Test: MOOG Subharmonicon, semimodularer Synthesizer

24. Juni 2020

Moog Subharmonicon - eine historische Wiedergeburt

Moog Subharmonicon

Das Subharmonicon ist der dritte Streich im Trio der semimodularen Synthesizer von Moog. Subharmonicon ist ein Kunstwort, ein Wortspiel aus Subharmonien und Rhythmicon.
Subharmonien sind zum Beispiel Bestandteil des Trautoniums.

Trautonium (1930) und Rhythmicon (1931) sind historische Instrumente aus den Anfangszeiten der elektronischen Musik.

Das Mixtur-Trautonium im Deutschen Museum Bonn

Trautonium (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Trautonium)

Das Trautonium basiert auf einem Sägezahnoszillator (Kippschwingung), aus dessen Frequenz Subharmonische (Untertöne) erzeugt werden. Ein Unterton entsteht durch ganzzahlige Teilung der Grundfrequenz. Die zweite Subharmonische schwingt also mit halber Frequenz, die dritte mit einem Drittel Frequenz usw.. Grundton und Subharmonische ergeben zusammen eine Mixtur.

Leon Theremins Rhythmicon, Original aus den frühen 1960er Jahren

Rhythmicon (Quelle: Leon Theremins Rhythmicon, Original aus den frühen 1960er Jahren, Sammlung Andrey Smirnov | © Andrey Smirnov)

Das Rhythmicon ist ein Tasteninstrument, das einen Grundton auf der ersten (linken) Taste mit einem Grundrhythmus erzeugt. Die nachfolgende Taste liefert einen Ton mit doppelter Frequenz (also den ersten Oberton) und doppelt so schnellem Rhythmus, die dritte Taste mit dreifacher Frequenz (zweiter Oberton) und dreifach rascherer Tonfolge usw.. Insgesamt sieht man 17 Tasten mit entsprechenden Obertönen und Tonfolgen. Das Rhythmicon kann man als erste elektronische Drummaschine sehen.

Inhalt

Das Subharmonicon ist nun eine Wiedergeburt, sicherlich auch eine Hommage an die Anfänge der elektronischen Musik. Kompositorische Grundlagen zu diesem anspruchsvollen Instrument liefert das Schillinger Kompositionssystem, in diesem Fall die Polyrhythmen des Sequencer-Parts. Es ist interessant, dass sich Moog nun dieses Themas annimmt. Wer mehr über die Anfänge erfahren möchte, findet im Artikel die Geschichte der elektronischen Musik 1900-1970 mehr oder auch hier: Videolinks zum Trautonium und zum Rhythmicon.

Wer möchte, kann über die folgenden Links direkt in ein Unterthema einsteigen:

Überblick zum Moog Subharmonicon

Zur Einstimmung hier mal ein Zusammenspiel im Moog-Trio Subharmonicon, Mother-32 und DFAM:

Das Subharmonicon ist ein paraphoner semimodularer polyrhythmischer Analog-Synthesizer bzw. genauer -Sequencer, d. h. alle Klänge werden gemixt und gemeinsam durch ein Filter und einen VCA geführt. Das Subharmonicon präsentiert sich in einem soliden Metallgehäuse mit Holzseitenteilen (Imitat?) im Eurorack-Format. Es lässt sich also auch in ein größeres System einbauen.

Moog Subharmonicon

Moog Subharmonicon

Mitgeliefert werden fünf kurze Patch-Kabel, ein MIDI DIN auf 3,5 mm Klinkenkabel, eine ausführliche englische Bedienungsanleitung (auch online ladtbar) und fünf Pappschablonen zum Einstieg ins Patchen.

Moog setzt mit seinen Eurorack-Klangerzeugern konsequent den eingeschlagenen Weg der Semimodularen mit Mother-32 und DFAM fort. Alle drei Rack-Modelle dienen einem bestimmten Zweck und sind dementsprechend zusammengestellt. Dieses neueste Rack ist ungewöhnlich, da es sich dem selten realisierten Thema der Subharmonischen und zugleich den Polyrhythmen zuwendet.

Moog-Rack, zusammen mit den Rocks Mother-32 und DFAM

Rack-Integration (Quelle: Moog)

Es gibt nur wenige subharmonische Generatoren wie das Modul A-113 von Doepfer und den passenden Formantfiltern A-104 und das Ende 2019 getestete Modul Humble Audio Quad Operator. Polyrhythmen sind dagegen im Augenblick sehr aktuell. Das Subharmonicon ist sehr speziell zusammengestellt und lässt sich nur schwer (bis gar nicht)  mit gängiger Hardware und Einzelmodulen nachbauen. Beim ersten Ausprobieren bemerkt man sofort die hohe Qualität der Bedienelemente, wie man sie von Moog erwartet. Alles sitzt und passt, hat den nötigen Drehwiderstand und ist gut beschriftet.

