Geschichte der elektronischen Musik: 1970-1980

28. Dezember 2019

Die Blütezeit (1970-80)

Die 70er waren ein wichtiges Jahrzehnt für die elektronische Musik. Es entstanden nun verschiedene Stilarten, EM wurde Teil der sogenannten Popkultur, Weichen wurden für die Zukunft gestellt und Legenden geboren.

Dank Robert Moogs Erfindungsgabe standen mit den spannungsgesteuerten Synthesizern nun in Serie gefertigte, praxistaugliche Instrumente zur Verfügung und waren nicht länger Einzelanfertigungen für gutbetuchte Studios. Ein amtliches Modularsystem hatte zwar noch den Gegenwert eines Einfamilienhauses, aber die kleineren Modelle (vor allem die kostengünstigen aus Fernost) waren schon für einen größeren Kreis von Musikern bezahlbar. Fast alle waren noch monophon, polyphone kamen erst nach und nach auf den Markt und waren ebenfalls sündhaft teuer, deshalb wurden neben konventionellen Tasteninstrumenten oft String-Ensembles eingesetzt, Kreuzungen aus Orgel und Synthesizer.

Die 70er waren die Ära der analogen Synthesizer: Klaus Schulze in seiner Keyboardburg

Nach W. Carlos‘ Erfolg mit „Switched-On Bach“ wollten viele Plattenfirmen etwas Ähnliches in ihrem Repertoire haben, und es fanden sich schnell andere Musiker, die Carlos in nichts nachstanden, wie z.B. Hans Wurman mit „The Moog Strikes Bach“ und Mike Hankinson mit „The Unusual Classical Synthesizer“. Auch Emerson, Lake & Palmer versuchten sich mit „Pictures at an Exhibition“ in diesem Genre. Einer aber setzte in diesem Bereich und für die gesamte EM wirklich Maßstäbe: Der Japaner Isao Tomita, der die Werke verschiedener klassischer Komponisten (Debussy, Mussourgsky, Holst, Ravel u.a.) mit einem imposanten Gerätepark neu einspielte. Roland- und Moog-Modularsynthesizer, Effektgeräte vom Feinsten, Tomita verwendete alles, was gut und teuer war. Seine Produktionen gehören zum Aufwändigsten, was je mit analoger Technik verwirklicht wurde, und „The Bermuda Triangle“ mit Neuinterpretationen von Sibelius und Prokofjew ist sicherlich eins der besten Elektronikalben aus dieser Zeit, neben seinen zahlreichen anderen.

Berühmte Classitronic: Pictures at an Exhibition (ELP) und Bermuda Triangle (Tomita)

W. Carlos veröffentlichte ebenfalls noch eine ganze Reihe elektronischer Klassik und schrieb die kongeniale Filmmusik zu Kubricks „A Clockwork Orange“.

Damit war der vorläufige Höhepunkt für dieses Genre aber auch schon erreicht. Das Konzept wird hin und wieder aufgegriffen, mal von Elektronikern, mal von Komponisten des Kulturbetriebs. Beispiele sind „Romances“ von Nik Tyndall, „Goes Classic“ von Klaus Schulze und die „Vier Jahreszeiten“ von Thomas Wilbrandt, und auch viele Crossover-Projekte kann man in die „Classitronic“, wie sie auch genannt wird, einordnen. Sie hat ihre Fangemeinde (Link am Ende), aber der durchschlagende Erfolg blieb bis jetzt aus, die musikalischen Welten der Zielgruppen scheinen zu weit auseinander zu liegen.

Außerdem nutzte die elektronisch interpretierte Klassik die Klangvielfalt der Synthesizer nur wenig und war letztlich auch nicht sonderlich innovativ. Man kann sogar sagen, im eigentlichen Sinne handele es sich gar nicht um elektronische Musik. Das führt an dieser Stelle noch einmal zu der Frage, was denn nun unter EM zu verstehen ist, da das kontrovers diskutiert wird (wer will, kann das natürlich überspringen).

Der Begriff „elektronische Musik“ hat mehrere Bedeutungen. Erstmals wurde er in den 50er Jahren von Herbert Eimert verwendet, der als Vertreter der Neuen Musik für echte EM folgende Kriterien nannte:

Sie kann ausschließlich mit elektronischen Mitteln erzeugt werden, überschreitet die europäischen Tonskalen (Stichworte: Zwölftonmusik, Serialismus) sowie die metrische Rhythmik und hebt die Rolle der Klangfarbe hervor. Keinesfalls ist mit elektronischen Instrumenten wiedergegebene „traditionelle“ Musik als elektronische zu bezeichnen, auch nicht die bis dato komponierte Neue Musik. EM sollte also in allen Aspekten neuartig sein. Auch Stockhausen hatte einen ähnlichen Ansatz (Link am Ende).

Allgemein wird das als E(rnsthafte)-Musik dieser Gattung angesehen, in Abgrenzung zur elektronisch produzierten U(nterhaltungs)- und F(unktionellen) Musik. Wegen der Verwechselungsgefahr wurde für die elektronische E-Musik in den 80ern die Bezeichnung „elektroakustische Musik“ eingeführt, die aber missverstanden werden kann, und, man ahnt es schon, auch unterschiedlich ausgelegt wird. Iannis Xenakis verwendete sie schon in den 50ern für seine Tonbandexperimente, sie gilt eher als Oberbegriff für verschiedene Richtungen (Musique Concrete, elektronische Musik der Neuen Musik, Computermusik u.a.), außerdem gibt es Schnittmengen mit der akusmatischen Musik, deren Definition (über Lautsprecher wiedergegebene Musik) ebenfalls für die EM als Ganzes herangezogen wird. Eine optimale Lösung ist das also noch nicht.

Die o.g. genannten Kriterien stellen einen begrüßenswert fortschrittlichen Ansatz dar, der dem gestalterischen Potential der elektronischen Instrumente Rechnung trägt. Es stellt sich aber logischerweise die Frage, ab wann denn Musik, die diese Kriterien erfüllt, ebenfalls traditionell wird, denn schließlich ist sie nun auch schon einige Jahrzehnte alt.

Auch wird ein großer Teil dessen ausgeschlossen, was üblicherweise der elektronischen Musik zugerechnet wird, z.B. die Werke von Oskar Sala, W. Carlos und Isao Tomita. Wobei Verfechter der akustischen Musik mit demselben Recht behaupten, diese seien lediglich als elektronische, aber keinesfalls als traditionelle Musik einzustufen. Die meisten Stilarten der populären Art („elektronische Tanzmusik“) bleiben sowieso außen vor.

Elektroniker oder nicht Elektroniker, das ist die Frage: Isao Tomita, the Sound Creature

Am anderen Ende des Meinungsspektrums wird heutzutage alles als EM bezeichnet, was mit Hilfe elektronischer Instrumente erzeugt wird. Das ist aber ebenfalls eine unscharfe Definition, denn heutzutage wird ein großer Teil der Unterhaltungsmusik so produziert, jedoch weder seitens der Urheber noch vom Publikum so eingeordnet.

Abgesehen davon ist die rein elektronisch erzeugte Musik eher die Ausnahme, oft wurden und werden zusätzlich akustische, elektromechanische und sonstige Gerätschaften, die menschliche Stimme und Samples derselben verwendet. Hinsichtlich der Instrumente ergeben sich ebenfalls Schwierigkeiten bei der Zuordnung. Sampling akustischer Instrumente ist sowohl elektronisch als auch akustisch, und die fortschreitende Elektronisierung der traditionellen Instrumente, wie man sie bei z.B. bei den V-Drum oder V-Guitar Systemen findet, kann man aus verschiedenen Perspektiven sehen.

Bei den vielen Mischformen und Grauzonen kann man das Adjektiv „elektronisch“ oft nur prozentual verleihen, unter Berücksichtigung mehrerer (durchaus auch subjektiver) Kriterien. Die Unterschiede zwischen E-, U- und F-Musik sollte man kennen, aber einige der kreativsten Musiker dieses Planeten haben die Grenzen dazwischen nur wenig interessiert. Es gibt genug Beispiele, wie sich die verschiedenen Kategorien und Stilarten gegenseitig beeinflusst und inspiriert haben, und oft ist der Trash von heute die Kultur von morgen.

Als wesentliche Merkmale elektronischer Musik kann man die Art der Ausführung (technisch und kompositorisch) anführen, die Intention des Künstlers und die Einstufung durch das Publikum. Die Letzteren sind natürlich nicht wissenschaftlich exakt erfassbar, aber in der Kunst immer ein Faktor, es bleibt immer ein Ermessensspielraum. Joe Zawinul oder Keith Emerson z.B. waren nicht in erster Linie Elektroniker, haben die EM aber stark beeinflusst und sind dadurch Teil der Geschichte geworden.

Die Debatte um eine genaue Definition und Abgrenzung elektronischer Musik dauert nun schon über ein halbes Jahrhundert an. Man kann sie durchaus noch lange weiterführen, bis einem vielleicht irgendwann der Satz durch den Kopf schießt: „Sprache ist ein Virus aus dem Weltall“ (den William Burroughs übrigens bei Tonbandexperimenten formulierte). Man kann stattdessen auch einfach ein wenig gute Musik aufzulegen. Natürlich elektronische.

Zurück zur Geschichte. In den 70ern kann man die EM ganz gut geographisch sortieren, da in verschiedenen Ländern ziemlich eigenständige Stilrichtungen entstanden.

Deutschland wird als oft das „Mutterland der elektronischen Musik“ bezeichnet, denn von hier stammen einige der wichtigsten Interpreten, die die EM bis heute prägen. Abgesehen von den Gründervätern der Pionierzeit waren das damals vor allem Musiker aus dem sogenannten Krautrock. Die Frühwerke dieser Bands in den späten 60ern waren noch eher eine Phase des Experimentierens mit allerlei Gerätschaften, aber mit den Synthesizern hatten sie nun das passende Mittel für die Umsetzung ihrer Ideen gefunden. Jedem Interessierten geläufige Namen sind Agitation Free, Can, Amon Düül, Guru Guru etc. und natürlich Kraftwerk und Tangerine Dream. Man kann grob in drei Richtungen einordnen: Berliner Schule, die Plank-Szene und die New-Age-Pioniere.

Die Berliner Schule

Eine wichtige Rolle spielte in dieser Zeit das Elektronik Beat Studio Berlin unter der Leitung des Schweizer Komponisten Thomas Kessler, das diesem Ast der damaligen EM auch den Namen gab. Die zentralen Akteure waren zunächst die Tangerine Dream Mitglieder Edgar Froese, Christopher Franke u.a sowie ihre (Ex-)Mitmusiker Klaus Schulze und Peter Baumann, außerdem Michael Hoenig, Robert Schroeder, Adelbert von Deyen, Manuel Göttsching (Ashra) und weitere.

Obwohl die Bandbreite dieses EM-Stils von geräuschhaften Klangcollagen in der Anfangsphase bis zu discothekentauglichen Tracks am Ende der 70er reichte, gab es die typische Berliner Schule. Hauptmerkmale: Breit ausgerollte Klangteppiche, dazu eine ab und zu transponierte Sequencer-Loop und endlose Sololinien, alles mit reichlich Phasing und Hall angereichert. Und vor allem überlange Tracks. Jenseits der 3-Minuten-Marke, also dort, wo beim heutigen Radioformat das Pulver längst verschossen ist, fängt das Intro erst so richtig an.

Höhepunkte der Berliner Schule: Encore (Tangerine Dream) und X (Schulze)

Die einfach angelegte Harmonik und tendenzielle Moll-Lastigkeit dieses Stils wurden oft kritisiert. Zu Unrecht, muss man sagen, denn es wurde eine Idee umgesetzt, die in der Neuen Musik und auch im Impressionismus propagiert wurde, nämlich die Hervorhebung der Klangfarbe als Ausdrucksmittel. Teilweise wurde sie der Tonhöhe sogar übergeordnet.

