Test: Presonus ioStation 24c, USB-Audiointerface, Monitorcontroller

3. August 2020

Controller und Interface - perfekte Kombi?

presonus iostation 24c test

Presonus ioStation 24c, USB-Audiointerface, Monitorcontroller

Im sich ständig vergrößerndem Produkt-Portfolio von Presonus befindet sich seit Kurzem die ioStation 24c. Anfang des Jahres auf der NAMM 2020 vorgestellt, sind nun mittlerweile die ersten Produkte erhältlich. Wir haben uns die Kombination aus Audiointerface und Monitorcontroller für euch näher angeschaut.

Kompakte Maße fürs Homestudio

Im heimischen Tonstudio hat man in der Regel immer etwas zu wenig Platz. Eine Kombination aus USB-Audiointerface und Monitorcontroller bietet sich da förmlich an. 2-in-1 spart Platz und vermutlich auch etwas Geld. Mit der ioStation 24c möchte Presonus genau solch eine Produktart anbieten. Von SPL kennt man diese Art von Produkten bereits in Form des Crimson, auch hier wird Interface und die Kontrolle über die Studiomonitore in einem Gerät gebündelt.

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Optisch naht sich die ioStation 24c nahtlos in das aktuelle Produkt-Portfolio von Presonus ein. Die leicht nach vorne geneigte Bedienoberfläche ist nicht nur im matten Alu-Look gehalten, sondern besteht auch aus diesem Material. Die Unterseite des Gerätes besteht dagegen aus Kunststoff. Entsprechend leichtgewichtig ist die ioStation auch. Genau 1 kg bringt sie auf die Waage, die Maße belaufen sich auf 244 x 61 x 172 mm.

Wer hinter der ioStation einen aufgepimpten Faderport 2 vermutet (optisch ähneln sich die beiden doch sehr), liegt gar nicht so falsch. Mit Ausnahme der Drehregler-Riege auf der rechten Seite ist die Bedienoberfläche der ioStation tatsächlich 1:1 identisch mit der zweiten Version des DAW-Controllers. Entsprechend bietet die ioStation einen berührungsempfindlichen Motorfader (100 mm Länge), eine sechsteilige Transportsektion mit Play/Pause, Stop, Aufnahme, Vorwärts, Rückwärts und Cycle, einen Drehregler mit Push-Funktion sowie zahlreiche Buttons, die zum Scharf-, Solo,-, Stummschalten von Spuren, zur Automatisierung der DAW, für die Auswahl von Kanälen, Sektionen und Markern usw. dienen.

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Aufgrund der erweiterten Funktionalität gegenüber dem Fadeport V2 kommt bei der ioStation 24c die rechte Seite der Bedienoberfläche hinzu. Die mit 1 und 2 beschrifteten Drehregler dienen zum Einpegeln der entsprechenden Eingangskanäle. Per Knopfdruck lässt sich für beide gleichzeitig eine 48 V Phantomspeisung aktivieren bzw. (ebenfalls für beide) auf Line-Pegel umschalten. Von oben gesehen der dritte Regler steuert das Verhältnis zwischen Eingangskanälen und Playback-/DAW-Signal. Regler 4 und 5 steuern die Lautstärke des integrierten Kopfhörerverstärkers sowie der Gesamtlautstärke (Main). Zu guter Letzt lassen sich alle Signale per Mute-Button auch komplett stummschalten.

Insgesamt ist die Bedienoberfläche übersichtlich gestaltet, alle Elemente lassen sich gut erreichen und bedienen.

Verarbeitung und Anschlüsse

Die Verarbeitung des Interfaces/Controllers ist tadellos, die beiden Gehäuseteile sind sauber miteinander verschraubt. Haptisch machen Drehregler, Motorfader und Buttons einen sehr guten Eindruck. Einzig allein der blaue Drehregler (der im Gegensatz zu den anderen ja zusätzlich über eine Push-Funktion verfügt), macht einen wackeligen Eindruck.

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Als 2×2-Interface ist die ioStation 24c ausgelegt. An die beiden Eingangskanäle lassen sich über die rückseitigen Kombo-Buchsen sowohl XLR- als auch Klinkenkabel anschließen und zuführen. Ausgegeben wird beim Interface alles über ein 6,3 mm Klinkenpärchen und einen Kopfhörerausgang. Diverse Funktionen lassen sich per Fußschalter steuern, auch dieser lässt sich auf der Rückseite anschließen.

