Geschichte der elektronischen Musik: 1900-1970

21. Dezember 2019

Pionierzeit der elektronischen Musikinstrumente

Geschichte der elektronischen Musik: 1900-1970

Geschichte der elektronischen Musik: 1900-1970

Vorwort der Redaktion

Holger Gerdes hat uns vor 7 Jahren einen wunderbaren Dreiteiler über die Geschichte der elektronischen Musik erstellt. Die umfangreiche Serie haben wir nun überarbeitet, aufgehübscht und ergänzt – und hoffen nun auf einen regen Austausch mit euch. Die anderen beiden Teile erscheinen jeweils an den kommenden Samstagen.

Elektronische Musik – Das 19. Jahrhundert

Die Geschichte der elektronischen Musik begann im 19. Jahrhundert. Als die Menschheit gerade die ersten Steckdosen ins Haus bekam, konstruierten kreative Bastler auch schon die ersten elektromechanischen und elektronischen Instrumente. Sie legten damit den Grundstein für eine völlig neue Art der Musik, die im Laufe der letzten 100 Jahre eine enorme Vielfalt an Stilrichtungen hervorgebracht hat.

Diese Artikelserie wird die wichtigsten Stationen der Elektronischen Musik von den Anfängen bis hinein ins 21. Jahrhundert behandeln, unterteilt in drei Kapitel (Pionierzeit, Blütezeit und Moderne).

Zunächst muss man eine Frage beantworten: Was eigentlich ist elektronische Musik? Fasst man den Begriff etwas weiter, dann ist alles Klangliche, was mit Hilfe elektronischer und/oder elektromechanischer Gerätschaften erzeugt wird, EM. Das können auch Tonbänder, Hallfedern, Plattenspieler, rückgekoppelte Verstärker usw. sein, und in der Tat wurde vor der Entwicklung leistungsfähiger Synthesizer so ziemlich alles verwendet, was die Elektronen irgendwie hörbar machen konnte. Außerdem war bis hinein in die 80er Jahre nur ein kleiner Teil der als elektronisch bezeichneten Musik auch hundertprozentig elektronisch erzeugt, meistens wurden zusätzlich elektromechanische und akustische Instrumente verwendet. Ab dieser Zeit dann ist ein großer Teil der populären Musik fast rein elektronisch, möchte aber gar nicht so einsortiert werden. Er wird deshalb hier auch nicht erwähnt.

Geschichte der elektronischen Musik: 1900-1970

200 Tonnen dampfbetriebene Klangerzeugung: Das Telharmonium (Quelle: 120years.net)

Im 19. Jahrhundert waren elektronische Instrumente noch recht sonderbare Konstrukte und hatten diverse technische Unzulänglichkeiten. Der Musical Telegraph (1867) konnte Töne nur per Telefonleitung übertragen, erst später wurde er mit einem einfachen Lautsprecher ausgestattet. Das Telharmonium (1897) war allen Ernstes dampfbetrieben und arbeitete mit rotierenden Zahnradwellen, die durch Induktion Wechselstrom mit verschiedenen Frequenzen erzeugten, mit dem dann direkt die Lautsprecher angesteuert wurden – ein Apparat wie aus einem Roman von Jules Verne. Entsprechend groß und schwer war das Ganze dann auch, satte 200 Tonnen. Dabei war es sogar transportabel, verteilt auf zwei Güterzüge. Der Alptraum eines Roadies. Auch der Singing Arc aus demselben Jahr, der Summtöne mit Bogenlichtlampen erzeugte, war aufgrund der starken Hitze- und Rauchentwicklung der Lampen nicht gerade praxistauglich.

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…und eine Rotorwelle des Telharmoniums (Quelle: 120years.net)

Das Audion Piano von Lee De Forest 1915

Als erste brauchbare und tatsächlich elektronische, mit Röhren arbeitende Instrumente gelten das Audion Piano von Lee De Forest (USA, 1915) und das Theremin (1919), das in Russland von Lew Termen erfunden wurde (er fiel nach anfänglichem Ruhm leider in Ungnade und musste dann in einem sibirischen Gulag für das KGB Wanzen basteln). Aufsehenerregend war damals, dass es berührungslos über Antennen gespielt wurde. Wohl auch deshalb ist auch das dienstälteste seiner Art, transistorisiert wird es heute noch gebaut.

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Das Audion Piano (Quelle: 120years.net)

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Lev Termen am Theremin (Quelle: 120years.net)

In den folgenden Jahrzehnten wurden weitere elektronische und elektromechanische Instrumente gebaut, genannt seien hier das Sphäraphon (1923), das Ondes Martenot (1928) und das Trautonium (1930). Der erste Sampler stammt ebenfalls aus dieser Zeit, das Superpiano (1929) arbeitete nach dem Tonfilmprinzip mit geloopten Tonaufnahmen. Auch der Vocoder wurde bereits 1940 in den Bell Labs entwickelt, einer Einrichtung der Bell Telephone Company. Er sollte ursprünglich der Verschlüsselung von militärischen Nachrichten und der automatischen Textansage dienen, die musikalische Nutzung ist also ein früher Fall von Spin-Off-Effekt.