Abgesehen davon war die Berliner Schule Teil der psychedelischen Musik, auch wenn die Frühwerke eher an die Neue Musik erinnern, und komplexe Harmoniewechsel oder Tonleiterakrobatik wären dem hypnotischen Charakter dieses Stils eher abträglich. Das stieß nicht überall auf offene Ohren. Die Orchester z.B., die Klaus Schulze für einige seiner Alben engagierte, wollten ihre Namen nicht auf den Covers veröffentlicht sehen. Mag sein, dass sie heute anders darüber denken. Stieß Schulze bei der Vorstellung seines ersten Albums (Irrlicht, 1972) noch auf Unverständnis („Und wann fängt die Musik an?“), so wurde sein fünftes bereits mit dem Deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnet (Timewind, 1975).

Menschen tun sich nun mal schwer mit Neuerungen, auch in Sachen Musik möchten sie lieber Gewohntes hören und höchstens ein kleines bisschen überrascht werden. Mit dieser Tatsache sah sich schon die Neue Musik konfrontiert, es soll sogar vorgekommen sein, dass das Publikum die Bühne stürmte und alles zerlegte. Literaturtipp zu dem Thema (und anderen): Robert Jourdain, „Das wohltemperierte Gehirn – wie Musik im Kopf entsteht und wirkt“. Sollte jeder Musiker mal lesen.

Die Berliner Schule war eine Neuentwicklung und fand zunächst nur einen kleinen Kreis an Hörern. Wie Schulze in einem Interview mal sagte: „Im Grunde genommen ist das eine Bildermusik. Es ist eine Beschreibung eines Bildes, das gerade im Kopf ist.“ Musik für Tagträumer und Synästhetiker.

Klangmalerei der Berliner Schule: Rubycon (Tangerine Dream) und Mirage (Schulze)

Für Filmuntermalung war sie also wie geschaffen, Tangerine Dream bewiesen schon früh ihr Talent für dieses Metier mit dem Soundtrack zu „Sorcerer“ („Atemlos vor Angst“). Später folgten „Thief“ („Der Einzelgänger“), der Titelsong für einen Tatort („Das Mädchen auf der Treppe“) und der Fassbinder-SciFi „Kamikaze 1989“ mit Musik von Edgar Froese. Von Klaus Schulze stammt der Track zu „Body Love“, einem eher mittelmäßigen Machwerk mit hauptsächlich horizontaler Action, wie der Name schon andeutet. Die Filmmusik hat diesen Streifen um einige Größenordnungen aufgewertet.

Die Plank-Szene

Aus dem Krautrock stammt auch die zweite große Strömung deutscher Elektronik, die keine einheitliche Bezeichnung hat und meistens als „Kosmische Musik“ kategorisiert wird. Die bekanntesten Namen dieser Richtung sind Cluster (Conrad Schnitzler, Hans-Joachim Roedelius und Dieter Moebius), Can, Neu, Michael Rother, La Düsseldorf und natürlich Kraftwerk, später auch Pyrolator, Der Plan, Harmonia u.a.

Die graue Eminenz dieser Szene und prägend für ihren Sound war der Produzent und Toningenieur Conny Plank, der auch selbst in die Tasten griff und mit seiner unkonventionellen Arbeitsweise und Unterstützung vielen dieser Bands zum Durchbruch verhalf. Er fand international Beachtung, und man kann ihn gleichrangig neben andere Studiokoryphäen wie Brian Eno und Alan Parsons stellen.

Im Gegensatz zur bierernsten Berliner Schule war diese „kosmische Musik“ viel verspielter, und Titel wie „Fotschi Tong“, „Georgel“ oder „Für die Katz“ lassen einen eher an Helge Schneider denken als an EM-Legenden. Auch hier gab es eine große Bandbreite, von elektronischem Lärm bis zu sehr lyrischen Tracks, mitunter Spaß am Skurrilen und einem Schuss Anarchismus. Trotzdem oder gerade deswegen inspirierten die Bands dieser Richtung weltweit viele Musiker, und in Zusammenarbeit mit Brian Eno produzierten Cluster zwei sehr gelungene Alben („Cluster & Eno“ und „After the Heat“).

Zwei typische Plank-Alben: Zuckerzeit (Cluster) und Rastakraut Pasta (Moebius und Plank)

Kraftwerk entwickelten eine völlig eigene Musik, von Krautrock-typischen Sessions hin zu kurzen Tracks mit eher konventionellen Strukturen, aber viel verfremdetem Gesang und knackigen Beats. Was bei sich bei den Alben „Radio-Aktivität“, „Autobahn“ und „Trans Europa Express“ schon andeutete, wurde mit „Die Mensch-Maschine“ zu einem wahren Quantensprung: Das, was Kritiker der elektronischen Musik immer anführten, nämlich das Automatenhafte, Kalte, Seelenlose etc. wurde endgültig zur Tugend erklärt und auf die Spitze getrieben – Synthesizersounds wie aus der Tiefkühltruhe, minimalistische Melodien, maschinenhafte E-Drums und Vocoder-Stimmen (folgerichtig ließen Kraftwerk live auch Roboterpuppen auftreten).

Kult aus Deutschland: 2 (Neu) und Die Mensch-Maschine (Kraftwerk)

Das war ein Rückgriff auf den Futurismus der 20er Jahre und gleichzeitig ein zukunftsweisendes Konzept, die „Mensch-Maschine“ ist bis heute eines der einflussreichsten EM-Alben überhaupt, aus dem sich gleich eine ganze Reihe von Musikstilen ableiten lässt. Detroit, Electro, Industrial, Synthpop, Techno, bei allen stand Kraftwerk weltweit Pate und wurde auch mal als „die einzige weiße Rhythmusgruppe, die je die schwarze Musik beeinflusst hat“ bezeichnet. Mit „Computerwelt“ (1981) und „Electric Cafe“ (1986) perfektionierten sie ihren Techno-Pop (so der Titel des remasterten „Electric Cafe“) noch weiter.

Die New-Age-Paten

Ein eher selten erwähnter Name ist Eberhard Schoener, der mit einer klassischen Ausbildung als Violinist und Dirigent recht vielseitig agierte und einen Grundstein legte für das, was man heute Weltmusik nennt: Für das Album „Bali-Agung“ reiste er zusammen mit dem Jazzgitarristen Sigi Schwab und dem Schlagzeuger Pete York nach Bali und spielte mit einem Gamelan-Orchester Tracks ein, in denen westliche und östliche Musik nahtlos ineinander verschmolzen und die bis heute faszinieren können, wie auch „Meditation“ und „Trance-Formation“, die Elemente tibetischer Musik enthalten. Populär wurden seine Kollaborationen mit Police und Procul Harum. Er bemühte sich auch um Annäherung von klassischer, populärer und elektronischer Musik und seine Live-Auftritte waren teilweise multimedial angelegt, er setzte als einer der ersten die Laser für seine Shows ein.

Vorläufer des New Age: Meditation (Schoener) und Affenstunde (Popol Vuh)

Ebenfalls in die Richtung Weltmusik kann man die Alben von Popol Vuh (Florian Fricke, Frank Fiedler) und Georg Deuter aus dieser Zeit einordnen. Später waren sie Mitbegründer der „New Age“-Musik, in der fernöstliche Einflüsse, Elektronik und Meditationsmusik verschmolzen werden.

Von Popol Vuh stammen auch die Soundtracks zu den Werner Herzog-Filmen „Aguirre, der Zorn Gottes“, „Nosferatu“ und „Fitzcarraldo“.

In den USA nahm die Entwicklung einen anderen Verlauf, hier waren es vor allem Jazz-, Funk- und Rockkeyboarder, die die neuen Instrumente adoptierten. Legendär sind Emerson, Lake & Palmer, deren Mastermind Keith Emerson seinen Moog Modular virtuos auf der Bühne beherrschte und ein echter Shooting-Star der EM wurde, ebenso sein Kollege Manfred Mann mit dem Minimoog. Weitere Keyboarder, die sich intensiv mit Synthesizern beschäftigt haben, sind Stevie Wonder, Jan Hammer, Steve Winwood, George Duke und Don Preston (die Letzteren zeitweise bei Frank Zappa tätig). Viele von ihnen betrieben Soloprojekte oder machten sich selbständig.

Elektronische Musik spielte jedoch verwunderlicherweise nur eine Nebenrolle, das sollte sich erst in den 80er Jahren ändern. Zu den wenigen Musikern mit „europäischem Akzent“ gehören Michael Garrison, dessen Track „Departure“ eine zeitlang Titelmelodie der EM-Sendereihe „Schwingungen“ von Wilfried Trenkler war, Larry Fast (Synergy) und Todd Rundgren (Utopia), auch The Residents mit ihrer ziemlich ungewöhnlichen Experimentalmusik kann man dazu zählen.

Elektronik aus den USA: A Wizard (Todd Rundgren) und Eskimo (The Residents)

Typisch amerikanisch dagegen waren Leonid Hambro/Gershon Kingsley, die Gershwin elektronisch interpretierten (Switched-On Gershwin) und das erste elektronische Ensemble, Mother Mallard’s Portable Masterpiece Co., das Werke der Minimalisten Riley, Reich und Glass aufführte.

Eine Band des Jazzkeyboarders Stan Free mit dem etwas seltsamen Namen „Hot Butter“ bescherte der EM einen ersten Top-Ten Erfolg: Die Single „Popcorn“ hielt sich in vielen Ländern wochenlang in den Charts und war ein Vorläufer für das, was in den folgenden Jahrzehnten stattfand, nämlich die zunehmende Elektronisierung der populären Musik. Speziell im Disco-Segment setzten die US-Produzenten mehr und mehr Synthesizer ein, was den Herstellern zugute kam und damit wiederum den Musikern – insofern eine begrüßenswerte Entwicklung.

Eine ebenfalls „poppige“ Art der EM kam aus Frankreich. Der Musique Concrete Schüler Jean Michel Jarre, Serge Blenner, Space und die weniger bekannten Space Art kultivierten einen ganz eigenen Stil, sehr melodiös, irgendwo zwischen Instrumental-Pop und Berliner Schule mit ein paar typisch französischen Elementen. Weiter in Richtung Prog-Rock findet man Heldon, ein Projekt des Gitarristen und Keyboarders Richard Pinhas.

Hitparadenstürmer aus Frankreich: Magic Fly (Space) und Oxygene (J.M. Jarre)

Jarres „Oxygene“ und „Equinoxe“ sind zeitlose Klassiker mit wunderbaren und gut kombinierten Analogsounds und mit 12 bzw. 8 Millionen verkauften Scheiben sicherlich zwei der kommerziell erfolgreichsten EM-Alben, deren Auskoppelungen „Oxygene Part IV“ und „Equinoxe Part V“ die Hitparaden stürmten, der Titel „Magic Fly“ von Space schaffte es bis ganz nach oben. Die Klangästhetik der französischen Elektroniker findet man dann auch etwa zehn Jahre später im Synth-Pop wieder. Es war sicherlich ihr Verdienst, dass EM ein wenig populärer wurde, bis dahin galten ein paar Tausend verkaufte Alben in diesem Genre schon als Erfolg. Und es grassierten noch immer haufenweise Vorurteile gegen die Automaten-Musik, die von purer Polemik („Technikeronanie“) bis zu psychologischer Analyse reichten („die modularen Synthesizer sind Altäre patriarchalischer Macht“).

In England fand eine ähnliche Entwicklung statt wie in Deutschland, auch dort gab es schon um 1970 herum die ersten Elektronikbands wie White Noise, Zorch und in den USA TONTO’s Expanding Head Band (Malcolm Cecil und Robert Margouleff). George Harrison (ja, der von den Beatles) veröffentlichte 1969 das Album „Electronic Sound“, das er zusammen mit Bernie Krause auf dem Moog Modular eingespielt hatte.

Und es gab ebenfalls Elektroniker, deren Arbeit Grundlage für einige Stilrichtungen war. Die bekannteren kommen aus dem Prog-, Space- und Jazz-Rock sowie dem Canterbury Sound (Gruppen wie Gong, Hawkwind, Nektar, Soft Machine, King Crimson, Brand X): Dave L. Stewart, Dave Greenslade, Tim Blake, Robert Wyatt u.a., dazu die experimentierfreudigen Gitarristen Robert Fripp und Steve Hillage. Eine Szene, in der genauso kreuz und quer miteinander musiziert wurde wie in der deutschen. Chillout, Ambient, Minimal (nicht verwechseln mit der amerikanischen Minimal Music, das ist ein anderes Kapitel), auch Synthpop und der elektronische Jazzrock wurden zu wesentlichen Teilen in britischen Gefilden entwickelt.

