Test: Die besten Ortofon Concorde Tonabnehmer für DJs

5. April 2018

Besseres Handling, besserer Sound?

Gerüchte in Richtung NAMM Show sind immer etwas Feines. Wer bringt was Neues? Was wird es sein? Wer wäre turnusmäßig mal wieder an der Reihe, einen Nachfolger oder eine MKII-Version zu liefern? Dass ein neues Produkt gerade auf den Namen Ortofon Concorde MKII hören wird, seien wir ehrlich, damit hätte niemand gerechnet.
Die Ortofon Concorde Tonabnehmer gehören seit Jahrzehnten zu den beliebtesten und am meisten genutzten Tonabnehmer-Systemen für DJs, ganz egal ob daheim oder im Club. Gerade das Ortofon Concorde Pro-S (die Schwarzen, auch wenn viele fälschlicherweise denken, das S steht für Silber) ist ein Klassiker und bis heute für viele DJs wie Clubs das System der Wahl. Dabei gibt es mit dem DJ-S oder dem Nightclub MKII schon lange Systeme mit höherem Ausgangspegel und besserem Klang.

Ob es generell angedacht war oder damit zu tun hat, dass Ortofon in diesem Jahr noch 100-jähriges Jubiläum feiert, man kann es vermuten, für das Resultat ist es eigentlich egal. Viel Zeit ist seitdem vergangen, eigentlich war es schon lange Zeit für ein Update – oder nicht. Tatsächlich aber bringen die neuen Ortofon Concorde MKII Systeme die ein oder andere Verbesserung mit sich, die unter anderem auch altbekannte Schwachstellen aus dem Weg räumt.

Angekündigt und bereits verfügbar sind fünf Systeme. Damit wird auch die Range ein wenig verschlankt, die Namen der neuen Systeme machen zugleich ein wenig besser deutlich, was das anvisierte Einsatzgebiet der Tonabnehmer ist.

Ortofon Concorde MKII Mix, Ortofon Concorde MKII DJ, Ortofon Concorde MKII Club, Ortofon Concorde MKII Scratch und Ortofon Concorde MKII Digital, so lauten die Namen. Anhand der Namen kann man schon vermuten, was sich auch bei den technischen Daten zeigt. Die Systeme ersetzen die Vorgänger, von denen es Pro, Pro S, DJ-S, Nightclub MKII, Digitrack, Scratch, Elektro, Q-Bert oder das Concorde S-120 gab. Das Q-Bert ist als Headshell-System geblieben, alle anderen „alten“ wurden ersetzt.

Veränderungen gegenüber den „alten“ Systemen gibt es, nicht nur hinsichtlich der Farbgebung, sondern auch technisch.

Bereits äußerlich zeigen sich Anzeichen, wie genannt, zu aller erst die Farben. Wer welches Modell ersetzt, das ist aber immer noch gut erkennbar, dazu später mehr.

Generell hat sich bei allen Systemen die Form verändert. Der Korpus ist breiter am SME-Verschluss, laut meinem Messschieber aber nur 2 mm. Obwohl die Ortofon Concorde Systeme in der MKII Version nach wie vor für Plattenspieler mit SME-Verschluss und einem Überhang von 52 mm geeignet sind, ist der Korpus der Cartridge gut 2 mm kürzer. Der Grund dafür findet sich in den größeren Stylus, deren Form sich verändert hat. Diese sind nicht nur länger, sondern an der Spitze auch anders geformt. Die Lücke im Kunststoffkörper, durch die man die Nadel von oben sehen kann, ist länger, eingefasster in den Körper und einen Millimeter breiter. Bei einer Gesamtbreite von ca. 3,2 mm bei dem MKII System schon eine kleine Welt. So ist die Nadel am Stylus von nun an deutlich besser sichtbar und kann genauer platziert abgesetzt werden.

Feststellen wird man bei allen Systemen, dass die Tracking Ability höher ist als bei den Modellen der ersten Generation, teilweise sogar deutlich mehr.
Nicht zu verwechseln ist die Tracking Ability mit der Tracking Force. Letztere ist gemeinhin auch bekannt als Auflagegewicht. Die Tracking Ability hingegen gibt Aussage darüber, wie gut die Nadel dem Groove in der Rille folgen kann, die Spurtreue. Angegeben in Mikrometern gibt sie Auskunft über die maximale Auslenkung der Nadel, bevor diese springt oder es zu Verzerrungen kommt. Folglich gilt: höhere Tracking Ability = mehr Spurtreue und weniger Risiko zu Klangverlusten.
Dies ist dahingehend wichtig, dass bei sehr lauten Passagen die Auslenkung der Nadel in der Rille sehr stark sein kann, gleichzeitig die Nadel sehr spitzen Winkeln folgen muss. Je höher die Tracking Ability, umso besser kann die Nadel diese Hürden nehmen und dem Groove in der Rille folgen, statt die Rille zu verlassen und durch Überlaufen von Rillenkanten und Wiedereintritt nach dem spitzen Winkel an einer anderen Stelle in der Rille für einen Verlust bei der Klangwiedergabe zu sorgen.

Etwas anderes: Selten vorgekommen, aber vielleicht kennt es der ein oder andere, ist, dass der Stylus von der Cartridge abrutscht. Meistens nur um Millimeter-Bruchteile, selten komplett. Dies verhindert Ortofon mit den neuen Systemen durch zwei kleine Federn, die seitlich an der Spitze der Cartridge angebracht sind.

Ortofon Concorde MKII - nun mit kleinen Federn an der Cartridge Spitze

Zudem ist der Griff am Tonabnehmer-System breiter als bei den Vorgänger, flexibler und an der Unterseite geriffelt. Das erhöht den Grip, zugleich sorgt die höhere Flexibilität hoffentlich für weniger abgebrochene Griffe.

Sollte es dennoch einmal passieren, ist das nicht der Untergang. Kabelbinder jedoch können von nun an in der Werkzeugkiste bleiben, auch wenn diese über Jahre an vielen Ortofon Concorde Systeme sehr treue Dienste geleistet haben. Ortofon hat dieses Problem gelöst und einen abnehmbaren Griff entwickelt. Dieser wird, endend in einem Ring, von hinten über den Anschluss geschoben und eingeclippt innerhalb des Aluminium-Rings, der den Anschuss vom Korpus trennt. Das Ersatzteil kostet im Falle des Notstandes 9,- Euro. Selbstverständlich können die Fingerlifts auch unter den Systemen getauscht werden, wodurch man seine eigenen Systeme auch personalisieren kann. Roter Fingerlift am schwarzen System zum Beispiel? Das gibt es nicht von der Stange.

Nach wie vor gibt es natürlich von allen Systemen auch das Twin Set. Das ist jeweils als Doppelpack 9,- Euro günstiger als zwei einzelne Systeme und kommt zudem nicht in der Papp-/Kunststoff-Verpackung, sondern im kleinen Aluminium-Case samt Bürste.

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