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Röhrenorgel von Coupleux-Givelet (Quelle: 120years.net)

Zunächst kamen die neuen Instrumente im Rahmen klassischer Orchestermusik zum Einsatz. Das Theremin wurde in den 20er Jahren auf Welttournee geschickt (auch um den sozialistischen Fortschrittsgeist zu demonstrieren) und das Publikum zeigte sich begeistert. Neben Lew Termen selbst trat Clara Rockmore als Solistin auf, die bald als „Hohepriesterin des Theremins“ bezeichnet und so zum ersten Superstar der EM wurde. Es wurden aber schon bald Stücke speziell für die neue Instrumentengattung komponiert, z.B. von Konstantin Kowalski, Joseph Schillinger und Leopold Stokowski, auch die ersten teilelektronischen Filmmusiken entstanden. Für „L’Idee“ von Berthold Bartosch (1930) wurde ein Ondes Martenot, für den sowjetischen Film „Odna“ (1931) von Dmitrij Schostakowitsch ein Theremin verwendet.

Da die elektronische Musik in einer Zeit entstand, in der das Wunder der Elektrizität noch neu war und die Menschheit ziemlich fortschrittsgläubig, war das Publikum weitgehend aufgeschlossen für die merkwürdigen Apparate, die da vorgeführt wurden. Es gab aber diverse Ressentiments gegen die neuartigen Töne seitens konservativer Kritiker und Komponisten, auch tauchten immer wieder ideologisch gefärbte Bedenken auf. Ein Zitat aus der New York Times 1929: „Wir wollen nicht über eine Bevölkerung nachdenken müssen, die von der Gnade dieses furchterregenden verstärkten und kraftvollen Tons abhängig ist, den Professor Theremin in die Welt brachte“. In der Musikgeschichte ist das kein Einzelfall. Dem Piano erging es ein Jahrhundert vorher nicht anders, sein Klang wurde zunächst von vielen als zu „hart“ und „kalt“ empfunden.

Zwölftontechnik, Atonalität und Geräuschcollagen

Bei der Avantgarde der damaligen Musikszene, den Vertretern des Futurismus und der Neuen Musik, stießen die neuen Instrumente dagegen auf reges Interesse. Komponisten wie Arnold Schönberg, Anton Webern und Luigi Russolo hatten sich bereits mit Zwölftontechnik, Atonalität und Geräuschcollagen beschäftigt und werden als Wegbereiter der EM angesehen. Noch experimentierfreudigere wie Paul Hindemith, Edgar Varese, Olivier Messiaen und John Cage waren die ersten, die mit elektronischen Klängen tatsächlich neue Musik schufen. Hindemith regte auch Oskar Sala und Friedrich Trautwein zur Konstruktion des Trautoniums an, das lange Zeit das fortschrittlichste Instrument seiner Art war.

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Das Mixtur Trautonium (Quelle Wikipedia)

Die Hauptakteure der EM sind bis hinein in die 60er Jahre größtenteils der Neuen Musik zuzuordnen. Das erklärte Ziel war, die westliche Orchestermusik von ihrem starren Regelwerk zu befreien und in neue Klangdimensionen vorzustoßen. Dabei handelte es sich um keine einheitliche Richtung, sondern eher um einen Sammelbegriff für Experimente aller Art, von ausgeklügelten Tonsetzereien bis hin zu anarchischem Tabubruch. Dasselbe gilt bis heute für die Elektronische Musik, sie ist sehr variantenreich und zu einem großen Teil experimentell, mehr als jede andere Musikrichtung.

Aber auch wenn die Neue Musik eher als schwer verdauliche Kost gilt, viele ihrer EM-Werke aus der Frühphase sind sehr harmonisch und durchaus hörbar, z.B. die Stücke, die Messiaen für das Ondes Martenot schrieb. Aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg ist leider nur wenig davon erhalten geblieben, dazu gehören neben den Werken von Messiaen, Sala und Hindemith die „First Airphonic Suite“ (1929) von Joseph Schillinger und die „Imaginary Landscape No. 1“ (1939) von John Cage. Vereinzelt bezogen auch konservativere Musikschaffende Elektronik mit ein, wie z.B. Richard Strauss in der „Japanischen Festmusik“ (1940). Ein Link zu Hörbeispielen findet sich am Ende des Textes.

Entartete Kunst in den Augen der NS-Ideologie

Der zweite Weltkrieg bremste die weitere Entwicklung zunächst. Die Menschheit verlegte sich auf den Bau von Stalinorgeln und Jerichosirenen, im Dritten Reich wurden 1938 viele Musikrichtungen zu „entarteter Kunst“ erklärt. Elektronische Musik fiel nicht explizit in diese Kategorie, denn der Begriff wurde erst nach dem Krieg geprägt, wohl aber die Neue Musik, und Instrumente wie das Theremin galten in der NS-Ideologie als „jüdisch“ und „unnatürlich“. Viele moderne und sozialkritische Komponisten, z.B. Hindemith, Schönberg und Webern wurden mit Aufführungs- und Berufsverboten belegt, einige ihrer Kollegen ermordet. Sogar Fans indizierter Musik konnten im KZ landen, wie es den Hamburger „Swing-Kids“ widerfuhr. Eine Ausnahme war Hindemiths Schüler Oskar Sala, der den ersten deutschen Comicfilm „Armer Hansi“ (1944) mit einem aus Kriegstrümmern geborgenen Trautonium vertonen durfte, auch Strauss konnte dieses Instrument einsetzen.

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Mixturtrautonium nach Oskar Sala (Quelle Wikipedia)

Bald nach dem Krieg kam jedoch wieder Schwung in die Sache. EM wurde zunehmend als eigenständige Musikrichtung eingestuft, und es wurde nun systematische Forschung an diversen Instituten betrieben, die sozusagen als Durchlauferhitzer für Komponisten, Musiker und Techniker fungierten und wesentlich zur weiteren Entwicklung beigetragen haben. In Deutschland wurde 1953 das Studio für elektronische Musik des WDR in Köln gegründet, kurz darauf das Elektronische Studio der TU Berlin. Das weltweit erste dieser Art war entgegen vieler Angaben das privatwirtschaftliche EM-Studio der Manhattan Research Inc. (USA 1946).

