Test: RCF M 20X, Digitalmischpult

19. März 2020

Mixing Power zum guten Preis

test rcf m20x

RCF M 20X, Digitalmischpult

RCF dürfte den meisten Lesern als italienischer Hersteller hochwertiger Lautsprecher bekannt sein. Doch auch Mischpulte gehören zum Portfolio. Mit dem brandneuen RCF M 20X Digital-Mixer legen RCF nun nach und dringen in den Bereich der kompakten Digitalpulte vor. Was der RCF M 20X auf dem Kasten hat und wie er sich von seinen Mitbewerbern abhebt, zeigt der folgende Test.

Der Hersteller RCF

2019 feierte RCF das 70-jährige Jubiläum, seit 1949 fertigt der italienische Hersteller bereits tontechnische Produkte. Alles begann in der Lombardei im Städtchen Reggio Emilia mit einem Bändchenmikrofon. Es folgte die Entwicklung von Lautsprecherkomponenten, die als OEM-Produkte in alle Welt verkauft wurden. In den 1970er Jahren folgten dann HiFi-Lautsprecher, in den 1980ern Autolautsprecher. In den 1990er Jahren starteten RCF schließlich die Produktion einer eigenen PRO SPEAKER-Serie für den Musiker. Der Durchbruch gelang 1996 mit dem ART-300 A Lautsprecher, der erste preisgünstige Aktivlautsprecher aus Kunststoff. Dieser wurde oft kopiert und wird von RCF bis heute in neueren Revisionen gefertigt. In den 2000ern dringt RCF auch immer weiter in den Professional-Audiobereich vor und die 4PRO-Serie und auch TT+ Line erfreuen sich großer Beliebtheit und werden von vielen Bands und Verleihern genutzt.

Kleiner ganz groß: RCF M 20X Digital-Mixer

Auf dem ersten Blick sieht man dem RCF M20X gar nicht an, was alles unter seiner Haube steckt. Das 13,1 x 38,8 x 42,8 cm große Metallgehäuse beherbergt auf der Front nicht weniger als 10+1 Motor-Fader (10 Kanal-Fader plus Master), fünf Encoder, einen Regler für die Kopfhörerlautstärke, 64 Schalter und ein  5“-Touch-Display. Hinzu kommen zwei  lange LED-Ketten, jede Menge Status-LEDs, zwei USB-Ports sowie ein SD-Karten-Slot, ein Miniklinkenanschluss und der Anschluss für den Kopfhörer.RCF M 20X Digital Mixer_front-acceso

Nicht weniger voll geht es auf der Rückseite zu. Das Anschlussfeld umfasst acht Mikrofoneingänge im XLR-Format für die Kanäle 1 bis 8, dann acht weitere kombinierte Mic/Line-Eingänge mit Combo-Buchsen (XLR/TRS) für die Kanäle 9 bis 16 sowie zwei Klinkenbuchsen für die Kanäle 17 und 18. Die beiden Kanäle 19 und 20 sind für den USB-Port beziehungsweise den Miniklinkenanschluss auf der Mischpultoberseite reserviert.

Weiter geht es mit den Ausgängen: Insgesamt 10 Mix-Outs, davon acht mit XLR-Buchsen und zwei mit Klinkenbuchsen (TRS) stehen zur Verfügung. Hinzu kommen noch der Main-Out (R/L, XLR) sowie ein AES/EBU-Ausgang (XLR), ein USB2-Anschluss (24/24 I/O, 24 Bit, 48 kHz Audiointerface) und LAN-Anschluss für die Remote-Funktionen. Leider gibt es keine Möglichkeit, das Pult mit einer digitalen Stagebox zu erweitern.