Das Bild zeigt die hohe Qualität der Moogschen Regler und Schalter

Typische Moog Regler und Schalter (Quelle: Moog)

Es ist sicherlich nicht als ein Einsteigermodell gedacht und soll sich in ein bestehendes Modularsystem einordnen. Für diesen Test stehen mir dieses Moog Modul und mein Doepfer Eurorack-System zur Verfügung. Es besitzt auf der Rückseite einen Audioausgang und den Anschluss eines mitgelieferten externen Netzteils. Schraubt man es aus dem stabilen Gehäuse heraus, dann kann man es auch an das Standard-Bussystem von Doepfer anschließen (für den Einbau: 60 TE Breite, 26 mm Tiefe, es liegt kein Buskabel bei). Ich habe den Ausbau nicht getestet, aber ich glaube mal einfach den Herstellerangaben, dass es problemlos ist.

Das Bedienfeld gliedert sich in vier Bereiche:

Das Bedienfeld des Subharmonicon mit Sequenzersektion, den Oszillatoren, 24dB Filter und VCA und dem Patchfeld

Moog Subharmonicon – das Bedienfeld

Auf der linken Seite befinden sich zwei vierstufige Sequencer mit jeweils vier Minireglern zur Einstellung der jeweiligen Tonhöhe der Hauptoszillatoren bzw. der Subharmonischen und eine einfache Matrix zum Erstellen von Polyrhythmen.
Rechts davon liegt die Oszillatorsektion mit zwei Hauptoszillatoren und jeweils zwei Suboszillatoren und einem Mixer.
Im rot markierten Bereich findet man ein 24 dB Lowpass Filter und einen VCA mit getrennten Attack-Decay-Hüllkurven, durch die die gemixten Audiosignale als Summe fließen. Ganz rechts gibt es ein Patch-Feld mit den wichtigsten Zugriffspunkten für die Oszillatoren und die Sequencer.

Zwei Hauptoszillatoren mit jeweils zwei Suboszillatoren

Beide Oszillatorbereiche sind identisch. Insgesamt gibt es sechs Oszillatoren. Der Hauptoszillator erzeugt wahlweise eine Sägezahn- oder Rechteckschwingung. Die jeweilige Frequenz kann entweder stufenlos oder auch mit Rasterung verändert werden. Mit dem Taster QUANTIZE kann man die stufenweise temperierte Stimmung für 12 Töne oder auch nur acht Töne pro Oktave oder auch eine reine Stimmung einstellen. Der Bereich kann durch den zyklischen Taster SEQ OCT auf ±5, ±2 oder auch nur auf ±1 Oktave(n) umgestellt werden.

Die Oszillatorsektion mit zwei Hauptoszillatoren , jeweils zwei Suboszillatoren und einem Mixerbereich

Sechs Oszillatoren des Moog Subharmonicon

In Abhängigkeit der Stufenschalter SUB 1 FREQ und SUB 2 FREQ werden die Subharmonischen 1 bis 16 ausgewählt. Man erhält zwischen Hauptoszillator und den Suboszillatoren also feste Frequenzverhältnisse. Beträgt die Grundfrequenz beispielsweise 440 Hz, dann ergeben sich durch Teilungen 22o Hz, ≈147 Hz, 110 Hz, 88 Hz usw.. Mechanisch kann man sich bei einem Saiteninstrument vorstellen, dass man die Länge der Saite verdoppelt, verdreifacht, vervierfacht, …

Die ersten fünf Untertöne erklingen zusammen wie ein Mollakkord. Daher klingen die Sequenzen meistens angenehm düster.

Die drei unteren Regler dienen zum Mischen der drei Oszillatoren. Quantisierung und Oktavbereiche gelten gemeinsam für beide Oszillatorgruppen. In der Mitte findet man jeweils drei Taster (SEQ 1/2 ASSIGN), die in Abhängigkeit des zughörigen Sequencers entweder für den Hauptoszillator die jeweilige Tonhöhe oder für die Suboszillatoren das Teilverhältnis festlegt.