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Das erste EM-Studio wurde 1946 gegründet (Quelle: 120years.net)

Das Studio für elektronische Musik des WDR in Köln

Das Kölner Studio gilt als das einflussreichste in dieser Periode, viele junge Musikschaffende durften sich hier austoben, z.B. Karlheinz Stockhausen, von dem eines der bekanntesten Stücke aus dieser Klangwerkstatt stammt, der „Gesang der Jünglinge“ (1955),  aber es wurde auch Pionierarbeit geleistet in Sachen elektronischer Komposition, Produktion und Klangsynthese. Man darf nicht vergessen: Elektronik war immer noch ungewohntes Werkzeug für Musiker (und Hörer), auch wenn Mikrofone und Verstärker inzwischen weit verbreitet waren.

Zukunftsweisende Geräte wie das Tempophon wurden verwendet, das mit einem rotierenden Tonkopf auf Tonband arbeitete und es ermöglichte, Aufnahmen zeitlich zu manipulieren (Time-Stretching). Es gab erste Versuche, mit Hilfe von Rausch- und Sinustongeneratoren additive Synthese und Sprachresynthese zu betreiben, und auch damals noch utopische Ideen wie das Morphing von Klängen entstanden. Viele ließen sich mit der verfügbaren Technik jedoch noch nicht zufriedenstellend verwirklichen. Einer der geistigen Väter des Kölner Studios, Werner Meyer-Eppler, gilt mit seinem Buch „Elektrische Klangerzeugung. Elektronische Musik und synthetische Sprache“ auch als Namensgeber der Musikgattung, zumindest im deutschen Sprachraum. Im Angloamerikanischen hieß sie von Anfang an „Electronic Music“.

In anderen Ländern war man ebenfalls nicht untätig. In den USA entstanden mehrere Institute, wie das Columbia Tape Music Studio (später wurde es zum Columbia-Princeton Electronic Music Centre). Gründungsmitglieder waren u.a. Steve Reich und Terry Riley, die die Minimal und Pattern Music entwickelten, bei der rhythmische und meist einfach gehaltene tonale Phrasen immer wiederholt und langsam variiert werden (repetetive Musik). Ein Stil, der durch Philip Glass zu einiger Popularität gelangte und Jahrzehnte später ein wesentlicher Bestandteil der Techno-Musik wurde.

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Das Columbia-Princeton Electronic Music Centre (Quelle: 120years.net)

Am Experimental Music Studio der University of Illinois wurden bereits Computer für musikalische Aufgaben eingesetzt, zunächst nur für kompositorische Zwecke (z.B. die „Illiac Suite“), denn die Rechenleistung der damaligen Röhrengehirne war damals wirklich noch bescheiden. Aber die Grundlagenforschung an US-Universitäten führte zu für die EM wesentlichen Entwicklungen späterer Jahrzehnte wie z.B. der MIDI-Schnittstelle, der Sampling-Technologie oder der Frequenzmodulation.

In Frankreich richteten Pierre Schaeffer und Pierre Henry das Groupe de Recherches Musicales ein, ein Institut zur Erforschung und Produktion der Musique Concrete, die den Futurismus der 20er Jahre wieder aufgriff und nur mit manipulierten Aufnahmen von Geräuschen aus Natur und Technik arbeitete. Pierre Boulez und Luc Ferrari waren hier ebenfalls tätig, außerdem einer, der in den 70ern zu einem EM-Superstar werden sollte: Jean Michel Jarre.

Italien steuerte das Studio di Fonologia Musicale bei, England das BBC Radiophonic Workshop, aus dem der Soundtrack zur in den 60ern sehr populären TV-Serie „Dr. Who“ stammt, die Niederlande das Center for Electronic Music in Eindhoven und Japan das Nippon Hoso Kyokai.

Nach wie vor waren es zwischen 1945 und 1965 hauptsächlich die Vertreter der Neuen Musik und ihrer moderneren Spielarten wie der Musique Concrete, der seriellen Musik und der Minimalmusik, die elektronische Instrumente verwendeten. Bekannte Namen sind neben den oben genannten Iannis Xenakis, Herbert Eimert, Hans Ulrich Humpert, Arthur Honegger und Edgar Varese. Ein umfassendes Verzeichnis findet sich in der Linksammlung.

Der Verdienst dieser Komponisten an der Entwicklung der EM ist unbestreitbar, und viele ihrer Techniken gehören heute zur Musik wie die Butter zum Brot, z.B. die Einbindung und Manipulation von Geräuschen, die gezielte Steuerung der Klangfarbe, die Verwendung geräuschhafter Klänge oder das Arbeiten mit Plattenspielern. Sie beeinflussten auch direkt die Entwicklung neuer Instrumente, zum Teil waren sie sogar selbst Konstrukteure. Aber in der Unterhaltungsmusik spielten sie keine große Rolle, und oft war die Elektronik nur Mittel zum Zweck. Im Vordergrund standen eher komplizierte Kompositionstheorien, mathematische Verfahren und abstrakte Überlegungen.

Oskar Sala, Morton Subotnick, Edward Artemiev und mehr…

Die eigentlichen Väter der elektronischen Klangerzeugung des späten 20. Jahrhunderts sind Musiker wie Oskar Sala, Morton Subotnick, Edward Artemiev, Louis und Bebe Barron sowie Raymond Scott. Sie begannen, elektronische Musik als völlig eigenständigen Musikstil zu betreiben und ließen sich mehr von den faszinierenden Klängen ihrer Instrumente inspirieren als von kopflastigen Theorien.

