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Test: Golden Age Premier PRE-73, Mikrofonvorverstärker

6. August 2018

Ein Goldstück - der Golden Age Premier PRE-73

golden age premier pre-73

Frei nach der Devise : „Einer geht noch , einer geht noch rein!“ steht der neue Golden Age Premier PRE-73 nun endlich in den Läden. „Schon wieder einer?“ wird sich mancher von euch denken, denn noch nie wurden in einem Jahr so viele Nachbauten des legendären Neve 1073 Mikrofonvorverstärkers vorgestellt. Dies zeigt auch unser Artikel „Recording Klassiker zum Schnäppchenpreis

Fast 50 Jahre ist es her, dass Rupert Neve seine erste Konsole mit 1073 Vorverstärker ausgestattet hat und seitdem hat dieser Preamp den Sound unzähliger Hits beeinflusst und ein Stückchen Musikgeschichte geschrieben. Wer heute ein geracktes Original aus einer 70er Konsole findet, muss leider mit einem Preis von 5.000 – 7.000,- Euro  rechnen. Mittlerweile gibt es von vielen verschiedenen Herstellern wie BAE, Warm Audio, Heritage Audio und Stam Audio erschwingliche Versionen, die sich alle vom Aufbau und Klang sehr nah am Original orientieren. Den WA-73 EQ von Warm Audio  hatten wir bereits im Test. Nun kommt auch der Golden Age Premier PRE-73 unters Messer.

Für alle, die es noch nicht wissen: „Golden Age Premier“ ist die neue Premium-Sparte von Golden Age Music, die schon seit fast 10 Jahren mit „Golden Age Project“ gut klingendes und sehr preisgünstiges Studio-Equipment anbieten. Bisher hatten wir für euch den Golden Age Project Pre-73 MK3 und den Comp 3A im Test. Nach dem Röhrenmikrofon Golden Age Premier GA-47, das ich bereits Anfang Juni testen durfte, ist der Golden Age Premier PRE-73 jetzt das zweite Produkt der Schweden auf dem Markt.

Mind the GAP

Die Idee hinter Golden Age Premier ist im Prinzip die Gleiche wie die von Golden Age Project und zwar hochqualitatives Equipment im Vintage-Stil zu einem günstigen Preis anzubieten. Der Unterschied liegt jedoch in der Verwendung hochwertiger Komponenten wie Steckern, Schaltern, Transformatoren und einem aufwändigeren Aufbau – was sich natürlich in einem etwas höheren Preis äußert. Im Verhältnis zu der gebotenen Qualität sind die Produkte aber nach wie vor ungemein preisgünstig. Den hier vorgestellten Golden Age Premier PRE-73 gibt es bereits zu einem Preis von knapp unter 500,- Euro. Damit ist er der Günstigste der 1073 Nachbauten, die seit der letzten NAMM erschienen sind.

Ich selbst hatte vor Jahren den Golden Age Project PRE-73 Mk2 bei mir im Studio. Ich habe ihn gern benutzt, aber aufgrund des extrem günstigen Preises auch manche Kompromisse in Kauf genommen. Heute will ich diese Kompromisse nicht mehr eingehen und meine Erwartungen an die Premier-Serie sind nach dem tollen Eindruck, den das Golden Age Premier GA-47 Röhrenmikrofon auf mich gemacht hat, sehr hoch. Da ich gerade auch den AMS NEVE 1073 DPA im Studio habe, freue ich mich schon darauf, wie sich der Golden Age Premier PRE-73 im Vergleich zum „Original“ schlagen wird.

Die Box des Golden Age Premier PRE-73

Aber schreiten wir erstmal zur offiziellen „Unboxing-Zeremonie“. Ein großer Unterschied zur Konkurrenz ist die Tatsache, dass Golden Age seinem 9,5 Zoll Format treu bleibt. Der Golden Age Premier PRE-73 benötigt also nur die halbe Rackbreite, zwei Geräte lassen sich so zu einer 19 Zoll Einheit kombinieren. Für viele wird die Mobilität des kleinen Gehäuses ein Vorteil sein, denn so eine flache Flunder lässt sich leichter zu einer Session transportieren als ein sperriges 19 Zoll Gerät, das man schon in ein Rack einbauen sollte. Eine „Unite Premier“ 19 Zoll Rackwanne gibt es im Programm, die Bohrlöcher auf der Unterseite sind zu allen Produkten von Golden Age kompatibel. Man kann also selbst entscheiden, ob man sich eventuell später zusätzlich einen zweiten Kanal, einen EQ oder einen Kompressor anschaffen will.