Ein typisches Moog Filter und ein VCA

Das summierte Signal der sechs Oszillatoren gelangt nun in ein typisches wohlbekanntes Moog 24 dB Lowpass Filter mit einem VCA. Sowohl Filter als auch VCA besitzen eine eigene Attack-Decay-Hüllkurve und werden entweder durch die Sequencer, einen manuellen Trigger-Taster oder über das Patch-Feld und einem MIDI-Anschluss getriggert; ein MIDI DIN Kabel auf 3,5 mm Buchse liegt bei. Die Attack-Phase kann im Bereich von 1 ms bis 10 s und die Decay-Phase von 5 ms bis ebenfalls 10 s eingestellt werden. Mit RESONANCE kann man das Filter auch bis zur Selbstoszillation anregen.

typische 24dB Moogfilter und ein VCA modellieren das Summensignal

24 dB Moog Filter und VCA

Die Patchbay des Subharmonicon

Das Patch-Feld bietet 17 Ein- und 15 Ausgänge. Wie schon bei Mother-32 und DFAM ist das Patch-Feld rechts angeordnet, so dass nicht ständig Kabel vor den Reglern hängen – sehr sinnvoll. Die Audioausgänge liefern die üblichen 10 V Peak to Peak Signale und die Controller-Ports verarbeiten je nach Anwendung +/-5 V bzw. 0-8 V bzw. 0-5 V für diverse Clock-Signale.
Beide Hauptoszillatoren können sowohl über analoge Eingänge als auch über MIDI (3,5 mm Klinke) in ihrer Tonhöhe verändert werden. Die jeweiligen Suboszillatoren werden über VCO 1/2 SUB bzw. VCO 1/2 PWM in ihren 16 Untertonstufen beeinflusst. Man muss sich immer dessen bewusst sein, dass die Suboszillatoren streng abhängig sind von ihrem Hauptoszillator.

Über den Ausgang VCA kann man das Summensignal ausgeben oder aber auch über die sechs einzelnen individuellen Buchsen.

Moog Subharmonicon - das Patchfeld

Moog Subharmonicon – das Patch-Feld

Viele Ein- und Ausgänge dienen der externen Steuerung der Sequencer bzw. der Signalausgabe. Das Handbuch liefert hier detailliertere Informationen (Handbuch ab Seite 34). Ganz klar zielt diese Patchbay auf das Zusammenspiel mit Moog DFAM und Moog Mother-32. Allerdings ist das nicht alles, denn das Subharmonicon kann sich selbst modulieren, sei es durch die Trigger der Sequencer oder auch die Oszillatoren selbst. Wie bei einem Modularsystem üblich, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.

Interessant ist noch die MIDI-In-Buchse. Hierüber werden nicht nur Note und Tempo empfangen, sondern auch diverse Control-Change-Nachrichten, mit denen alle Frequenzeinstellungen der Oszillator- und die Hüllkurven-Phasenlängen der Filter- und VCA-Sektionen überschrieben werden können (Handbuch S. 42ff).

Der Sequencer des Moog Subharmonicon

Die Sequencer des Subharmonicon sind für mich das absolute Highlight. Man merkt deutlich, mit wie viel Freude Moog sich an das historische Vorbild heranwagt.

Moog Subharmonicon - Sequenzer

Moog Subharmonicon – Sequencer

Es gibt für jede Oszillatorsektion (Hauptoszillator mit zwei Suboszillatoren) einen vierschrittigen Sequencer. Die kleinen Tonhöhenregler haben zwei Funktionen. Sie verändern einerseits die Frequenz des Hauptoszillators und andererseits die Subhamonischen der Suboszillatoren.

Die Tonhöhenänderungen des Sequencers wirken nur, wenn die zugehörigen Taster bei den Oszillatoren aktiviert sind:

Moog Subharmonicon - Modulation der Tonhöhen durch die Sequenzer

Moog Subharmonicon – Modulation der Tonhöhen durch die Sequencer

Im gezeigten Beispiel bewirkt der Sequencer 1 nur eine Veränderung der Subharmonischen des Suboszillators SUB 1, der Sequencer 2 dagegen eine Tonhöhenänderungen des Hauptoszillators 2 und seines Suboszillators SUB2. Die anderen Oszillatoren bleiben konstant bei der eingestellten Tonhöhe (VCO 1) bzw. den Subharmonischen. In manchen Videos wird beklagt, dass die Sequencer nur vier Steps besitzen, jedoch muss man den beschränkten Platz mit 60 TE berücksichtigen wie auch die Komplexität der Programmierung. Wollte man mehr, dann hätte man allein für einen solchen Sequencer die Gesamtbreite benötigt, womit das Konzept zusammen mit den Suboszillatoren nicht mehr möglich gewesen wäre.

Die eigentliche Sahneschnitte der Sequencer sind die Polyrhythmen.

