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Test: PRS Sonzera 50 Combo, Gitarrenverstärker

28. Dezember 2017

Volle Röhre von PRS

PRS Sonzera 50 Combo Aufmacher

Die Firma Paul Reed Smith ist uns allen wohlbekannt durch die hervorragende Qualität ihrer Instrumente, die das Stammwerk in Stevensville/USA verlassen. Doch auch die in Korea hergestellten Gitarren und Bässe von PRS („SE-Baureihen) können in ihrer Preisklasse durchaus überzeugen, davon konnten wir uns in diversen Tests schon ein Bild machen. Kaum oder nur wenig Beachtung finden hingegen die Gitarrenverstärker des Herstellers, von denen ein Teil ebenfalls in Fernost hergestellt wird. Genau von dort, um ganz genau zu sein aus China, erreicht unsere Redaktion der PRS Sonzera 50 Combo, der neben seinem günstigen Preis mit einer umfangreichen Ausstattung reizt und voller Röhrentechnik steckt. Wir werden uns den 50-Watt-Boliden im folgenden Test mal ganz genau betrachten.PRS Sonzera 50 Combo front

Facts & Features

Dass man es mit einem ernsthaften Röhrenverstärker zu tun hat, merkt man spätestens beim Anheben des PRS Sonzera 50 Combo. Mit einem Gewicht von rund 26 kg und den Maßen 61 x 26,6 x 48,3 cm zeigt sich der Verstärker schon auf den ersten Blick sehr robust, mit dem stolzen Gewicht hat der Griff auf der Oberseite jedoch keine Probleme. Da es keine Kantenschoner gibt, sollte man beim Transportieren des Amps etwas vorsichtig agieren, möchte man sich an dessen schöner Optik noch ein Weilchen erfreuen.

Das Gehäuse steht sicher auf vier Gummifüßen und ist hinten bis auf ein Lüftungsgitter komplett geschlossen, durch dieses Gitter sind auch ein Teil der verbauten Röhren zu erkennen. Verwendet werden für den PRS Sonzera 50 Combo eine JJ ECC835-Röhre und drei Glaskolben des Typs 12AX7A, die Endstufe wird von zwei EL34 befeuert. An dieser Stelle hätte man ja eigentlich bei einem amerikanischen Hersteller mit zwei 6L6 gerechnet, eben für den „amerikanischen Charakter“ im Grundsound. Hier tendiert man also eher zur Charakteristik von der Insel, in jedem Fall aber produzieren die beiden Kolben eine für viele Fälle ausreichende Leistung von 50 Watt, bei einem enorm großen Headroom, das kann man hier vorab schon mal verraten. Verraten sei auch, dass die 20-Watt-Version des Sonzera Combo tatsächlich eine 6L6 Röhrenbestückung besitzt.

PRS Sonzera 50 Combo back

— Die Rückseite des PRS Sonzera 50 Combo —

Der schwarze Tolexüberzug wurde sauber auf das Gehäuse aufgeklebt, in keiner Ritze ist auch nur der kleinste Mangel zu erkennen. Dieselbe gute Qualität besitzt auch der Bespannstoff an der Frontseite, der den Schriftzug der Firma trägt und gleichzeitig den verbauten 12″ Lautsprecher wirkungsvoll schützt. Beim  PRS Sonzera 50 Combo hat man sich ebenfalls an den Sound von der Insel gehalten und einen Celestion V-Type Speaker eingebaut. Darüber hinaus kann der Amp aber auch mit externen Boxen erweitert werden, dazu stehen an der Rückseite weitere Anschlüsse bereit. Die 16-Ohm-Buchse ist ab Werk allerdings vom internen Celestion belegt. Und wie immer bei einem echten Röhrenamp sollte man drauf achten, dass eine der Buchsen zwingend mit einem Lautsprecher belegt ist – sonst kann der Spaß schnell ein Ende haben. Darauf weist auch ein Aufdruck oberhalb der fünf Buchsen hin.