Der Bekannteste ist der ex-Roxy-Music-Keyboarder Brian Eno. Er startete 1973 eine Solokarriere mit einer frühen Form des Synthpops und entwickelte dann einen ganz eigenen Stil. Mit den Alben „Music for Films“ und „Discreet Music“ gilt er als Erfinder des Ambient: Sparsam angedeutete Klanglandschaften, oft meditativ, manchmal schon funktionelle Musik. Anders als viele seiner Kollegen, die aus ihren Instrumenten die sogenanten „Keyboard-Burgen“ bauten und aus allen Rohren orgelten, war Eno technisch und musikalisch eher Minimalist.

Die ersten Ambient-Alben: Music for Films und Discreet Music (Brian Eno)

Sein Konzept „das Studio als Instrument“ war eine Weiterentwicklung der eher zwangsläufig experimentellen Frühphase der EM (elektronische Instrumente waren da ja noch Mangelware). Er nutzte nicht nur Synthesizer, sondern auch Kurzwellenradios und ähnliche Gerätschaften und kultivierte die Kunst, Klängen einen individuellen Charakter zu verleihen durch Mikrofonierung, Effektgeräte und dergleichen. Mit Robert Fripp veröffentlichte er in den 70ern zwei Ambient-Alben, die mit den „Frippertronics“ verwirklicht wurden – zwei Tonbandmaschinen, verbunden zu einem Delay/Feedback-System mit sehr langen Verzögerungszeiten, eine Anordnung, die auch Terry Riley schon in den 60ern verwendete.

Sein Anteil an der Entwicklung der EM ist ebenso groß wie der von Kraftwerk oder Tangerine Dream. Dieser „Dilettant an allen Instrumenten“, wie er sich einmal nannte, hat ein inzwischen unüberschaubares Schaffen als Musiker und Produzent (U2, Talking Heads u.v.a.) hinter sich, das alleine einen Artikel wert wäre (siehe link am Ende). Und vielleicht erinnert sich der eine oder andere an den Startsound von Windows 95, der stammt auch von Brian Eno.

Elektronik aus Griechenland: Albedo 0.39 und China (Vangelis)

Griechenland schenkte uns neben dem Experimentalmusiker Iannis Xenakis, der zu den ganz frühen Pionieren und bekannteren Vertretern der Neuen Musik in den 70ern zählt, den legendären Vangelis (Evangelos Odysseas Papathanassiou), der seine musikalischen Wurzeln im Progressive Rock hatte (Aphrodite’s Child), bei Yes vorstellig wurde (mit deren Leadsänger Jon Anderson er später einige Alben produzierte), dann aber einen ähnlichen Stil wie Jarre entwickelte und für sein gekonntes Spiel auf dem Yamaha CS80 und die für ihn charakteristischen Synthesizersounds berühmt wurde. Kommerziell war er zunächst nicht so erfolgreich, schrieb aber später bekannte Filmmusik für Jacques Cousteaus Dokumentationen, „Chariots of Fire“ und „Blade Runner“.

In der Sowjetunion, dem Ursprungsland der elektronischen Musik, galt nach 1932 Lenins Kunstedikt: Nur „einfache Melodien, die das Volk versteht“ und Parteiloblieder wurden durch die Zensur gelassen. Lev Termen, Eduard Artemjew und das Ensemble Mescherina waren die wenigen Künstler, die offiziell erwähnt wurden, fast der ganze Rest fand im Untergrund statt. Ähnlich war die Situation in den anderen Ostblockstaaten. Musiker wie Mikhail Chekalin und Alexej Borisov konnten erst in Zeiten der Glasnost oder nach dem Mauerfall veröffentlichen, ein trauriges Kapitel, das noch weitgehend der Aufarbeitung bedarf.

Aus Japan sollte man neben Tomita drei Namen kennen: Kitaro, ein Vorreiter des New Age, die Far East Family Band, die man auch „Pink Floyd des Ostens“ nennt, und das Yellow Magic Orchestra, das einen Kraftwerk-ähnlichen Elektropop hervorbrachte und ebenfalls zu den Mitbegründern dieses Genres zählt. Kitaro und die FEFB hatten gute Kontakte zu den deutschen Elektronikern, letztere wurden auch von Klaus Schulze produziert.

Elektronik aus Fernost: Tenkujin (Far East Family Band) und Silk Road (Kitaro)

Es gibt noch viele, die man erwähnen müsste, wie den Niederländer Johan Timman, den Schweden Bo Hansson, der sich von Tolkiens „Herr der Ringe“ inspirieren ließ. Eine gute Übersicht mit zahlreichen Plattenkritiken für diese Ära liefern die Babyblauen Seiten (siehe Link am Ende).

Am Rande der EM-Szene

Nicht vergessen sollte man die Prog-Rock-Bands der 70er wie Yes, Genesis, Eloy, Nektar, King Crimson und Pink Floyd usw., die Synthesizer teils ganz konventionell in ihre Musik einbanden, aber auch die besonderen Features dieser Instrumente nutzten und manchmal sogar recht experimentell zuwege gingen. Beispielhaft dafür ist der Track „On the Run“ von Pink Floyd (The Dark Side of the Moon). Der Toningenieur von Pink Floyd in dieser Zeit war kein anderer als Alan Parsons, der später elektronisch dominierten Rock/Pop produzierte.

Im Jazz gab es ebenfalls ein paar wichtige Namen. Zuerst natürlich Weather Report, deren Keyboarder Joe Zawinul einen unverwechselbaren Stil entwickelte mit dem Konzept „spiele elektrisch, klinge akustisch“. In die gleiche Kategorie gehört auch Wolfgang Dauner, er arbeitete schon früh mit Elektronik, und sein Album „Changes“ (1978) stellt Piano und Synthesizer gleichberechtigt nebeneinander. Bruno Spoerri, Jasper van’t Hof und Herbie Hancock sind weitere, die den Electronic Jazz mitbegründet haben.

Jazz und Elektronik vereint: Changes (Wolfgang Dauner) und I sing the Body Electric (Weather Report)

Als Erfinder der Synthesizer-Discomusik gilt Giorgio Moroder, Produzent von Donna Summer, Chaka Khan, Blondie u.v.a., der von einer Vorführung Eberhard Schoeners auf dem Moog Modular inspiriert wurde und sich dachte, „da geht doch mehr“. Wieviel, hat er aber wahrscheinlich nicht vorausgesehen…

Forschung und Entwicklung elektronischer Musikinstrumente

Eine zentrale Rolle in der Erforschung aller Aspekte der elektronischen Musik, von Theorie bis Technik, übernahm in den 70ern das IRCAM (Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique, Paris). Wesentliche Entwicklungsarbeit wurde aber auch von Herstellern geleistet (z.B. Casio, Phase Distortion), Universitäten (Toronto, SSSP Synthesizer) oder Garagenschraubern, die im Alleingang neuartige Instrumente aus dem Hut zauberten (Vogel/Ryrie, Fairlight). Die Einführung der digitalen Technik läutete ein neues Kapitel in der Geschichte der elektronischen Musik ein und war auch die Ursache für das Aussterben der „Analogsaurier“ – leider starben die Hersteller oft ebenfalls (z.B. Moog, Oberheim, Sequential Circuits).

Eine ebenfalls wichtige Funktion hatte (und hat) das Linzer „Ars Electronica“-Festival, das 1979 zum ersten Mal stattfand. Nicht nur Musik, sondern alle Arten von Computerkunst und Multimediaspektakel werden dort aufgeführt und ausgezeichnet, der „Prix Ars Electronica“ gilt als höchste Auszeichnung in diesen Genres. Das Futurelab der AE schließlich beschäftigt sich mit allen Zweigen der elektronischen Kunstformen und auch mit der Entwicklung von Technik und Gesellschaft.

Vielen Lesern dürften die meisten der in diesem Artikel erwähnten Namen wohlbekannt sein, was einmal mehr zeigt, wie prägend die EM der 70er für die Zukunft war. Und noch heute sind viele der damaligen Akteure Vorbild und Inspiration für viele Musiker, auch genrefremder wie z.B. Herbert Grönemeyer, der kürzlich die Alben der Krautrock-Kapelle Neu wiederveröffentlichte.

Es ist schon erstaunlich, was die wenigen damaligen Elektroniker, viele davon Autodidakten, in technischer und musikalischer Hinsicht geleistet haben. Und versucht man, die Sounds der alten Meister nachzuprogrammieren, stellt man fest, dass sie das Optimum aus den analogen Synths herausgeholt haben, das Resultat langer Beschäftigung mit dem einzelnen Klang. Man hatte damals noch nicht die heute selbstverständlichen Gigabytes an Sample- und Soundbibliotheken.

Diese im Vergleich zu anderen Musikrichtungen kleine Gruppe vergrößerte sich aber ab Beginn der 80er rasant, davon wird der nächste Teil dieser Serie handeln.

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    AMAZONA Archiv

    Fantastisch! Ich hab die Zeilen geradezu verschlungen! Diesmal hab ich auch sehr viel „neues“ erfahren können und freue mich schon, wie ein kleines Kind, auf den nächsten Teil!

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        AMAZONA Archiv

        Ja, ich sitze auch schon auf glühenden Kohlen. Hat Spaß gemacht zu lesen.

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    AMAZONA Archiv

    Auch ich habe etwas Neues erfahren.

    Zitate: „Nach W. Carlos‘ Erfolg mit „Switched-On Bach“ wollten viele Plattenfirmen etwas Ähnliches in ihrem Repertoire haben … . Auch Emerson, Lake & Palmer versuchten sich mit „Pictures at an Exhibition“ in diesem Genre.“

    Ich habe noch die LP dieser Live-Aufnahme und ich mag sie noch immer so gern, wie vor nun mehr als 30 Jahren. Aber: Die Hälfte des Originals fehlt – man höre das Klavier-Original ebenso wie Ravel´s Orchestrierung. Und man höre sich „Blues Variations“ oder „The Curse Of Baba Yaga“ an. Dann weiß man auch, dass sich ELP damit, im Gegensatz zu Tomita sicher „nicht in diesem Genre versucht“ haben.

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      AMAZONA Archiv

      Ich neige eher zu Bewunderung sowohl bei ELP als auch Tomita, sich der Herausforderung „Pictures …“ gestellt zu haben. Letzterer hat das auch live ganz alleine gemacht, ich hatte mal das Vergnügen, dem beizuwohnen. Na ja, bei Ravel und Debussy hat Tomita vielleicht ein besseres Händchen gehabt, und das meine ich durchaus sogar in Hinblick auf geniale Orchesterversionen wie von Gustavo Dudamel, denn die Dynamik der Komposition mit „nur“ Elektronik muss man erstmal hinkriegen. Bei „Popcorn“ im Artikel möchte ich noch auf den eigentlich Urheber Gershon Kingsley hinweisen, dessen Version ich auch irgendwie gerissener finde.

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      h.gerdes  AHU

      Das war keineswegs abwertend gemeint! Ich wollte damit nur ausdrücken, dass sie sich außerhalb ihres üblichen Genres betätigt haben. Die „Pictures“ sind zweifellos ein Klassiker.

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        AMAZONA Archiv

        Zitat: „… dass sie sich außerhalb ihres üblichen Genres betätigt haben.“

        Eigentlich nicht wirklich, zumindest wenn es bei ELP immer nach Emerson gegangen wäre. Der hat ja schon zu Nice-Zeiten klassische Vorlagen wie etwa die Karelia-Suite (Intermezzo) oder Pathetique (Symphony No. 6 3rd Movement) und zu ELP-Zeiten Bartok´s Allegro Barbaro oder Holst´s „Mars“ interpretiert. Aber das sind nur Nebensächlichkeiten.

        Wichtig, weil ich das in meinem ersten Kommentar glatt unterlassen habe, ist mir, dass ich DANKE sage für die viele Mühe mit dieser „History“.