Moog Subharmonicon - die Polyrhythmen

Moog Subharmonicon – die Polyrhythmen

Wer sich intensiver mit den Themen Polyrhythmik und Polymetrik beschäftigen möchte, findet weitere Links bei Wikipedia mit interessanten Verweisen zu Audiobeispielen der Klassik, aber auch diverser Progressive Rock und Math Rock Bands.

In den Polyrhythmen können vier davon eingestellt werden. Das Rhythmicon benutzt die zwei-, drei-, vierfache etc. Frequenz also quasi die Obertöne des Sequencers (Wikipedia: Rhythmicon). Im Gegensatz dazu basieren die Rhythmen des Subharmonicon auf Teilern der vorgegebenen Step-Frequenz des TEMPO-Reglers. Stehen die Minipotis, wie oben gezeigt, ganz rechts, dann wird das Tempo übernommen. Dreht man die Regler nach links, so wird (wie bei den Frequenzen der Suboszillatoren) die Sequencer-Frequenz durch zwei, drei, vier etc. geteilt. Das entspricht den Untertönen des Sequencers. Diese lassen sich nun auf die beiden Sequencer zur Steuerung der Oszillatoren lenken. Da es für alle vier Rhythmen getrennte Taster gibt, bieten sie sich zum Live-Spiel geradezu an.

Moog Subharmonicon - Sequenzer (Quelle: Moog)

Moog Subharmonicon – Sequencer (Quelle: Moog)

Das Interessante daran ist nun, dass man mehrere Rhythmen gleichzeitig ablaufen lassen kann. Sind die Reglerstellungen verschieden, so kommt es zu spannenden Rhythmus-Verschiebungen und -Überlagerungen (Polyrhythmen). Während einer Performance spielt man mit den Tastern der Sequencer- und der Oszillatorsektion. Es handelt sich hier um einfachste Patches!

Patch-Hilfen

Dem Paket liegen fünf Patch-Schablonen aus Pappe bei. Beim ersten Kontakt sind diese eine große Hilfe, wenn man wie ich zunächst nur schraubt, ohne die Bedienungsanleitung zuvor zu Rate zu ziehen. Ohne Aufwand lassen sich diese auf dem Panel überstülpen.

Patch-Schablonen

Patch-Schablonen

Es werden alle Einstellungen markiert und sogar Vorschläge gemacht, an welchen Reglern man drehen sollte, um ein Aha-Erlebnis zu bekommen – sehr praktisch und anschaulich.

Das Panel bekommt eine Patchschablone

Das Panel bekommt eine Patch-Schablone

Trotzdem kommt man natürlich nicht drum herum, doch das sehr gute Handbuch zu lesen. Das Konzept der Subharmonischen und Polyrhythmen ist zu ungewöhnlich, um es ohne sachliche Informationen sinnvoll nutzen zu können, man muss es verinnerlichen.

Moog Subharmonicon on YouTube

Ein grundlegender Workshop und Überblick:

Für alle Experimentierfreudigen ein sehr experimenteller Ansatz zu dem Sequencer, Polyrhythmen und Mixturen mit externen Formantfiltern:

Wie erlernt man ein solch komplexes Instrument? Nun das Subharmonicon ist jedenfalls kein Einstiegsmodell in die modulare Klangwelt. Es sind sicherlich eine Portion Erfahrung mit der Modulartechnik von Nöten, um Erfolgserlebnisse zu haben. Insbesondere sollte man sich mit mit Stepsequencern und verschiedenen Modulationen und Patches auskennen (Pitch-, Frequenz- und Filtermodulation, d. h. das Subharmonicon setzt ein schon existierendes Modularsystem voraus. Im Rückblick ist nun auch klar, welchen Weg Moog in die Modularwelt gewählt hat: zunächst Semimodular(e) mit Mother-32 und ein Rhythmusgenerator DFAM und nun die avantgardistische Erweiterung. Liveperformance ist hier die Maxime: Man soll sich in die Klangwelt hineinführen lassen und eigene Ideen entwickeln.

