Test: Presonus Studio One Pro

16. August 2010

Presonus Studio One

Studio One von Presonus war die Überraschung auf der vorletzten Musikmesse in Frankfurt. Bereits im Namen wird deutlich, dass hier nicht der x-te Abklatsch eines Sequencers für Windows und MAC OS X zu erwarten ist, sondern eine umfassende Studiolösung für die Bereiche Produktion, Mastering und Veröffentlichung – und das auf dem technisch neuesten Stand inkl. neuentwickelter Audio-Engine. Besonders pikant: Die beiden ehemaligen Steinberg Entwickler Wolfgang Kundrus und Matthias Juwan (Cubase & Nuendo) zeigen sich verantwortlich für dieses Projekt. In diesem Jahr wurde nun mit der Version 1.5 das erste große Update präsentiert. Grund genug für uns, Studio One Pro einem Praxistest zu unterziehen. Ist den Entwicklern tatsächlich das bessere Cubase gelungen? 

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Installation

Das Programm wird in einer schmalen Kartonbox ohne gedrucktes Handbuch und erfreulicherweise ohne Dongle ausgeliefert. Zum Lieferumfang gehören eine gedruckte Schnellstartanleitung und 2 DVDs. Das ausführliche deutsche Referenzhandbuch kann heruntergeladen werden. Die Installation geht zunächst flott von der Hand – das liegt daran, dass mit der ersten DVD lediglich das Programm ohne Content installiert wird. Erst nach erfolgreicher Aktivierung über das Internet ist die Installation der Loop-Bibliotheken und Sounds möglich. Als Ergänzung zum mitgelieferten Content enthält die DVD noch die folgenden Drittanbieter-Produkte: Toontrack EZDrummer Lite, Toontrack EZDrummer Cocktail Kit, Native Instruments Guitar Rig LE, Native Instruments Kore Player und Native Instruments Kore Sounds Vol. 1.

Für die Aktivierung selbst benötigt man ein Konto bei Presonus. Dort wird das Programm registriert und eine Lizenzdatei für den Computer erzeugt – diese zieht man dann per Drag&Drop auf das Aktivierungsfenster, und schon kann man loslegen. Übrigens können über das Konto bis zu 5 Lizenzen ohne Zusatzkosten erzeugt werden!

Über PreSonus

Seit der Gründung 1995 hat sich PreSonus zu einem der führenden Entwickler und Hersteller von Audio-Recording- und Processing-Werkzeugen entwickelt. PreSonus preisgekrönte Mikrofonvorverstärker, Signalprozessoren, Digital Audiointerfaces, Mixer, Controller und andere Produkte werden rund um den Erdball für Aufnahmen, Klangverbesserung, Rundfunk, Sounddesign und Internetaudio eingesetzt. Im Bereich Software gibt es bis dato nur die Audio Multi-Tracking Software Capture. Wir dürfen gespannt sein, ob nach Erscheinen von Studio One auch bald der passende Hardwarecontroller erhältlich sein wird – genug Know How wäre ja vorhanden!

Die Audioengine

Studio One basiert auf einer Audioengine, die nicht nur einen unvergleichlichen Klang bieten soll, sondern auch je nach den Möglichkeiten der verwendeten VST/AU-Effekte automatisch zwischen 32-Bit- und 64-Bit-Fließkommaverarbeitung wechselt (auch mit einem 32-Bit Betriebssystem). Damit ist die höchstmögliche Audioqualität zu jeder Zeit garantiert. Als Standard ist die 32-Bit-Berechnung aktiviert. Wer das Beste aus der Audioengine herausholen möchte, sollte in den Studio One Optionen die 64-bit-Berechnung aktivieren. Allerdings ist diese Technik nicht mit der 64 Bit-Fähigkeit des Betriebssystems zu verwechseln – die Speichergrenze von maximal 3 GB bei 32 Bit-Systemen bleibt auch unter Studio One erhalten, es sei denn man installiert die 64-Bit-Version von Studio One auf einem 64 Bit-Betriebssystem. Die Software ist kompatibel mit jedem ASIO-, Windows Audio- oder CoreAudio konformen Audiointerface und natürlich der kompletten Serie an PreSonus Interfaces, die vom Programm automatisch ohne vorherige Konfiguration erkannt werden.