Zum Betrieb wird ein externes Netzteil (12 V DC/1,2 A) benötigt, dieses liegt der ioStation 24c bei. Ebenfalls zum Lieferumfang gehören ein Quick-Start-Guide, vier Klebepads für die Unterseite und zwei USB-Kabel für den Anschluss an den Computer. Da die ioStation mit einer USB-C-Buchse (arbeitet als USB 2.0-Interface) ausgestattet ist, liegen ihr ein USB-C-Kabel sowie ein USB-C auf USB-A-Kabel bei. Abgeschlossen wird die Rückseite mit einem Power-on/off.

Installation und Controller-Arbeit

Für die Inbetriebnahme der ioStation ist die Software Universal Control notwendig, die Presonus auf seiner Website zum Download anbietet. Dort findet man auch die Bedienungsanleitung. Hat man sein Betriebssystem (macOS ab 10.11 und Windows ab Version 7 (SP1 + Plattform-Update)) ausgewählt, die Software heruntergeladen und installiert, kann es losgehen.

Die Einbindung auf meinem Mac Mini geht schnell von der Hand. Die ioStation wird sofort erkannt, erscheint entsprechend im Audio-MIDI-Setup und in Cubase 10.5. Neben Cubase habe ich den Controller auch in Studio One getestet. Infos zu weiteren DAWs bzw. welcher Funktionsumfang gegeben ist, findet ihr im Handbuch zur ioStation 24c.

Presonus ioStation 24c test

Dass die ioStation unter der hauseigenen DAW Studio One am besten funktioniert bzw. die weitreichendsten Funktionen bietet, ist nicht verwunderlich und wird sofort klar, wenn man einen Blick ins gut geschriebene Handbuch zur ioStation wirft. In der Praxis bedeutet das kurz gesagt: Alle Button-Beschriftungen stimmen mit den entsprechenden Funktionen in Studio One überein, d. h. neben der Transportkontrolle und der Steuerung von Kanalzügen samt Lautstärke, Panorama, Arm (scharfschalten), Mute, Solo, Bypass (alle Plugins im Kanal oder alle in der Session) lässt sich innerhalb der Session bzw. zwischen Markern hin und her springen und zoomen, das Metronom an-/ausschalten, Automatisierungen fahren oder die Zweitfunktionen (F1 bis F4) aufrufen (diese lassen sich frei programmieren). Die Buttons und im speziellen der Motorfader agieren dabei sauber, der Fader passt sich beim Umstellen schnell und leise an die aktuellen Werte an – da macht das Arbeiten wirklich Spaß.

Unter Cubase/Nuendo wird die ioStation als Mackie Control eingebunden. Das bedeutet zwar eine weitreichende Kompatibilität zwischen den vielzähligen DAWs, die es mittlerweile gibt, reduziert die nutzbaren Funktionen aber auch gleichermaßen. Das kann man Presonus nicht alleine ankreiden, dass es aber auch anders geht, zeigt Nektar. Hier werden für die Controller und eine Vielzahl von DAWs einzelne Mappings erstellt, so dass man zielgerichteter agieren kann – bringt aber auch einen deutlich größeren Aufwand für den Hersteller mit sich.

Presonus ioStation 24c test

Trotz der Kritik funktioniert die ioStation unter Cubase gut. Auch hier kann der Kanalzug (Bypass für die Plugins aber nicht) und die DAW über die Transport-Buttons gesteuert werden. Auch innerhalb des Arrangements lässt sich navigieren und Automatisierungen aufzeichnen. Es ist halt (und auch in vielen anderen kompatiblen DAWs – siehe Handbuch) nicht so luxuriös wie bei Studio One.