Das Subharmonicon im Selbstversuch

Und nun geht es ans Eingemachte. Wie gängig ist das Subharmonicon eigentlich in der Praxis? Die Herangehensweise an eine Sequencer-Folge ist schon eine andere. Die Miniregler in den jeweiligen Tonfolgen sind für die Hauptoszillatoren zunächst mal zu gewöhnlichen Sequencern identisch: Da man durch die Vorwahl der Oktaven im Oszillatorbereich und die gewählte Skala schon die möglichen Tonbereiche vorgegeben hat, ist es ganz praktisch, dass die Miniregler in Stufen reagieren – soweit, so gut. Doch bei der Beeinflussung der Suboszillatoren muss man beachten, dass mit ihnen gleichzeitig nicht Pitch, sondern die jeweilige Subharmonie gewählt wird. Es liegt also unter Umständen eine doppelte Abhängigkeit vor, die der Tonhöhe des Hauptoszillators und die der gewählten Subharmonie. Das unterscheidet sich sehr vom allgemeinen Gebrauch und erfordert eine Eingewöhnungszeit, die man bei gezielter Herangehensweise nicht unterschätzen sollte. Natürlich kann man sich auch einfach nach seinem Gehör richten, doch man kommt nicht an einem wachsenden Erfahrungsschatz vorbei.

Für das folgende einfache Beispiel habe ich sicherlich insgesamt fünf Stunden (!) des Lernens benötigt. Allerdings waren das gleichzeitige Erklimmen der Lernkurve äußerst befriedigend.

Das Subharmonicon im Selbstversuch

Ich habe hier zwei Patches in Logic hintereinander gelegt (eigentlich übereinander, aber man hört den zweiten Patch fast nur in der zweiten Hälfte). Im ersten Teil spiele ich hauptsächlich mit der Mixersektion und dem Filter (Invertierung der Filterhüllkurve), im zweiten Teil dagegen habe ich die jeweiligen Polyrhythmen aktiviert und deaktiviert. Ohne es selbst ausprobiert zu haben, nützen hier weitere Erläuterungen nichts. Man muss sich darauf einlassen und wissbegierig sein. Die Clock von Logic wurde hierbei über das Interface Expert Sleepers FH-2 über das violette Patch-Kabel an den Clock-Eingang geführt – unglaublich entspanntes Arbeiten und Ausprobieren.

Patch-Beispiele zum Anhören

Obwohl es sicherlich eine anfängliche Hemmschwelle ob der ungewöhnlichen Klänge und Rhythmen gibt, so wird man doch durch sinnvolle Patch-Beispiele vorsichtig an das Gesamtkonzept herangeführt. Hier mal ein paar Beispiele aus dem Handbuch (S. 45-49). Ich finde es bei den hier vorgestellten Patches wichtig, dass man sich einen Klangeindruck macht, bevor man mit falschen Vorstellungen zu diesem interessanten semimodularen Sequencer geht. Alle vorgestellten Klangbeispiele wurden ausschließlich mit dem Rhythmicon in Logic aufgenommen. Im Modularsystem habe ich ein wenig Hall ergänzt, damit der Klang nicht ganz so trocken ist. Die Patches kratzen lediglich an der Oberfläche des Möglichen.

Ich möchte mich bei der Moog Europe GmbH für das für den Test zur Verfügung gestellte Modell bedanken.

Fazit

Moog ergänzt damit das Duo Mother-32 und DFAM zu einem Trio. Man bemerkt deutlich, dass ein Gesamtkonzept vorliegt, das alle drei Komponenten zu einem sinnvollem Ganzen zusammenfasst. Dass es sich hierbei um semimodulare Synthesizer/Sequencer handelt, ist stimmig und überzeugend. Der Preis von 849,- Euro ist durchaus berechtigt.

Die Abhängigkeiten aller drei Konsolen können über die Patchbays umfassend erfüllt werden. Trotzdem lässt sich das Subharmonicon auch in ein übliches Eurorack einbinden. Das Eingangsbild  zeigt nicht ohne Grund zusätzlich ein Oszilloskop und Bücher: Man muss sich schon auf das ungewöhnliche Konzept von polyhythmisch gesteuerten Subharmonischen einlassen und intensiv damit beschäftigen. Die Belohnung sind ungewöhnliche Klangsequenzen.

In manchen Fällen wünscht man sich ein Display, das die jeweiligen Einstellungen der Subharmonischen bzw. der Polyrhythmen explizit anzeigt. Auch die zyklischen Taster entsprechen nicht dem Konzept eines Live-Instruments. Das sind aber Klagen auf hohem Niveau.

Natürlich bewirkt der ähnliche Aufbau von Mother-32, DFAM und Subharmonicon einen zusätzlichen Kaufanreiz, sich ein Komplettsystem in einem 3-Tier Rock Stand anzuschaffen.

Für wen ist ein solches Instrument interessant? In keinem Fall würde ich es als ein Einstiegsmodell bezeichnen. Durchschnittliche Erfahrung mit einem Standard-Eurorack ist sicherlich erforderlich. Das Subharmonicon ist eine Ergänzung für experimentierfreudige Musiker, die in einer Liveshow mit ungewöhnlichen Sequenzen punkten können.
Für diejenigen gebe ich tatsächlich eine Best-Buy-Empfehlung.