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Das erste rein elektronische Album: Soothing Sounds for Baby von Raymond Scott (Quelle: 120years.net)

Scott’s „Soothing Sounds for Baby“ (1963) und Subotnicks „Silver Apples of the Moon“ (1967) gelten als erste rein elektronisch produzierte Alben, und die erste vollständig elektronische Filmmusik wurde von Louis und Bebe Barron für einem Klassiker der Science Fiction geschaffen: „Forbidden Planet“ (1956, deutsch „Alarm im Weltall“). Die Barrons arbeiteten mit selbstgebauten Schaltungen und viel Tonbandgeschnipsel, leisteten also im Alleingang echte Pionierarbeit. Fußnote der Geschichte: Für die revolutionäre Filmmusik wurde ihnen eine Auszeichnung verwehrt. Die amerikanische Gewerkschaft der Filmmusiker (die echte, nicht die Typen mit Hut und Sonnenbrille aus „Blues Brothers“) setzte mit Hilfe eines Anwalts durch, dass es sich nicht um Musik, sondern nur um Töne handele. Ein Fall von kurzsichtiger Maschinenstürmerei, der leider symptomatisch für eine damals weit verbreitete Einstellung gegenüber der EM war. Die ungewohnten Klänge waren nicht jedermanns Sache, und der Automaten-Charakter der neuen Instrumente führte zu Vorurteilen (die Musiker könnten ja gar nicht spielen, sondern drückten nur Knöpfe usw.).

In den 60er Jahren war die Entwicklung der Technik soweit vorangeschritten, dass vielseitige Instrumente gebaut werden konnten, die jedoch experimentelle Einzelstücke waren, oft modular aufgebaut und aufgrund ihrer Größe auf den Studiobetrieb beschränkt, allerdings noch nicht mit dem Bedienkomfort der späteren Synthesizer. Vielmehr handelte es sich dabei um eine Zusammenstellung verschiedenster Geräte, die aus allen Bereichen der damals verfügbaren Technik stammten.

Der RCA-Synthesizer

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Das Milan Electronic Music Studio (Quelle: 120years.net)

Der RCA-Synthesizer dagegen war schon fortschrittlicher und sogar programmierbar mittels gelochter Papierstreifen. Die Konstrukteure Harry Olsen and Herbert Belar versuchten auch, durch mathematische Analyse und computergestützte Variation populärer Stücke vermarktbare Musik zu produzieren, was aber an der damaligen Rechenleistung scheiterte (auch heute dürfte das noch ein eher schwieriges Unterfangen sein). Überhaupt entstanden viele Ideen überraschend früh, konnten aber lange Zeit nicht befriedigend umgesetzt werden. Die Technik war noch nicht leistungsfähig genug, kompliziert und schwer zu bedienen. Das sollte sich jedoch bald ändern, denn die Entwicklung der Transistoren machte rasche Fortschritte.

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Der RCA-Synthesizer (Quelle: 120years.net)

Bob Moog oder der Quantensprung der elektronischen Musikinstrumente

In den 60er Jahren erfand bekanntlich ein junger Elektrotechniker namens Bob Moog den spannungsgesteuerten Synthesizer und verhalf der elektronischen Klangerzeugung damit zu einem Quantensprung. Das Revolutionäre daran waren nicht nur gut klingende Oszillatoren und Filter, sondern auch die einheitliche Steuerung der Parameter durch Spannung. Erst dieses Konzept ermöglichte die einfache Verknüpfung verschiedenster Module und damit bis dahin unbekannte Vielfalt beim Sounddesign und Kontrolle über den Klang. Die Synthesizer von Don Buchla mit der gleichen Technologie entstanden etwa zur selben Zeit, waren aber kommerziell nicht so erfolgreich

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Robert Moog (Quelle: 120years.net)

Es fanden sich auch schnell Musiker, die sich der neuen Instrumentengeneration annahmen, z.B. Annette Peacock, der die Ehre gebührt, als erste Gesang mit einem Synthesizer bearbeitet zu haben, Don Preston, der später Keyboarder bei Frank Zappa wurde, und einige deutsche „Krautrock“-Bands, die eine andere Musik machen wollten als den Rock/Pop angloamerikanischer Prägung, darunter illustre Namen wie Kraftwerk und Tangerine Dream.

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Moog Modular System 55

Switched-on Bach“ (1968)

Aber vor allem einem war es zu verdanken, dass Synthesizer  bald in aller Ohren waren: Walter Carlos mit seinem Album „Switched-on Bach“ (1968). Die Idee, klassische Musik eines allseits beliebten Komponisten rein elektronisch zu interpretieren, war schlichtweg genial, denn die ungewohnten Klänge fanden sich nun in einem vertrauten, gut hörbaren Kontext und so eine viel größere Akzeptanz als in experimentellen Machwerken. Auch war das Album sehr sauber produziert und enthielt keine geräuschhaften Klange, die bis dahin immer wieder Hörer vergrault hatten.

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Wendy Carlos „Switched-On Bach“ 1968

Diese Scheibe war die Initialzündung für die weitere Entwicklung, die in den 70ern eine bunte Vielfalt an Stilrichtungen hervorbrachte. Davon wird der nächste Teil dieser Serie handeln.

Die Fortsetzung dieser Serie finden Sie HIER.