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          h.gerdes  AHU

          Ja, auch später hat er in seinen Soloprojekten immer wieder auf Klassik zurückgegriffen, er war schon recht vielseitig. Um so tragischer, dass ihn die Fokale Dystonie erwischt hat! Das hat sein Schaffen frühzeitig beendet…

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            AMAZONA Archiv

            Dem Dank für diese Serie schließe ich mal an. Und ergänze um ein weiteres Detail, was relativ unbekannt ist. Komponist Brian Hodgson (UK) und Dirigent Dudley Simpson (AUS) haben 1973 als Electrophon die LP „In A Covent Garden“ aufgenommen. Die haben vorher schon zusammen für die BBC gearbeitet, Dr. Who lässt grüßen. In einer Kombination aus Orchester und Synthesizer haben sie Händel, Debussy, Rimsky-Korsakoff bis Katschaturian, Paganini und Grieg interpretiert. Als Synths dienten EMS Instrumente sowie eigens entwickelte Techniken eines Ken Dale.

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              h.gerdes  AHU

              Ah ja, die kannte ich nicht. Danke!
              Und wer noch einen Hörtipp hat, bitte hier posten! Es gibt so einiges an fast unbekannten Schätzen..

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                AMAZONA Archiv

                Noch umstrittener als die Klassik-Interpretationen sind sicherlich Klaus Wunderlichs Ausflüge, mit seinem Moog Modular Synthesizer, in die seichteren Gefilde der Musik. Darunter übrigens auch eine Hintergrundmusik für die Ziehung der Lottozahlen :) Unerschrockene hören das hier http://youtu.be/JUHQjTjtp4Y

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                  h.gerdes  AHU

                  Schöne Heimorgelei! Haueha… mein Geheimtipp in dieser Richtung sind Supersemfft. Ich weiß nicht, was die geraucht haben…

                  • Profilbild
                    AQ  AHU

                    Liebe Kollegen
                    Der gute alte Klaus Wunderlich muss einem nicht gefallen, aber die angesprochene Aufnahme ist keine Orgelei, sondern 100% Moog. 1974 aufgenommen, notabene zu einer Zeit als die meisten die heute alles besser wissen den Namen Moog noch nicht einmal gekannt haben. Auch wenn das nicht jedemanns Geschmack trifft war die LP zu der Zeit ein musikalisches Meisterwerk, gespielt vom alten Klaus, welcher mehr Platten (mit „Elektronischer Musik“) verkauft hat als jeder andere Instrumentalist auf diesem Planeten. Nach dem Erscheinen der Platte haben eine ganze Reihe bekannter Musiker begonnen sich ebenfalls mit dem Thema Synthesizer auseinander zu setzen. Damit hätte er sich sicher zumindest eine kleine Erwähnung in der Geschichte der EM verdient…
                    … übrigens, super Artikel :-)
                    Wer sich für den alten Scherben interessiert hier noch der Titel: „Uraltedelschnulzensynthesizergags, 1974“

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                      h.gerdes  AHU

                      Mir war nicht geläufig, dass er so einflussreich war, sonst hätte ich das erwähnt. Den Unterhaltungsmusiksektor habe ich auch nicht als essentiell eingestuft, da waren andere Sachen interessanter. Aber stimmt, einige Künstler der Gattung waren ziemlich erfolgreich… da gab es doch auch so einen Franz Lambert mit Weltraumorgel? Habe aber keine Ahnung, ob er auch Synthesizer eingesetzt hat.

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                      h.gerdes  AHU

                      Nachdem ich mich auf deine Anregung hin näher mit Klaus befasst habe, muss ich ihn hier mal ein wenig rehabilitieren. Die Musik ist Geschmackssache, aber man muss ihm solides Handwerk bescheinigen, und er hat einiges auf die Beine gestellt. Also Rischpäkkt, Meister Wunderlich! Auch für einige Organisten, die hier keine Erwähnung gefunden haben, wie Jimmy Smith, Jon Lord oder die beiden Barbaras Dennerlein und Morgenstern etc.

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    tronicjohn

    Guter Artikel, manches kannte ich, manches nicht. Übrigens war der Arbeitstitel für „Electric Café“ nicht „Elektro-Pop“, sondern „Techno Pop“. Diesen Namen hat das Album im Zuge des Remasterings auch zurückerhalten.

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      h.gerdes  AHU

      Da hat mir mein mit Begriffen überfüttertes Gedächtnis doch glatt einen Streich gespielt… ich werde mal eine Korrektur in die Wege leiten!

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    Marcus_Kiel  

    Hallo Holger,
    ich möchte mich für den tollen Artikel bedanken, da ich nie so richtig Namen und Hintergründe kannte und mich erst jetzt, nach 25 Jahren als Hobby-Elektroniker, mit der EM der 70iger beschäftige. Danke für die Mühe und den Fleiß.

    Zu Kraftwerk. Ich bin als Jugendlicher auf KW aufmerksam geworden. Ein Tschernobyl-Fersehbeitrag wurde mit ihrer Musik hinterlegt.
    Das hat mich damals umgehauen und ich bin sofort los, und habe drei Alben gekauft und wochenlang ganz tief eingesogen. Die Präzision und Kälte, die diese Musik ausstrahlte, fand ich faszinierend.
    Heute empfinde ich KW in weiten Teilen als eher romantisch. Die Melodien sind zum Teil sehr kitschig und melancholisch. Ich höre auch so etwas wie Sehnsucht. Auf „Mensch-maschine“ und „Computerwelt“ finde ich einige Beispiele dafür.
    Daran musste ich gerade denken, als ich Deinen Artikel laß.
    Vielen Dank und beste Grüße,
    Marcus_Kiel

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      h.gerdes  AHU

      Ja, es geht mir ähnlich. Das Hörempfinden ändert sich mit der Zeit. Heutzutage spricht man von der „Wärme“ und dem „organischen, lebendigen Klang“ der Analogsynthesizer. Und vom „8-Bit-Charme“ der ersten Digitalsynths. Morgen werden wir die Nicht-Perfektion der älteren virtuell-analogen nostalgisch verklären ;-)
      Musikalisch gesehen: Kraftwerk sind tatsächlich beides, romantisch und kalt. Dieser Widerspruch macht imho einen Teil ihrer Faszination aus!

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    InstruJunkie

    Richtig klasse und was ’ne Mordsarbeit, erst alles zusammenzutragen, und es dann auf’s Wesentliche zu kürzen. Analog-phattes Kompliment.
    Und dazu auch noch Spaß:
    „die modularen Synthesizer sind Altäre patriarchalischer Macht“
    Jo, und Sprache ’n Alien-Virus.
    „Man kann stattdessen auch einfach ein wenig gute Musik aufzulegen. Natürlich elektronische.“

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    Michael Wilkes

    Vielen Dank auch für den zweiten Teil, klasse gemacht, das Lesen hat großen Spass gemacht!!! Bin schon gespannt auf den nächsten Teil…..

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    Tyrell  RED 11

    Evtl. hätte man in die Sammlung auch noch John Carpenter aufnehmen müssen, der von 1976 bis 1981 mit seinen minimalistischen Soundtracks u.a. zu Halloween, Escape from New York und Assault on Precinct 13, astreine EM Scheiben ablieferte, die nicht nur monatelang in den Charts waren, sondern den Gründer dieses Mags auch dazu brachte sich für elektronische Musik zu begeistern ;-)

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      h.gerdes  AHU

      Stimmt, der Soundtrack zu Escape hat mich seinerzeit auch begeistert, mehr als der Film! Ist aber 80er Jahre ;-) An der Musik war afaik Alan Howarth beteiligt, der ua auch Sounds für Star Trek gemacht hat. Die Scifi-Geräuschemacher verdienen sowieso einen Orden, mich hat das Zischpliepzapp jedenfalls genauso geprägt wie die EM dieser Zeit…

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    Mother Electricity

    Hallo,

    was hier fehlt, ist die DDR. Deutschland wird hier mit BRD gleichgesetzt. Ich habe leider nicht das Wissen um alles fehlende zu ergänzen. Aber doch genug, um zu sehen, dass hier eine Lücke ist.

    Einfach mal bei Vermona.de gucken, da findet man schon einiges. Lift, Stern Combo Meißen, und Electra sind ebenfalls wichtige Namen. Die Theodor Schumann Combo hat auch mit Elektronik gearbeitet.

    Viele Grüße
    ME

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    Son of MooG  AHU

    Eine kleine Ergänzung zu den Frippertronics: die wurden eigentlich von Brian Eno entwickelt, der sie dann auch live einsetzte (zu hören auf Fripp&Eno – Live in Paris 28.05.1975).

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      gaffer  AHU

      Guter Link Sohn des Moog, allerdings sehe ich, Riley verwendete nur eine Maschine, das heisst, Delays waren durch den geringen Abstand von Aufnahme und Wiedergabekopf doch etwas eingeschränkt. Fripp und Eno verwendeten zwei Maschinen, wobei die Entfernung zwischen Aufnahmekopf und Wiedergabekopf durch die Entfernung der beiden Revox bestimmt wurde. Das Band lief von der linken Spule des ersten Geräts zur rechten Spule des zweiten Geräts. Aufnahme auf Gerät 1 und Wiedergabe auf 2. Das war wirklich revolutionär, hat mich umgehauen, als ich das zum ersten mal sah. So einfach…

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        Frank Prager  RED

        Ich glaube du meinst meinen Kommentar etwas weiter unten, mit dem Link. Tatsächlich sind Terry Riley und Pauline Oliveros die „Erstnutzer“ dieser Technik, siehe englische Wiki: https://bit.ly/2u2uYAd
        Eno hat sich eindeutig darauf berufen, die Maschine die man bei Terry Riley im Video sieht ist genau wie seine Yamaha Orgel stark modifiziert, im Falle des Looprecorders sogar eine eigens für ihn gebaute späte Version des sog. „time-lag accumulator“. Mit ihr konnte man genau das von dir oben beschriebene Szenario mit den zwei Bandmaschinen nachahmen. Siehe: https://bit.ly/35bOmYi . Soweit ich weiß benutzte er am Anfang auch einfach 2 Revox Maschienen. Wie diese Apperatur genau Funktioniert weiß ich nicht aber ich gehe davon aus, dass das Prinzip sehr nah an den späteren Tapeechos angelehnt ist, nur mit einer längeren Aufnahmezeit. Was ich weiß ist das der Löschkopf manuell bedient wurde und man so eben nicht nur Delays und Feedbacks, sondern auch lange Loops machen konnte.

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          gaffer  AHU

          Genau, Frank, meinte deinen Beitrag. Das würde mich dann doch interessieren, wie das gelöst wurde. Manueller bedienbarer Löschkopf deutet darauf hin, dass mit Bandschlaufen gearbeitet wird und das verhindert beim erneuten Durchlauf das Löschen. Aber damit erklärt sich mir nicht, wie im Spulenbetrieb lange Echozeiten möglich sein sollen. Bei 19cm/s brauche ich nunmal 19cm Abstand zwischen Aufnahme und Wiedergabe für eine Sekunde Delay. Mehr Köpfe (wie z.B. beim Copycat) bringen nur höhere Dichte, oder schnelleres Umschalten.

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            TobyB  RED

            Hallo Gaffer,

            eine beliebte Methode war das Band zu verlängern und einen oder mehrere Mikrofonständer als Umlenkrolle zu nehmen. Der Bass Loop des Doktor Who Themes ist so in der Ur Version entstanden. Ich hab sowas mal mit einem Walkman von Panasonic und einem Technics Tape Deck gebaut. Nur musste ich das mit Endlos Kassetten machen und in die Drehzahlregelung der Motoren eingreifen. Einfacher geht das mit einer Bandmaschine.

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              iggy_pop  AHU

              „Einfacher geht das mit einer Bandmaschine.“ — Noch einfacher geht das mit zwei stereo gekoppelten Oberheim Echoplex Digital Pro mit maximaler Loopzeit (reichen drei Minuten?).
              .
              Natürlich sehen zwei A77 mit langsam drehenden Skelettspulen cooler aus, das stimmt.
              .

