Test: Pittsburgh Modular Envelope, Eurorack-Modul

6. Februar 2016

Mehr als nur eine Hüllkurve

Envelope_Bild_2

Das Pittsburgh Modular Envelope ist, trotz des Namens, ein Multifunktionsmodul. Neben dem Betrieb als Attack-Decay-Hüllkurve kann es unter anderem auch als Attack-Sustain-Release-Hüllkurve, Slew-Limiter mit unabhängigen Anstiegs- und Abfallzeiten, Trigger-Delay, Clock Divider und LFO genutzt werden – und das alles spannungsgesteuert. Vorbild ist hier, ähnlich wie beim Make Noise Maths/Function oder dem Doepfer A-171-2, der Serge Dual Universal Slope Generator.

Attack- und Decayzeiten lassen sich zwischen einer festen linearen und von logarithmisch zu exponentiell regelbaren Charakteristik umschalten. Um in den ASR- oder Slew-Limiter-Modus zu gelangen, betätigt man den Schalter „Sustain On/Off“. Der ist zwar von oben nach unten beschriftet, der Schalter lässt sich allerdings von links nach rechts betätigen. Sieht nach einer Notlösung aus, vermutlich war die Beschriftung nicht anders anzubringen, dennoch gewöhnt man sich schnell daran. Über den „Cycle On/Off“ Schalter lässt sich das Modul als LFO benutzen.

Spannungssteuerung der Rise (Attack)- und Fall (Decay/Release)-Zeiten sowie von beiden gleichzeitig ist möglich, wobei die Kennlinienregler zu bipolaren Abschwächern werden, sobald ein Kabel in eine der Buchsen steckt. In der untersten Reihe sind neben den Ein- und Ausgängen ein End-of-Attack Gateausgang und ein Triggerausgang zu finden. Der EOA-Ausgang schaltet hoch, sobald die Attackzeit und runter, sobald die Decayzeit abgelaufen ist. Der Triggerausgang sendet einen kurzen Impuls am Ende der Decay/Releasephase.

Wenn man mit dieser Art von Funktionsgenerator vertraut ist, findet man sich hier schnell zurecht. Der einzige Unterschied zu vergleichbaren Hüllkurven ist, dass hier keine separaten Eingänge für Trigger und Gate oder anderen Signalen vorhanden sind, sondern die Funktion des Eingangs durch die Stellung des „Sustain“-Schalters bestimmt wird. Im „Sustain Off“-Modus reagiert Envelope nur auf die ansteigende Flanke am Signaleingang und ignoriert die Dauer des anliegenden Gates, im „Sustain On“-Modus wartet das Modul auf das Ende des Gates und geht dann in die Releasephase. Typisch für einen Integrator, der im Kern dieses Moduls steckt, ist dass die Hüllkurve nicht neu getriggert werden kann, wenn sie sich in der Attackphase befindet. Das ist dann ein Vorteil, wenn man Envelope als Clock-Divider nutzen will: Bei entsprechender Länge der Attackzeit schaltet der EOA-Ausgang erst beim zweiten, dritten etc. Trigger am Eingang hoch. Wenn man bedenkt, dass die Attackzeit auch spannungsgesteuert werden kann, ergeben sich mitunter spannende rhythmische Möglichkeiten. Ebenso lässt sich durch diesen Trick das Modul als Gate-Delay einsetzen.

Ganzes Case links

Das Pittsburgh Modular Envelope ist im Foundation 3.1-System enthalten

Als Hüllkurve gibt sich das Pittsburgh Modular Envelope schön knackig, gerade bei exponentieller Kennlinie. Die Möglichkeit, Attack- und Decayzeit gleichzeitig zu steuern und dabei die Steuerspannung bei einer der beiden zu invertieren, ist etwas, das zwar bei ähnlichen Modulen auch möglich ist, hier dennoch viel leichter fällt und entsprechend Spaß macht. Bei logarithmischer Charakteristik sind allerdings eigentlich schon unbrauchbar lange Zeiten möglich. Ich habe versucht, die längste Decayzeit zu ermitteln, und nachdem ich über eine Viertelstunde gewartet, in der Zwischenzeit Geschirr gespült und Pflanzen gegossen hatte, beschloss ich, dass das Leben zu kurz ist für solchen Schnickschnack. Auch war aufgrund der extremen logarithmischen Kennlinie keine Veränderung zu hören. Fans von John Cages „Organ2-ASLSP“ dürften hier feuchte Augen kriegen, der Rest von uns bleibt wohl lieber im zivilen Bereich.

Das macht sich leider auch dann bemerkbar, wenn man die Decayzeit spannungssteuern will. Der Abschwächer muss hier feinfühlig bedient werden, es ist aber durchaus möglich, brauchbare Ergebnisse zu erzielen.

Im LFO-Modus kann das Modul locker bis weit hoch in den Audiobereich gehen. Es sind viele verschiedene Kurven möglich, zudem hat man durch den EOA-Ausgang auch noch einen Rechteck-LFO zur Verfügung.

Die Variabilität, was die Kennlinien angeht, macht sich auch im Slew-Limiter-Betrieb positiv bemerkbar. Hierzu muss Sustain auf „On“ stehen. Zum Verständnis: In diesem Modus steigt und fällt die Spannung abhängig von den eingestellten Attack- und Decayzeiten auf den am Input anliegenden Wert an und ab. Wenn man dieses Prinzip verinnerlicht hat, wird deutlich, dass man praktisch jede gestufte Spannung hier reingeben kann und somit z.B. hinter einem Sample & Hold- oder Sequencer-Modul komplexe Verläufe erzeugen kann. Aber für den üblichen Portamento-Effekt ist es natürlich auch sehr brauchbar.

Fazit

Das Pittsburgh Modular Envelope ist ein Modul, das einen großen Funktionsumfang auf nur 8 TE Breite bietet. Lediglich der deutlich zu große Parameterumfang bei logarithmischer Kennlinie fällt hier negativ auf. Obwohl nicht viel an dem Modul auszusetzen ist, ist man sicherlich gut beraten, einen Vergleich mit den Produkten der Konkurrenz anzustellen, die im selben Preissegment liegen oder sogar günstiger sind.

 

Plus

  • großer Funktionsumfang

Minus

  • zu großer Parameterumfang bei logarithmischer Kennlinie

Preis

  • Ladenpreis: 179,- Euro
Klangbeispiele
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    AMAZONA Archiv

    Super Audiobeispiele, besonders beim vorherigen Test. Das Bassdrum Audiosample klingt schon richtig geil. :) Bisher mache ich das mit U-he Ace und das eher aus Zufall. Filter+Resonanz und Envelope und gut is. Ich denke da immer an „Amphetamine“ von Trope/Drax-Records. Da war angeblich ein ARP 2600 im Spiel. Sowas und insg. zackige Envelopes finde ich an modularen Synth obergeil. Als LFO Ergänzunfg würde ich spontan an den Fourmulator denken. Geiler wären noch Oszillator/LFO-Kombinationen. Das Envelope-Modul geht definitiv schon in die richtige Richtung. Als Ex-Nordlead3 Besitzer bin ich ein Fan von flexiblen Hüllkurven/LFO’s.

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