Test: Propellerhead Reason 9.5, Digital Audio Workstation

28. August 2017

Schwedische Grenzöffnung für VST

Ein knappes Jahr nach Erscheinen der neunten Reason Version gibt es von den Schweden ein Update mit der Bezeichnung Reason 9.5, welche die lange ersehnte und mehr als heiß diskutierte Integration von VST-Plug-ins ermöglicht. Wenn auch viele nicht mehr dran glaubten, ist sie nun da, als wäre es nie ein Thema gewesen. Die Entscheidung zu treffen, VSTs zu integrieren, war sicherlich von verkaufsstrategischer Natur am schwersten von Propellerhead zu entscheiden und vermutlich war der technische Part hierbei der Leichtere.

Wie dem auch sei, die Propellerheads haben sich einen Ruck gegeben und wagen die Öffnung zum VST-Plug-in Markt, auch wenn sie ihre bisherige Plug-in Exklusivität aus eigener Produktion somit verlieren. Mit Sicherheit kommen so aber nun viele neue und bestimmt auch abgewanderte Nutzer dazu bzw. zurück, die sich über diesen wichtigen Schritt nun mächtig freuen. Schaun wir, wie es funktioniert.

Gestaltung

Reason ist übersichtlich, die optisch einem Tonstudio nachempfundene Atmosphäre hat – wie sehr viele andere Kreativschaffende – und auch mich vor Jahren zu Reason geführt. Im Laufe der Jahre und mit den entsprechenden Programmverbesserungen kamen auch immer mehr Funktionen, Instrumente und Effekte hinzu, die weiterhin übersichtlich unterzubringen, es als Aufgabe verstanden und vorbildlich umgesetzt wurde.

Als vor ein paar Jahren Propellerheads Record auf den Markt kam, zunächst als eigenständiges Programm, das parallel zu Reason lief, war es somit möglich, direkt Audio aufzunehmen. Umständliche Rewire-Verbindungen, beispielsweise mit Cubase als Audio Recording Device, funktionierten zwar, wurden somit aber überflüssig, als Record in Reason integriert wurde. Reason wurde zur vollständigen DAW und somit interessant für Leute, die nicht nur elektronische Musik produzieren, sondern auch physische Instrumente verwenden und aufnehmen möchten.

Propellerhead verlor dabei nie die an ein analoges Studio orientierte Oberfläche ihrer Software aus den Augen. Obwohl Reason immer mehr Ergänzungen erhielt, wirkt das Aufnahmeprogramm bis heute nicht überladen, die intuitive Bedienung ist immer noch gegeben. Auch die VST-Integration schadet nicht der Übersichtlichkeit in Reason 9.5.

So teilt sich die neueste Version in vier Fenster auf. Im oberen erscheint das Mischpult, darunterliegend in der Mitte ist das Studiorack und unten liegt das Sequencer-Fenster. Neu seit Version 9 ist das links permanent geöffnete Browserfenster, zum Suchen und Finden von Patches, Sounds, Effekten (auch den VSTs) und eben allem, was benötigt wird.

Hier geht’s zu unserem Reason 9 Amazona Test:

VSTs finden

Im Menu Einstellungen, im Ordner „Zusätzliche Steuerungsmöglichkeiten“ lassen sich ein oder mehrere Ordner festlegen, auf die Reason zurückgreifen soll, um VSTs zu verwenden. Unter OSX ist der Pfad „Library/Plug-ins/Audio/Vst“ zunächst vorgegeben. Dieser lässt sich aber nach Belieben verändern oder ergänzen.

VST-Ordner festlegen

Anwendung

Von Reason im entsprechenden Ordner gefundene VSTs werden wie alles andere an Instrumenten, Effekten, Hilfsgeräten und Playern in der links angeordneten Browserspalte angezeigt. Per Drag and Drop zieht man genau wie Reasons interne Instrumente oder Effekte, auch die VSTs einfach mit der Maus ins Arrangierfenster.

In der linken Browserspalte werden die VSTs unten angezeigt

Das ausgewählte VST erscheint nun in einem neu gestalteten Gerät im Rackformat. Um zur Softwareoberfläche des VSTs zu gelangen, klickt man im Rackgerät auf „open“, schon hat man die VST-Oberfläche vor sich.

