x T x H): 228,6 x 133,4 x 38,1 mm) betrieben oder in ein bereits vorhandenes Eurorack-Gehäuse eingebaut werden.

Moog Mavis

Moog Mavis

Kundenbewertung:
(2)

MOOG Mavis ausgepackt – der Verpackungsinhalt

Wenn man die riesige und liebevoll zusammengestellte MOOG-Überraschungskiste aufmacht, dann ist das wie Weihnachten und Ostern zusammen. Man fühlt sich wie ein vierjähriges Kind beim Öffnen der Geschenke. Es ist schon eine kleine Show, was man da alles zum Vorschein bringt. Eine Aufzählung würde hier echt den Rahmen sprengen, seht einfach selbst und staunt:

Verpackungsinhalt

Das Wichtigste kommt natürlich in Einzelteilen, der MOOG Mavis, samt Netzteil, passgenauem Decksaver und fünf grünen Patch-Kabeln. Die tolle Anleitung und ein paar coole Patch-Overlaysheets erleichtern den Zusammenbau und den späteren Einstieg in das Soundschrauben. Dazu gibt es dann noch auf der Herstellerwebsite zum MOOG Mavis etliche PDF-Dateien mit Anleitungen und Patchbooks sowie viele Begleitvideos und Soundbeispiele. Also da muss man schon den Hut ziehen vor MOOG: Wenn die ein Produkt einführen, dann spielt aber mal die ganz große Blaskapelle auf. Respekt!

Zusammenbau des MOOG Mavis

Wie auch beim nominellen Vorgänger MOOG Werkstatt-01, den wir ja auch bei uns im Test hatten, muss der MOOG Mavis vor dem ersten Bespielen zusammengebaut werden. Und wie der Vorgänger, hat auch die Singdrossel auf dem PCB wieder viele gut beschriftete Test- und Abgriffspunkte für mögliche Modifikationen. Ich bin gespannt, was die Fangemeinde hier an gewinnbringenden, kreativen Mods für die Singdrossel erfindet und bereitstellt.

Userbild Singdrossel und Testpunkte

Auf dem PCB sieht man die Singdrossel und etliche gut dokumentierte Test- und Abgriffspunkte für Modifikationen

So Schraubendreher gezückt und los geht es! Vorweg: Ich habe bisher so um die 150 DIY-Module aller möglichen Schwierigkeitsklassen sauber gelötet hinbekommen, da ist der Zusammenbau des MOOG MAVIS, und es ist ja tatsächlich nur ein Zusammenbau, ein wahres Kinderspiel. Das bekommt man auch mit den berühmten zehn Daumen an den zwei linken Händen locker hin.

ANZEIGE
Userbild Zusammenbau fast fertig

Lobenswert! Das passende Werkzeug wird gleich mitgeliefert.

Der Lötkolben bleibt also schön kühl in seiner Halterung, man braucht nur ein paar Schraubverbindungen am PCB zur Frontplatte und dann am Case mit dem Schraubendreher herzustellen, die Muttern für die Eurorackbuchsen mit dem beiliegenden Werkzeug anzuziehen und fertig ist der Vogel: Easy!

Rundgang über die Frontplatte des MOOG Mavis

Ich denke, wir sollten zum gemeinsamen Einstieg einen kleinen Rundgang über die edle, schwarz gebürstete Frontplatte der Singdrossel machen. Dabei beschreibe ich die Bedienelemente und Funktionen und gehe natürlich wo nötig auch gleich auf mögliche Besonderheiten ein.

MOOG Mavis Userbild Grüner Hintergrund Patch

Der Grundaufbau ist sehr übersichtlich und zeigt eine typische analoge Synthesizerstruktur mit VCO, VCF und VCA, dazu dann noch die Modulationsquellen, ein LFO und die ADSR-Hüllkurve EG.
Ganz unten gibt es eine kleine Gummitastatur zum Spielen über eine Oktave, quasi zum Vorhören der erstellten Sounds. Ich sage das auch ganz bewusst, denn nuanciertes Spielen des MOOG Mavis wird erst über eine externe Tastatur vernünftig möglich. Trotzdem ist diese Gummitastatur schon ein wahrer Fortschritt gegenüber der beim MOOG Werkstatt-01 verbauten Plastik-Knubbel-Alibi-Tastatur.