Alles im Überblick: Die Startseite

Nach dem Programmstart erscheint zunächst eine Art Startseite – von hier aus werden die letzten Songs und Projekte geladen, können neue erstellt und externe Geräte konfiguriert werden (z.B. das MIDI-Keyboard). Anleitungen, Demosongs und ein spezieller PreSonus Newsfeed können von dieser Stelle aufgerufen werden. Auch das Herunterladen von Updates und Support-Material erfolgt direkt von der Startseite, ohne dass man Studio One verlassen muss. So wird kein Update verpasst. Zum Zeitpunkt dieses Tests wurde beispielsweise im Newsfeed ein Hinweis zum Update 1.5.2 und ein Bericht über Stromspar-Einstellungen aktueller CPUs inkl. Konfigurationstool veröffentlicht – klasse! Für eine spätere digitale Veröffentlichung des fertig produzierten Materials können auf der Startseite Angaben im Künstlerprofil hinterlassen werden, die dann für alle Projekte gelten und automatisch bei einer Veröffentlichung auf SoundCloud mit hochgeladen werden.

- Das Start-Fenster enthält einen News-Feed, der sowohl über aktuelle Updates informiert, als auch Tipps & Tutorials zur Verfügung stellt -

– Das Start-Fenster enthält einen News-Feed, der sowohl über aktuelle Updates informiert, als auch Tipps & Tutorials zur Verfügung stellt –

Forum
  1. Profilbild
    Helmut

    Mich würde noch interessieren, ob StudioOne tatsächlich hörbar besser klingt wg. der 64-Bit.
    Meistens liest man: „eventuell bei sehr großen Projekten ist ein Unterschied hörbar“ oder ähnliches. Aber: ist tatsächlich oder nur „eventuell“ ein hörbarer Unterschied z.B. zu Cubase5 gegeben?

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Hallo Helmut,

      Kurz:
      Die ganze 64Bit Sache ist Marketing Blödsinn.

      Lang:
      Von 64 Bit profitiert nur der größere addressierbare Speicherplatz.

      Prinzipiell ist es so, dass bei einer DAW mit Fixed Bit Mix-Bus beim Mischen von zwei Spuren ein halbes Bit an Dynamik draufgeht. Bei Fließkomma-Mixern sieht das wieder etwas anders aus.
      Wenn jetzt einige bei den DAW Engines das Grass wachsen hören liegt das weniger an der Bitauflösung sondern an der eigentlichen Programmierung des DAW Mix Busses.

      Sich über einen vernünftigen analogen Signalweg von und zum Rechner und ein paar wohl plazierte Bassfallen für den Raum Gedanken zu machen ist wesentlich fruchtbarer, als sich über der Mix-Engine einer DAW den Kopf zu zerbrechen.

      meine Langzeiterfahungen, :)
      M.

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        GeorgK

        64-bit Signalverarbeitung und 64-bit Speicherverwaltung haben nun aber herzlich wenig miteinander zu tun…
        „Halbe Bits“ gibts übrigens auch keine – das ist ja gerade das Problem bei der digitalen Signalverarbeitung.
        Ganz grob: Beim reinen Abmischen werden die 64 Bit das Kraut auch nicht fett machen. Wenn man allerdings bedenkt, wieviele (digitale, und damit mit Rundungsfehlern behaftete) Verarbeitungsstufen das Signal beim gesamten Produktionsprozess durchläuft (im VST-Instrument selber, dann noch durch ein paar Plugin-Effekte, etc.) schadet eine möglichst hohe Bitauflösung generell sicher nicht.
        Ich gebe allerdings zu, dass eine saubere Programmierung der Algorithmen wahrscheinlich wichtiger ist, als der Sprung von 32 auf 64 Bit. Trauen kann man eh nur den eigenen Ohren.

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          Markus Schroeder  RED

          Hey GeorgK,

          Natürlich hat 64Bit Berechnung und Adressierung wenig miteinander zutun.
          64bit Berechungen waren schon vorher möglich.
          Das klappte in Echtzeit schon mit Samplitude Opus auf dem Amiga sehr gut. Das Marktgeschrei
          der 64Bit Betriebsysteme bezieht sich aber nun mal in der Hauptsache auf die Adressierung und irgendwie scheinen viele zu glauben, dass nun alles doppelt so schnell wird oder so.