Synthesizer-Geschichte on YouTube

Forum
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    herw  RED

    ein wunderbarer Artikel – ich hatte schon die ursprüngliche Fassung gelesen und freue mich auf die nächsten Teile.

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    iggy_pop  AHU

    Sieht der Herr, der am Audion-Piano sitzt, nicht aus wie Lev Termen? Und das oben abgebildete „Ondes Martenot“ dürfte die Röhrenorgel von Coupleux-Givelet sein; das Ondes Martenot ist ein zierliches, kleines Keyboard mit dem charakteristischen Lyra-Lautsprecher daneben. Die Bildunterschriften bei den Trautoniums (Trautonien?) sind ebenfalls nicht korrekt.
    .
    Mir fehlen ferner die Instrumente von Jörg Mager (Partiturophon), der im Schatten Trautweins und Salas im Prinzip sang- und klanglos unterging, zumal seine Instrumente den Bombenhagel des Kriegs nicht überstanden — Theremin und Trautonium hatten sicherlich die meiste Aufmerksamkeit, waren aber klanglich eher uninteressant.
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    Ich hätte die Geschichte aufgeteilt in die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg und danach, weil sich danach — auch durch die Fortschritte in Elektrotechnik und Aufnahmemedien — viel getan hat, was zu dem führte, was heute allgemein als „Elektronische Musik“ bezeichnet wird. Gerade die Weiterentwicklung der Magnetbandes ist dabei nicht zu verachten — was wären Stockhausen, Schaeffer und andere *ohne* Tonband und Telefunken Magnetophon?
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      Tyrell  RED 11

      War mein Fehler bei der Überarbeitung. Die ursprünglichen Bilder waren sehr sehr klein und bei der Quellenangabe nicht mehr zu finden (Untertitel Orgel habe ich ausgetauscht). Bei den Trautoniums habe ich mich an Wikipedia gehalten. Wenn du mir hier die richtigen Bezeichnungen geben könntest, wäre ich dir dankbar, vg. Peter

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        iggy_pop  AHU

        Das obere Modell sollte eigentlich das Konzerttrautonium sein, das untere, modernere Gerät aus den Händen der Bundespost-Fernmeldehandwerker das Mixturtrautonium.

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          swissdoc  RED

          Das obere Modell ist in der Tat das Mixturtrautonium, das untere ist das Mixturtrautonium nach Oskar Sala, auch Halbleitertrautonium genannt. Oben rechts gehört eine Blindplatte hin, die den Schriftzug trägt „Mixturtrautonium nach Oskar Sala“. Das Konzerttrautonium hat in der Mitte ganz viele Schalter und ein schwarzes Rundinstrument. Quelle: Oskar Sala – Pionier der elektronischen Musik von Peter Badge, 2000 im Satzwerk:Verlag erschienen.

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    iggy_pop  AHU

    „Dasselbe gilt bis heute für die Elektronische Musik, sie ist sehr variantenreich und zu einem großen Teil experimentell, mehr als jede andere Musikrichtung.“ — Naja. Techno ist seit 25 Jahren auch nicht mehr wirklich schockierend, sondern wurde integraler Bestandteil der (spießigen) durchkommerzialisierten Spaß- und Unterhaltungskultur, und die Pioniere der populären Elektronischen Musik sind entweder peinliche Abziehbildchen oder arbeiten einer Szene zu, die das Trachtenjankerl gegen die Tischhupe eingetauscht hat, im Herzen aber so stockkonservativ ist wie die Schlager- und Volksmusikabteilung.
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    Die Musik der 68er Gegen- und Verweigerungskultur ist ebenfalls mittlerweile völlig verwässert und entschärft worden, in etwa so wie ein indisches Restaurant in Ostwestfalen — bloß nicht zu scharf, damit sich keiner beschwert, weil es beim Kacken nochmal brennt. Da geht es den Vätern genauso wie den Söhnen der Wendezeit — einmal im Mainstream, wirkt man keine Wunder mehr, sondern baut im Idealfall auf seinen guten Namen.
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    Und Eurorackgepiepe im Dutzend auf YouTube ist sicherlich elektronisch, nur nicht besonders musikalisch.
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    Meiner Meinung nach, aber ich habe sowieso keine Ahnung.
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      Dirk Matten  RED

      Dazu der erste Abschnitt aus der Diskussion zu dem Wikipedia Artikel.

      Definition
      Nach der Definition dieses Artikels ist es also elektronische Musik, wenn mein 21-Melodien-Türgong elektronisches Getute von sich gibt. Die „beliebten Volksliedmelodien“, die das Gerät beherrscht sind nun mal Musik. Das Gerät selbst ist zweifelsohne voll elektronisch, auch werden wir Schwierigkeit haben, es nicht als „Instrument“ (lat. Hilfmittel usw.) zu bezeichnen. Es handelt sich also um Musik, die rein durch elektronische Mittel, ja sogar durch ein elektronisches Instrument erzeugt wurde, nach der Logik der hier anzutreffenden Definition also um e. M. Wenn das hier gewollt ist: wieder mal ein schwachsinniger Wikipedia Artikel. Wenn es nicht gewollt ist: dies war soeben eine reductio ad absurdum. Welchen Sinn macht ein Begriff wie „elektronische Musik“ nach der hier anzutreffenden Definition, wenn darunter heute fast alle nur mögliche Musik aufgeführt werden kann. Es wird doch heute jede Musik vor allem durch elektronische Apparate verbreitet. Man kann eine solch weite Begriffsfassung zulassen, allerdings ist dann der Preis ein unbestimmter und im dialektischen Umschlagen dann inhaltsleerer Begriff für alles und jedes. Zwei Menschen können mit Hilfe dieses Begriffes kaum sich sinnvoll verständigen.
      Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Elektronische_Musik

