Test: MOTU Digital Performer 10, Digital Audio Workstation

5. August 2019

DAW-Exot mit neuen Sounds und Plugins

motu digital performer dp 10

MOTU Digital Performer 10, Digital Audio Workstation

Der Digital Performer ist keine DAW, die es mit neuen Versionen übertreibt: Im Juni 2015 war die Version 9 veröffentlicht worden – die gleichzeitig erst die zweite für Windows-PCs war. Jetzt also, fast genau vier Jahre später, folgt also der MOTU Digital Performer 10. In unserem DAW-Vergleichstest schrieb ich zur Version 9: „Mädchen für alles, das seine Stärken im Recording-Bereich, im Live-Einsatz und für Filmkomponisten hat, aber eher nichts für Leute ist, die Sample-orientiert arbeiten oder einen Master-Spezialisten benötigen.“ Hat sich das jetzt vielleicht mit MOTU Digital Performer 10 geändert? Im vorliegenden Test werde ich in erster Linie auf die Neuerungen der Version 10 eingehen.

Digital Performer DP10: Born & Big in the USA

Der MOTU Digital Performer ist so etwas wie der reiche Onkel aus den USA: Alle haben schon von ihm gehört, aber die wenigsten kennen ihn wirklich. Mitte der 80er vom US-Hersteller „Mark of the Unicorn“ (oder kurz: MOTU) als reine MIDI-Software für den Mac auf den Markt gebracht (damals noch unter dem Namen „Performer“), um dann erst Mitte der 90er Jahre peu a peu um Audiofunktionen erweitert zu werden, blieb der Digital Performer bis zur Version 8  „Mac only“. Was dann – zusammen mit seiner US-amerikanischen Herkunft – vielleicht einer der Gründe dafür sein dürfte, dass der „DP“ bei uns lange Zeit nicht so recht Fuß fassen konnte und verbreitungstechnisch in Europa weit hinter den Schlachtschiffen von Steinberg, Avid oder Apple hersegelte – was sich dann auch in den relativ seltenen deutschsprachigen Tests zu dieser DAW widerspiegelt. Auch in den einschlägigen Foren ist er bei uns eher kein Thema.

In den USA (aber auch in Japan) dagegen ist der Digital Performer eine ziemlich große Nummer, auch – oder vor allem – im Profibereich: Besonders bei Filmkomponisten ist er sehr beliebt (etwa bei Danny Elfman), die ihn häufig im Zusammenspiel mit Pro Tools nutzen, um die (früher vorhandenen) kleinen Schwächen im Audiobereich zu kompensieren. Aber auch im Livebereich ist der Performer dort dank seines „Multi-Songs-Features“ – mit dem sich beliebig viele Songs eines Sets in ein Projekt packen lassen – und der sogenannten „Chunks“ (die Backing-Tracks, Effekt-Presets, Steuerspuren für Licht/Pyro-Effekte oder Einzähler enthalten können) eine feste Größe.

Einzelne Fenster lassen sich auch abkoppeln

Einzelne Fenster lassen sich auch abkoppeln

Versionen, Editionen, Preise – Digital Performer 10

An dieser Stelle findet sich bei einem DAW-Test für gewöhnlich eine Übersicht über die verschiedenen Versionen und Editionen – Intro, Suite, Prime, Artist, Standard, Elements, Pro und wie sie alle bei der Konkurrenz heißen. Beim Digital Performer hingegen heißt es „Nimm es oder lass es“: Es gibt nur eine einzige Ausgabe. Der offizielle Preis liegt bei 499,00 Euro, für Upgrades von älteren DP-Versionen bzw. für  Schul-/Academic-Versionen gelten die üblichen Preisnachlässe (Offiziell: Update 249,00 Euro, Schulversion 329,00 Euro). Im Handel ist der DP10 aktuell für 399 Euro zu haben.

Für die Oberfläche gibt es zahlreiche Designs

Für die Oberfläche gibt es zahlreiche Designs

Download und die Tücken der Installation von DP10

Erfreulich: MOTU bietet eine 30-tägige, (fast) uneingeschränkte Demoversion an (lediglich der mp3-Export ist gestrichen), mit der man vorab in Ruhe ausprobieren kann, ob man mit den besonderen Eigenarten des DP10 warm wird. Download und Registrierung gehen schmerzfrei und ohne Probleme über die Bühne. Dass sich der DP10 dann aber ausschließlich in die C-Partition installieren lässt und es keine Möglichkeit mehr gibt, den Installationspfad zu ändern, finde ich dagegen schon reichlich merkwürdig und auch ärgerlich: Nicht wenige Nutzer reservieren sich die C-Partition – die inzwischen meist auf einer schnellen SSD liegt – eben ausschließlich für das Betriebssystem; zudem ist – gerade auf Notebooks – der Platz dort auch begrenzt; den möchte man sich dann nicht noch mit speicherfressender Drittsoftware zuschaufeln.