RCF M 20X Digital Mixer_back

Viele Anschlussmöglichkeiten machen den RCF M 20X für Bühne und Studio gleichermaßen interessant

Einen sehr guten Überblick über die zahlreichen Routing-Möglichkeiten gibt das Signal-Flow-Chart, das im Referenzhandbuch abgedruckt ist. Die Kanäle 1 bis 16 verfügen jeweils über ein 12 dB/Oktave Highpass-Filter, Phantomspeisung, Polarität, ein Gate, einen vierbandigen parametrischen Equalizer, Dynamics (Kompressor/De-Esser), Eingangs-Delay und Sends. Die beiden Kanäle 17 und 18 sind bis auf die fehlenden Dynamics ähnlich ausgestattet. Von dort aus geht es weiter auf einen der 16 zur Verfügung stehenden Busse: Main L/R, FX Send 1 bis 4, Mix Send 1 bis 8 oder Phones L/R. Neben den analogen Eingängen stehen weitere Signalquellen zur Verfügung. Genannt seien der USB-Player, USB2-Stream (24 I/O) und SD-Card Stream (20 I/O).

RCF M 20X Digital Mixer_Signal Flow

Signalfluss des RCF M 20X

Die Ausgänge verfügen selbstverständlich ebenfalls über reichlich DSP-Power: Für jeden Ausgang gibt es einen achtbändigen parametrischen EQ mit verschiedenen Filter-Slopes, ein Delay mit bis zu 85 Metern Laufzeitausgleich sowie einen Kompressor/Limiter. Für die Main-Ausgänge steht darüber hinaus noch ein graphischer EQ mit 30 Bändern zur Auswahl.

Auf der FX-Seite notiere ich vier FX-Wege, die mit zwei Reverbs, einem Delay und einem frei bestückbaren vierten Weg ausgestattet sind. Letzterer kann mit einem Modulationseffekt oder einem weiteren Delay-Effekt belegt werden.

So viele Features müssen natürlich irgendwie gehandhabt werden. Das kapazitive 5“-Touch-Display mit seinen fünf Encodern und vier Tastern gestattet Zugriff auf die meisten Mischpultfunktionen.

RCF M 20X Digital Mixer_Display

Die Bedienung geschieht hauptsächlich über das Touch-Display und fünf Encoder

Übersicht ist Trumpf

Was nach dem Einschalten sofort auffällt, ist der übersichtliche Aufbau des Bildschirminhalts. Selektiert man einen Kanal, zeigt das Touch-Display alle Infos, die man benötigt. Dazu gehört auch das Kanal-Routing, das andere Mischpulte gerne einmal auf einem gesonderten Screen unterbringen.

Die untere Reihe ist fest den fünf Encodern zugeordnet und wechselt ihren Inhalt in Abhängigkeit der aktuell gewählten Display-Seite. Links wird der Pegel angezeigt und die gerade aktiven DSP-Prozesse. In der Mitte sieht man die aktuell gewählte DSP-Seite mit ihren Funktionen und an der Oberseite des Displays sind die Icons der einzelnen DSP-Prozessoren (Channel, Gate, PEQ, Dynamics, Sends) zu sehen, über die schnell zu den zugehörigen Menüseiten gesprungen werden kann. Tippt man auf einen der Buttons oder Parameter im mittleren Feld des Bildschirms, öffnen sich entweder weitere Dropdown-Menüs oder der Parameter lässt sich direkt editieren.

Wählt man zum Beispiel den Kanalnamen aus, öffnet sich eine Bildschirmtastatur für die Benennung des Kanals. Drückt man hingegen auf die Routing-Buttons, wird ein Auswahlfeld für Analog, Stream und SD-Play angezeigt sowie eine Liste mit in der gewählten Kategorie verfügbaren Eingangssignalen. Das ist prima gelöst und das Routing geht auf diese Weise schnell und unfallfrei über die Bühne. Per Link-Schalter lassen sich zwei Kanäle miteinander koppeln.

RCF M 20X Digital Mixer_Channel

Alle wichtigen Infos und Bedienelemente eines Kanalzugs im Direktzugriff

Presets

Alle DSP-Prozessoren sind für die meisten Belange gut parametrisiert, eigene Kreationen lassen sich als Preset abspeichern. Es stehen Bänke mit ROM-Presets und USER-Bänke zur Verfügung, auf denen sich die eigenen Presets ablegen lassen. Für den EQ sind die Werkspresets sogar in Kategorien unterteilt, so dass schnell ein passendes Preset gefunden ist, das sich dann den eigenen Bedürfnissen anpassen lässt. Auch die Kanaleinstellungen lassen sich als Preset speichern und sogar per Copy & Paste auf einen anderen Kanal kopieren.