Userbild Werkstatt Familie

Die Werkstatt-Familie: Oben MOOG Werkstatt-01 (2020 mit GATE In), Mitte: MOOG Mavis, unten: MOOG Werkstatt-01 (2014 ohne GATE In)

Links von der Tastatur gibt es die Stummelpotis für GLIDE, auch Portamento oder Glissando genannt, zum stufenlosen Verziehen der Tonhöhen von einem gedrückten Ton zum anderen. Über GLIDE finden wir noch den Regler KB SCALE. Diesen kann man nutzen, um experimentelle neue Tonhöhenverhältnisse einzustellen und musikalische Intervalle zu erkunden, die über die etablierten Standards von Tastaturen hinausgehen. Das klingt jetzt erstmal spektakulär, aber im Prinzip wird durch Drehen des Reglers in Uhrzeigerrichtung tatsächlich nur die Tastatur über die VCO-Range aufgespreizt und verschoben, ein wirkliches Schema konnte ich bei meinen Experimenten damit nicht erkennen.

MOOG Mavis Userbild Gummitastatur

Omnipräsent auf der linken Seite funkelnd, befindet sich das Patchfeld der vierundzwanzig Eurorack-Buchsen. Die Kennzeichnung für Ein- und Ausgänge ist darüber klar dargestellt. Ausgangsbuchsen sind gegenüber der normalen Beschriftung demnach invertiert, also dann mit schwarzer Schrift auf weißem Grund dargestellt.

MOOG Mavis Userbild Patchbay Detail linke Seite

Ganz wichtig zum Spielen über ein externes CV-Keyboard ist der Eingang für die Steuerung der Tonhöhe 1 V/OCT (links, 2. Reihe von oben) und der GATE-Eingang für die Dauer der gehaltenen Taste (links, 4. Reihe von oben). Erstaunliches Feature: Die über die Gummitastatur gespielten Tonhöhen werden an der Ausgangsbuchse KB CV (mittig, 1. Reihe von oben) auch ausgegeben.

Des Klanges Ursprung – der VCO des MOOG Mavis

Los geht es also mit dem VCO. Diesen finden wir ziemlich mittig im oberen, auch optisch sichtbar abgetrennten Bereich. Sechs Regler, ausgelegt als Stummelpotis wollen hier erkundet werden. Links der Regler PITCH sollte klar sein, dient zur Einstellung der Tonhöhe des VCOs. Rechts daneben finden wir den Regler VCO Wave, mit dem wir im Uhrzeigersinn gedreht die auszugebende Grundschwingungsform des VCO von Sägezahn nach Rechteck stufenlos überblenden können.

MOOG Mavis Userbild VCO SEKTION

Mit dem nächsten Regler PULSE WIDTH stellt man manuell die Pulsbreite ein. Darunter finden wir dann noch drei Regler für mögliche Modulationen des VCO. VCO MOD MIX entscheidet, ob der LFO oder die Hüllkurve oder ein Mix daraus zuständig ist für die Modulationen. Der Regler PITCH MOD AMT pegelt die Modulationsintensität des VCO MOD MIX auf die Tonhöhe des VCO, während PMW AMT die Modulation für die Pulsbreitenmodulation nutzbar macht und sie in ihrer Intensität regelt. Auf dem Bedienfeld wird auch durch Pfeile angezeigt, auf welche Parameter durch andere Regler eingewirkt wird.

Guter Kaffee ist teuer! Das Filter im MOOG Mavis

Wie kann es anders sein? Hier werkelt ein typisches und einfach klassisch, zeitloses und resonanzfähiges Voltage Controlled 24 dB Moog Lowpass-Ladder-Filter: einfach sahnig – cremig – fett und Schmatz! So muss DAS! … und nichts anderes habe ich an dieser Stelle von einem MOOG auch erwartet – dicke Pluspunkte!