Auf Nachfrage begründete das MOTU damit, dass es in der Vergangenheit Probleme gegeben habe, wenn Nutzer den Installationspfad geändert hatten. Nun ja – bei sämtlichen anderen DAWs, die ich kenne (und das sind einige, nachdem ich für die letzte große AMAZONA.de DAW-Übersicht mehr als zehn davon getestet hatte) scheinen damit keine Probleme zu haben.

Ein Hinweis dazu am Rande: Ich hatte die Installation abgebrochen, da ich fälschlich vermutete, einfach nur die Pfad-Auswahl übersehen zu haben. Die Reste der begonnenen Installation ließen sich dann nur von Hand entfernen – und eine neuerliche Installation war anschließend nicht mehr möglich, da anscheinend in den Tiefen der Registry irgendeine Leiche schlummerte. MOTU wusste da auch keinen Rat, versprach aber immerhin, sich dieses Problems anzunehmen. Besser also, die Installation komplett durchlaufen zu lassen.

Im Mittelpunkt steht immer das Projekt

Im Mittelpunkt steht immer das Projekt

Das ist der Digital Performer – was bisher geschah

Da der Digital Performer ja – wie schon erwähnt – bei uns eher noch zu den unbekannteren Spezies gehört, hier mal kurz eine kleine Einführung in die DP-Philosophie. Der Digital Performer war schon immer eine recht schnörkellose DAW: Die Benutzerfläche (mit Ein-Fenster-Technik) recht einfach gehalten, auch der CPU-Hunger hielt sich bisher in überschaubaren Grenzen. Mit den Jahren ist der Digital Performer zwar immer weiter gewachsen, ist aber dieser Philosophie immer treu geblieben. Erst in Version 9 bekam MOTUs DAW dann auch mal ein neues, zeitgemäßes Design, das sich dann sogar farblich ganz nach den Vorlieben der Nutzer anpassen lässt; man konnte aber auch zum vertrauten alten Look zurückkehren. Überhaupt hat man sich mit Änderungen da immer sehr viel Zeit gelassen; so kam der 64-Bit-Support beispielsweise erst in der Version 8. In gewisser Hinsicht darf man den Digital Performer da ruhig konservativ nennen: Erst der Workflow, dann die Gimmicks und Features. Da war dann die Einführung des gewaltigen MX4-Hybridsynthesizers in DP9, inspiriert von Klassikern wie PPG Wave, Moog Modular oder Prophet-5 fast schon ein echter Paukenschlag; dazu kamen drei weitere subtraktive Synth-Plugins, die sich ebenso speziell an Gitarristen und Bassisten richteten wie der MultiFuzz, eine Art Multiband-Verzerrer.

Das ist neu in Digital Performer 10: VST3-Support

Beginnen wir den Reigen der Neuigkeiten mit einer kleinen, aber von den DP-Nutzern lang geforderten Nachricht: Endlich unterstützt der Digital Performer auch das VST3-Format – ein Feature, das andere DAWs bereits seit vielen Jahren im Programm haben. Und wer weiß: Vielleicht wäre VST3 auch am Digital Performer 10 vorüber gegangen, hätte Steinberg nicht im letzten Jahr das endgültige Aus von VST 2 und das Ende des VST 2 Source Development Kits zum Oktober 2018 verkündet. Mit dieser Pistole auf der Brust konnte MOTU eigentlich gar nicht mehr anders. Aber wie auch immer – nun ist es da.

Der DP10 hat jetzt eine skalierbare Oberfläche

Der DP10 hat jetzt eine skalierbare Oberfläche

Das ist sehenswert: Skalierbare Oberfläche

Und noch ein Ding aus der Reihe „Eher unauffällig, aber wichtig“: Die Oberfläche von DP1o ist endlich skalierbar. Das klingt jetzt erstmal wenig spektakulär, ist aber in meinen Augen (und vor allem: für meine Augen) eine der wichtigsten Neuerungen überhaupt. Die strikte Einfenstertechnik hat zwar sicherlich eine Menge Vorteile, aber eben auch den Nachteil, dass die Texte – wie Dateinamen etc. – kaum noch lesbar waren. Dagegen waren die Jungs, die Ihren Namen auf dem Rummel auf ein Reiskorn schrieben, wahre Plakatmaler. Damit ist jetzt Schluss – danke dafür!