4-Band-EQ im Digitalmischpult

Der vierbandige parametrische Equalizer des RCF M 20X ist für die meisten Aufgaben vollkommen ausreichend. Zwar bietet die Konkurrenz hier oft einige Bänder mehr, doch sollte man mit vier Bändern ebenfalls gut klarkommen. Das erste und vierte Band lässt sich jeweils zwischen Shelving- und Peak-Charakteristik umschalten, die beiden mittleren Bänder 2 und 3 sind fest einem Peak-Filter zugeordnet.

Einstellen lässt sich bei den Peak-Filtern neben Gain die Frequenz und der Q-Faktor. Das Editieren geschieht entweder über die fünf Encoder oder direkt mit dem Finger in der angezeigten Filterkurve. Sehr nervig ist, dass sich mit den Encodern keine feine Einstellung der Frequenz in 1 Hz-Schritten vornehmen lässt. Es sind immer mindestens fünf oder sechs Hz-Schritte, manchmal sogar noch mehr. Mit dem Finger auf dem Touch-Display geht es feiner, allerdings ist das Display zu klein, um hier ohne große Fummelei mit dem Finger zu arbeiten.

RCF M 20X Digital Mixer_EQ

Der Kanal-EQ verfügt über vier Bänder

Dynamics-Abteilung

Die Dynamics-Sektion des M 20X ist mit einem Kompressor/De-Esser bestückt. Hier finden sich die üblichen Parameter Threshold, Ratio, Attack, Release und Gain. Per Button lässt sich der De-Esser-Modus aktivieren. Nun steht ein Highpass-/Bandpass-Filter im Sidechain des Kompressors zur Verfügung, dessen Frequenz eingestellt werden kann. Erneut lassen sich alle Einstellungen als Preset abspeichern.

RCF M 20X Digital Mixer_Kompressor

Der Kompressor lässt sich über ein Filter im Sidechain auch als De-Esser nutzen

RCF M 20X Digital Mixer_Gate

Das Gate des RCF M 20X Digital Mixer

Bus Sends

Etwas überfüllter ist der Sends-Bildschirminhalt des Mixers. Hier wird bestimmt, welchen weiteren Weg das Signal des Kanals nimmt. Einstellbar ist Cue für den PFL/AFL-Bus, der Abgriff und Pegel zu den vier Effektprozessoren (pre/post, on/off, Level) und der Abgriff und Pegel zu den acht Mix-Bussen (pre/post, on/off, Level). Außerdem lässt sich der Kanal einer DCA- oder Mute-Gruppe zuweisen.

RCF M 20X Digital Mixer_Mix-Select

Die verschiedenen Mixe der einzelnen Busse lassen sich schnell per Schalter aufrufen

Ausgangs-DSP-Processing

Wie erwähnt verfügen auch alle Ausgangs-Busse über ein eigenes DSP-Processing mit PEQ, Kompressor/Limiter und 30-Band-GEQ. Herausragend ist vor allem der 8-Band PEQ. Dieser verfügt nicht nur über eine hohe Anzahl von acht EQ-Bänder, sondern darüber hinaus über verschiedene Operationsmodi. So lassen sich zum Beispiel die Filterbänder 1 und 2 sowie 7 und 8 zusammenfassen, um ein steilflankiges Highpass- oder Lowpass-Filter zu erzeugen (24 dB/Oktave statt 12 dB/Oktave). Auch andere Kombinationen mit einem 24 dB/Oktave Highpass, 12 dB/Oktave Lowpass oder High Shelf und fünf Peak-Filtern sind möglich. Die Bedienungsanleitung zeigt die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten auf.