PRS Sonzera 50 Combo speakers

— Anschlüsse für Boxen mit 16, 8 oder 4 Ohm Lastwiderstand —

Wenn wir schon auf der Rückseite sind, dann schauen wir uns doch gleich mal die übrigen Schalter und Anschlüsse an. Schön ist, dass die Regler zur Anpassung der Röhrenspannung (Bias) hier leicht zugänglich sind. So erspart man sich ein Justieren bei offenem Gehäuse, was bei einem Röhrenamp mit seinen hohen Betriebsspannungen tatsächlich zwischen Leben und Tod entscheiden kann!

Weiter geht es mit dem Anschluss für den Fußschalter, der sich erfreulicherweise mit im Lieferumfang des Verstärkers befindet und eine ausreichende bzw. praxisgerechte Kabellänge besitzt. Mit ihm lassen sich die beiden Kanäle anwählen und der eingebaute Federhall aktivieren. Federhall? Ja, der PRS Sonzera 50 Combo verfügt über eine Federhallspirale, die ganz klassisch am Boden des Gehäuses angebracht wurde und durch ihr typisches „Scheppern“ auf sich aufmerksam macht, sollte man den Amp bei zugeschaltetem Hall mal etwas grober anfassen.

Ein serieller Effektweg sorgt für Freude, lassen sich hier doch ganz unkompliziert Modulationseffekte einschleifen. Den Abschluss bilden die zwei Schalter für Power und Stand-by, die auf dem Frontpanel wohl keinen Platz mehr gefunden haben. Denn das ist wirklich randvoll – und gleich unsere nächste Anlaufstelle.

PRS Sonzera 50 Combo – Frontpanel & Bedienung


Die beiden Kanäle sind nicht nur optisch übersichtlich voneinander getrennt, auch in technischer Hinsicht verhalten sie sich völlig unabhängig. Beide besitzen eine Dreiband-Klangregelung mit Bässen, Mitten und Höhen und sogar einen getrennten Regler für den Hall. Der Cleanchannel hat zusätzlich zu seinem Volume-Regler noch ein Mastervolume-Poti erhalten, dem hingegen stehen im verzerrten Kanal ein Drive- und ein Level-Poti zur Verfügung. Beide Kanäle verfügen weiterhin über jeweils einen Bright/Normal-Schalter für einen zusätzlichen Kick in den Höhen.

Etwas wirkt sich dann doch auf den Gesamtsound aus: ein Presence-Regler, etwas abseits nahe der Betriebsleuchte ganz links platziert, nimmt Einfluss auf den Höhenbereich der Endstufe. Abschließend finden wir ziemlich genau in der Mitte des Frontpanels einen kleinen Metallschalter, der für die Auswahl des gewünschten Kanals sorgt – sollte man den Fußschalter mal wieder im Proberaum vergessen haben.

PRS Sonzera 50 Combo panel right

— PRS Sonzera 50 Combo – rechte Seite des Bedienpanels mit dem Drive-Channel —

Für das aufgeräumte Bedienpanel fährt der PRS Sonzera 50 Combo in jedem Fall einen weiteren Pluspunkt ein, die übrigen gelten der guten Verarbeitung und der umfangreichen Ausstattung dieses Röhrencombos. Eigentlich kaum zu glauben: Ein Gitarrencombo mit 50 Watt Leistung aus einer Vollröhrenschaltung, zwei per Fuß schaltbare, voll ausgestattete Kanäle, ein eingebauter Federhall mit getrennter Regelung pro Kanal und dann diese gute Verarbeitung, wo ist der Haken an der Sache? Doch nicht etwa im Sound? Dazu kommen wir ab der nächsten Seite.