Die Clips lassen sich auch gut live einsetzen

Die Clips lassen sich auch gut live einsetzen

Das ist großartig: Die Sache mit den Clips

Das wohl augenscheinlichste neue Feature ist das Clip-Fenster, eine „dynamische, interaktive Umgebung zum Triggern von Audio- und MIDI-Clips während einer Live-Performance“. Was so kompliziert klingt, ist in der Praxis ganz einfach und fast schon intuitiv. Während Spuren im Editor ja gewöhnlich übereinander/horizontal angelegt sind, gleicht das Clip-Fenster eher einer Excel-Tabelle. Clip-Tracks werden nebeneinander aufgeführt und bestehen aus 32 darunter gestapelten Zellen, den „Szenen“. Diese werden per Drag & Drop mit Audio- oder MIDI-Clips gefüllt – etwa aus dem Browserfenster – wo sie anschließend auf Abruf bereit liegen. Klicke ich die an, fällt eine Kopie von ihnen nach unten und wird abgespielt; wähle ich mehrere Clips aus, wird der zuerst ausgewählte abgespielt, während die anderen in der „Warteschlange“ auf ihren Einsatz warten. Solange ich die Warteschlange nicht weiter füttere, läuft der aktuelle Clip als Loop mit einer voreingestellten Taktzahl; schiebe ich nach, wird der nahtlos ersetzt.

Das alles funktioniert dann natürlich auch mit beliebig vielen Spuren – in dem Fall laufen die gewählten Clips gleichzeitig ab, durch die neue (verbesserte) Stretch-Funktion passt da auch jeder Audio-Clip. So lassen sich auch komplexere Szenarien erstellen und immer wieder variieren. Entweder, um mit verschiedenen Sounds zu experimentieren und kreativen Input zu suchen – aber auch, um etwa live einiges auf die Beine zu stellen. Einziger kleiner Haken hier: Die Track-Schächte können nicht mit neuem Material gefüllt werden, während die Clips abgespielt werden. Da muss man also vorher schon seit Setup fertig haben, was aber kein Problem sein sollte.

Da die Clips umbenannt und farbig markiert werden können, ist für gute Übersicht gesorgt. Dazu kommt, dass jeder Track/Clip-Kanal am unteren  Ende auch einen eigenen Mixerkanal besitzt, über den man schnell Einfluss auf Lautstärke, Panning, Effekte, Mute oder solo nehmen kann. Überdies lassen sich Clips und Scenes auch per MIDI triggern, was gerade im Livespiel ein nicht unbeträchtlicher Vorteil ist. So ist der Clip-Modus dann auch weit als „nur“ ein sehr kreatives Spielzeug, auch wenn das Spaß-Potenzial durchaus an Klassiker wie die Launchpad-App heran reicht.

Die Wellenformen lassen sich nun noch besser stretchen

Die Wellenformen lassen sich nun noch besser stretchen

Das ist sportlich: Beaten & stretchen in DP10

Der Digital Performer 10 hat nun auch eine verbesserte Beat-Erkennung („Beat Detection 2.0“) und ein richtig gutes Stretching-Tool bekommen, die beide Hand in Hand arbeiten. Hat man die automatische Beaterkennung für Tracks aktiviert (was Voraussetzung ist), lassen sich diese über das Stretch-Menü recht zuverlässig an das Sequenzertempo anpassen – auch in Echtzeit, also im laufenden Betrieb. Es dauerte allerdings beim ersten Mal eine Weile (bei mir zumindest), bis ich das ans Laufen bekommen hatte – das gut 1000-seitige (englischsprachige) PDF-Handbuch lässt einen da erst einmal munter springen und versteckt wichtige Infos gerne mal in einem Wust von Zusatzinfos. Hat man es aber einmal raus, läuft’s völlig problemlos und ohne hörbare Artefakte – und das auch bei mehrfachen extremen oder kontinuierlichen Tempoänderungen im Songverlauf (die dann zum Beispiel im Steuertrack festgeschrieben sind). Kein Wunder, wird die Stretchengine doch von ZTX Pro von Zynaptiq unterstützt, die MOTU für den Digital Performer lizenziert hat.

