Test: ART Pro MPA II, Mikrofonvorverstärker

22. Juni 2018

Mit Doppeltriode und flexibler Impedanz!

art pro mpa II

ART stellen mit ihrem ART Pro MPA II einmal mehr ihre Affinität für Röhren in den Vordergrund. Der vergleichsweise sehr günstige Abgabepreis von unter 400,- Euro hingegen lässt ein wenig Stirnrunzeln aufkommen. Kann ein klassischer Röhrensound für so wenig Geld erzeugt werden?

Das Konzept des ART Pro MPA II

Bei dem ART Pro MPA II handelt es sich um einen zweikanaligen Mikrofonvorverstärker, der als Besonderheit eine Doppeltriode des Typs 12AX7 (ECC83) im Signalweg jedes Kanals platziert hat. Dabei handelt es sich um einen der am häufigsten im Instrumentalbereich verbauten Röhrentypen, findet man diese doch fast ausnahmslos in jeder Röhrenvorstufe eines Gitarrenverstärkers. Der ART Pro MPA II ist jedoch primär in Transistortechnik aufgebaut, die Röhre befindet sich zwischen Eingangs- und Ausgangsstufe und sorgt lediglich für eine Einfärbung des Klangs. Eine vollständige  Röhrenbauweise wäre auch mit diesem Ladenpreis nicht möglich gewesen, hier muss man mindestens mit einem vierstelligen Betrag rechnen.

ART Pro MPA II Vorderseite

ART Pro MPA II Vorderseite

Überhaupt wendet sich das Produkt an diejenigen, die sich auch optisch zu Vintage-Equipment hingezogen fühlen, wie auch die beiden großen VU-Meter als optischer Blickfang zeigen. Beide Meter sind mittels eines kleinen Schraubendrehers gegebenenfalls nachjustierbar und ermöglichen zusammen mit den beiden 8-stelligen LED-Ketten eine umfangreiche Verwaltung des Signals.

Ich persönlich halte die natürliche Trägheit eines VU-Meters als Durchschnittspegelanzeige mit den schnellen Peak-LEDs für eventuell anfallende Peaks für die perfekte Überwachung der anliegenden Spannung. Die Bezeichnung „Tube Warmth“ unterhalb der LED Ketten weist jedoch auf ein Anzeigeverhalten hin, das auf den ersten Blick nicht eindeutig zu erkennen ist. Hier wird die Sättigung der Röhren angezeigt, die zwar oft analog zur Erhöhung des Ausschläge der VU-Meter laufen, jedoch getrennt zu betrachten sind.

ART Pro MPA II Detail Mitte

ART Pro MPA II Detail Mitte

Die Vorderseite des ART Pro MPA II

Obligatorisch ist ein Gain-Regler pro Kanal, der von sich aus bereits eine Vorverstärkung von 40 dB offeriert. Unterhalb der jeweiligen VU-Meter wurde ein zusätzlicher Schalter platziert, der den Verstärkungsfaktor bei Bedarf um weitere 20 dB erhöht. Im Zusammenspiel mit der Verstärkung der Ausgangsstufe, die das Signal nochmals um 10 dB boosten kann, werden auch sehr signalschwache Mikrofone im Stil der Bändchenmikrofone mit ausreichender Aufholverstärkung versorgt.

Als weitere Besonderheit kann die Eingangsimpedanz des Kanals von 150 bis 3000 Ohm variiert werden, was sich teilweise massiv auf den Klang des Mikrofons auswirkt. In den meisten Fällen  klingen Mikrofone aufgrund der geringen Eigenlast bei hoher Impedanz für den Großteil der Hörer am besten, allerdings lohnt es sich hier allemal, ein wenig mit dem Regler zu experimentieren. Die klanglichen Möglichkeiten vervielfachen sich auf jeden Fall.

Unterhalb des Gain-Reglers befindet sich ein hochohmiger Klinkeneingang, der auch den Anschluss von hochohmigen Instrumenten wie E-Bass oder E-Piano ermöglicht. ACHTUNG, als kleiner Praxistipp wird immer wieder gerne behauptet, an Eingängen dieser Art könnte man auch E-Gitarren anschließen. Elektrisch gesehen ja, klanglich auf keinen Fall! Der charakteristische Klang einer E-Gitarre erschließt sich NUR in Verbindung mit einem hochwertigen, mikrofonierten Verstärker oder zumindest einem guten Modeling-Amp im Stil eines Kemper Amps (der dann aber auch andere Eingänge benutzt), es sei denn, man möchte unbedingt den „Achtziger-Strat-Clean-PU-Wahlschalter-auf-4-direkt-Ins-Pult“ Sound haben, der an Sterilität nicht zu unterbieten ist.

ART Pro MPA II Detail Links

ART Pro MPA II Detail Links

Rechts neben dem Hz-Eingang befindet sich ein Hochpass, der in seiner Einsatzfrequenz  zwischen 7,5 – 200 Hz regelbar ist. Ob die tiefste Einsatzfrequenz irgendeinen Sinn hat oder sich nur als Extremwert gut in den Augen des Käufers macht, lässt sich nicht ergründen, allerdings sind Low-Cut-Filter mit Werten im einstelligen Hz Bereich in der Praxis völlig sinnlos. Weiter geht es mit 4 Druckschaltern, wobei neben dem bereits erwähnten +20 dB Schalter sich noch die 48 V Phantomspeisung aktivieren, die Phase drehen und die Anodenspannung der Doppeltriode verändern lässt. In der Einstellung High erweist sich die Röhre bei großen Amplituden als etwas stabiler in der Sättigung als in der Normaleinstellung. Wer also den Sound gerne etwas cleaner hat, möge auf „High“ gehen, für etwas mehr „Dreck“ bitte „Normal“ benutzen.

Wendet man sich der Mitte des ART Pro MPA II Frontpanels zu, erscheint ein ungewöhnlicher, aber sehr praxisnaher Schalter, der den Preamp in die M/S-Matrix schaltet, bei der der Stereoeffekt allein durch Pegeldifferenzen, nicht durch Laufzeitunterschiede zwischen den Kanälen erreicht wird. Im Normalfall bedarf es bei einer solchen Schaltung etwas mehr Aufwand, hier wird einem das Handwerk mit einem einfachen Druck abgenommen. Ein sehr gutes Detail.

Ein weiteres Feature erhöht die Flexibilität des Preamps ungemein. Über einen Druckschalter rechts am Gehäuse lässt sich der ART Pro MPA II von einem Dual-Mono in ein Stereogerät umschalten, wobei der linke Output-Regler nunmehr beide Kanäle in Sachen Ausgangspegel verwaltet, während der rechte Output-Regler zu einem Stereobalance-Regler wird.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ich mag die Art Produkte, auch wenn sie zum Teil nicht sonderlich langlebig sind. Hätte es gut gefunden, wenn man hier, wie für den TPS II, die hinteren Eingänge auch vorne fände. Ist gut, wenn man ggf. auch vorne mal Mics einstöpseln kann.

    • Profilbild
      Atarkid  AHU

      Hey Wellenstrom… Kannste doch! Ist ja nicht so, dass Mikrofone fest mit dem Kabel verbunden wären :)…. Ich wollt Dir zuerst schon recht geben, weil nach der Montage in einem Rack oder Produktionstisch kein Mensch mehr an die Anschlüsse rankommt. Nachdem die hochwertigeren Mikros aber eh wieder im Köfferchen verschwinden, hängt das angeschlossene Kabel trotzdem noch rum, Also wieder ganz spontan neu zu belegen :)
      Der Preis ist super! Da kann man auch für’s Home-Studio zuschlagen.

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