Userbild Detail Filter

CUTOFF, in der Regel ja des Sound-Schraubers Lieblingspoti, muss ich an dieser Stelle wohl auch nicht extra erklären – oder? Im Patch-Feld, mittig – dritte Reihe von oben, finden wir auch einen gleichnamigen Eingang für die dynamische CV-Steuerung dieses Parameters. Rechts neben dem Regler CUTOFF finden wir den Regler für den Parameter RESONANCE, der leider keinen Eingang auf der Patchbay hat und damit auch nicht extern spannungssteuerbar ist: Schade!

MOOG Mavis Userbild PatchSheet Who needs a sequencer

Darunter finden wir den Regler VCF MOD MIX mit dem man einen Mix herstellen kann aus Hüllkurvensteuerung und LFO für die Modulation des Filter-Cutoffs. Im Linksanschlag des Reglers wirkt dann nur die Hüllkurve und im Rechtsanschlag nur der LFO. Der zwischen VCF MOD MIX und CUTOFF geschaltete Regler VCF MOD AMT ist für die Intensität der Modulation zuständig und im linken Bereich auch invertiert. Hatte ich erwähnt, dass auf dem Bedienfeld des MOOG Mavis Pfeile unterstützend den Signalfluss der Steuerung anzeigen?

Wir brauchen Verstärkung – der VCA des MOOG Mavis

Der VCA ist hier ganz simpel gehalten. Es gibt einen Hauptregler für VOLUME, also die Gesamtlautstärke und darunter einen Schalter, der die VCA-Steuerung von immer ANgeschaltet (im Drone-Modus = ON) auf die Stellung EG, also Steuerung durch die Hüllkurve umschaltet.

MOOG Mavis Userbild VCA

Der VCA-/Kopfhörerausgang befindet sich ganz links oben in der Patchbay. Eine zusätzliche Eingangsbuchse VCA CV für die externe dynamische Steuerung via Control Voltage finden wir in der Patchbay mittig in der vierten Reihe von oben.

Ohne Modulation nix los im Sound – LFO und Hüllkurven der Singdrossel

Unter der VCO-VCF-VCA-Sektion finden wir links den Bereich für den LFO und rechts die Hüllkurve, hier EG (Envelope Generator) genannt.

Userbild Detail LFO

Der LFO ist schnell erklärt. LFO RATE regelt die Geschwindigkeit des LFO, wobei diese bis in den Audiobereich reicht. Sehr fein, denn so kann man den LFO hier auch gewinnbringend als zweiten VCO nutzen. Zu diesem Zweck gibt es auch eine Ausgangsbuchse LFO in der Patchbay (links, 5. Reihe von oben). Und auch die LFO RATE selbst kann dynamisch über die zugehörige Eingangsbuchse auf der Patchbay (links, 3. Reihe von oben) per CV gesteuert werden. Eine rote LED blinkt einmal pro Durchlauf und gibt damit auch ein visuelles Feedback zur aktuellen LFO-Geschwindigkeit. Neben dem Rate-Regler finden wir dann noch den Regler LFO WAVE, mit dem wir zwischen Dreieck und Rechteck stufenlos die Grundschwingungsformen für den LFO einstellen können.

Userbild Hüllkurve

Kommen wir zur Hüllkurve in der rechten Modulationssektion des MOOG Mavis. Hier finden wir im Gegensatz zum Vorgänger MOOG Werkstatt-01 diesmal eine vollständige ADSR-Hüllkurve, die an den MOD MIX-Reglern für VCO und VCF, am VCA-Schalter und an der Ausgangsbuchse EG in der Patchbay (links, 2. Reihe von unten) anliegt. Sie hat die vier üblichen Regler für die Modulation des Klangverlaufs: ATTACK, DECAY, SUSTAIN und RELEASE. Diese Parameter muss ich wohl keinem Leser erklären, der bis an diese Stelle enthusiastisch mitgelesen hat.

Das ist ja was ganz was Neues: FOLD – ein Waveshaper in einem MOOG?

Kommen wir zur Utility-Sektion, zu finden zwischen den Bausteinen zur Klangerzeug und der Patchbay. Erstmalig hält ein Waveshaper in die Klangerzeugung eines MOOG Einzug.

MOOG Mavis Userbild Waveshaperr

Dieser muss über die Patchbay mit der Verbindung VCO zu FOLD IN erst eingepatcht werden und ist dann über den Regler FOLD, zu finden in der UTL-Sektion, einstellbar.