          • Profilbild
            Frank Prager  RED

            Ja, da hast du schon Recht. Ich schätze mal er hat zumindest Live mit fixen Looplängen gearbeitet, also Reel to Reel und über die Länge der Loops eben eine voreingestellte Loopzeit und ja, so richtig lang waren die Loops nicht. In den 60ern ist er aber tatsächlich auch mit der klassischen zweier Revox Kombo aufgetreten, das Delay war angeblich 3 bis 5 mS lang. Eno hat mit viel größeren Abständen der Revoxmaschinen gearbeitet, 30 Meter bei Music for Airports, keine Ahnung wie lang dadurch das Delay wird aber deutlich länger als bei ein par Metern bei Riley. Übrigens auch Steve Reich hat die Technik benutzt.

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              Dirk Matten  RED

              Das Prinzip der elektronischen Klangerzeugung mittels Bandschleifenverfahren wurde Mitte der 50er Jahre vom Tonrechniker Heinz Schütz für das Elektronische Studio entwickelt.
              Ich selber habe Anfang der 70er Jahre zwei Teac A-3300 2T, High Speed Bandmaschinen nebeneinander gestellt, das Band, auf dem aufgenommen wurde auf den linken Wickelteller positioniert, das Band durch die Mechanik mit Antriebswelle und Andruckrolle geführt und am Wiedergabekopf der rechten Bandmaschine, ebenfalls über die Antriebswelle und die Antriebsrolle geleitet. Über ein Mischpult dann Klänge mit dem verzögerten Signal gemischt, wobei der Pegel des verzögerten Signals die Wierholungshäufigkeit, die Geschwindigkeit und der Abstand der Maschinen die Verzögerungszeit bestimmte. Habe mir das selber ausgedacht.

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    herw  RED

    sehr, sehr spannend zu lesen!

    Trotz der Länge dieser Reihe ist sie kurzweilig und man möchte alle erwähnten alten Alben nochmals durchstöbern. Gleichzeitig merke ich auch, wie unterschiedlich der Begriff elektronische Musik aufgefasst werden kann. Holger hat hier wirklich den ganz großen Bogen gespannt. Fast widerwillig habe ich akzeptiert, dass es natürlich auch den großen Bereich der Popmusik umfasst und dabei bemerkt, dass sie ja fast ausschließlich von elektronischen Instrumenten dominiert wird.
    Ich kann mich auch noch gut an ein Konzert von Eberhard Schoener an der RUHR-Universität Bochum mit Sting erinnern. Schoener arbeitete hier sogar mit in großen Säcken gespeicherten Düften.

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    Analog Twin  

    Damals gab es so viele neue LP’s, das Geld als Jugendlicher knapp; da konnte man nicht alles sammeln. Leider! Mir fällt noch Asmus Tietjens ein, dessen erstes Album in meiner Erinnerung genauso schräg war wie Eno.
    Ein schöner Artikel, der wohl bei jedem, der in dieser Zeit als „Hörer“ gross geworden ist, unauslöschliche Erinnerungen weckt.

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    MidiDino  AHU

    Die Beispiele fallen fast ausnahmslos ins Segment der Popmusik und haben mit der Neuen Musik im Bereich der Klassik nichts zu tun. Dies wird besonders durch ein Zitat von Klaus Schulze deutlich:

    „Wie Schulze in einem Interview mal sagte: „Im Grunde genommen ist das eine Bildermusik. Es ist eine Beschreibung eines Bildes, das gerade im Kopf ist.““

    Dass viel frühere klassische Werke adaptiert wurden, macht die Differenz noch einmal kenntlich. Aber ich kann verstehen, dass man sich auf die Popmusik stürzt: anderes ist ja kaum bekannt. Nur der Artikel sollte umbenannt werden: Von ‚elektronischer Musik‘ in ‚elektronischer Popmusik‘.

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      MidiDino  AHU

      Am ehesten aus der elektronischen Popmusik faszinierte mich der Minimalismus von Klaus Schulze, der in Crystal Lake (Album Mirage, 1977) eingesetzt wurde. Meine Kritik bleibt freilich bestehen, es geht nicht um Musik, sondern um Bilder oder sonstwas .. Aber in dieser Hinsicht treffen sich Popmusiker mit dem breiten Publikum: Niemanden interessiert Musik!

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    iggy_pop  AHU

    „[…] viele Crossover-Projekte kann man in die „Classitronic“, wie sie auch genannt wird, einordnen. […]“ — Rondo Veneziano z. B.
    .
    Das Country Lane Studio von Harry Thuman, in dem viele Alben von denen (?) produziert wurden, konnte sich durchaus sehen lassen, und ist auch sehr elektronisch ausgerichtet.
    .
    Ein Großteil des aufgelisteten Krautrocks — Can, Amon Düül etc. — war für mich nie elektronisch ausgerichtet; da gab es hier und da mal einen Synthesiser als klangliche Novität, um den „far-out“ Charakter der jeweiligen Protagonisten zu unterstreichen, aber im Grunde war das Ganze immer tief und fest in der Rockmusik verwurzelt. Deshalb waren Pink Floyd für mich auch nie elektronische Musik, auch, wenn sie irgendwann mal Synthesiser als Deko einsetzten.
    .
    Wenn das die „Höhepunkte der Berliner Schule“ sind, dann weiß ich wieder einmal mehr, warum ich damit nichts anfangen kann oder damit in einen Topf geworfen werden will — Langeweile auf dem Gipfel der Aussagelosigkeit, getret’ner Quark… Improvisation hat ihre Grenzen, und ein Orchester wird immer dann verwendet, wenn ein Künstler den Zenith seines Schaffens zu überschreiten droht.
    .
    Ist aber nur meine Meinung. Was weiß ich schon.
    .

  14. Profilbild
    Frank Prager  RED

    Sehr schöner Artikel, hat mir damals schon gefallen als er das erste mal veröffentlicht wurde. Nur eine Sache fällt mir auf. Der Begriff Kosmische Musik ist eine Erfindung von Rolf Ulrich Kaiser, dem Labelchef von Ohr, Pilz und Kosmische Kuriere, er benutzte den Terminus um seine Bands zu promoten, also Tangerine Dream, Ash Ra Tempel, Witthüser und Westrupp, Klaus Schulze, Popol Vuh und eben die Kosmischen Kuriere usw.. Tangerine Dream und Klaus Schulze mochten weder Kaiser noch den Begriff sonderlich und es dauerte nicht lange und die meisten dieser Bands wechselten daraufhin das Label.
    Die Sache ist nun, die Bands um Conny Plank (meist auf dem Label Brain oder Sky) sind der absolute Gegenentwurf dieser kosmischen Musik. Cluster, Harmonia, Neu!, Can, La Düsseldorf und Kraftwerk sind der Motorischen Musik (ein Begriff der auf den steifen 4/4 Takt anspielt) oder der experimentellen Popmusik zuzuordnen. Ein Teil dieser Bands bezeichnet man als Abgrenzung zur Berliner Schule eben Düsseldorfer Schule. Hier war das Experiment mit Repitition, Klang und Improvisation der Mittelpunkt des Geschehens, daraus gingen die Kolaborationen Brian Enos mit Cluster und Harmonia hervor, die letztlich Ambient zur Folge hatten. Diese Szene ist die Wiege des Industrial, Ambient, Elektro Pop, Punk und New Wave. Harmonia machten sich sogar darüber lustig, ein Track heißt ko(s)mische Musik.

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    Frank Prager  RED

    Ah und nochwas, wenn man schon Frippertronics erwähnt, kann man auch gleich anfügen, dass dieses System eigentlich auf Minimal Music Komponist Terry Riley zurückgeht, der sich beim spielen seiner Yamaha Orgel selbst geloopt hat. Hier Live gut zu sehen: https://bit.ly/2SxLUJd

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    TobyB  RED

    Ich würde die elektronische Tanzmusik als eigenes Subgenre würdigen, Magic Fly, Moroder und Co waren nun eher in der Disco zu House. Mit EM hat das wenig zu tun. Magic Fly Space ist eine astreine Piano Komposition. Siehe Arte Dokus zu Disco und High Energy. Die kann man eher als Gründerväter von French House ala Daft Punk und Godfather of Whatever sehen. Moroder hat ja nun auch von Hollywood bis Human League alles vertont was bei 3 nicht aus dem Studio war. Soweit ich das noch richtig erinnere müsste man dann aber zumindest Robbie Wedel und Harald Faltermeyer anführen, die Moroder „zugearbeitet“ haben. Bzw. gefördert haben.

    Hingegen Carpenter und seine Arbeiten für seine Filme sollte man mit aufführen und näher beleuchten. Im allgemeinen geht der gerne vergessen. Hat aber in Verbindung mit einigen Komponisten und als Solist den elektronischen erzeugten Soundtrack im Film wesentlich weitergebracht als Moroder. Persönliche Meinung.

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      AMAZONA Archiv

      „Hingegen Carpenter und seine Arbeiten für seine Filme sollte man mit aufführen und näher beleuchten. Im allgemeinen geht der gerne vergessen. Hat aber in Verbindung mit einigen Komponisten und als Solist den elektronischen erzeugten Soundtrack im Film wesentlich weitergebracht als Moroder. Persönliche Meinung.“

      Yep! Isso. Das unterscheidet auch die Entwicklungen in der britischen Elektronik Ende der Siebziger weitestgehend mit der deutschen. Die Bands der Sheffielder Szene zum Bleistift nahmen sehr gern die dystopischen Filme auf und die tendenziell düstere elektronische Flimmusik oder die Literatur von J. G. Ballard auf.Aber auch Bands wie OMD oder Daniel Millers „The Normal“ nehmen Bezug auf Ballard. Dazu noch der soziale und wirtschaftliche Verfall in UK, der massiv einige Jahre zuvor einsetzte, plus Politisierung und Haltung zur Musik gegenüber durch Punk taten ein Übriges. Carpenter ist z.B. ein sehr direkter Einfluss auf die frühen Human League. In der ursprünglichen Version von „Circus of Death“ findet sich im Ending nicht zufällig ein Schnipsel eines Dialogs von Carpenters „Dark Star“.
      Die deutsche Elektronik jener Tage war noch eher vom Zukunftsglauben beseelt oder reduzierte sich nur auf musikalische und klangliche Inhalte, war unkritischer, transportierte darüber hinaus nicht viel.

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    Son of MooG  AHU

    Der Artikel erwähnt ziemlich alle Protagonisten, die mir gefallen, wie Tangerine Dream (bis Encore) und Brian Eno, dessen Alben stets anders und neu waren. Mit verschiedenen Kollaborateuren entstanden auch so unterschiedliche Alben wie Possible Musics (mit Jon Hassel) und My Life in the Bush of Ghosts (mit David Byrne). Gong und Steve Hillage sind meine weitere Favoriten; die Radio Gnome Invisible Trilogie erschien vor kurzem als lang erwartete Remastered Editions und von Steve Hillage erschien The Golden Vibe, Solo-Guitar with Tape-Echo von 1973. Aus Krefeld nahe Düsseldorf kommt You, die einen eigenen Mix aus Berliner und Düsseldorfer Schule kreierten. Ich habe sie mal im Dezember 1984 in einem Krefelder Kino gesehen, wo sie zum Film Koyaanisqatsi eigene Musik spielten.

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    8 Bit Fighter  

    Die Tracks „warm leatherette“ und “ T.V.O.D“ von The Normal alias Daniel Miller sind Meilensteine aus dem Jahr 1978, die bis heute noch viele Künstler beeinflüssen. Daniel Miller hat die Songs mit einem Korg 700S und Revox 4 Track-Bandmaschine in seiner Wohnung aufgenommen. Auch der Track “ Being Boild“ von The Human League, aufgenommen im November 1977 mit Korg 700S und Roland System 100 in der Wohnung von Jan Craig Marsh, ist ebenfalls Meilenstein. Erwähnen sollte man auch Throbbing Gristle, die mit „Hot On The Heels“ 1979 einen Club-tauglichen Techno-Track ablieferten. Mich wundert es, dass der Autor diese einflussreiche Meilensteine kaum erwähnt hat.