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      Tyrell  RED 11

      Zur Info: Mit dem alten Titel „History of EM“ konnte Google gar nicht anfangen. Gerade mal 300 Leser hatte daher dieser Report in den letzten 5 Jahren (!!). Der Beitrag wurde daher nun nach SEO-Gesichtspunkten optimiert. Was bringt ein schöner – und eigentlich zeitloser – Beitrag, wenn ihn niemand findet ;-)

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        Dirk Matten  RED

        Das ist sehr lobenswert, denn so kommen viele neue Leser über die Google-Suche zu AMAZONA.de. Dennoch möchte ich bemerken, dass „Elektronische Musik“ ein musikwissenschaftlicher Begriff ist, der 1949 von dem Bonner Professor für Kommunikationsforschung und Phonetik Werner Meyer-Eppler definiert wurde. Das darf man ruhig einmal nachlesen, aber wir wollen hier ja nicht oberlehrerhaft Definitionen diskutieren. Mehr dazu erfährt man in dem Fachbuch „Elena Ungeheuer – Wie die elektronische Musik „erfunden“ wurde …: …: Quellenstudie zu Werner Meyer-Epplers musikalischem Entwurf zwischen 1949 und 1953. Ausgabe mit CD.

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    lightman  AHU

    Ich habe meine eigene Geschichte der elektronischen Musik, mir egal, was in Wiki oder Büchern steht. Wer braucht schon Definitionen, die liefert man doch mit der Musik selbst, und wie die eingeschätzt wird, ist Sache des Hörers.

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    8 Bit Fighter  

    Einige wichtige Instrumente und Namen sollte man auf jeden Fall hinzufügen:

    Hammond Novachord war der erste kommerzell in Serie gebaute polyphone Synthesizer, der von 1938 bis 1942 produziert wurde.
    Ondioline war der erste kommerziell in Serie gebaute monophone Synthesizer mit Tastatur, der von 1941 bis 1976 gebaut wurde.
    Jean-Jacques Perrey benutzte den Ondioline in den 50er und 60er Jahren sehr intensiv.

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      iggy_pop  AHU

      Vor allem die Ondioline ist sehr wichtig, weil sie Harald Bode auf Gedanken brachte, sich näher mit elektronischer Klangerzeugung zu beschäftigen.
      .
      Die Warbo-Formant-Orgel ist zum Teil seine Schöpfung.
      .
      Ansonsten muß ich leider sagen, daß dieser geschichtliche Abriß zwar gut gemeint ist, für den Laien zu allgemein und zu uninteressant bleibt („muß man nur auf einen Knopf drücken, und dann macht’s piep-piep-tut-tut“) und für den Fachmann zu viele eklatante Lücken aufweist.
      .
      Ich halte es da mit Lightman — musikalisch schafft sich da jeder sein eigenes, kleines Universum — und technisch sollte jeder, der sich mit dem Medium beschäftigt, auch die Hintergründe kennen.
      .

  6. Profilbild
    muki  

    und auch Clavioline!
    speziell in popmusikalischer hinsicht – mit hits in fruehen 60ern:

    runnaway – del shannon
    telstar – joe meek/tornados
    und beatles (baby…richman/bungalow bill)

    • Profilbild
      iggy_pop  AHU

      Clavioline und Ondioline dürften technisch und mechanisch weitestgehend dasselbe sein.
      .
      Ich bin mir nicht sicher, aber ich meine, mich erinnern zu können, dass das Düsseldorfer Musikhaus Jörgensen sein Lizenzmodell Clavioline nannte, aber ich mag mich irren.
      .
      Keiner hat bis jetzt die Hohner Multimonica erwähnt? Die Kombination aus Gebläseorgel und Clavioline in einem Gehäuse, das direktemang aus Gotham City stammt, ist doch wohl mehr als nur eine Erwähnung wert.
      .
      „Bungalow Bill“ eine Clavioline? Hatten die dafür nicht seinerzeit den Moog IIIp verwendet? Ich bin kein Beatles-Kenner, weiß also nicht, auf welchem Album dieser Titel war.
      .

      • Profilbild
        muki  

        clavioline ist afaik kleiner und simpler aufgebaut

        .

        Bungalow Bill ist auf dem weissen album, 1968
        das outro ist clavioline

        die (mehrere) moog III kamen spaeter,
        vor ziemlich haargenau 50 jahren, 5. august 1969
        zur „abbey road“ zum einsatz

        http://www.....eatles.htm

        eine recht wichtige figur in diesem zusammenhang war bernie krause
        und harrison brachte im may 1969 „electronic sound“ auf zapple heraus

        https://en.wikipedia.org/wiki/Electronic_Sound

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    MidiDino  AHU

    Es gibt im dem Artikel einige musikhistorische Verwirrungen, die aber wenig mit der elektronischen Musik zu tun hatten, vielleicht deshalb unangemessen dargestellt werden. Die Zwölftonmusik von Schönberg, die er entwarf und lehrte, war eine fulminanter Bruch mit der Tradition. Besonders die aufgestellten Normen führten dazu. Dies war wirklich eine Neuerung, die bis heute nachwirkt. Die Musik führte zu gesellschaftlichen Skandalen, wie man sie bis dahin nicht kannte. Seine Schüler führten diese neue Tradition fort. Sie mündete zunächst in die serielle Musik, die von Stockausen nach dem Krieg zunächst mit Klavierstücken entwickelt wurde. Speziell elektronisch interessant könnten Stockhausens algorithmische Experimente sein, die aber auch von anderen forciert wurden (z.B. von Koenig).

