Test: Neumann U47, Peluso 2247 LE, Stam Audio SA-47, Mikrofone

15. Oktober 2018

U47 Neuauflagen gegen das Original

Peluso2247LE-StamAudio-SA47

Heute habe ich im Vergleichstest zwei ganz besondere „Schmankerl“ aus Amerika für euch.
Es handelt sich um Röhrenmikrofone, die ganz stolz die ehrwürdige Zahl 47 im Namen tragen: das Peluso 2247 LE und das Stam Audio SA-47. Zum Vergleich habe ich mir ein originales Neumann U47 besorgt und bin gespannt, wie sich die beiden Herausforderer gegen dieses legendäre Mikrofon schlagen.

Ein Wort zum Original: Es handelt sich um ein Neumann U47 (Seriennr. 3438) mit einer M7 Kapsel, die vor einigen Jahren von der deutschen Kapsel-Koryphäe Siegfried Thiersch neu bespannt wurde. Das war notwendig, da das PVC, mit dem die alten M7 Kapseln von Neumann bespannt wurden, mit der Zeit etwas steif wird, was sich unter anderem in einer schwächeren Basswiedergabe äußert. Ich habe bereits einige Male mit genau diesem Modell gearbeitet und muss immer wieder feststellen: Für sehr viele Quellen ist es einfach das beste Mikrofon. Wenn jemand von euch daran interessiert ist, es für seine eigenen Aufnahmen zu verwenden, der kann es bei Echoschall in Berlin recht günstig für eine Session leihen. Hier findet ihr übrigens ein Interview mit Inhaber Carsten Lohmann, der Anfang des Jahres neben dem Verleih auch ein Online-Archiv für historische Ausgaben des „Studio Magazins“ angelegt hat.

Das Peluso 2247 LE und das Stam Audio SA-47 kommen jeweils in einem robusten Aluminiumkoffer. Die Ausstattung der beiden ist sehr ähnlich: Neben dem Mikrofon gibt es noch das dazugehörige Netzteil, ein Mikrofonkabel, ein Stromkabel, eine Mikrofonspinne und Schlüssel für den Koffer. Soweit, so gut.
Das Peluso 2247 LE kommt zudem mit einem kleinen Handbuch, das Stam Audio SA-47 hat stattdessen noch einen Poppschutz aus Schaumstoff mit im Gepäck. Den lasse ich aber erst mal getrost im Koffer. Durch die großzügige Formgebung des Mikrofonkorbs hatte ich bisher bei einem U47 kaum Probleme mit Plosiv-Lauten.

Die Mikrofonspinne ist bei beiden Modellen absolut in Ordnung und die Mikrofone lassen sich sicher darin sicher befestigen. Auch seitlich und kopfüber halten sie das Mikrofon in Position. An Neumann Qualität kommen sie aber nicht ran. Da die Halterung von Peluso komplett aus Metall gefertigt ist, macht sie den stabileren und langlebigeren Eindruck. Auch kann man das Peluso 2247 LE Mikrofon mit der Spinne verschrauben, was für zusätzliche Sicherheit sorgt.

Stam Audio SA-47 Peluso 2247 LE

Oben die Holzbox des etwas kleineren Peluso 2247 LE, unten die Holzbox des Stam Audio SA-47

Nordamerika vs. Südamerika – Peluso 2247 LE vs. Stam Audio SA-47

Rein äußerlich ist das Peluso 2247 LE etwas zierlicher als das Original von Neumann, das Stam Audio hingegen kommt diesem in Abmessung und Form sehr nahe. Beiden Gehäusemodellen ist anzumerken, dass die äußeren Zutaten asiatischen Ursprungs sind, die Rohre und Mikrofonkörbe kennt man von diversen DIY-Anbietern. Beim Peluso 2247 LE kommen prinzipiell alle Metallarbeiten aus China, in Amerika wird dann die Kapsel bespannt und das Mikrofon zusammengebaut und ausgemessen. Das Netzteil macht leider den Eindruck von chinesischer Stangenware, wie man es von vielen anderen Röhrenmikrofonen des unteren Preissegments, wie zum Beispiel von Avantone, Warm Audio oder Eigenmarken von Musikhäusern kennt. Das Netzteil des Stam Audio SA-47 habe ich wiederum so noch nicht gesehen und ist eine Eigenentwicklung. Es ist um einiges massiver gebaut als das Netzteil des Peluso 2247 LE und mit satten 3 kg ist es zudem äußerst schwer.

Stam Audio SA-47

Das Stam Audio SA-47

Stam Audio ist seit ein paar Jahren ein Geheimtipp und die chilenische Firma um Joshua Stam hat sich vor allem im amerikanischen Raum einen sehr guten Namen mit qualitativ hochwertigen Mikrofonen, Vorverstärkern und Effektgeräten gemacht. In kleinen Auflagen werden ausschließlich Nachbauten der legendärsten Studioklassiker hergestellt. Dabei ist der Produktkatalog in den letzten Jahren stetig gewachsen. Selbst ein Fairchild Nachbau wurde unlängst vorgestellt.