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      TobyB  RED

      Hallo 8Bit,

      das was in den 70ern/frühen 80ern in UK passierte lässt sich unter DIY zusammen fassen und ist per se erstmal eine Gegenbewegung zu damals vorherrschenden Kultur und Gesellschaft in UK. Siehe BBC https://youtu.be/Zz36_a0G7gk Music for Misfits. Die haben Relevanz wenn wir über europäische Pop Kultur reden, haben aber im eigentlichen Sinne nichts mit EM zu tun. Sieht man mal von Sheffield Industrial Music ab. Allerdings landen wir dann auch wieder beim Electronic Pop.

      Generell ist UK Indie der 70er/80er eine Haltungsmusik und Ausdruck des eigenen Erlebens der Protagonisten. Talent vor Stil, Haltung vor Technik.

      Das ist keine Abwertung dieser Musik, man muss sich vor Augen halten wo sich UK damals befand. Und wie UK funktioniert.

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        8 Bit Fighter  

        Was hat denn dann “ im eigentlichen Sinne“ mit EM zu tun???
        EM ist ein zu allgemeiner und subjektiver Oberbegriff. Unterschiedliche Produktionen haben gemeinsame Elemente. Innovative und kreative Musiker haben immer wieder Grenzen überschritten und sich gegenseitig beeinflusst.EM ist keine starre feste Struktur, sondern eine dynamische Entwickelung, die auf der ganzen Welt stattfindet. Es gibt keine klaren Grenzen. weil das Experimentieren nicht aufhört. Jedes Geräusch kann ein Teil davon werden und es gibt unendlich viele Geräusche.

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          TobyB  RED

          Hallo 8bit,

          teilweise die Instrumentierung, das wars aber auch schon. Der Spirit kam auf der Insel aus der Gegenkultur. Rock war Establishment. Guck dir in Ruhe die Doku an. Es ging den von dir angeführten Bands eher darum, ihr andersein ausleben zu wollen, den Moment des Schock haben die mit einkalkuliert. Human League hätten auch mit der Klampfe und kompletter Band daher kommen können. Throbbing Gristle wollten und waren nie eine Band im klassischen Sinne und Musik war denen egal. Denen ging um das zentrale Spannungsfeld Information. Ihr Label nannten sie Industrial Records. Deren „Kunstwerke“ haben mit EM exakt soviel zu tun wie Andre Rieu mit Klassik. Oberflächlich betrachtet klingt das wie Klassik, ist aber eher Pop.

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            8 Bit Fighter  

            Für EM gibt es keine allgemein gültige Beschreibung oder Grenzen. Jeder setzt sich selbst die Grenzen. Jeder kann seine eigene künstliche Klanglandschaft erschaffen,Es gibt keine Vorgaben. Jedes Geräusch,jede Stimme und jeder Text kann ein Teil dieser Landschaft werden. Verschiedene Leute auf verschiedenen Kontinenten haben immer wieder neue Dinge probiert und sich gegenseitig beeinflusst. Es handelt sich also um eine dynamischen nicht endenden Prozess ohne Grenzen und Vorgaben und offen für Kreativität und Innovation für alle Menschen.

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      iggy_pop  AHU

      „Erwähnen sollte man auch Throbbing Gristle, die mit „Hot On The Heels“ 1979 einen Club-tauglichen Techno-Track ablieferten.“ — Meinen wir dasselbe Stück?
      .
      Das Stück, das ich im Ohr habe, daddelt ziemlich groovebefreit vor sich hin und geht prima als Persiflage auf „I feel Love“ durch, aber Techno und clubtauglich? Höchstens für die von Gen beschworene „autistic disco“…
      .

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        TobyB  RED

        Vielleicht hat er den Carl Craig Remix im Ohr. Ich hab die Nummer grade noch mal aus dem Plattenschrank gezogen. Klassische EM ist das nicht aber auch kein Pop und höchstens Indie Dance. Früher war das immer ein gern genommener Brückentrack um irgendwie zu Ministry o.ä. zu kommen.

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          AMAZONA Archiv

          Throbbing Gristle ist Industrial, kommt ursprünglich aus dem Kunstbetrieb, um den Club ging es denen nicht. Insofern ist es suboptimal, die an Groove ausmachen zu wollen. Natürlich war ein Track wie „United“ 1978 schon außergewöhnlich. Die gehören damit durchaus in die Kategorie der britischen Elektronikpioniere jener Zeit, selbst wenn man sie zuerst einmal nicht in der klassisch elektronischen Ecke verorten will. Wobei sie in vielerlei Hinsicht elektronischer dachten, als diejenigen, die wir heute groß anführen. Denn die bauten sogar ihre Maschinen zum Teil selbst zusammen und leisteten auch dahingehend Pionierarbeit.
          Nischendenken sollte man in dieser Phase der Musik eh vergessen. Selbst die Einflüsse synthesizerfreier Genres spielen in die elektronischen Werke der Zeit massiv mit rein. Siehe Punk und die Einflüsse auf frühe New Wave Bands, die wiederum massiv den Pop in der Breite beeinflussten usw.

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            TobyB  RED

            Hallo Willem,

            Ich sehe TG auch eher als industrielle Aktionskunst und Teil der britischen DIY against Establishment. Das die ihre Maschinen selber bauten weiß ich, ich habe auch einen Gristleizer Grundsätzlich ist die Elektronik mittel zum Zweck, hier nicht der Schönklang, sondern in TG Manier, die Reduktion bis runter zur Information als das zentrale zwischenmenschliche Spannungsfeld. Siehe auch William S. Burroughs als ein intellektueller Übervater von TG. Wie schon geschrieben, die Musik war für TG Nebenwerk, der Inhalt bei denen war die Information. Auch wenn es manchmal sehr verklausuliert war/ist. Referenzen sind über das Label zum Pop durchaus vorhanden, Clock DVA, Leatherettes etc. Dennoch denke ich das die auf der Insel die elektronischen Geräte eher einfach nur als günstige Produktionsmittel begriffen haben. Und dann erst der intellektuelle Überbau Griff. Zumal das Gros der „Elektrobands“ aus UK bei Indie Labeln, wie IR, Mute, Factory und Co unter Vertrag war. Subkultur hat die Majors doch erst interessiert, wenn es Mainstream war.

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            iggy_pop  AHU

            „Throbbing Gristle ist Industrial, kommt ursprünglich aus dem Kunstbetrieb, um den Club ging es denen nicht. Insofern ist es suboptimal, die an Groove ausmachen zu wollen. “ — Zumal es sich beim verwendeten Rhythmus meiner Erinnerung nach um ein Preset der CR78 handelte.
            .
            Wo wir gerade bei der CR78 sind — wieso fehlt hier John Foxx mit „Metamatic“?
            .
            Nicht elektronisch genug? Oder nicht poppig genug? Zeitlich sollte dieses Album noch genau in den oben gesteckten Zeitrahmen passen.
            .

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              TobyB  RED

              Irgendwann reden wir dann aber über New Wave und New Age. Enya und Clannad haben auch massiv Synthies eingesetzt. Jetzt geh ich mal los und sag einem eingefleischten Clannad Fan, das er da keinen Folk sondern EM hört. Kommst mich in der Klinik besuchen? ;-) Wo soll man denn eine Abgrenzung ziehen? Ich sehe TG nicht als EM und hab die auch nie so war genommen. Genausowenig John Foxx. Ich hab die immer als Erneuerer und Kämpfer gegen die boring old farts erlebt.

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                AMAZONA Archiv

                Ich tu mich immer schwer mit diesen Genreabgrenzungen. Fragt man viele der Künstler, dann wollen sie gar nicht in die eine oder andere Schublade gepresst werden.
                Interessant, dass hier Clannad und John Foxx erwähnt werden. Auch hier finden sich Gemeinsamkeiten, die man erst mal gar nicht erahnt. Beide genannten Interpreten/Bands nahmen mal in Conny Planks Studio auf (wenngleich bei Clannads 80er Album „Crann Ull“ Conny Plank selbst nicht am Mischpult saß), Enya war übrigens bei diesem Album erstmalig mit dabei. Worauf will der dicke Onkel hinaus? Es ist viel mehr als nur eine Genreschublade, die den elektronischen Zeitgeist in dieser Phase erblühen ließ. Es war der Wille, zu experimentieren und Erneuerung zu schaffen. Die Schubladen existieren wohl zu 90% bei Labels und Zuhörern und diejenigen, die meinen, irgendwen oder irgendetwas imitieren zu wollen. Die restlichen 10% bei (meines Erachtens) wichtigtuerischen Bands/Interpreten, die meinen, sich von irgendetwas abheben zu wollen, oder gezielt eine Schublade bedienen zu wollen.

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                  TobyB  RED

                  Clannad gehören zu dem was ich immer wieder gerne höre. Die haben die Elektronik halt nicht zum Selbstzweck eingesetzt. Und Clannad dürfte einen ziemlichen Einfluss auf die noch zu entstehende Trance und Orchestrale Tanzmusik gehabt haben. Solltest du mal nach Dublin oder Belfast kommen, gib dir mal LUSH mit den Ohara Schwestern und dem Ulster Orchestra.

                  Ich tue mich auch immer schwer mit Genreabgrenzungen, egal ob nun U oder E. Oder eben EM oder ETM. EDM lass ich mal aussen vor, die referenziert teilweise auf sich selbst. Was aber zutreffend ist, dass Foxx, Clannad und Plank sich halt auch als Vorreiter verstanden haben. Bono durfte um seine Band zu pushen, bei Clannad auf einer Single singen. Oder Schiller liess Moya Brennan auch singen, Tag und Nacht.

                  Es ist und bleibt schwierig mit der Einordnung. Einfach mach ich es mir mit TG, die würde ich zu Industrial zählen und als Genrebegründer, zur EM zähle ich die nicht.

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    DieDolle  

    Ein ganz großer aus der Ambient Szene fehlt noch nämlich den von mir sehr geschätzten und oft gehörten „Steve Roach“!

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      iggy_pop  AHU

      Und wo wir gerade bei Steve Roach sind und den Anfängen der US-amerikanischen EM-Szene: Da fehlen noch Michael Garrison (als mit der erste DIY-Musiker, der im Alleingang eine LP eingespielt, produziert und veröffentlicht hat), Michael Stearns und Kevin Braheny (aus dem Umfeld um Serge Tcherepnin und Rich Gold, die sich ihre Serge-Panels selbst zusammenlöteten), Robert Rich und Forrest Fang, Walter Holland, Bryce Robbley und Doug Lynner (die u. a. zusammen mit Steve Roach und Kai Krause zwei Alben unter „Moebius“ einspielten), und nicht zu vergessen, Craig Wuest, der zwei Alben bei Klaus Schulze produzierte.
      .
      Das kratzt sicherlich nur an der Oberfläche — wie der gesamte Artikel, der wieder für Laien und Einsteiger interessant ist, für etwas eingeweihtere Kenner der Materie nach wie vor zu unverbindlich bleibt.
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    gaffer  AHU

    EM ist für mich ein sehr zwiespältiger Begriff. Wie oft, halte ich eine Genrezuordnung für problematisch. Das erste, das ich bei den Tags in den Musikbibliotheken ausixe. Ich weiss, Berliner Schule wird hier von vielen hochgehalten, das will ich auch keinem ausreden, wahrscheinlich bin ich einfach zu blond für. Ich bin alt genug um die ersten Platten bei Erscheinen mitbekommen zu haben. Es hat mich eigentlich immer gelangweilt. Bei der Mischung Klassik und Elektronik habe ich noch grössere Probleme. Da leben (für mich!) einige Bildungsbürger Jungs ihre musikalische Ausbildung an elektronischen Gimmicks aus, besser wird das dadurch nicht. JMJ kann ich absolut drauf verzichten und Vangelis fand ich bei 666 (Aphrodite’s Child) deutlich interessanter. Noch nicht elektronisch, denen fehlte schlicht die Kohle.

    Andere hingegen haben mich sehr fasziniert. Definitiv Kraftwerk, viele aus der NewWave, DAF, Heaven 17, Plan, die späteren Japan/ D. Sylvian, auch schrägere Ansätze wie die Residents. Eno finde ich sehr wichtig, genauso Gabriel. Viele Mixes auch mit Pop (Sweet dreams are made of cheese, who am i to diss a brie… musste sein, sorry), selbst pathetische Nummern wie Fade to grey oder Vienna habe ich denen nicht sehr übel genommen. Ist alles elektronisch, wird mir das leicht zum Dogma. Auch das wird nicht besser lediglich durch die Wahl der Instrumente.