Rund 12 GB an Sound und Loops sind mit dabei

Rund 12 GB an Sound und Loops sind mit dabei

Umfangreich und ok: Die neue MOTU DP10 Soundbibliothek

Mit im Lieferumfang ist beim Digital Performer 10 eine rund 12 GB große Soundbibliothek. Dazu gehören Loops und Samples aus verschiedenen Produktionen von LoopMasters, Big Fish Audio und LucidSamples, die allerdings eher Demo- und Werbecharakter für die Hersteller haben denn einen gesteigerten Nutzwert für den DP10-Besitzer. Das geht dann eher in Richtung „aus jedem Dorf nen Köter“ – um hier mal meine Oma zu zitieren. Heißt übersetzt: Von jedem ein bisschen zum Anfüttern. Ganz nett, mehr aber auch nicht.

Anders dann die „MOTU Instruments“, eine etwa 5,5 GB große Soundbank mit hunderten von Multisample-Instrumenten, Synthies, Riffs und Loops. Klanglich ist da so ziemlich alles vertreten, von der Kirchenorgel bis zur Spieluhr, vom Orchesterholz, -blech und -streichern bis zu Drums und E-Gitarren. Abgespielt werden die mit der kostenlosen UVI Workstation 3 (mit Arpeggiator, Effekten und multitimbralen Betrieb) – wer hat, kann aber auch MachFive 3 oder UVIs Falcon Universal Sampler dazu nutzen. Für die Registrierung der Soundbank ist dann eine iLok-Autorisierung notwendig; dazu reicht aber ein kostenloser Account bei ilok.com mit iLok ID und Email, ein Dongle wird nicht benötigt – das geht alles ganz fix. Anders als die Reklametrommel der drei Sample-Produzenten ist das eine durchaus nützliche Dreingabe.

Was es sonst noch gibt

Der überarbeitete Content Browser sorgt für eine verbesserte Übersicht. Aus dem Fenster lassen sich Audiodateien, Loops, Clippings oder virtuelle Instrumente per Drag & Drop in die Bearbeitungsfenster ziehen. Eine Preview-Funktion ist integriert – allerdings scheint sich die nicht abschalten zu lassen, sondern startet automatisch; ich konnte da jedenfalls nichts entdecken. Auch bei MOTU selber scheint es diesbezüglich Zweifel zu geben: Zwar sagt das Manual „Check the Enable Preview mini-menu item to be able to preview audio by double-clicking it in the Content Browser list” – doch folgt dem eine zweifelnde Anmerkung eines Kollegen „[xxx? True???]“, die man wohl vergessen hat zu löschen. Kann schon mal passieren.

Weiter verbessert (und vor allem auch vereinfacht) wurde auch der Waveform-Editor. Der bietet mit Tonhöhenkorrektur, Stretching, integrierter Tempo-Map-Bearbeitung und vieles mehr, wobei sich die gerade benötigten Werkzeuge jeweils automatisch der gewählten Funktion anpassen – keep it simple.

In größeren analogen Pulten dienen VCAs (voltage controlled amplifier) zum Einstellen der Lautstärkefader von mehreren Tracks gleichzeitig. Diese Aufgabe übernimmt im Digital Performer 10 jetzt der VCA-Track; nach der Zuordnung zu einer Trackgruppe steuert er die Lautstärke aller Spuren der Gruppe mit einem Fader unter Beibehaltung ihrer relativen Lautstärke zueinander, inklusive Solo-, Mute- und Record-Enable-Funktion. Dabei lassen sich die VCA-Tracks auch verschachteln, indem VCA-Tracks weitere VCA-Tracks ansteuern. Damit lässt sich dann gezielter ins Geschehen eingreifen als über einfache Subgruppen und erleichtert den Umgang mit komplexen Mischungen. So werden zum Beispiel Probleme bei Aux-Sends/Post Fader vermieden, da bei VCA-Fadern dann auch der Effektanteil mit geregelt wird. Neu ist das aber nicht: Cubase Pro, Pro Tools und Logic haben dieses Feature schon länger im Angebot.