Das ausgewählte VST wird als Rack Device dargestellt

Im wirklich großen Angebot von kostenfreien VST-Instrumenten habe ich mir den Tunefish4 Synthesizer installiert. Ein übersichtlicher, klassischer Synthesizer, ideal zum experimentieren. Die Installation erfolgt auf oben beschriebenem Weg und gelingt auf Anhieb. In der links angeordneten Browserspalte wird der Tunefish auch gleich angezeigt. Fühlt man sich noch nicht ausreichend inspiriert, empfiehlt es sich, einen der seit Version 9 integrierten Playern auszuprobieren. Der Scales & Chords Player zum Beispiel kreiert angenehme Akkorde. Fertig ist das (Tune) Fischgericht, auch für Vegetarier geeignet, garantiert aus synthetischer Züchtung. Im Klangbeispiel ist zu hören, wie das Ganze schmeckt.

Über den Button „open“ im Rack des entsprechenden VSTs wird die Oberfläche angezeigt

Auch die Integration anderer VSTs gelingt auf Anhieb und Reason läuft stabil. Um auszuschließen, dass der Tunefish Synthesizer kein Einzelfall in unproblematischer Funktionsweise ist, habe ich noch einige andere VSTs unter Reason ausprobiert – alle liefen einwandfrei.

Auch Native Instruments Kontakt 5 läuft stabil und wird samt Library sofort erkannt. Reason startet auch nach Neuinstallationen schnell und zuverlässig.

Beim Test mit verschiedenen VSTs lief auch Kontakt 5 einwandfrei

Über dem angelegten VST sieht man hier den Scales & Chords Player

Dass AU-, VST3- und AAX-Instrumente bzw. Effekte noch nicht unter Reason laufen, ist zwar schade, aber freuen wir uns doch erst einmal über den großen Schritt der Propellerheads, den sie mit der Öffnung zum VST-Markt gewagt haben. Sicherlich kommen in Zukunft immer mehr Optionen, Reason hat sich schließlich stetig weiterentwickelt.

Delay Compensation

Auch neu in der neuesten Reason Version ist die Delay Compensation, die automatisch im Hintergrund durch Defekte verursachte Verzögerungen oder Phasenverdrehungen ausgleicht.

CV-Steuerung

Damit ist die Steuerung von Parametern durch Control Voltage gemeint. Anders als zum Beispiel MIDI hat CV eine deutlich höhere Auflösung. Durch umständliche Verkabelung, die sich weitestgehend nur dem wahren Analog-Synthesizer Fan erschloss, war CV-Steuerung auch mit älteren Versionen schon möglich. Mit Version 9.5 ist die CV-Steuerung in den Vordergrund gerückt und aufs Wesentliche vereinfacht zu nutzen.

Update Hinweis

Zur Verfügung stehende Programm-Updates werden neuerdings direkt am oberen Bildrand angezeigt und können direkt, bestehende Internet-Verbindung vorausgesetzt, heruntergeladen und installiert werden. So verpasst man sicher keine Updates.

Programm-Updates von nun an immer im Blick

Mit der VST-Integration macht Reason nun noch mehr Spaß und macht jetzt einen noch erwachseneren Eindruck. Komplette Produktionen sind spätestens jetzt kein Problem mehr, falls jemand bisher ohne VSTs nicht produzieren konnte oder wollte.

Fazit

Reason hat durch seine intuitiv bedienbare Oberfläche schon immer gepunktet. Kein umständliches „Um-die-Ecke“ denken, man fühlt sich eben wie in einem Studio. Für analog geprägte Menschen ein angenehmer Einstieg in die Recording-Welt. So war es und so ist es noch. Besser! Reason wurde über die Jahre enorm weiterentwickelt. Parallel kam vor einigen Jahren „Record“. Endlich war Audiorecording möglich. Record wurde in Reason integriert, eine vollwertige DAW war somit entstanden. Die Integration von VST war nun ein wichtiger, lange von den Nutzern ersehnter Schritt. Reason öffnet sich einmal mehr und gibt damit den eindimensionalen Zwang auf, seine Benutzer an die hauseigene Software zu ketten. Mutig oder notwendig? Auf jeden Fall erfreulich für uns Reason Fans.