Die extrem günstigen Preise realisieren die Chilenen durch den direkten Verkauf an den Endkunden, da sie sich dadurch jegliche Vertriebskosten sparen. Ähnlich wie bei einem Kickstarter Projekt werden neue Produkte für sogenannte „Early Birds“, die einen Teil des Kaufbetrages vorab zahlen und damit die erste Marge finanzieren, sogar noch günstiger angeboten. Man muss sich dann nur bis zur Lieferung gedulden können. Bei der Einfuhr nach Deutschland fallen zwar Zollgebühren in Höhe von ca. 25 % an, gegenwärtig profitiert man dafür aber vom schwachen Dollar. Dadurch würde das Stam Audio SA-47 derzeit knapp 1.800 Euro kosten. Das Peluso 2247 LE schlägt im Vergleich mit etwas über 2.200 Euro zu Buche.

Peluso 2247 LE

Das Peluso 2247 LE

Peluso aus dem amerikanischen Bundesstaat Virginia ist verglichen mit den Platzhirschen Shure, AKG oder Neumann ebenfalls ein kleinerer Hersteller, der sich ausschließlich auf die Herstellung und Reparatur von Mikrofonen spezialisiert hat. Hier gibt’s ein kurzes filmisches Porträt zur Firma und dem Arbeitsumfeld. Wie Stam Audio bietet Peluso Nachbauten von Mikrofonklassikern an und hat auch eigene Interpretationen des U87 und U67 im Programm. Neben dem 2247 LE gibt es noch zwei weitere 47er Versionen, die sich vor allem in der verwendeten Röhre unterscheiden. Die LE Version (Limited Edition), die uns zum Test vorliegt, ist das Topmodell.

Eine Frage der Röhre – Peluso 2247 LE und Stam Audio SA-47

Beim Thema Röhre sind wir auch schon bei einem der wichtigsten Klangbausteine des U47. Das Original verwendet die Stahlröhre VF-14, die heute allein schon wegen ihrer Seltenheit um die 4.000 Euro wert ist. Diese ist natürlich in keiner der beiden Testkandidaten verbaut. Beim Peluso kommt zwar auch eine NOS(New Old Stock) Stahlröhre zum Einsatz, allerdings handelt es sich (je nach Verfügbarkeit) um das Modell EF-12 bzw. EF-13, die beide schon für einen zweistelligen Betrag zu haben sind. Beim Stam Audio SA-47 kommt hingegen eine NOS EF800 Röhre von Telefunken zum Einsatz.

Bei der Kapsel haben wir es beim Peluso mit einer 34 mm Doppelmembran-Kapsel aus chinesischer Produktion zu tun. Bespannt und eingemessen wird sie allerdings in der Werkstatt von Peluso in den USA. Durch das mitgelieferte Netzteil stehen 9 Richtcharakteristiken zur Verfügung. Beim Original von Neumann gibt es übrigens nur die Möglichkeit, zwischen Kugel und Niere umzuschalten. Das Stam Audio SA-47 orientiert sich beim Schaltungsdesign hier am Neumann und bietet ebenfalls nur diese zwei Richtcharakteristiken an. Als Kapsel kommt entweder eine Dany Bouchard D7 Kapsel aus kanadischer Fertigung oder (wie bei unserem Testmodell) eine Thiersch Blueline M7 zum Einsatz. Beides Kopien der legendären M7 Kapsel von Neumann. Laut Stam Audio soll der Klang absolut identisch sein. Von etwa 20 SA-47 die derzeit monatlich verschickt werden ist rund eine Hälfte mit Kapseln von Dany Bouchard und die andere Hälfte mit jenen von Thiersch bestückt. Im folgenden Vergleichstest werden wir uns auf den Klang der Nierencharakteristik konzentrieren.

Als Übertrager kommt beim Peluso 2247 LE, ein „Custom“ Modell eines unbekannten Herstellers, zum Einsatz, während beim Stam Audio SA-47 ein hochwertiger amerikanischer AMI BV8R seinen Dienst verrichtet. Dieser wurde nach den originalen Spezifikationen des U47 Übertragers aufgebaut und schlägt allein schon mit rund 300 Euro zu Buche. Bei den Innereien hat das Stam Audio SA-47 also klar die Nase vorn, denn die verwendeten Bauteile sind von wirklich hoher Qualität.

Doch wie schlagen sich die beiden Kontrahenten nun klanglich im Vergleich zum Neumann U47?
Um das herauszufinden, mache ich mich auf den Weg ins Bonello Studio in Berlin-Wedding.
Tobias Ober, der Studiobesitzer, steuert zum Test noch eine DIY 47 Version bei, die er selbst gebaut hat. Diese ist mit einer Thiersch Kapsel M7 versehen und bedient sich in der Schaltung zweier 6028/408a Röhren. Tobi hat für das Shoot-Out noch seinen Freund Benjamin eingeladen, der selbst noch ein altes U47 mitgebracht hat. In diesem ist noch die originale M7 Kapsel verbaut, allerdings wurde die VF-14 Schaltung zu einer EF-12 Schaltung umgebaut. Schließlich sind wir also einer ganzen Handvoll an 47er Nachbauten und Originalen umgeben. Die einzigen derzeit käuflich zu erwerbenden Mikros sind das Peluso 2247 LE und das Stam Audio SA-47, um die sich dieser Test dreht.