MOOG Mavis Userbild Fold

Als Mitbringsel aus der additiven Synthese übersteuert ein Waveshaper die vom VCO erzeugten Schwingungsformen, faltet und invertiert diese dann am Threshold wieder und erzeugt so weitere harmonische Obertöne, was im besten Fall in komplexeren Grundschwingungsformen mündet.

MOOG Mavis Userbild Mavis auf Steinhintergrund

Die umfassend mit wirklich tollen, dynamisch steuerbaren und auch mehrstufig aufgebauten Waveshapern verwöhnte hier mitlesende Eurorack-Fraktion wird mir bei nachfolgendem Satz ganz schnell Recht geben: Der hier verbaute Waveshaper auf Diodenbasis ist eher eine nette Erweiterung, als die wirklich große Innovation. Er ist nämlich leider nicht dynamisch steuerbar, kann also quasi nur per Hand fest eingestellt oder eben durch selbige manuell gesteuert werden, um die statischen Schwingungsformen des VCOs zu falten. Und da liegt auch das kleine Problem: Wenn nämlich PWM als dynamische Komponente zusätzlich ins Spiel kommt, erzeugt das statische Falten an einigen gemeinsamen Durchgängen in dem neuen dynamisch erzeugten Schwingungsformmix ein leises Knacksen. Hier muss man schon ganz genau einstellen und FOLD mit PWM sauber abgleichen, was mit den Stummelpotis dann schon zu einem echten Geduldsspiel ausartet. In einigen Einstellungen brachte aber das nachgeschaltete tolle Filter dann eine Besserung.

Was gibt es noch in der Utility-Sektion?

Mavis verfügt außerdem über einen breiten modularen Utility-Bereich mit Abschwächern, Offsets, Multiple und einem flexiblen DC-gekoppelten Mixer. Das sind im Eurorack-Bereich oft verkannte Werkzeuge, die für kreatives Patchen und Sounddesign einfach unbedingt erforderlich sind. Die Erklärung dazu kann ich mir an dieser Stelle sparen, denn es gibt dazu ein wirklich tolles Einführungsvideo vom Hersteller selbst.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Sample & Hold kann die Singdrossel auch!

Ein wenig versteckt in der Patchbay sind die Ein- und Ausgangsbuchsen der Sample & Hold-Sektion. Diese kann man sehr kreativ für die interne Verpatchung zur Steuerung diverser interner Parameter nutzen, Filter-Cutoff ist dafür zum Beispiel ein sehr dankbarer Abnehmer und man kann sich mit diesem Tool sogar einen kleinen Random-Sequencer bauen: Fetzt! Auch zu diesem kleinen Utility gibt es von MOOG ein tolles Einstiegs- und Erklärbärvideo.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Wie schlägt sich der MOOG Mavis im Eurorack-Kosmos?

Die Singdrossel bekommt für den Test natürlich zwischendurch auch mal einen neuen Käfig und zieht in mein Eurorack. Hier benötigt der MOOG Mavis stolze 44 Teileinheiten an Platz.

MOOG Mavis Userbild ultraflach

Das ultraflache Modul ist mit nicht mal 2 cm Tiefe absolut Skiff-tauglich, die mobilen Modularisten wird das sicher freuen. Vorsicht beim Einbau: Entgegen den Konventionen ist am MOOG Mavis die rote Kabelseite oben in der verpolungssicher angelegten Eurorack-Power-Buchse. Das Kabel muss dann also für das Case nach unten gedreht werden, also so, dass im Case dann die rote Seite (-12 Volt) unten ist.

Userbild Achtung minus 12 ist hier oben

Am Eurorack-Powerbus saugt der MOOG Mavis auf der +12 Volt-Leitung gemessene 193 mA, was für ein Modul dieser Größenordnung als durchaus moderat einzuschätzen ist. Die anderen Leitungen werden nicht genutzt.