Das Update von 9.0 auf 9.5 ist kostenlos und somit natürlich mehr als sinnvoll für Besitzer der letzten Version. Aufgrund einer Vielzahl von kostenlosen VSTs, von denen viele wirklich gut sind, lohnt sich das Upgrade absolut. Bei Upgrades von älteren Versionen auf 9.5 lohnt sich das sicher, wenn man ohnehin VSTs besitzt und diese gerne in Reason verwenden möchte. Der Preis liegt dann bei 129,- Euro

Plus

  • jetzt mit VST Integration

Minus

  • AU Integration noch nicht möglich
  • nur VST 2.4 wird unterstützt

Preis

  • Ladenpreis:
  • Vollversion: 335,- Euro
  • Update von Reason 1-8: 129,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    monomood 1

    Da dieser „Test“ außer einem ‚VST-Reinladen – ja geht‘ nicht so sehr viele Informationen enthält, bleiben noch ein paar Fragen offen.
    1. Wie verhält es sich mit Modulationen und der Reason-eigenen Verkabelung
    2. Wie sieht es mit Automation und MIDI-Zuweisung aus – läuft das unkompliziert?
    3. Kann man bei VST-Effekten Sidechain Funktionen nutzen und wie ist das gelöst?
    4. Welche Performance-Unterschiede gibt es (wenn vorhanden) im Vergleich zu anderen DAWs?

    Würde mich über einen kleinen Nachtrag freuen.

  2. Profilbild
    penishead  

    Ein bißchen Besserwisserei: letzes Jahr habe ich das im Juni bei einem Reason Artikel so gepostet:
    „Propellerhead wird auch irgendwann VSTs einbinden. Das ist genauso wie es vor einigen Jahren mit dem ansteuern von externen Midi Geräten war. Und ganz oben auf der Liste steht seit vielen Jahren bei allen Usern die VST Schnittstelle. Ich bin mir auch sicher, das dafür ein perfektes Konzept in der Schublade bereit liegt. Programmieren kann man alles, und in elegant können die Propellers sowieso, das steht ausser Frage.“

    Et voilá, VSTs sind nun da. Das ist eine ganz tolle Sache! Jubel Trubel Heiterkeit!

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      Wellenstrom  AHU

      Nun ja, das waren ja vor einem Jahr wahrlich keine neuen oder revolutionären Forderungen. Diesen Wunsch und diese „prophezeiten“ Entwicklungen las man schon mindestens seit Reason 3 in diversen Foren.

      M.E. schießt sich Propellerhead mit seinen halbgaren und zögerlichen Entscheidungen schon seit Jahren latent ins eigene Knie. Vor gar nicht allzu langer Zeit die eigene Schnittstelle. VST Programmierer „portieren“ ihre Produkte in dieses Format, und während die dabei sind, kommt mal eben die (halbgare) VST Integration. Professionell ist anders. Denke, da werden sich auch einige Programmierer in den Arsch getreten fühlen.

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        mort76  

        …ich würde vermuten, daß die spezielle Integration der VSTs tiefer geht als die neue, generelle VST-Unterstützung…da gibt es sicher Unterschiede.

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    AMAZONA Archiv

    Ich war mal großer Fan dieser DAW, aber ich hab schon seit der Record-Integration bemerkt, dass man mit der neueren Oberfläche (die ja seit Version 6 von Record übernommen wurde) einfach nicht mehr so flüssig und schnell arbeiten kann, wie mit der alten Oberfläche. Manche Sachen gingen auch nur noch über Umwege (Fader und FX-Send-Automationen z.B.) – Trotzdem hab ich immer wieder auch mal die neueren Versionen angetestet- Es kam noch ein blöder Dongle dazu, für den eigentlich kein Platz mehr da war. Oder man musste permanent mit dem Internet verbunden sein. Für jemanden der gerade im Bus oder Flieger sitzt und mal eben den Laptop aufklappen und einen Track recorden will ist das Mist. Mit Version 5 ging das noch und geht immer noch und trotzdem ist niemand verhungert oder wegen Raubkopien pleite gegangen. Und aus der Reason-Gruppe die ich lange Zeit im FB betrieb, weiß ich auch dass seit Version 8 die Programmstabilität nachließ und es eben doch mal Abstürze gab. Ich denke über all diese Dinge sollte sich Propellerhead mal mehr Gedanken machen, denn ich bin nicht der Einzige der genau deswegen nach Version 5 kein Update gekauft hat.