Einsatz als Audiointerface

Als Kombigerät bestehend aus DAW-Controller und Audiointerface bietet sich die ioStation 24c natürlich für Homestudios oder gar den mobilen Einsatz an (wobei man die externe Stromversorgung nicht vergessen sollte). Die technischen Werte sehen wie folgt aus:

Mic-Eingang:

  • maximaler Eingangspegel: + 16 dBu
  • Frequenzbereich: 20 Hz bis 20 kHz (±0,15 dB, Nominalpegel, 48 kHz)
  • Dynamik: 107 dB (A-gew.)
  • Klirrfaktor: < 0,007 % (1 kHz)
  • EIN: < -128 dBu
  • Gain-Regelbereich: 80 dB

Instrumenten-Eingang:

  • maximaler Eingangspegel: + 15 dBu
  • Frequenzbereich: 20 Hz bis 20 kHz (±0,2 dB, Nominalpegel, 48 kHz)
  • Dynamik: 110 dB (A-gew.)
  • Klirrfaktor: < 0,012 % (1 kHz, -1 dBFS, min. Gain)
  • Gain-Regelbereich: 80 dB

Line-Eingänge:

  • maximaler Eingangspegel: +22 dBu
  • Frequenzbereich: 20 Hz bis 20 kHz (±0,05 dB, Nominalpegel, 48 kHz)
  • Dynamik: 114 dB (A-gew.)
  • Klirrfaktor: < 0,007 % (1 kHz, -1 dBFS, Nominalpegel)

Alle weiteren Informationen dazu findet ihr hier. Gewandelt wird mit bis zu 192 kHz und 24 Bit, der Dynamikbereich der Wandler liegt bei 115 dB –  das sind für diese Preisklasse gute Werte.

Unter Cubase 10.5 werden auf einem Mac Mini (i7, 8 GB) die folgenden Latenzen angezeigt:

44 kHz,  64 Samples Puffergröße:

  • Eingang: 4,58 ms
  • Ausgang: 3,35 ms

44 kHz, 256 Samples Puffergröße:

  • Eingang: 8,58 ms
  • Ausgang: 7,35 ms

96 kHz, 64 Samples Puffergröße:

  • Eingang: 3,91 ms
  • Ausgang: 2,67 ms

192 kHz, 64 Samples Puffergröße:

  • Eingang: 3,58 ms
  • Ausgang: 2,34 ms

Für ein USB 2-Interface sind das gute Werte, mit denen man arbeiten kann.

presonus iostation 24c test

Der Klang bei der Wiedergabe von aktuellen Chart-Songs, Klassikern und eigenen Produktionen gefällt mir gut. Sehr dynamisch spielt die ioStation auf, die Bässe sind schön knackig. Als bedeckt empfinde ich die Höhen, da spielt meine RME HDSP-Karte brillanter und seidiger auf. Musik beurteilen, aber auch hören macht mit der ioStation viel Spaß. Es klingt eben nicht ganz so nüchtern, wie ich es von meinem RME-Interface gewohnt bin, dennoch würde ich mir zutrauen – mit etwas Eingewöhnungszeit – hier gute Mischungen abliefern zu können.

Als Preamps setzt Presonus auf seine XMAX-Vorverstärker, die u. a. in den aktuellen Quantum-Interfaces (Test des Quantum 2626) zum Einsatz kommen. Die Qualität ist gut, die Aufnahmen wirken druckvoll und detailreich. Mit 80 dB maximaler Aufholung hat man auch genug Reserven, um schwachbrüstige Signale auf das passende Niveau zu bringen. Bei Line-Signalen liegt die maximale Verstärkung bei 40 dB. Einzig das Einpegeln gestaltet sich mit der einzelnen Clip-LED (leuchtet ab -0,5 dBFS rot auf) schwierig.

Ansonsten erweist sich die ioStation in der Praxis als intuitiv zu bedienendes Interface. Dank des Mix-Reglers kann man sich eingehende Signale direkt wieder auf Kopfhörer bzw. die Studiomonitore geben, die dazu individuell in der Lautstärke geregelt werden können. Ebenfalls praktisch ist der Mute-Button um schnell zwischen Aufnahme mit Kopfhörer und gelegentlichem Abhören umschalten zu können.

Was fehlt? Vergleich zu Einzelprodukten

Als komplette All-in-one-Lösung würde der ioStation 24c natürlich ein MIDI-Pärchen gut zu Gesicht stehen. Da viele Controller und Keyboards aber mittlerweile über USB an den Computer angeschlossen werden, mag das für viele Anwender verschmerzbar sein.

Nicht nur in diesem Zusammenhang scheint aber ein Vergleich zu Einzelprodukten von Presonus interessant, denn grundsätzlich stellt die ioStation 24c eine Kombination aus Faderport 2 und Studio 24c Interface dar. Kauft man diese beiden einzeln, liegt man derzeit bei einem Preis von 309,- Euro (Faderport V2 – 174,- Euro, Studio 24c – 135,- Euro) und damit nur knapp über dem Preis der ioStation 24c. Dafür bekommt man zusätzlich aber MIDI-Ports und kleine LED-Meter geboten (benötigt aber auch einen zweiten USB-Port).