MOOG Mavis Userbild als Eurorackmodul

Sind wir doch mal ehrlich: Von Haus aus, ist die kleine Singdrossel optisch eher eine Krähe. Das soll nicht despektierlich gemeint sein, denn ich liebe ja diese intelligenten Tiere. Es geht mir hier tatsächlich nur um das Äußere. Und damit meine ich vornehmlich die verbauten Stummelpotis, denn die gehen mal gar nicht! Ich hatte mich ja darüber auch schon bei meinem Test zum Behringer 182 Sequencer für das System 100 ausgiebig ausgelassen und dabei ob des Preises noch mal ein Auge zugedrückt, aber hier? Bei dem Preis? Nein! Die Dinger sehen einfach nur billig aus und ein wirklich feinfühliges Einstellen ist mit diesen Wabbelhaken auch nicht drin. Da kommen später bei mir definitv noch richtige Knobs drüber!

MOOG Mavis Userbild Messung Power

WOW – nur mal so zum Test: Was so ein kleines Test-Knob-Upgrade doch optisch schon ausmacht – oder? Da wird die Krähe auf einmal doch noch zum Singvogel, um beim Vergleich zu bleiben. Im Ernst: Das erleichtert das genaue Einstellen von Werten ungemein und dann sieht der MAVIS auch endlich mal so richtig amtlich nach einem MOOG aus – oder? Keine Ahnung, warum man darauf bei der Singdrossel keinen Wert gelegt hat?

MOOG Mavis Userbild Patch im Eurorack mit Knobupgrade

Liebe MOOGys: Gebt solchen Geräten zukünftig von mir aus noch ein paar Teileinheiten mehr im Eurorack-Format, aber dafür richtige Bakelit-Knöpfe … DAS ist dann auch optisch ein MOOG! Für knapp 400 Euro will ich einfach nicht an Stummelpotis rumforschen! Und ehrlich: Ich kann mich nicht erinnern, dass ich ein Modul im Eurorack-Format besitze, das für den hier aufgerufenen Preis nur Stummelpotis bietet. Gute Regler gehören in diesen Preisklassen einfach zum guten Ton. Aber nun genug gemeckert, bleibt die Frage:

Was bietet die Singdrossel an Sounds?

Natürlich findet sich der Ansatz der vereinfachten analogen Synthese auch als Niederschlag im Sound. Es gibt hier den typischen MOOG-Sound, ganz einfach durch das klassische Filter. Der Wavefolder, die absolute Neuheit im Moog-Universe bietet hier noch mal ein kleines Plus an Grundschwingungsformen, sollte aber vorsichtig eingesetzt werden und auch der LFO, über den Mixer eingepatcht und sauber getrackt im Audiobereich, sorgt für ein deutlich erweitertes Klangbild im Werkstatt-Universum.

MOOG Mavis Userbild gepatcht only

Machbar sind hübsche Bässe, schöne Brass-, Key- und Leadsounds, Drums- und Percussions sowie natürlich drastische Effektklänge. Man muss an dieser Stelle aber auch ganz klar sagen: Das Ganze spielt schon rein architekturbedingt nicht in der Liga von der Breite und Wucht eines MINIMOOGs, klingt aber trotzdem fast immer satt und brauchbar.

MOOG MAVIS Userbild Mavis mit passendem Decksaver

Ein passender Decksaver wird mitgeliefert!

Für sich allein gesehen, macht der MOOG Mavis schon echt Spaß, aber durch die Patchbay und die damit gegebene Konnektivität mit dem Eurorack-Format und der damit verbundenen frei erstellbaren externen Control Voltage wird der Singdrossel gleich noch viel mehr Leben eingehaucht. Was da dann plötzlich möglich wird, zeigt der in Eurorack-Kreisen sehr beliebte Ben aka Divkid in seinem Video sehr eindrucksvoll.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Und da wir den Test schon mit einem abgewandelten Kindervers über Vögel begonnen haben, lassen wir ihn doch auch mit einem solchen gern ausklingen:

Ich bin der MOOG Mavis. Kinder, ich bin am Ende. Und ich war es, der viel Spaß und guten Sound brachte den ganzen Test lang, offen für Kreativität jedes Patch-Kabel willig aufnahm und stets auf Tastendruck die besten Töne sang. Bitte um eine kleine Spende.

MAVIS, komm nach vorn. MAVIS, hier ist dein Korn. Und besten Dank für die Arbeit!