          Ich will ja in keiner weise behaupten, dass 64Bit nicht gut ist, im Gegenteil, aber die Erwartungshaltungen sind manchmal ziemlich überzogen.

          Und natürlich gibt es keine halben Bits,
          rein mathematisch entspricht der Verlust aber einem halben.
          Ich hätte auch sagen können 4 Spuren, 1 Bit Verlust, was so aber auch nicht ganz korrekt ist. ;)

          Deinen VST Ausführungen kann ich insofern nicht völlig zustimmen, da „EFFEKTE“ ja darauf abzielen, den Klang zu „verfälschen“. Die Frage ist nur, ob das Ergebnis einem im Kontext gefällt oder nicht. Und einige Plug-ins (z.B. EQs) arbeiten intern eh mit Upsampling und eigenen Bittiefen, unabhängig von den Eigenschaften des Hosts.

          Deinem Schlussatz ist aber vorbehaltlos zuzustimmen!

          Bei den aktuell verfügbaren (+/-) 23 DAWs sollte man sich wirklich mehr Gedanken darüber machen welcher Workflow einem liegt.

          greetz :)
          M.

  2. Profilbild
    actionjaxon

    Vielerorts ist über eine „nur“ rudimentäre Midi-Abteilung zu lesen…Aber Details habe ich nicht gefunden. Ist genaueres bekannt, was da alles fehlt? Ist der Midi Editor mit Cubase vergleichbar??

    Was kann man denn über die VST(i) Performance sagen?

    Kann die Demo leider noch nicht nutzen, da mir noch ein Firewirekabel zum Anschluss meines Interfaces an meinen neuen Imac fehlt, dummerweise von M-Audio nicht mitgeliefert…

    Danke vorab!

    • Profilbild
      Michael Strauch  AHU

      Hi actionjaxon, auf Seite 4 unter Leistungshunger habe ich einen konkreten Vergleich zwischen C5 und Studio One mit VSTi’s vorgenommen. Die MIDI-Abteilung kann seit Version 1.5 nicht mehr als rudimentär bezeichnet werden und der MIDI-Editor ist bis auf wenige Ausnahmen mit Cubase vergleichbar, wenn Du den Event-Editor damit meinst.
      Gruß
      Michael

      • Profilbild
        actionjaxon

        Vielen Dank, Michael.
        Mittlerweile konnte/kann ich die Demo testen und bin sehr angetan. Das Drag&Drop System ist sehr intuitiv und die Möglichkeit, komplette Spuren & Chains einfach in den gewünschten Ordner zu ziehen ist genial. Gerade wenn man auf etwas leistungsärmeren Systemen arbeitet (Intel i3 3 Ghz hier) kann man die liebevoll erstellten VSTi-Instrumentenspuren sehr einfach komplett sichern und dann in als Audiospur bouncen, alles bleibt so stets reproduzierbar!

        Die Hardware Controller Einbindung und die MidiLearn-Funktion für VSTi’s hat mir auch sehr gefallen.

        Bleibt nur die Frage ,ob gerade der richtige Zeitpunkt ist für einen Kauf…1.5, die nächste Zahl vor dem Komma könnte ja wieder eine kostenpflichtige sein. Leider habe ich die SOUNDCLOUD Promoaktion verpasst, da gab es ja einen grossen Preisnachlass.

        Grüße, Carsten

      • Profilbild
        Florian Scholz  RED

        Also rudimentär kann man die MIDI-Abteilung nicht wirklich bezeichnen, aber von Augenhöhe zu C5 oder C6 kann definitiv nicht gesprochen werden! (Logical-Editor, Ausgefuchste Transpose-Optionen, VST-Expression, Step-Eingabe, Note-Expression…)

  3. Profilbild
    vaikl  

    Was den von Presonus erwarteten HW-Controller zum StudioOne angeht – de guude alde Faderport tut’s erstmal prima. Inklusive völlig unkomplizierter Plugin-Kontrolle, für die er ja zunächst garnicht berühmt war.

    Zusammen mit der wirklich konsequent auf Bedienbarkeit und Workflow ausgelegten Oberfläche macht das für SO-Neueinsteiger absolut Spaß:-)))

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