Das Paket bemüht sich, durch das Design schon vor dem Öffnen einen gewissen Vintage Flair zu versprühen. Es sieht fast so aus, als hätte die Packung ein paar Jahre irgendwo in einem alten Warehouse gelegen.


Die Liebe zum Detail offenbart die Danksagung auf der Lasche, die man sieht, wenn man den Karton öffnet.

Golden Age Premier PRE-73 „Unboxing Zeremonie“

Die Box beinhaltet eine zweiseitige englische Anleitung, ein 24 Volt Netzteil und natürlich den Preamp. Die Verarbeitung wirkt hochwertig und die verbauten Schalter machen einen sehr guten und soliden Eindruck.

Auf der linken Vorderseite gibt es einen On/Off-Schalter, 4 Druckknöpfe im 1073 Stil für die Aktivierung der 48 Volt Phantomspannung (mit eigener LED) des Line-Eingangs, des DI-Eingangs und einen Impedanz-Wahlschalter (Low-Z), mit dem man wie beim Original die Impedanz zwischen 1.200 und 300 Ohm umschalten kann. Eine vergoldete Eingangsbuchse für ein DI-Signal gibt es auf der Frontseite, es wäre toll, wenn diese auch beschriftet wäre.

Der Lieferumfang des Golden Age Premier PRE-73

In der Mitte des Gerätes gibt es einen großen, gerasterten Drehregler mit 11 Verstärkerstufen.
Diesem folgt ein zweistufiges Highpass Filter, das bei 80 Hz bzw. 200 Hz 6dB/Oktave ansetzt und einen zweistufigen „Air EQ“, der im Bereich von 30 kHz 3 dB bzw. 6 dB hinzufügt. Das Ausgangssignal lässt sich auf gleich zwei Arten reduzieren: Zum einen gibt es ein Pad, welches das Signal um 14 dB abschwächt, zum anderen gibt es ein Output-Poti, mit dem man das Ausgangssignal zwischen 0 und 100 % stufenlos einstellen kann.

Rechts davon befindet sich der Phasenumschalter und darüber 5 Status-LEDs. Eine davon zeigt an, ob der Golden Age Premier PRE-73 überhaupt angeschaltet ist, die anderen 4 LEDs übernehmen die Pegelanzeige des Signals.

Die Bedienelemente des Golden Age Premier PRE-73

Auf der Rückseite finden wir vergoldete Stecker mit XLR-Lock. Den Eingang übernimmt eine kombinierte XLR/Line-Buchse, währen es beim Ausgang zwei getrennte Wege per XLR oder 6,3 mm Klinkenstecker gibt.

Auch einen Insert-Anschluss gibt es, womit man gleich einiges an Flexibilität gewinnt und einen externen EQ, Kompressor etc. einfach mit dem Golden Age Premier PRE-73 kann.

Die Rückseite des Golden Age Premier PRE-73

So, jetzt aber Schraubenzieher geholt und aufgeschraubt das Ding! Die zwei britischen Carnhill Überträger fallen sofort ins Auge. Dabei handelt es sich für den Eingang um das Modell VTB 9045M und beim Ausgang um einen VTB 2514.

Alles ist logisch aufgebaut und sehr sauber verarbeitet. Natürlich finden wir beim Golden Age Premier PRE-73 keine integrierten Schaltkreise (ICs) im Signalweg. Styroflex (Polysterene) und Tantal Kondensatoren kommen zum Einsatz und auf den Leiterplatten gibt es nur eine einzige Steckverbindungen für das Gain-Poti. Alle anderen Kabelverbindungen wurden direkt verlötet, um den Signalfluss so pur wie möglich zu halten. Neben dem XLR-Output gibt es auch einen Jumper „JP1“.