ANZEIGE
Fazit

Ich hatte in der Testphase echt viel Spaß mit der kleinen Singdrossel, vor allem, als ich sie in den Käfig zu meinen anderen Eurorack-Modulen gesteckt habe. Die umfangreiche Konnektivität in den Eurorack-Kosmos hinein über die Patchbay und selbst die Möglichkeit zum Einbau in das Eurorack-System bringen hier dicke Pluspunkte. Der Wavefolder, ein LFO im Audiobereich und die vielen zusätzlich integrierten Tools sorgen für eine höhere Klangausbeute als beim Vorgänger. Das Filter, ist wie von Moog gewohnt, der absolute Burner. Aber wo viel Licht ist, fällt auch Schatten: Die für diese Preisklasse doch ungewöhnlichen Stummelpotis und der für mich ein wenig zu hoch gegriffene Preis, vermutlich auch der aktuellen Chipkrise geschuldet, nagen derzeit an einer echten Kaufempfehlung. Ich denke, der Straßenpreis des MOOG Mavis wird sich über kurz oder lang bei dreiviertel des aktuellen Kaufpreises einpendeln, zu groß sind doch die Feature-Listen der Konkurrenz in der aktuellen Preisklasse.

Plus

  • typischer MOOG-Sound durch das Filter
  • Waveshaper als Erweiterung der Grundschwingungsformen des VCOs
  • LFO im Audiobereich als 2. VCO nutzbar
  • Erweiterung um wichtige Tools (Multi/Attenuator/Mixer)
  • umfangreiche Konnektivität über 24 Patchpoints
  • Eurorack-Kompatibilität und Möglichkeit zum Einbau (44 TE)
  • passender Decksaver wird gleich mitgeliefert
  • umfangreiche und sehr gute Dokumentation mit Anleitungen, Videos und Patchbooks
  • Bonuspunkt für die tolle Gesamtbox

Minus

  • Waveshaper nicht spannungssteuerbar
  • Stummelpotis
  • Preis

Preis

  • 399,- Euro
ANZEIGE
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    a.jungkunst AHU

    Verpackungen waren in letzter Zeit bei Moog schon immer ganz nett anzusehen.
    Der Synthi an sich bietet für Moog-Verhältnisse außer dem sehr rudimentären Wavefolder nichts Neues oder Bemerkenswertes.
    Der würde bei mir nach einigen Stunden vermutlich ein Dasein in der Schublade führen.
    Der Zusammenbau ist da schon mit eingerechnet.

  2. Profilbild
    [P]-HEAD AHU

    Man sollte bei dem Preis nicht ausser acht lassen, das das Ganze drumherum an Foldern, Beigaben etc. auch erdacht, designt, gestaltet, bestellt und geplant werden muss. Also, so tun als ob das nicht Personalkosten verschlingen würde, fände ich unfair. Von den Videos ganz zu schweigen. Ich finde man wird in dem Fall schon recht umsorgt, was den Einstieg mit diesem kleinen Synth angeht, daher halte ich den Preis für gerechtfertigt. Zieht mal Mwst. ab, dann geteilt durch 2 und dann habt Ihr das, was vielleicht Moog dafür bekommt.
    Ach ja, schöner ausführlicher Artikel! Danke!

    • Profilbild
      Anjin Sun

      Mich interessiert dieses ganze DrumHerRum überhaupt nicht! Fliegt auch immer sofort in den Müll. Nimmt nur Platz weg. Wichtig ist ein PDF der Bedienungsanleitung in Deutsch. Dieses Papier/Pappzeug sind Wegwerfartikel, sowohl auch die überflüssigen Esoterik Werbevideos. Folgend 2 Varianten anbieten: Mit und ohne Plunder!
      Mein Fazit: 199€ – mehr nicht.

    • Profilbild
      Dirk E. aka Xsample RED

      Danke [P]-HEAD für das Lob aus berufenem Munde. 😀 Du hast schon Recht, dass das Ganze drumherum auch kostet .. und ein Decksaver ist ja auch noch dabei. Von daher sag ich ja: In Anbetracht des aktuellen Werkstatt-01-Preises >>> Aufgebohrter Werkstatt + Decksaver + Beilagen = 299€ also dreiviertel des aktuellen Preises.