Bonello Studio Berlin

Tobi an seinem Neumann Mischpult im Bonello Studio, Berlin

Als Preamps kommen die sehr neutralen V476B in Tobis wunderbaren Neumann Mischpult zum Einsatz. Für die Aufnahmen habe ich den Berliner Sänger Christian Monstar eingeladen, mit dem ich immer wieder wahnsinnig gerne zusammenarbeite. Hier ein gibt’s eine kleine Kostprobe und einen Link zur Seite seiner Band „Hut Ab„.

Chris vor einem halben Dutzend 47er …

Beim Aufbau der Mikros entscheiden wir uns für eine ringförmige Aufstellung. Wir sind uns durchaus bewusst, dass wir das Ideal, nämlich ein identischer Gesangs-Take in identischer Lautstärker und identischer Entfernung zur jeweiligen Kapsel, leider Utopie ist. Daher sind „Ergebnisse“ eines Shoot-Outs auch immer nur als Annäherung zu betrachten. Es ist kein klinischer Test, aber hoffentlich aussagekräftig genug, um zu offenbaren, in welche klanglichen Richtungen die Mikrofone tendieren. Mit etwas Abstand zwischen Sänger und Mikrofon ist die Nierencharakteristik bei allen Mikros auch breit genug dafür. Dank des Videos seht ihr auch bei einigen Takes, wie sich der Sänger vor den Mikros bewegt. Das hat natürlich auch einen unmittelbaren Einfluss auf den Klang.

Die „Noname“ Mikrofonkabel des Peluso 2247 LE sowie des Stam Audio SA-47 machen beide leider keinen hochwertigen Eindruck. Das Peluso hat hier aber etwas die Nase vorn, da die Anschlüsse am Mikrofon und am Netzteil verschraubbar sind. Beim Stam Audio SA-47 muten die Stecker des 7-poligen XLR-Kabels des recht billig an und für den Test verwende ich lieber mein eigenes hochwertigeres Kabel. Von der Länge her sind beide Mikrofonkabel mit je 10 Metern großzügig bemessen, aber sie schlagen auch große Wellen auf dem Boden und fallen nicht so geschmeidig wie zum Beispiel das sehr hochwertige Neumann Kabel. Hier sollten beide Hersteller unbedingt nachbessern, denn beim Kabel sollte nicht gespart werden.

Stam Audio SA-47

Klangbeispiele
Forum
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    Stef M Froelich

    Vielen Dank für diesen Test und ein Lob für das gute Händchen bei den Hörbeispielen. In dem ganzen Wust an Angeboten von Clones, die meistens wahrscheinlich nicht über eine ähnliche Optik hinausgehen, habe ich bisher noch kein Mikrofon gehört, das so nah dran klingt wie das Stam. Von der Firma gibt es ja noch ein 67, 87 und verschiedene Preamps und Kompressoren-Nachbauten, wie ich gerade gesehen habe. Und es gibt einen Vertrieb in Spanien: http://mas.....or/sa-47f/ , ich habe gerade eine Anfrage an die losgeschickt.

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      Raphael Tschernuth  RED

      Hi Stef, danke und viel Glück bei der Bestellung. Nur zur Info: Bei dem Link handelt es sich um die FET Version mit anderen Innereien und ohne Röhre bzw. Netzteil. LG, Raphael

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    dr noetigenfallz  

    Sehr schöner Test. Man merkt, dass du Recording-Freak bist. Wie haben denn die anderen 2 getesteten Mikros abgeschnitten? Vor allem das mit der Thiersch-Kapsel?

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      Raphael Tschernuth  RED

      Hi Dr, das DIY Mikro von Tobi mit der Thiersch-Kapsel war auch richtig fein. Es würde sich für mich knapp hinter dem Stam plazieren. Das zweite U47 klang doch sehr anders wegen der alten M7 Kapsel die leider mit der Zeit an Sensitivität im Bassbereich verliert und untenrum dünner klingt. LG Raphael

  3. Profilbild
    Armin Bauer  RED

    Kompliment Raphael zu dem ausführlichen und informativem Test.
    Ich weiß, wieviel Arbeit da drin steckt.

    Grüße
    Armin

  4. Profilbild
    U47 Test

    In the ‚Ein Blick ins Stam Audio SA-47‘ picture, the installed capsule is a Thiersch blueline M7.

    Did the test mic come like this?

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      Raphael Tschernuth  RED

      Hi U47 Test, thanks for pointing this out! Yes, the test mic came like this. I sent an email to Stam Audio to ask them about the origin of the capsule. Here’s what they answered me:
      „Hi Raph, We use both and ship 20 mics a month, roughly 10 have the D7 and 10 have the M7, they sound identical and show the exact same frequency response.“

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