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      AMAZONA Archiv

      „Bei der Mischung Klassik und Elektronik habe ich noch grössere Probleme. Da leben (für mich!) einige Bildungsbürger Jungs ihre musikalische Ausbildung an elektronischen Gimmicks aus.“ Harte Worte die ich sehr gut nachvollziehen kann aber warum denn nicht? Wenn sich armutsgeprägte Arbeiterkinder an billigen Roland Synths versuchen dürfen, dann ist sowas auch ok. Jeder feiert seinen Rotz ab durch den er geprägt wurde. Ob man JMJ oder Vangelis gut findet hat sich in meiner Generation keiner so richtig gefragt, weil die medial von A-Z durchverwurstet wurden. Das ist seichte elektronische Mucke die zu Leberwurstschnitte und Kaffee passt. Ohnehin will ich nicht alles beurteilen müssen weil Musik für mich eher ein Soundtrack ist der mich durchs Leben begleitet. Diese Grabenkämpfe waren m.M.n. schon immer nur was für Profilsuchende.

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        TobyB  RED

        In UK waren das eher die Korg Synths, konnte man per Mailorder auf Raten kaufen. Roland Synths waren da eher schon obere Mittelschicht. Siehe auch meinen obigen Kommentar Hector.

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          AMAZONA Archiv

          Hey, ich war nicht der Daumen runter. :) Einen hoch von mir. Meinetwegen Korg oder was damals sonst noch gebraucht günstig zu haben war. Es gibt da einen Blog von Jim Atwood den ich regelmäßig lese. In irgendwelchen Läden in Tokio erlebt er dieser Tage öfter kleine Überraschungen und läßt alte Synths/Sampler wiederaufleben. Muss aufregend sein. Ich würde sofort einen CS-15 und Korg 700S in den Koffer packen.

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            TobyB  RED

            Alles gut! Jim Atwood ist schon okay. Leider erinnert der mich daran, das ich mein Korg EX 800 verschenkt habe :D Was mich da geritten hat, weiss ich nicht. Er scheint seine Polysix auch arg zu lieben. Find ich gut. Sollte ich mal nach Tokio kommen, würde ich mir Platz im Koffer lassen oder was nach Hause fliegen lassen ;)

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      iggy_pop  AHU

      „Bei der Mischung Klassik und Elektronik habe ich noch grössere Probleme. Da leben (für mich!) einige Bildungsbürger Jungs ihre musikalische Ausbildung an elektronischen Gimmicks aus, besser wird das dadurch nicht.“ — Ist nicht nett, aber auf den Punkt formuliert.
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      Bei Techno (und bei den Vorstufen davon in den frühen 1980ern) hatte ich irgendwie schon genügend Klang intus, um für mich zu wissen, daß ich schon interessantere Klangfarben und -strukturen aus elektronischen Klangerzeugern gehört hatte. Das hat mich nie so wirklich umgehauen.
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    Joerg  

    Ein toller Bericht über eine Zeit, in der ich in meiner Jugend diese Art der Musik kennengelernt habe !

    Btw: kennt noch irgendjemand die Sendung „Schwingungen“ mit Wilfried (Winfried ?) Trenkler damals auf WDR 1 (heute der vermaldeite 1Live) ?

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      iggy_pop  AHU

      „Btw: kennt noch irgendjemand die Sendung „Schwingungen“ mit Wilfried (Winfried ?) Trenkler damals auf WDR 1 (heute der vermaldeite 1Live) ?“ — Ja, leider.
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      Da ging ein wirklich bewanderter Musikjournalist und Liebhaber der progressiven Musik hin und verkaufte irgendwann den Ahnungslosen da draußen Gebrauchsmusik vom Grabbeltisch — Dennis Hart, Helmut Teubner, Ralf Lundsten und ähnlicher, meist von -IC- veröffentlichter Dudelmatsch — als „elektronische Musik“, weil die Protagonisten einen D-50 und einen DX-7 neben dem Trommelcomputer stehen hatten und einen Atari statt einer Band verwendeten — spätestens da wußte ich, daß ich mit dieser Sorte „elektronischer Musik“ nichts am Hut haben wollte. An Trenklers Auswahl und Geschmack habe ich dann immer größere Zweifel entwickelt bis hin zur Frage nach seiner musikalischen Zurechnungsfähigkeit — vor allem vor seinem Hintergrund als profunder Kenner der Materie.
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      Trenkler hat mit seiner Programmauswahl die Hörgewohnheiten bis weit in die Gegenwart grundlegend versaut — und läßt sich dafür auch noch kultisch verehren von der Handvoll Getreuer, die ihm bis heute den Heiligenschein poliert.
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      Ist aber nur meine Meinung.
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        Joerg  

        …der arme Mann ;-)
        Zumindest hat der Gute dafür gesorgt, dass ich durch seine Sendung auf „sowas“ aufmerksam wurde ! DAS muss man ihm doch lassen :-)
        Zumindest als Dezibel geschädigter Heavy Metal Freak als Trotz-Konter-Reaktion auf meine vom deutschen Schlager der Siebziger „versaute“ Kindheit seitens meiner Eltern.
        Was mir dann gefällt bzw. damals schon gefiel, dass habe ich dann schon sehr gut alleine hin gekriegt….

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          iggy_pop  AHU

          Sicher, Trenklers Verdienste um die progressive Musik der Subkultur der frühen 1970er und die mediale Anerkennung derselben sind unumstritten — der Mann kannte sich wie kein Zweiter in diesem Bereich aus. Selbst Ingeborg Schober konnte ihm nicht das Wasser reichen.
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          Das Blöde ist nur, daß er a) sein Wissen und seine Kontakte nicht nutzte, um wirklich Profundes zu liefern, und er sich — wie jeder Journalist irgendwann — b) mehr von seinem persönlichen Geschmäckle und seinem Sendungsbewußtsein leiten ließ und sehr empfänglich wurde für Schmeicheleien.
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          Wie gesagt, als ich um 1989/90 herum das erste Mal sowas wie Dennis Hart oder Quiet Furz (merke: Die stillen stinken am schlimmsten) hören mußte, wollte ich meinen Ohren nicht trauen — das hatte mit dem, was ich mir von so einer Sendung erhoffte, nun überhaupt nichts zu tun. Hätte ich irgendwie gefälliges, poppiges Gedudel hören wollen, hätte ich mir auch die Schlagerrallye bei WDR1 anhören können — und der formal befreiende Gedanke (egal, ob auf akademischer oder popmusikalischer Ebene), den ich bei Elektronischer Musik immer an vorderster Stelle gesehen habe, fiel bei diesem weichgespülten Dudelmatsch völlig unter den Tisch — das war Musik, die einfach nur gefallen und nicht anecken wollte, und die sogar meine Oma toll fand. Und die hörte zu Weihnachten immer Peter Alexander…
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          Unter’m Strich gilt für mich: Ein D50 macht noch keine Elektronische Musik.
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          TobyB  RED

          Damals war das Video ganz weit vorne. Und selbst heute kann man es noch als Lehrvideo nehmen, wie man Bild und Ton synchron bekommt. Heute ist die Regel, Super Bild aber der Ton wird mit dem Mikro abgenommen. Oder Hochkant ohne Bildstabilisierung. Als ob das alles noch nicht erfunden wurde.

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          Frank Prager  RED

          Bin nicht alt genug um mit der Sendung aufgewachsen zu sein, klingt aber ein bischen gruslig, das Video ist in der Tat grausam :)

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          Frank Prager  RED

          Zwar etwas offtopic aber ich war ja großer John Peel Fan, zwar war die Sendung nur am Rande elektronisch geprägt aber einfach ein genialer Mensch mit genialem Musikgeschmack, seine Sendung vermisse ich immer noch schmerzlich.

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            TobyB  RED

            So OffTopic ist das nicht. Peel hat ja Künstler immer dann gespielt, wenn sie relevant waren, etwas komplett Neues gemacht haben oder die Musik ihm gefiel. War für mich auch prägend. Hier steht friedlich Van der Graf Generator neben Napalm Death. Oder die Cocteau Twins neben The Orb. Einen ähnlichen Einfluss hatte vermutlich nur noch Klaus Fiehe. Dann folgen schon Werner Reinke und Volker Rebell. Ich hab als Ersatz für die Peel Sessions KEXP auf Youtube für mich entdeckt, die verfolgen einen ähnlichen Ansatz. Musikalisch nicht beschränkt, immer Jam oder Live Sessions.

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              Frank Prager  RED

              Ja KEXP kenn und mag ich auch, was ich auch gut finde sind die Tiny Desk Concerts von npr Music, auch ne bunte Mischung von Underground bis Mainstream.

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        moogist  

        Ist auch meine Meinung!

        Winfried Trenklers „Rock In“ habe ich geliebt, aber „Schwingungen“ war nur schwer erträglich. Und doch treiben seine Epigonen bis heute in Bochum ihr Unwesen ;-)

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      AMAZONA Archiv

      Habe noch eine Handvoll Cassetten-Mitschnitte aus 1988, aus denen hervorgeht, dass Trenkler in Schwingungen in dieser Zeit ja durchaus noch das ein oder andere auflegte, was mir zumindest damals gefiel (paar Sachen von Schulze, A. Summers, R. Schröder, Shreeve/Roach/Torn/Hellborg, Echowaves von Ashra etc), aber es stimmt schon, ab dann konnte man es nicht mehr aushalten. Das Überhandnehmen des New Age Gedudels was ihm auf den Tisch flatterte im Zusammenwirken mit diesen unsäglichen „Wahlen“ (bester Künstler, bester Neuling usf.) nahm wohl eine Eigendynamik an, der er nicht mehr gegenzusteuern wußte und es schließlich auch nicht mehr wollte.
      Jemand den ich pers. kannte, schaffte es damals als Neuling und Teil eines Duos mit seinem Kram zu dieser Zeit in die Sendung. Da war von irgendwelchem Zeug, dass das Ganze mal gegen den Strich gebürstet hätte, schon lange keine Rede mehr.

      P.S. Dennis Hart, der mit seinem Wolfgang Dauner Look in dem weiter oben verlinkten Video zu sehen ist, hat natürlich was ;-). Er ist übrigens Ende 2016 verstorben.

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        iggy_pop  AHU

        Gerade diese Wahlen waren sowas von daneben — es war immer ein offenes Geheimnis, daß der internationale TD-Fanclub geschlossen für TD abstimmte, und jeder andere ließ Oma, Opa, Onkel, Tante, Kollegen und Vereinsmitglieder aus der Karnickelzüchterkommune 1 Karten im Dutzend einschicken, damit die eigene Produktion in die Charts kam. War nie sehr ernstzunehmend, weil die Auszählungen konkret nicht einsehbar waren. Hat man bei den Epigonen lange Zeit ähnlich gehandhabt, bis sich da mal Widerstand regte und sich ein Glaubwürdigkeitsproblem (nicht das einzige) auftat…
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        „Dennis Hart, der mit seinem Wolfgang Dauner Look in dem weiter oben verlinkten Video zu sehen ist, hat natürlich was ;-).“ — Interessant, auf Wolfgang Dauner wäre ich im Leben nie gekommen, denn für mich sah Dennis Hart immer aus wie Mick Fleetwood… ein tragisches Ende, da er wohl an den Folgen einer nicht behandelten Sepsis gestorben ist.
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        „Und doch treiben seine Epigonen bis heute in Bochum ihr Unwesen ;-)“ — Wie mal jemand so treffend bemerkte: Volksmusikszene ohne Trachtenjankerl, aber dafür mit Tischhupe.
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        Fällt also zum Glück auch anderen Umstehenden auf.
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    Marco Korda  AHU

    … und wenn wir Throbbing Gristle sagen, dann müssen wir auch Cabaret Voltaire erwähnen, die Wegbereiter für so vieles waren und aus ihrer experimentellen Kunstnische bis hin zur Popkultur mäandert sind. Stephen Mallinder hat sogar nach 3 Jahrzehnten mal wieder ein Album veröffentlicht. Ich liebe diese Band… :-)

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    Marcel Halbeisen  

    Danke für den wirklich tollen Bericht, der sicher eine sehr gute Übersicht ist. Natürlich kann hier nicht alles reingepackt werden, denn das würde ein – auch nicht vollständiges – Buch geben.