  3. Profilbild
    THo65

    Abgesehen von eventuellen Spaßfaktor des Zusammenbaus, finde ich den MAVIS echt langweilig. Die Soundbeispiele sind für meinen Geschmack nichts Überzeugendes.
    Zudem völlig überteuert.
    Ich habe seinerzeit die Mother-32 gegen zwei Crave’s ausgetauscht, gleiche Funktionen, habe ich bisher nicht bereut.
    Und wenn hier nicht MOOG drauf stehen würde, gäbe es bei dem Preis wahrscheinlich überhaupt keinen Käufer….

  4. Profilbild
    Kazimoto AHU

    Der Wavefolder soll indirekt über den VCA steuerbar sein. Ansonsten ist der Mavis ein echter Mehrwert gegenüber dem Mother, weil er eben Potis und keine entweder oder Kippschalter verwendet. Klar kann man das frickelig nennen aber Euroracker sind ganz anderes gewohnt. Als Paket ist der recht günstig und vielfältig.

  5. Profilbild
    Filterpad AHU

    Bei den Videos kam der Klang für mich noch nicht rüber, aber die aussagekräftigen Klangbeispiele sagen ganz klar aus und überzeugen, dass es sich um einen real fancy bratzi Moog-Sound handelt. Das war es dann auch schon meiner Ansicht nach, denn die Konkurrenz ist doch zu groß in dieser Liega. Ein Behringer Crave wurde schon genannt, aber die Liste ist noch sehr lang. Ich finde es generell lobenswert, dass die Fa. Moog Synthesizer in nahezu jeder Preisklasse anbietet. So ist für jeden etwas dabei und kann sich daran erfreuen. Aber ob diese Schritte unter 500€ sinnvoll sind? Unter der Subsequent,- und 60er-Serie (Subharmonicon etc.) zu bauen ist nicht mein Gefilde. Ein Moog mit volcaähnlichen Potis? No thanks!

    • Profilbild
      Dirk E. aka Xsample RED

      Danke für das Lob zu den Soundbeispielen. So unterschiedlich sind eben die Wahrnehmungen. Weiter oben musste ich dazu ja das Gegenteil lesen. Aber richtig erkannt. Ich wollte da keine Sinfonien bringen, sondern zeigen, dass der Mavis durchaus nach MOOG klingen kann. Das wurde ja in einigen anderen Tests teilweise in Abrede gestellt.

  6. Profilbild
    Marco Korda AHU 1

    Tja, hm. Ich bin Moog über sehr aufgeschlossen. Ich besitze einen Original altertümlichen Minimoog D und einen DFAM und hab schon diverse andere angespielt (u.a. Subsequent, Mother, Subharm.).

    Der Mehrwert des MAVIS erschließt sich mir nicht recht. Es kann sein, dass Menschen, die bisher MOOG-los waren und sonst nicht viel im Eurorack haben (oder gar keines besitzen) damit gut was anfangen können. Die Modularisti werden über die gebotenen Möglichkeiten des Mavis nicht erstaunt sein. Vieles befindet sich sowieso im Rack und kann meist noch viel flexibler gepatcht werden, als es hier möglich ist. Dass man ihn dann noch zusammenschrauben muss, ist ganz lustig, aber mehr auch nicht. Ist er teuer? Weiß ich nicht. Er bietet ja schon so einiges, daher mag der Preis noch vertretbar sein. Reizvoll finde ich Ihn allerdings eher nicht.

  7. Profilbild
    Nvelope

    Das Konzept ist dem der ‚Werkstatt‘ schon sehr ähnlich – Kleingerät mit minimaler ‚Tastatur‘ / ‚Selbstbau‘-Kit mit vorgefertigter Platine / integriertes Patchfeld mit doch einigen Steck-Möglichkeiten – und wurde durch die Fold-Möglichkeit etwas modernisiert und EuroRack-tauglich gestaltet.
    Das war’s dann aber auch schon … ah: der Preis wurde dann doch ordentlich höher für das nun Gebotene!