Das Mischpult des DP10

Das Mischpult des DP10

Arbeiten mit MOTU Digital Performer 10

Wer – wie ich – seit Jahren an die Arbeit mit anderen DAWs gewohnt ist (bei mir sind es in erster Linie Cubase und Studio One, früher auch Logic), für den ist der Digital Performer schon eine Umstellung – das Konzept der „Schnörkellosigkeit“ erfordert eben einiges an Einarbeitungszeit. An die Einfenstertechnik (bei der aber auch Fenster abgekoppelt werden können, um zum Beispiel auf einem zweiten Monitor zu laufen) und an die – selbst auf meinem nicht kleinen Monitor im 21:10-Format – wirklich winzigen Darstellungen muss man sich erst einmal gewöhnen. Wobei zumindest letztere ja jetzt dank der skalierbaren Oberfläche auch altersgerecht aufgepumpt werden können. Als sehr angenehm dagegen empfand ich die Möglichkeit, mir mein eigenes Arbeitsfenster zu basteln, und dabei alle benötigten „Sub-Fenster“ frei um die Trackebene herum zu platzieren und für spätere Gelegenheiten zu speichern. So habe ich immer alles Wesentliche im Blick; der DP10 bietet da auch schon einige sinnige Presets an. Zudem werden auch eine ganze Menge Designs für die Oberfläche angeboten – selbst ein Edelholz-Look fehlt nicht.

Dazu kommen Unmengen von leistungsstarken Editoren für jede Gelegenheit, darunter MIDI-Editoren mit Piano-Roll-Ansicht, Drum-Editor, ein Quickscribe-Editor für die Multitrack-Notation inklusive Film Cues-Ansicht synchron zum Timecode, eine übersichtliche Anzeige jeder Art von Automatisierungsdaten, Spektralanzeigen, die Möglichkeit, für eine Sequenz mehrere Mischpulte anzulegen, um verschiedene Mixes zu testen, Pitch-Analyse, virtuelle Effekt- und Instrumenten-Racks (V-Racks), die das Mehrfachladen von Plugins überflüssig zu machen, Track-Gruppen, XML-Export, Multi-Song-Funktion und vieles mehr; der Digital Performer hat sich da im Lauf der Zeit wirklich zu einem Rundum-Paket gemausert, auch auf der Audio-Ebene.

Die Kontrollleiste lässt sich anpassen

Die Kontrollleiste lässt sich anpassen

Trotz der vielen Features ist der Digital Performer aber auch um die Anfänger und Umsteiger bemüht. Da gibt es direkt anwählbare Automations-Modi in jedem Kanalzug, vorgefertigte Effekt-Presets für die Inserts, Tutorials mit Beispieltracks oder das Fenster „Kommando Ausführen“, das per Shift+Leertaste geöffnet wird, um schnell mal eine Funktion oder einen Befehl zu suchen – alles sinnige Geh-Hilfen; an die zuweilen recht eigenwilligen Bezeichnungen muss man sich aber erst gewöhnen: „Bundles“ sind im Digital Performer die Schnittstellen zwischen dem Digital Performer und der Audio- und MIDI-Hardware, es gibt Clips und Clippings, Soundbites, Chunks, Streamers, Flutters und Punches (visuelle Hinweise in Filmen) und einiges mehr.

Ganz fehlerfrei hat sich der DP10 im Test aber nicht gezeigt: So hat er sich zuverlässig immer dann aufgehängt, wenn er ein im Projekt enthaltenes Element nicht auf dem PC finden konnte. Versuchte ich zum Beispiel, einen der MOTU Demosongs zu laden, der die UVI-Workstation enthält, sich diese aber nicht am üblichen Ort befindet, so verabschiedet sich der Digital Performer selbst dann, wenn ich ihn bitte, das nicht gefundene Instrumente doch einfach zu ignorieren. Und auch sonst kam es hin und wieder zu Abstürzen – etwa beim Schließen eines abgekoppelten Fensters. Das sollte unbedingt mal gefixt werden.

Fazit

Mit dem Sprung auf die 10 wurde der Digital Performer erneut um einige äußerst nützliche neue Funktionen und Features erweitert. Einige davon – wie etwa der VST3-Support – waren längst überfällig, andere dagegen – wie das Clip-Window – sind eine überraschende Bereicherung. Dazu gibt es jetzt endlich auch ein inzwischen fast schon obligatorisches Soundpaket obendrauf, dessen Fehlen in der Vergangenheit immer wieder bemängelt wurde.

Die Qualität der mitgelieferten Effekte ist gut, die Klangerzeuger hinterlassen einen ordentlichen Eindruck, ohne aber zum mitentscheidenden Kaufgrund zu avancieren – da hat die Konkurrenz dann doch noch etwas mehr Überraschungen zu bieten. Auch wenn die Bedienbarkeit erneut verbessert wurde, ist der Digital Performer keine DAW für die Liebe auf den ersten Blick; hat man sich aber erst einmal eingearbeitet und sich an die Eigenheiten gewöhnt, ist der Digital Performer 10 durchaus eine denkbare Alternative – vor allem nach diesem leistungsstarken Upgrade. Für Filmkomponisten ist er ohnehin auch zukünftig die erste Wahl. Das Angebot der 30-tägigen Testversion sollte man aber auch ohne Kontakte nach Hollywood auf jeden Fall nutzen.