Ein Blick ins Innere des Golden Age Premier PRE-73

To Neve or not to Neve mit dem Golden Age Premier PRE-73

Nun will ich aber endlich mal was hören! Für meine Testaufnahmen habe ich den AMS NEVE 1073 DPA zur Hand. Diesen könnte man heute wohl als „Original“ bezeichnen, wobei sich bei NEVE die Zutaten des 1073 im Lauf der Zeit ja etwas verändert haben. Das Signal splitte ich mit einem ProMS2, einem sehr praktischem Tool der kanadischen Firma Radial.

Damit haben wir die Möglichkeit, zwei absolut identische Signale durch die Preamps zu schicken. Als Wandler kommt mein RME UFX zum Einsatz.

Die ersten Tests an der Akustikgitarre und Stimme zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht! Ja, das ist der Neve Sound, den man kennt und den man hören will. Seidige Höhen, Bässe mit viel Fundament und ansprechende Mitten. Die Schalter und Knöpfe des Golden Age Premier PRE-73 machen eine sehr gute Figur und gewinnen mein Vertrauen. Die 11 Gain-Stufen arbeiten zwischen 20 und 40 dB in 10 dB Schritten, danach geht es mit jeweils 5 dB Richtung 80 dB.

Das reicht auch für leise Bändchen und das gute alte SM7 von Shure. Wie beim Original kommt ab 50 dB Gain eine zweite Verstärkerstufe dazu. Für den Anwender geschieht das beim Golden Age Pre- 73 unmerklich, während es beim Original die berühmten „OFF“-Stellungen gibt. Beim Aktivierung des Line-Eingangs wird ein -30 dB Pad vor den Eingangstransformator geschaltet und das Level verringert sich dementsprechend.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Garnicht mehr so rot? Und so liebevoll verpackt. Knöpfe Taster und Farben perfekt kopiert und den Sound genauso. Da fühlt man sich ja gleich wie daheim. Das zum idealen Preis. Unwiderstehlich! Auch der diskrete Innenaufbau lässt grüßen. Da bin ich gleich Feuer und Flamme. Preamps sind ja echt Geschmackssache. Sowas muss man einfach durchtesten.

    • Profilbild
      josipdesire

      Danke für den Test .
      In deinem Test erwähntest du das Mikro Shure SM7b .
      Kann man bestätigen das der Preamp GAP mit dem Shure Sm7b harmonieren.

      Gruss Joseph

      • Profilbild
        Raphael Tschernuth  RED

        Hi Joseph,

        ja, die Kombination kann ich uneingeschränkt empfehlen. Ich selbst benutze das SM7B am liebsten in der „flat“ position – Höhen kann man dann eventuell noch mit dem GAP Premier PRE-73 hinzufügen. Gain gibts mit dem Preamp genug und der Impedanz Umschalter ist auch interessant für das SM7B. :)

  2. Profilbild
    elektrock  

    Genialer Vergleich des Originals und dem Golden Age.
    Bin schon von der roten Version angetan aber das blaue Teil hier
    setzt noch einen drauf! Hab eigentlich nur noch auf diesen Test gewartet…..

  3. Profilbild
    psv-ddv  AHU

    Danke für den wirklich sehr interessanten Vergleich!
    Der GA und der AMS Neve klingen zwar verwandt aber durchaus unterschiedlich, wie ich finde.
    Der Neve klingt etwas schlanker als der GA. Anhand der Beispiele kann ich nicht sagen, welcher mir besser gefällt, das merkt man dann erst, wenn mann mit den Teilen arbeitet und die Signale mal im Mix einbettet. Das Verhalten des Signals im Mix ist es was den 1073 zum Klassiker gemacht hat, es handelt sich ja ursprünglich um ein Kanal-Modul für Mischpulte.
    Wobei, es schon erstaunlich ist, was man heute für einen relativ schmalen Taler bekommt.
    Ich möchte allerdings betonen, dass beide Preamps wirklich nur ganz entfernt an das Original aus dem Jahre 1970 erinnern. Der hohe Preis der 1073 Originale hat seinen Grund, zumal natürlich auch der EQ zum Klang beiträgt, der bei den reinen MicPres fehlt.

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