    Als – ebenfalls unvollständigen – Lesetipp kann ich diese beiden Bücher empfehlen:
    – Edgar Froese : Force Majeure (Autobiografie hauptsächlich über Tangerine Dream, zum Glück auf die früheren Jahre konzentriert)

    – Karl Bartos : Der Klang der Maschine (Autobiografie über ihn selbst mit Hauptaugenmerk auf Kraftwerk).

    Beide Bücher sind komplett unterschiedlich geschrieben, aber beide sehr interessant.

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      Marco Korda  AHU

      Das Bartos-Buch habe ich auch gelesen. Schade da ist nur, immer wenn es spannend wird und die Hintergründe kurz vor dem „Aufdecken“ sind, macht der Autor einen Rückzieher. Trotzdem insgesamt lesenswert, v. a. wenn man sich für Bartos selbst interessiert.

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      Dirk Matten  RED

      Meine Kritik zum Buch von Karl Bartos auf Amazon:

      Wer etwas über die Person Karl Bartos erfahren möchte, mag sich das Buch zulegen. Wer mehr über Kraftwerk erfahren möchte – und ich vermute einmal, dass das der Großteil der Leser ist – wird eher mit Belanglosigkeiten abgespeist. Interessent wäre vor allen Dingen gewesen, mehr über den tatsächlichen Trennungsgrund zu lesen, aber das passt dann wohl nicht in die Schönfärberei rein und das juristische Lektorat hat offenbar ein Veto eingelegt. Dass er, so wie mir von beteiligten Personen unanhängig von einander mitgeteilt wurde, Ralf Hütter vorschlug, dessen langjährigen Partner Florian Schneider rauszuwerfen, um seinen Platz einzunehmen, ist sicherlich nichts, womit man beim Leser groß punkten kann. Wie das genau mit dem von ihm eingebrachten Hindemith Thema für Tour de France war, was Hütter und Schneider nachträglich einen beträchtlichen finanziellen Schaden einbrachte, wäre sicherlich auch einen Abschnitt wert gewesen. Ich vermute, obwohl er bei Kraftwerk war, das künstlerische Konzept jedoch nie verstanden hat, so ist ja auch sein Buch zu bewerten. Eben ein Buch voller Belanglosigkeiten.

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        Marcel Halbeisen  

        Ich vermute Deine Kritik wäre noch schärfer geworden wenn Bartos die Wahrheit über die Trennung geschrieben hätte…
        Ich sehe das Buch nicht als Kraftwerk-Buch, davon steht auch nichts im Titel, sondern als Bartos-Buch. ich wollte die Person Karl Bartos kennen lernen und kein Kraftwerk-Buch lesen. Natürlich gehört da seine Zeit bei Kraftwerk auch dazu, die ist aber eben „nur“ ein Teil seines Lebens. Und für mich erfüllte das Buch meine Erwartungen…

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          Dirk Matten  RED

          Ich zitiere aus meinem Kommentar oben: „Dass er, so wie mir von beteiligten Personen unanhängig von einander mitgeteilt wurde, Ralf Hütter vorschlug, dessen langjährigen Partner Florian Schneider rauszuwerfen, um seinen Platz einzunehmen, ist sicherlich nichts, womit man beim Leser groß punkten kann.“

          Nein, ganz im Gegenteil, so einen Passus hätte ich begrüßt, denn wie er so oft in seinem Buch vorgeht, ist es eine historische Verfälschung durch Weglassen.

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            Marcel Halbeisen  

            Prinzipiell hast Du recht, das würde vermutlich viele interessieren. Aber ich gehe davon aus, dass es auch hier innerhalb der „Kraftwerker“ sehr unterschiedliche Meinungen gibt wie das damals wirklich abgelaufen ist und wer was wie beigetragen hat.
            Das hatten wir doch schon bei Waters/Gilmour und vielen anderen… Welchen Aussagen glaubt man dann? Wen bevorzugt man wenn unterschiedliche Aussagen gemacht werden? Welche Aussage Bartos‘ würdest Du als „historische Wahrheit“ anerkennen?

            Für mich ist das deren persönliche Sache, da muss nicht alles offen gelegt werden. Und soooo wichtig ist das auch nicht für die Geschichte der Musik ;-)

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              Dirk Matten  RED

              Ich zähle mich seit 1974 bis heute zum inneren Zirkel von Kraftwerk, habe da selbstverständlich Einsicht in viele Interna und halte mit entsprechenden Informationen auch nicht zurück. Meine Kritik auf Amazon ist da doch recht aussagekräftig.

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                8 Bit Fighter  

                Tach Matten,
                Herr Bartos hat mal in einem Radio-Interview erzählt. dass sein Vertrag mit Kraftwerk sehr streng war. Er durfte nicht bei fremden Projekten außerhalb Kraftwerk mitmachen. Außerdem waren die Jungs die meiste Zeit mit Umbau des Studios und Einbau von neuen Geräten beschäftigt, deswegen gab es die großen Abstände zwischen den Album-Veröffentlichungen und er hatte einfach wenig zu tun und langweilte sich. Er hatte auch noch die Nase von der Roboter-Thematik voll. Ihm wurde das ganze zu lächerlich.

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                  Dirk Matten  RED

                  Als er bei seinem Gespräch mit Hütter und Schneider vorschlug, Schneider zu entlassen und auch rechtlich an seine Stelle zu treten, wurde er fristlos entlassen. Das Gespräch dauerte lt. Schneider keine 5 Minuten und er war „so klein, dass er unter der geschlossenen Tür hindurch passen konnte“. Beim Abgang sagte er: „Mit meiner Musik machte ich mehr Geld als ihr bei Kraftwerk bisher.“ Hat nicht geklappt, ein zutiefst tragischer Mensch. Und doof.

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                    AMAZONA Archiv

                    Ach ja, Eitelkeiten gehören dazu. Ohne wäre das Menschsein einfacher aber auch ärmer. Was soll es wenn es der Sache dient, der Musik. So ist es für alle Beteiligten kein Ruhmesblatt. Ich finde „The Mix“ übrigens am besten, weil die Qualität des Albums die Sounds richtig gut zur Geltung kommen läßt.

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                      Dirk Matten  RED

                      Wieso für alle Beteiligten? Hütter und Schneider hatten sich schon vorher einmal von ihm getrennt, als es durch deren gemeinsamen Versicherungsagenten bekannt wurde, dass Bartos sich zu Hause ein komplettes Studio mit Aufnahmegeräten und Instrumenten eingerichtet hatte und ohne Wissen seiner Auftraggeber dort eigene Musik produzierte. Das war in der Form so nicht abgesprochen. Nachdem er „gejammert“ hatte (Zitat Schneider), stieß er wieder zu Kraftwerk. Die später erfolgte Forderung, Mitgründer Schneider zu ersetzen, gab dann den Rest, eine folgerichtige Entscheidung.

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                    iggy_pop  AHU

                    „Mit meiner Musik machte ich mehr Geld als ihr bei Kraftwerk bisher.“ — Eieiei, „Bescheidenheit ist eine Zier, doch besser geht dat ohne ihr“, wie der Bochumer wohl sagen tun täte.
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                    Wer kleinere Brötchen backt, läuft nicht Gefahr, sich daran zu verschlucken, weil er den Mund zu voll nimmt…
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                      AMAZONA Archiv

                      Ich möchte keinen hier verteidigen aber das klingt doch alles arg nach normalen Querelen wie sie auch in jeder Schulband vorkommen. Der Drummer kann oder darf nicht selber was machen und tut es hintenrum. Er hält sich und sein gekränktes Ego für was besseres und bekommt vom Alphatier eins in die Fresse. Wahrscheinlich auch normal so als „Angestellter“ bei einer Band. Immerhin hat er und das bestimmt nicht zu seinem Nachteil, 15 Jahre durchgehalten. Ich hoffe er bezieht nun kein Hartz4. :)

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    Frank Prager  RED

    Wo wir grad schon bei Büchern sind, kann ich noch Electri_City von Rüdiger Esch empfehlen. Ein kleiner historischer Überblick über die Düsseldorfer Elektro Szene mit vielen Interviews. Gefeatured werden unter anderem, Kraftwerk, Neu!, Harmonia, Cluster, Conny Plank, DAF, die Krupps, der Plan, Rheingold, Wolfgang Riechmann, Pyrolator, Michael Rother und La Düsseldorf. Zwar ist das Buch nicht ansatzweise ein kompletter Abriss der deutschen elektronischen Musik Historie aber man bekommt einen sehr guten Eindruck davon welchen Einfluss und welche Reichweite die Düsseldorfer Szene vor allem auch in die UK hatte. Viele Intervviews stammen auch von Außenstehenden, zum Beispiel McLuskey und Humphreys (OMD), Giorgio Moroder, Glenn Gregory (Heaven 17), Daniel Miller (The Normal), Colin Newman (Wire), Chris Cross (Ultravox) und Ryuichi Sakamoto (Yellow Magic Orchestra).

    Auch spannend ist die Kino Dokumentation Conny Plank – The Potential of Noise, die vor einiger Zeit sogar mal auf arte lief und einen sehr intimen Einblick in das Schaffen von Plank gibt, mit Michael Rother, Holger Czukay, Annette Humpe, Gianna Nannini, Devo, Ultravox, Eurhythmics usw. Die Doku wurde von seinem Sohn Stephan Plank gedreht und versucht eher einen Portrait Ansatz und das finde ich fast interessanter als einen Musikhistorischen Versuch :)

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      Marcel Halbeisen  

      Danke für den Buchtipp, das werde ich mir auch mal reinziehen. Erst geniesse ich aber das zu Weihnachten bekommene Buch „Elektronische Klänge und musikalische Entdeckungen“ von André Ruschkowski. Bin noch nicht weit, aber ist sehr fundiert und durch die präzisen Quellenangaben auch für „forschende“ interessant.

      Den Film über Conny Plank habe ich erst gerade gesehen, ein Hammer-Film! Vor allem der Einfluss des ganzen Musik-Geschäfts das Plank da aufgebaut hatte auf die Familie selbst ist doch mal was anderes als nur immer die „Hauptfiguren“ zu zeigen. Alles hatte seine Sonnen- und Schattenseiten, wir haben eher nur von den Sonnenseiten profitiert…

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        Frank Prager  RED

        Ja finde ich auch, man macht sich nie Gedanken über die Familien oder Freunde von solchen Künstlern, ich wusste zum Beispiel nie wie nah sich Holger Czukay und Conny Plank standen, macht aber Sinn wenn man Czukays Solowerke kennt :) Umso erstaunlicher ist das sie blos ein par Alben zusammen aufgenommen haben (Phew und Les Vampyrettes). Außerdem war Plank für mich immer sehr ominös als Figur, ich habe sehr viele Alben mit seiner Handschrift aber als Produzent war er meistens im Hintergrund (Mal abgesehen von Liliental, Moebius und Plank und ein par anderen Kolaborationen). Ich war also echt gierig darauf zu erfahren wie der so drauf war, als Mensch meine ich. Mein aktueller Favorit ist das genial groteske Moebius & Plank Album En Route das erst 1995 posthum veröffentlicht wurde aber von 1986 ist und gerade über BureauB erhältlich ist:
        https://bit.ly/352Fkgo
        Ich weiß das er zu der Zeit einen OSCar, einen Arp Odyssey und einen E-mu Emulator verwendete und das hört man da ganz gut, die beiden waren so draußen, das ist aber auch genau das tolle an den Beiden. Leider sind Dieter Moebius und Holger Czukay ja auch vor einiger Zeit von uns gegangen.

  25. Profilbild
    HX  

    Finds irgendwie ziemlich ernüchternd wie sich solche Forumskommentare zwischen 2013 und heute zum gleichen Thema unterscheiden.

    Mir gruselts bei der Vorstellung das Amazona den Artikel im Jahre 2025 wieder rauskramt…

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