    Hingegen Paul Hindemith, Edgar Varese, Olivier Messiaen als „experimentierfreudigere“ Komponisten einzuschätzen, geht an den historischen Tatsachen vorbei. Im Gegenteil, sie suchten nach Verbindungen zur musikalischen Tradition. Olivier Messiaen beschäftigte sich viel mit Skalen, wie sie seit der Antike bekannt sind, entwickelte freilich auch neue, blieb aber vielfach einer tonalen Orientierung verhaftet. Speziell mein Bestreben war, diese tonale Orientierung zu verlassen, Skalen ledigich als Auswahlen aus dem dem 12-Tonraum zu interpretieren und neue Skalen zu entwickeln.

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      MidiDino  AHU

      @Dirk Matten: Ich glaube nicht, dass es so etwas wie elektronische Musik überhaubt gibt. Entweder lässt sich Musik nach musikalischen Kriterien historisch einordnen, oder man landet in einem Brei von Gefühlen. Was aber wären musikalische Kriterien? Ton- und Zeitraum wären zunächst relevante Parameter, darüberhinaus die Ereignisse, die in den Ton – und Zeiträumen geschehen. Diese Faktoren sind aber unabhängig davon, wie etwas erzeugt wird, ob elektronisch, akustisch oder elektro-akustisch. Manche Problem lassen sich leicht aus der Welt schaffen ;-)

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        Hectorpascal

        Es gibt alles was der Mensch sich ausdenkt. Zieh den Stecker und dann finden wir es raus. Ton und Zeit kann auch eine alte Amphore sein.

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          MidiDino  AHU

          Nein, sonst müsste es beispielsweise menschliche Rassen geben. Es gibt sehr wenig von dem, was sich Menschen ausdenken: Menschen sind keine rationalen Lebewesen, sondern emotionale Fantasten.

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        Dirk Matten  RED

        „Elektronische Musik“ ist ein musikwissenschaftlicher Begriff. Mehr dazu unter: Elena Ungeheuer – Wie die elektronische Musik „erfunden“ wurde …: Quellenstudie zu Werner Meyer-Epplers musikalischem Entwurf zwischen 1949 und 1953. Ausgabe mit CD.

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          MidiDino  AHU

          Wird bestenfalls für musikwissenschaftlich gehalten und könnte sich ‚eingebürgert‘ haben … aber der Bezugsrahmen ist empirisch viel zu klein…

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            Dirk Matten  RED

            Ich empfehle das o. g. Buch von Elena Ungeheuer und das Sonderheft ELEKTRONISCHE MUSIK, Technische Hausmitteilungen des Nordwestdeutschen Rundfunks, 1954, Nr 1/2. Man kann sich sinnvoller verständigen, wenn man sich über die Terminologie im Klaren ist. Private Meinungen und Einschätzung zum Thema ohne fundiertes Hintergrundwissen sind so sinnlos wie die Behauptung, die Erde sei eine Scheibe.

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              MidiDino  AHU

              Die elektronische Musik, die z.B. speziell im WDR produziert wurde, beschränkt sich auf einen Teilbereich der Neuen Musik, ist musikalisch bereits deutlich abgegrenzt. Zudem beschäftigt sich Ungeheuer mit der Entstehung nach dem Krieg. Die empirische Basis ist also sehr klein, empirisch haltlos. Für mich gibt es keine ‚elektronische Musik‘, allenfalls eine musikalisch nichts sagende.

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                Coin  AHU

                na weil die musik nichts greifbares ist,
                sondern vom hörer definiert wird.
                nenne elektronische musik wie du willst.
                aber du kannst die hardware nicht leugenen,
                die man für elektronische musik braucht.
                mit strom.

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                Dirk Matten  RED

                Indessen, nicht die Produktionsmethoden, sondern die sie bestimmenden Kompositionsmethoden machen das „Gesicht“ einer Musik aus. Eimert/Humpert – Das Lexikon der elektronischen Musik, Seite 340.

                Der Begriff „elektronische Musik“ wurde erstmals von Werner Meyer-Eppler als Kategorisierung in seiner Schrift von 1949 verwendet und definiert im Detail das Wesen dieser Musikgattung. Man spricht bei Jerry Lee Lewis ja auch nicht von „Klaviermusik“, obwohl er auf dem Klavier spielt, sondern von Rock ’n‘ Roll. „Die Historie der elektronischen Klangerzeuger und der damit verbundenen Musik“ – das wäre der passende Titel. Knallt natürlich nicht so. Wollte ich mal nur ganz bescheiden anmerken.

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                  MidiDino  AHU

                  „Kompositionsmethoden machen das „Gesicht“ einer Musik aus.“ Diese Ansicht ist historisch bereits sehr eingeschränkt und veraltet, Auch ‚improvisierte Musik‘ kann zur ’neuen Musik‘ gehören. Es reicht nicht aus, sich lediglich mit ‚Altertümern‘ zu beschäftigen, es sei denn in historischer Absicht. Ich verstehe Dich nicht!