Man kann sich dem Charme dieses ungewöhnlichen Instruments nicht entziehen!

 

Plus

  • Faszination pur, avantgardistisches Live-Instrument
  • interessante Umsetzung eines historischen Konzeptes
  • steile, aber auch äußerst befriedigende Lernkurve
  • hoher experimenteller Wert
  • ungewöhnliche Sequencer-Folgen und Klangformungen
  • Polyrhythmen für den Live-Betrieb
  • Einbindung in ein Komplettsystem mit Mother-32 und DFAM
  • sehr solides Gehäuse, höchste Qualität der Bedienelemente
  • ansprechendes Design

Minus

  • Achtung: Kritik auf hohem Niveau
  • keine individuellen Taster für die Quantisierungen
  • kein Display für die Einstellungen der Subharmonischen oder der Polyrhythmen
  • leider fehlen Formantfilter wie beim Mixtur-Trautonium

Preis

  • 849,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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    penishead  AHU

    Danke für den Test, der den Kaufwunsch nochmals unterstreicht. Neben dem Vermona Melodicer ist das Moog Subharmicon ganz oben auf meiner Liste. Jedoch war ich leider zu langsam und die erste Charge war schon vergriffen. Wem seiner nicht gefällt – bitte melden!

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    Aljen  

    Das Ding ist in der Tat nirgendwo mehr zu haben. Mal wieder typische Vapourware: ein paar Prototypen schnell mal eben als „Markteinführung“ feiern lassen, anschließend nicht liefern können. VEB eben.

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        Aljen  

        Oder so :)

        In der Tat finde ich das Konzept der direkten Beteiligung erst in der freien Marktwirtschaft vielversprechend – jedenfalls ist es in diesem Gefüge funktionsfähig. Wenn ich so Moogs Produktpalette der letzten Jahre betrachte, tat’s auch dem Innovationsgeist nur Gutes.

        Da kann man schon mal bei gelegentlicher „vorläufigen Knappheit“™ die Fünfe grade stehen lassen :P

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    Son of MooG  AHU

    Die Mother-32 braucht für ihren 1V/Oct-Input -5 -+5V; der interne Sequencer gibt ebenfalls -5 – +5V aus. Beim Subharmonicon sind es alle VCO- und Sequencer-I/Os; für eine vollständige Integration in ein Eurorack-System ist also ein Precision Scaler nötig, wie der Erica Synths Pico MScale.
    Als Instrument gefällt mir der Subharmonicon außerordentlich gut, nur der Preis ist mir zu hoch. Im Mai wurde er noch für 699,-€ angeboten…

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    Lewis  

    Ich denke schon, dass man das Teil im Prinzip auch mit Eurorack-Modulen nachbauen kann. Logischerweise braucht man dann mehr Platz und evtl. mehr Kohle als bei diesem auf diesen Anwendungsfall spezialisierten Geraet. Aber eigentlich haben die Videos bei mir eher den Reiz ausgeloest, das mit meinen Modulen nachzumachen (viele haben mehr als einen Sequenzer oder so kleine Helferlein wie MakeNoise PressurePoints/Brains etc., so dass Polyrhythimk eigentlich kein Problem ist; und mit Clock-Dividern und mehreren VCOs kriegt man von dem Rest auch das Meiste hin). Fuer mich ein schoenes Beispiel dafuer, dass man nicht zwingend immer wieder ein neues Geraet kaufen muss, weil die Demo-Videos so toll sind, sondern dass man mit Kreativitaet auch viel mit dem eigenen Equipment machen kann – auch wenn so ein kleiner Moog natuerlich echt nett auf dem Tisch aussieht😜!

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      herw  RED

      Ich denke, das dürfte um Längen teurer und ein aufwändiger Patch werden. Polyrhythmen wird man sicherlich relativ leicht nachmachen können; Clock-Divider gibt es ja schon sehr luxuriös von Doepfer. Das Problem sind aber eher die Suboszillatoren und deren Steuerung. Vielleicht bekommt man noch einzelne Subfrequenzen hin. Der Trick ist aber der, dass die Suboszillatoren zunächst auf einen Unterton eingestellt werden, aber in ihrer Tonhöhe auch von der Tonhöhe des Hauptoszillators abhängen. Das mag vielleicht auch noch mit Mathematik-Modulen machbar sein. Dann muss aber auch noch diese mathematische „Rechnung” durch die Sequenzer moduliert werden. Das ist keine einfache Tonhöhenmodulation, sondern eine Modulation der Frequenzteiler. Abgesehen davon sind die Oszillatoren synchronisiert. Und es sind auch umfangreiche Quantisierungen nötig, sonst klingt es ziemlich schräg. Aber es ist sicherlich lehrreich, das mal nur mit einem Suboszillator auszuprobieren. Dann kann man gut entscheiden, ob es machbar ist und diese Klänge gefallen.