Plus

  • neues Clip-Window
  • verbesserte Stretch- und Beat-Detection-Funktion
  • endlich auch VST3-Support
  • VCA-Fader
  • skalierbare, übersichtliche Oberfläche in deutscher Sprache
  • mfangreiche Soundbibliothek
  • gute Effekte
  • umfangreiche Edit-Funktionen
  • leistungsstarke Funktionen speziell für die Filmvertonung
  • Workflow weiter verbessert
  • 30-Tage Demoversion mit fast vollem Funktionsumfang

Minus

  • gelegentliche Crashs
  • Speicherort nicht frei wählbar

Preis

  • Ladenpreis: 389,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    berlinvibes

    mit was für Mini SSDs arbeitest du denn ?
    welchen Grund gibt es Windows Programme nicht auf C zu installieren ?
    als Computer Spezialist im Audiobereich kann ich dieses Verhalten nicht nachvollziehen
    und die Kritik am Hersteller demzufolge auch nicht

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      m.steinwachs  RED

      Das hat erstmal nichts mit der Größe der SSD zu tun. Die kann ja noch so groß und trotzdem fast voll sein. Und daher möchte ich einfach selber entscheiden, wo ich Programme installiere. Was ja bei jeder anderen DAW auch kein Problem darstellt, nur eben bei DP 10 gehts nicht.

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        Hein Bloed  

        Es ist extrem unklug, eine SSD bis fast zum Anschlag zu befüllen. Programme und Browser schreiben per Default oft ihren Cache und temporäre Daten dort hinein, wenn nur noch ein paar Gigabyte frei sind, werden immer die gleichen Speicherbereiche wieder und wieder beschrieben. Die fallen dann ziemlich schnell aus.
        SSDs können üblicherweise diese Ausfälle kompensieren und weisen den Daten dann andere Speicherbänke zu, wenn sich dort aber bereits installierte Software befindet, funktioniert das nicht mehr.

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          m.steinwachs  RED

          Und eben deshalb kommt bei mir da nur das Betriebssystem drauf. Klar, ein DP10 verkraftet die auch noch locker. Aber wenn nun jede Software darauf bestehen würde, auf C installiert zu werden, wirds halt irgendwann eng. Daher meine Kritik an dieser Vorgehensweise von MOTU.

  2. Profilbild
    gaffer  AHU

    Ich dachte bisher immer, der deutsche DP Kunde wäre Sigi, jetzt gibt‘s schon zwei…. ;)

    Scherz beiseite, skalierbare Oberfläche finde ich auch ein super Feature, gell NI? Ansonsten zeigt sich, dass alle einfach voneinander abschreiben. Kaum ein Alleinstellungsmerkmal und so dürfte es auch noch ein wenig dauern mit dem dritten Kunden.

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      m.steinwachs  RED

      Na ja, inzwischen bietet ja jede DAW so gut wie alles, da sind die Unterschiede ja meist erst hinter dem Komma zu finden. Für einen Wechsel gibt es dann auch immer wenig gute Gründe. Aber vielleicht kommt ja auch mal eine, die Kaffee kochen kann :-)

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          dr noetigenfallz  

          Vor allem die Update-Preise! Ich weiß nicht genau, wie’s bei anderen DAW’s aussieht, aber meine bevorzugte DAW – Cubase -kommt jedes Jahr mit dem neuen kostenpflichtigen Update um die Ecke. Ich habe da schon länger nicht mehr mitgemacht, aber das ist für mich schon ein Grund die DAW zu wechseln.

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            m.steinwachs  RED

            Bei Studio One ist das aktuelle Update auf die Version 4.5 zum Beispiel kostenlos. Mit ein Grund, warum ich in letzter Zeit bevorzugt damit arbeite.

            • Profilbild
              m.steinwachs  RED

              Zwei Ergänzungen noch: Auch beim Digital Performer sind die Updates innerhalb einer Version natürlich kostenfrei. Und als Link zum DP10 bietet sich auch „klemm-music.de/dp“ an – dort finden sich dieselben Infos wie auf der amerikanischen MOTU-Seite, aber eben auf Deutsch.

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