    Ja. ist wohl schon ein Moog … aber eben sehr teuer gegenüber Konkurrenten mit ähnlichen Möglichkeiten.
    Der Preis wird in einigen Monaten sicher etwas sinken – doch wohl nicht auf die angesprochenen ‚3/4‘ fallen (es ist ja ein Moog …!).
    Insbesondere durch die EuroRack-Kompatibilität wird das Gerätchen manche Freunde finde, aber ansonsten ist es der Werkstatt doch zu ähnlich – und diese kostet (solange noch erhältlich) eben gerademal die Hälfte.

    War da nicht vor etwa 1-2 Jahren ein kleiner Vocoder von Moog im Gespräch? Das wäre wirklich eine neue Idee in Sachen Klein-Klangerzeuger mit doch limitierten Möglichlkeiten, von denen es schon jetzt eigentlich genug gibt (noch bevor die vielen Behringer-Kleingeräte erscheinen werden, die, wenn’s aufgrund der Chipkrise durchgehalten werden kann, wohl für 100 € angeboten werden …).

    • Profilbild
      Dirk E. aka Xsample RED

      Ja klar, der Mavis gehört zur Werkstatt-Familie, so steht es auch auf der Verpackung. Den von mir prognostizierten 3/4 Preis, also dreiviertel von 399€, dann also bei 299€ sehe ich auch in dieser Relation. Ein aufgebohrter Werkstatt mit Decksaver rechtfertigen in meinen Augen 100€ mehr. Die Werkstatt-01 steht ja derzeit bei 199€. Und auch der Werkstatt-01 wurde ja Anfangs für deutlich mehr angeboten. Ich weiß jetzt den Einführungspreis nicht mehr, aber an Angebote um 320€ kann ich mich noch schemenhaft erinnern.

  8. Profilbild
    d_eric

    Deine Vogelvergleiche haben mir gut gefallen 😉
    Danke für den ausführlichen Test, der Wavefolder hat mich eigentlich getriggert, da er aber jetzt nicht wirklich der Hammer ist kann ich diesen Vogel getrost weiterziehen lassen.

    • Profilbild
      Dirk E. aka Xsample RED

      Danke fürs Lob! Ja, ich dachte es würde hier einfach passen und ein wenig Nostalgie ins Spiel bringen. Der Wavefolder ist schon mächtig, was da an Grundwellenformen geht, hört man in Soundbeispiel 08 schon ganz gut, allerdings auch die beschriebenen Knackser. Im Eurorack-Umfeld kann man ja den Ausgang des VCO über einen externen spannungsgesteuerten Wavefolder auf den integrierten Mixer wieder re-in-patchen. Die Patchbay in der Singdrossel öffnet sie nach außen und ist schon ein Segen.

  9. Profilbild
    SynthNerd AHU

    Ich halte den Minimoog Model D nach wie vor für einen der genialsten Sythesizer und liebe meinen sub37. Aber mit diesen Spielzeugkistchen werde ich nie warm. Ein Korg Monologue für 250€ kann viel mehr und ein Deepmind 6 für 500€ sowieso.
    Aber bestimmt gibt es auch einen Markt für Spielzeug. Warum auch nicht.

  10. Profilbild
    Spamn

    Mich erinnert das Design stark an die Mother und es bietet tolle zusätzliche Funktionen: Einen richtigen EG, einen Attenuator, Parallele pitch und pwth mods usw usw.
    Andererseits fehlt Noise, der step Sequenzer und die billigen plastokpotis vom DFAM enttäuschen mich beim Mavis sehr.
    Schade, es hätte so toll werden können.
    Statt einfach eine noch bessere Mother daraus zu machen

  11. Profilbild
    PULSAR

    Was mir noch einfällt:
    Mercedes fängt doch auch mit „M“ an. Ein „M“ ist toll und muss man haben. Wer ein „M“ fährt hat Geld.
    Warum sollte das Prinzip nicht auch bei elektronischen Instrumenten funktionieren.
    Bedenke: auch „M“s fangen an zu rosten und sind Generationen später auch wieder nur für entsprechende Leute.
    Gucken wir uns doch mal bei den „B“s um …. 😜

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum, um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Politische Inhalte und Statements werden durch die Redaktion gelöscht.

Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

X
ANZEIGE X