  5. Profilbild
    Dirk Matten  RED

    Zitat: „Ich möchte mich bei der Moog Europe GmbH für das für den Test zur Verfügung gestellte Modell bedanken.“
    Wer und was ist diese Firma, was betreibt sie, kennt man in der Szene den/die Mitarbeiter?

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      Willemstrohm  AHU

      Moog Europe GmbH

      Jonasstr. 30, D-12053 Berlin

      Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Musik und Audio-Equipment sowie damit verbundener Güter und Dienstleistungen.

      Geschäftsführer kommt auch aus Asheville. Passt alles zusammen.

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    iggy_pop  AHU

    Einige der Beispiele oben erinnern mich irgendwie an das, was schon vor 20 Jahren bei Radiohead zu hören war — wahrscheinlich läßt sich die Funktionalität des Subharmonicon in modularer Bauweise realisieren, jedoch nicht so kompakt.

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    8 Bit Fighter  

    Die kastrierten Hüllkurven erfüllen schon das K.o.-Kriterium voll und ganz. Den Artikel braucht man eigentlich nicht mehr zu lesen.

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      herw  RED

      Moog ging es sicherlich darum, ein kompaktes Gerät mit den Ideen der Subharmonien und des Rhythmicon herauszubringen. Alternativ hätte jemand ein großes Modularsystem mit einem bestimmten Patchvorschlag in einem Video präsentieren können und alle hätten gestaunt, wie er/sie das gemacht hat. Moog möchte natürlich zeigen, dass es beim Eurorack mitmischen möchte. Ich finde da einen historischen Ansatz sehr spannend. Ein Triggersequenzer steuert in der Regel nur einfache Hüllkurven an, wer mehr möchte, kann doch die vielen Patchausgänge durchaus mit seinem Modularsystem kombinieren; wo ist das Problem?
      Warum allerdings mein Artikel wegen deiner Kritik nicht mehr lesenswert ist, will sich mir nicht erschließen. Vielleicht hast du die vielen Links im Text nicht bemerkt, die das Thema allgemein begleiten? Mir hat es jedenfalls viel Spaß gemacht, neben dem praktischen Test auch die historischen Artikel und Videos zu recherchieren und hier mit einzubringen.

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        a.jungkunst  AHU

        Du solltest deine Zeit nicht damit verschwenden, über solch einen Einwurf nachzudenken. Du hast diesen Artikel sehr gut und interessant geschrieben.

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          Willemstrohm  AHU

          Yep! Der Einwurf ging ins Abseits. Abpfiff!
          Der ging aber nicht in Richtung des Artkels, sondern zielte auf das Produkt. Der Artikel ist gut.

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          herw  RED

          Dankeschön für das Lob. Ein geschriebenes Wort ist manchmal missverständlich. Mir wäre es am liebsten gewesen, ich hätte diesen Test und meine Eindrücke live vortragen können, aber dazu fehlt mir das Equipment und die Fähigkeit. Vielleicht erwarte ich auch vom Leser zuviel an Enthusiasmus, mit dem ich an solche Artikel herangehe.

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            TobyB  RED

            Hallo Herw,

            ich hab das Rundschreiben, mit deiner Statusänderung zu Autor, verpennt ;-) Der Artikel ist so wie er ist, super. Die fehlenden Hüllkurven hier zu bemängeln, ist wie beim Theremin das Fehlen einer Klaviatur zu kritisieren. Moog hat ausreichend das Konzept in die Neuzeit übertragen. Damit sollte man was gebacken bekommen.

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      herw  RED

      Der Prototyp wurde noch mit 1667€ veranschlagt:
      prototyp Subharmonicon
      Aber es wäre natürlich nett, wenn der von dir erwähnte „Straßenpreis” auch wirklich eingehalten würde.

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    nDa_ViD-19 aka Dave the Butcher  AHU 1

    Interessant ist, dass hier das Subharmonicon, genau wie derdiedas Matriarch von der kompetenten Leserschaft 2 Sterne bekommt, während Billigclones regelmäßig Höchstpunktezahlen einfahren. Gehts echt nur um den Preis? Alles andere Wurst? Entwicklung, Innovation, Design, Authentizität, Sound???