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    Generic User

    In dem Test steht eigentlich kaum mehr, als daß jetzt VSTs auch in Reason laufen. Etwas wenig.
    Ich bin von der VST Einbindung begeistert.
    Die legendäre Stabilität hat kaum gelitten.
    Es können 8 Parameter frei CV Eingängen zugewiesen werden, somit können die VST´s sehr einfach angesteuert werden, einfach per Verkabelung im Rack. Cool ist, daß man seine Parameteränderungen auch im VST per undo Rückgangig machen kann. Alle Ein und Ausgänge finden sich schön zugänglich auf der Rückseite des Racks wieder. Ebenso die zugewiesenen CV Eingänge zur Steuerung der Parameter. Von einer halbgaren Integration kann ich als langjähriger Benutzer von beiden Welten nicht reden, das Konzept mit dem Rack und den Kabeln wurde hier einfach übertragen und das funktioniert excellent. Zum Thema Dongle und Lizenz: ich habe eine Lizenz. Dem entsprechend habe ich ein Dongle. Das steckt am Desktop. An meinem Laptop ist die Lizenz an die Hardware gebunden, ohne Dongle, ohne Fernabfrage, nur per Hardware-Registrierung auf dem PH Account. Und meine dritte Installation läuft per Internetabfrage und Passwort. Ich darf nur nicht mehr als eine Installation gleichzeitig laufen lassen, das mag man bei PH nicht, aber das ist ja auch so in Ordnung. Es sollte also für jeden eine passende Lizensierung geben. Die VST Performance scheint schlechter zu sein als in anderen DAWS. Auf der anderen Seite sind die meisten Rack Extensions Performance-Künstler. Ich hoffe das wird noch verbessert, aber prinzipiell funktioniert alles schon mal ganz gut.

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      AMAZONA Archiv

      Dem schliesse ich mich an. Hervorragende Ergänzung! So etwas hätte meiner Meinung nach auch eher im Test erwähnt werden sollen. Ich hab auch vorhin erst in der Überschrift entdeckt, dass es ein Test sein soll. Ich hielt es tatsächlich nur für eine Newsmeldung :D Zu dem Kopierschutzgedöns: Gut das Propellerhead das mittlerweile doch gelöst hat. Dennoch kann ich mit der alten Nutzeroberfläche und den alten Mixern viel schneller arbeiten. Version 5 im Verbund mit Record hab ich übrigens auch offiziell gekauft gehabt (nur mal so am Rande – Siehe auch meine AHU-Story). alle nachfolgenden Versionen hab ich immer nur als 30-Tage Demo angetestet, wobei ich bei 8 aufgehört hatte. Das RE-Konzept fand ich schon ganz geil so, aber die neue Oberfläche und insbesondere der neue Mixer, ist mir einfach „too much“ und bremst meinen kreativen Fluss eher aus. Aber vielleicht schau ich’s mir irgendwann noch mal an…

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    tuonodriver

    Hab mir Reason zusätzlich zu mener Haupt DAW Ableton geholt, weil ich ein paarSachen in Reason sehr geil finde wie zum Beispiel den „Aligator“ usw.
    Schade finde ich allerdings das man, wenn man ein VST Plug In lädt, Reason Rewire nicht mehr funktioniert bzw. anscheinend nicht unterstützt wird! So ging mein Plan..meine VST“s mit den Reason internen Effekten und Arp“s ect. zu nutzen ( und diese mit Ableton zu syncen um dann als Audiospur zu recorden ) leider nicht auf-Schade!

    • Profilbild
      Generic User

      Ableton Link hilft wohl da nicht weiter ? Kenn mich da nicht so aus. Seit 9.irgendwas sync man doch per Ableton link ?!

  6. Profilbild
    Oliver Schulte  RED

    Danke für die anregenden Fragen und fachlichen Ausführungen :-) Reason ist so umfangreich, das natürlich nicht jeder Punkt explizit dokumentiert werden kann und natürlich hat jeder von uns spezielle Dinge, die ihn meisten interessieren.
    Ich werde gern versuchen auf die in den oben gestellten Fragen angesprochenen Bereichen zu stöbern um noch mehr Licht ins neue Reason Update zu bringen.

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