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                    Dirk Matten  RED

                    Das nennt man dann „Live-Elektronik“.
                    Herbert Eimert, Hnas-Ulrich Humpert – Das Lexikon der elektronischen Musik, Ausgabe 1973, Seite 190 – 192

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                      MidiDino  AHU

                      ‚Improvisierte Musik‘ hat sich erst später entwickelt, aus einer Kombination von Free Jazz und Neuer Musik. Deine Wörterbücher sind einfach zu alt. Doch ich halte die alte ‚improvisierte Musik‘ ihrerseit bereits für veraltet, speziell weil die Normen der Neuen Musik aufrecht erhalten werden. Im 20. Jhd. ist viel geschehen …

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        iggy_pop  AHU

        Was Elektronische Musik ist oder wie man es definieren soll, weiß ich nicht. Da läßt sich trefflich drüber streiten.
        .
        Ich weiß nur, was Elektronische Musik für *mich* nicht ist: Das, was heute unter und als Elektronische Musik verkauft und konsumiert wird, also irgendwelche David Guetta Typen, die auf irgendwelchen Festivals Schallplatten auflegen.
        .
        Bei diesen Leuten glaube ich immer, daß deren Verhältnis zu „Synthesisern“ dasselbe ist wie meins zu Plattenauflegen — ich habe auch einen Plattenspieler, und die haben wohl auch einen wie auch immer gearteten Sündieseiser… der bloße Besitz von etwas macht einen deshalb noch lange nicht zu etwas.
        .
        Ausschlußverfahren macht manchmal die Sortiererei leichter.
        .
        Ist aber natürlich nur meine Meinung. Was weiß ich schon.
        .

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          Coin  AHU

          Also ich würde sagen,
          das was elektronische Musik zur elektronischen Musik macht, ist der Strom.
          Denn Strom ist elektrisch.
          Ich habe aber keine Ahnung.
          Falls ich damit Recht habe, gibt es ohne Strom
          auch keine elektronische Musik ?
          (so die Theorie)

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              Coin  AHU

              Äh was ? Nicht alles was Strom braucht ist ein Musikinstrument.
              Aber alle elektronischen Musikinstrumente brauchen Strom.
              Oder wie geht elektronische Musik ohne Strom ?

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            iggy_pop  AHU

            Da hast Du recht, aber was Du machst, ist Entgrenzung — dann müßten wir auch Florian Silbereisen und Dieter Bohlen strenggenommen in Betracht ziehen, weil deren Arbeit ohne Strom schlichtweg nicht möglich wäre.
            .
            Ausschlußverfahren ist da hilfreicher — meine obigen Beispiele möchte ich nicht gerne als Referenzen für ein Genre sehen, das ich eigentlich sehr schätze und in dem ich mich nach eigener Wahrnehmung auch herumtreibe.
            .
            Dave Guetta oder Paul Kalkbrenner strenggenommen aber auch nicht.
            .
            Und schon spaltet sich die Judäische Volksfront von der Volksfront von Judäa ab… lasset uns unsere rechte Sandale erheben.
            .

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              Coin  AHU

              Iggy, das liegt am Schwerpunkt.
              Dieter Bohlens Schwerpunkt, wie pauschal im Pop,
              ist der Gesang und nicht der Synthesizer Part,
              der ansatzweise darin vorkommt.
              Bsp. Kalkbrenner – Schwerpunkt Synth

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                  Coin  AHU

                  interessant dass sich hier jemand
                  für was besseres hält.
                  danke für das minus.
                  da finden sich bestimmt noch mehr.

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              ISE500  

              Aber du weisst doch dass elektronische Musik viel mehr ist als David Guetta und Paul Kalkbrenner…
              Tausende Veröffentlichungen House und Techno, Zigtausende …
              Die zeigen, was das überhaupt ist – Hymnen, Zeitdokumente und Lebensgefühl…
              Ich verstehe nicht, warum daß hier immer so schlecht gemacht wird – so als ob nur Keith Emerson einen Synthie bedienen konnte.
              Selbst die First Generation Techno Leute sind doch heute schon ü50 – warum so tun, als wäre das nur moderne Deppenmusik.

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          Dirk Matten  RED

          Was elektronische Musik ist und wie sie zu definieren ist, solltest du wissen, schlielich hast das das Elektronische Studio des WDR vor Jahren besucht und da wurde das, angeregt durch mich, ausführlich theoretisch und an Hand von entspreechenden Hörbeispielen gezeigt. Oder hast du nicht aufgepasst und lieber auf die Geräte geschaut? Dann war die Veranstaltung aus meiner Sicht ein Griff ins Klo. Täte mir um die Zeit leid, die ich investiert hatte.

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        ISE500  

        Und natürlich klingt rein akustische Musik anders als elektrische – hört man doch schon an der E-Gitarre im Jazz (stromig).

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    lightman  AHU

    Für mich beginnt elektronische Musik dort, wo sie um ihrer selbst Willen erzeugt und ihre technische Natur als Ausdrucksmittel verstanden wird. Der Synthesizer ist hier kein Nachahmer bekannter Klänge, sondern ein Mittel, das dazu geeignet ist, bestimmte oder alle kompositorischen und klanglichen Schranken organischer Musik zu überwinden und von diesem Punkt aus das Klang-Geräusch-Erleben für den Hörer neu zu definieren.

  9. Profilbild
    muki  

    in popmusikalischer hinsicht sollte für die 60erjahre auch nicht
    der einfluss der formation White Noise (David Vorhaus, Delia Derbyshire)
    und ihrer platte „An Electric Storm“ unerwähnt bleiben
    leute wie adrian utley und will gregory erzählen in interviews immer wieder,
    wie bedeutend diese platte für sie war

    wie auch die asoziierte formation „Unit Delta Plus“
    womit sich dann auch wieder ein kreis zu den beatles schliesst

    https://en.wikipedia.org/wiki/White_Noise_(band)
    https://en.wikipedia.org/wiki/An_Electric_Storm
    https://en.wikipedia.org/wiki/Delia_Derbyshire#Unit_Delta_Plus

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