Beim Blick ins Handbuch fällt allerdings auf, dass das Studio 24c technisch nicht auf der Höhe der ioStation 24c liegt. Beispielsweise bietet es nur 50 dB Gain – so ganz 1:1 scheint das also nicht zu sein.

test Presonus ioStation 24c

Software-Paket

Die ioStation 24c liefert Presonus mit Studio One in der Artist-Version aus. Einzeln kostet die DAW immerhin 95,- Euro – eine nette Beigabe für all diejenigen, die noch keine DAW besitzen oder zumindest mal in Studio One reinschnuppern möchten. Oben drauf gibt es noch die Magic Plugin-Suite und 6 GB Samples und Loops.

Fazit

Mit der ioStation 24c hat Presonus eine sehr gute Kombination aus 2×2-Audiointerface und DAW-Controller entwickelt. Für den platzsparenden Einsatz im Homestudio ist die ioStation nahezu perfekt – vor allem wenn man Studio One Nutzer ist. Klar, auf die hauseigene DAW stimmt Presonus seine Hardware-Controller stets sehr gut ab, aber auch mit Cubase, Logic, Pro Tools, Ableton und anderen DAWs funktioniert der Controller gut. Als DAW-Controller für Studio One bekommt die ioStation 24c drei volle Sterne, für Cubase immerhin noch gute zwei Sterne.

Auch als Audiointerface macht die ioStation 24c eine gute Figur. Die Wiedergabeeigenschaften sind sehr gut, der Klang knackig und dynamisch. Die Aufnahmen liegen auf gutem Niveau.

Für einen Preis von 291,- Euro bekommt man hiermit eine sehr gute Kombilösung, die drei Sterne verdient. Der Faderport 2 kostet derzeit 174,- Euro, d. h. für einen Aufpreis von gerade mal 117,- Euro bekommt man ein gutes USB-Interface oben drauf – samt Plugin-Suite, allerdings ohne MIDI. Alternativ sollte man sich die Einzelprodukte Studio 24c und Faderport 2 anschauen.

Plus

  • ideale Kombination aus Interface/Controller
  • sehr gut auf Studio One abgestimmt
  • guter Klang
  • leiser Motorfader
  • solide Verarbeitung

Minus

  • Push-Poti wirkt nicht sehr hochwertig
  • Phantomspeisung nur für beide Kanäle gleichzeitig schaltbar

Preis

  • 291,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    JohnDrum  

    Man kann es Presonus sehr wohl ankreiden, dass sie mittlerweile nur noch auf Mackie Hui setzen! Das war beim Faderport1 bzw. Classic noch anders! Hardware entwickeln ist nur die halbe Miete! Ebenso wichtig ist eine sinnvolle und konsequente Softwareunterstützung! Mein Faderport1 läuft mit der alten Software unter Logic Pro X und Cubase auf Mac weitgehend vernünftig. Unter Mackie Hui eine Katastrophe! Das Mackie Hui Protokoll ist außerdem für 8- kanälige Teile entwickelt und nicht für mehr oder weniger Kanäle. Dadurch leidet die Bedienung zusätzlich. Siehe hierzu viele Testberichte auf AMAZONA!

  2. Profilbild
    SymOjupiter

    Mich würde interessieren, ob man die nervigen Eigenschaften der link-Funktion gegenüber den Faderports (8/16) endlich verbessert hat.
    Zur Erklärung: Drückt man link, so kann man den Drehgeber zum Editieren vieler Parameter benutzen, wenn man mit dem Mauszeiger darauf zeigt. Ähnlich dem AI-Knob beim Steinberg CC 121.
    Problem:
    Leider macht der Knopf das dann nicht nur, wenn man gerademit der Maus darüber ist, sondern auch, wenn man schon wieder weg ist und keinen neuen Parameter berührt hat.
    Fährt man also einen Parameter an, den man editieren möchte, der sich aber gar nicht editieren lässt, so verändert man den Parameter, den man zufällig als letzten editierbaren Parameter mit der Maus überfahren hat und nicht den, bei dem man gerade ist.
    Um rauszufinden, was man gerade getan hat, hilft meist nur die Undo-Historie…

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