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      nDa_ViD-19 aka Dave the Butcher  AHU 1

      Ist aber auch nicht der klassische Solosynth. Da musst du dich woanders umsehen. Hier gehts um komplexe Rhythmik, Teilfrequenzen und modulare Einbindung. Wenns nix ist für dich, einfach weiterziehen. Mach ich auch, allerdings bei anderen Synths.

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      herw  RED

      … und es hat keinen LFO und keinen Rauschgenerator und keinen Zufallsgenerator und keinen Bandpass und …
      Mir scheint du missverstehst die Idee hinter dem Subharmonicon. Es ist Teil eines Modularsystems, dessen Wesen es nicht ist, eine komplette Presetschleuder zu sein. Veränderungen der Pitch werden über den Input VCO1 bzw. VCO2 eingeleitet. Mididaten werden in der Regel zunächst, wie in meiner Testumgebung, über ein MIDI-zu-CV-Modul eingeschleust.

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        a.jungkunst  AHU

        Hätte er den Artikel gelesen, wäre ihm vielleicht das entscheidende Licht aufgegangen. Zu Ende lesen hilft ungemein. Mit Erstellung des Artikels hast du alles getan, um die Idee hinter dem Subharmonicon darzulegen. Er hat sich auch bestimmt nicht gefragt, was ein Prodigy im Vergleich zum Subharmonicon nicht kann ;-)

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        Aljen  

        Außer bei Firmware-Updates, wie kürzlich ja im Fall Mother 32 – da zeigt sich MIDI auf einmal von der praktischen Seite.

        Ws „benötigt“ angeht – Du weißt ja selbst, wie wenig der Mensch eigentlich benötigt… :)

  9. Profilbild
    Bernd-Michael Land  

    Ich hab genug Modularsysteme, um das alles auch gut auf konventionellen Weg realisieren zu können. Aber so kompakt und einfach polyrhythmische Sequenzen zu erstellen, das hat mich dann doch gereizt. Bin wirklich begeistert.
    Schöner Artikel auch.

  10. Profilbild
    8 Bit Fighter  

    Man hat mit Eurorack System sowieso in jeder Hinsicht mehr Möglichkeiten, vor allem mehr Waveforms. Diesen überteuerten Halbsynth braucht man nicht extra dazu.

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      a.jungkunst  AHU

      Der erste Satz trifft auf jeden mir bekannten Synthesizer zu, hat man erst einmal in eine entsprechende Eurorack-Schrankwand investiert. Ob man ein Subharmonicon oder irgendein anderes Instrument braucht ist eigentlich die Kernfrage bei jedweder Anschaffung, zumindest bei mir. Und ja, ich brauchte eins (nicht zum Leben, aber um mir manches beim Spielen leichter zu machen) und mir war durchaus bewußt, dass es einen Großteil seiner Existenz gut verpackt in einer Schublade verbringen würde, weil es nun einmal ein Spezialist ist. Es ist eine Menge Geld, die man dafür ausgeben kann und ich gehöre nicht zu den Leuten, die ein Gerät auseinandernehmen, um die Preise der Einzelteile zu addieren. Um diese Funktionalität in einem Modularsystem zu gewährleisten, investiert man aber meiner groben Schätzung nach ebenfalls eine Menge Geld. Wer mit Polyrhythmik sowieso nicht viel anfangen kann, sollte vom Subharmonicon die Finger lassen. Als Klangerzeuger ist es doch sehr rudimentär ausgestattet und allein zu diesem Zweck würde ich dann auch den von dir zitierten Prodigy o.ä. vorziehen. Ich für meinen Teil habe schon gute Läufe damit hinbekommen, die ich am Modular nicht gern erzeugt hätte, weil ich dank des Subharmonicons nun dafür zu faul sein darf. Und das ist mir eine Menge wert, musikalisch wie monetär.

      • Profilbild
        Aljen  

        „Als Klangerzeuger ist [Subharmonicon] doch sehr rudimentär ausgestattet und allein zu diesem Zweck würde ich dann auch den von dir zitierten Prodigy o.ä. vorziehen.“

        Oder alternativ die Mother 32 und/oder den DFAM damit koppeln. Beides auch recht rudimentäre Klangerzeuger – aber so viel Inspiration und Groove habe ich zuvor mit keinem Synthesizer erlebt wie bei diesem kleinen schwarzen Familienbande. Ich kann mir vorstellen, dass der Subharmonicon doch recht gut zwischen die beiden passt und die Grenzen noch weiter in Richtung „the sky“ verschiebt.

        Nun ist das Ding langsam/endlich wieder lieferbar, schauen wir mal.

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