PRS Sonzera 50 Combo panel left clean channel

— Die linke Seite mit dem Cleanchannel und dem etwas verloren wirkenden Presence-Regler —

Sound & Praxis mit dem PRS Sonzera 50 Combo

Ohne Einschaltknacken, allerdings mit einem hörbaren Grundrauschen, meldet sich der PRS Sonzera 50 Combo zu Diensten. Unsere Hörprobe beginnt beim Cleanchannel, dessen EQ in seiner Wirkung zwar keine Wunder vollbringt, der aber den vollen, warmen und mit einer guten Portion Dynamik bestückten Grundsound gut einkleidet. Durch die hohe Endstufenleistung besitzt der unverzerrte Kanal einen ebenso hohen Headroom, was sich durch absolut saubere Sounds auch bei sehr hohen Lautstärken bemerkbar macht. Und laut ist er, der Bolide. Genau so, wie er auch einen beachtlichen Schalldruck entwickelt, der ihm garantiert einen unüberhörbaren Platz im Bandgefüge verschafft!

In Kanal 1 sind dennoch bei voll aufgeregeltem Volume-Poti mit einer Humbucker-bestückten Gitarre erste Verzerrungen möglich. Sie lassen erahnen, wie es mit den verzerrten Sounds des Sonzera 50 Combo steht – nämlich gar nicht mal so gut. Der Overdrive-Kanal wird nur wenigen Gitarristen Freude bereiten, denn es kratzt auffallend stark aus dem Speaker und nur die Wenigsten unter uns würden hier den verzerrten Sound eines Vollröhrenverstärkers hören. Da nutzen die saftigen Gain-Reserven und die wunderbare Dynamik nur wenig, Selbst das Zurücknehmen des Presence-Reglers der Endstufe schafft hier keine echte Abhilfe, außer den Sound noch dumpfer zu machen, als er ohnehin schon irgendwie ist. Die Wirkung des Equalizers bewegt sich auch hier wieder in einem eher schmalen Rahmen, bei diesem spärlichen Grundsound ist es auch nicht so einfach, etwas Vernünftiges hinein zu filtern.

Nun denn, hören wir rein in den Sound des PRS Sonzera 50 Combo. Dazu wurde vor dem Combo ein AKG C3000 Mikrofon platziert, als Gitarre wurde meine Music Man Silhouette Special benutzt.

Klangbeispiel 1 zeigt den Sonzera 50 Combo mit einem unverzerrten Sound im Kanal 1. Die Regler des EQs stehen allesamt in der 12-Uhr-Position, der Presence-Regler der Endstufe ebenso. Ihn belassen wir bei allen Klangbeispielen auch dort. Schön offen, luftig und dynamisch gelingen hier Pickings und der Klang ist auch in Zimmerlautstärke recht voll und ausgewogen. Noch scheint also alles im grünen Bereich.

Auch bei Strummings ist alles bestens, In Klangbeispiel 2 hören wir ein funky gespieltes Lick im unverzerrten Kanal. Der EQ befindet sich nach wie vor in 12-Uhr-Position.

Für die nächsten drei Klangbeispiele bitte umblättern!

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    mhagen1  

    Danke, Stephan, für diesen wieder einmal sehr guten Test. Ich habe neulich hier bei euch den Sonzera 20 gewonnen – sehr cool! Nachdem ich ihn angespielt hatte, musste mein 10 Jahre alter H&K Statesman weichen. Nicht, weil der Statesman ein schlechter Amp ist. Grund war vielmehr, dass der Clean-Kanal des Sonzera sich deutlich besser mit Zerrpedalen versteht. Das starke Grundrauschen des PRS-Amps ist mir auch sofort aufgefallen. Aber einem geschenkten Gaul …
    Den Crunch-Kanal meines Sonzera 20 empfinde ich nicht als so spitz und harsch. Er gefällt mir, weil der Höhenbereich sowohl mit dem Treble und dem Presence-Regler als auch mit dem Bright-Switch gut gezähmt werden kann. Da ich aber im Wesentlichen Zerrer nutze, spielt dieser Kanal sowieso keine so große Rolle.

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      Du Glücklicher Gewinner, Du :D Interessant zu wissen, dass auch der kleinere Sonzera wohl ordentlich rauscht. Fürs Studio dürfte das wohl eher nix sein. Ich empfand den Zerrsound als sehr unangenehm, habe das Teil aber auch pur getestet, ohne Zerrer im Signalweg. Aber auch danke für die Info, dass der Sonzera sich wohl gut mit Pedalen versteht!

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