Der Kompressor/Limiter unterscheidet sich hingegen bis auf das fehlende De-Essing nicht von dem in den Kanälen eingesetzten Algorithmus. Neu hinzugekommen ist hingegen der 30-Band GEQ für die Main-Ausgänge. Dieser ist aufgeteilt in drei Frequenzzonen à 10 Bänder, die dann entweder per Touch-Display oder per Motor-Fader eingestellt werden können:

Bänder Zone 1: 25, 31, 40, 50, 63, 80, 100, 125, 160, 200 Hz
Bänder Zone 2: 250, 315, 400, 500, 630, 800, 1k, 1k25, 1k6, 2k Hz
Bänder Zone 3: 2k5, 3k15, 4k, 5k, 6k3, 8k, 10k, 12k5, 16k, 20k Hz

Die Bänder verfügen jeweils über einen Gain von ±12 dB.

Effekte des RCF Mixers

Drei der vier FX-Slots sind fest mit zwei Reverbs und einem Delay belegt. Der vierte Slot kann wahlweise mit einem Modulationseffekt oder einem Delay belegt werden. Als Reverb-Typen stehen vier Algorithmen mit je unterschiedlichen Varianten zur Verfügung:

HALL: Large Bright/Warm, Medium Bright/Warm
PLATE: Vintage, Modern
ROOM: Medium Bright/Warm, Small Bright/Warm
AMBIENCE: zwei Modelle

Alle Algorithmen lassen sich durch den Nutzer weiter den Erfordernissen anpassen. Dazu stehen die üblichen Parameter wie Pre Delay, Early Reflections, Decay, HF Damping zur Verfügung.

RCF M 20X Digital Mixer_Reverb

Das RCF M20X Digitalpult bietet verschiedene Reverb Algorithmen

Ähnlich ist es beim Delay. Fünf Algorithmen (Stereo, Vintage, Modern, Dual, ER) mit verschiedenen Variationen füllen den FX-Slot 3 und bei Bedarf auch Slot 4. Regeln lassen sich  Parameter wie Time, Feedback, Offset, Filter und Width. Welche Parameter genau zur Verfügung stehen, hängt vom gewählten Algorithmus ab. Natürlich ist auch eine Tap-Tempo für die Anpassung des Delay-Tempos an das Song-Tempo vorhanden.

RCF M 20X Digital Mixer_Delay

FX 3 ist fest einem Delay-Effekt zugeordnet

Bei den Modulationseffekten wählen wir zwischen Chorus/Flanger und Tremolo. Benötigen wir keinen Modulationseffekt, bestücken wir den Slot 4 einfach mit einem weiteren Delay.

RCF M 20X Digital Mixer_Chorus

Für FX 4 lässt sich zwischen Delay, Chorus/Flanger und Tremolo wählen

Interessant ist das Routing der FX-Returns. Diese lassen sich nicht nur auf alle verfügbaren Busse routen, sondern auch DCA- und Mute-Gruppen zuweisen. Außerdem ist es möglich, die FX-Returns mit den USB-In-Streams 17/18, 19/20, 21/22, 23/24 zu belegen. So könnte man nicht benötigte FX-Returns für einen Backing-Track aus dem Rechner nutzen oder eventuell sogar auch externe VST/AU-Effekte einbinden.

Pegelkontrolle

Neben dem erwähnten Kanal-Meter im Display und den beiden langen LED-Ketten gibt es eine gesonderte Metering-Page. Diese zeigt alle Eingangs-, Ausgangs- und Bus-Pegel übersichtlich an. Am oberen Bildschirmrand finden wir darüber hinaus noch einen RTA-Button. Aktiviert man diesen, zeigt das Display einen Realtime-Analyzer an, der vom jeweiligen CUE-Bus gespeist wird. Da alle Eingänge, Ausgänge und Busse auf den CUE-Bus gelegt werden können, gelangt auf diese Weise bei Bedarf jedes gewünschte Signal auf den Realtime-Analyzer. Gut gelöst. Die RTA-Darstellung ist dabei schön anzusehen und hat so gar nichts von den groben Klötzchen einiger Mitbewerber.

Achtung: Aufnahme!

Der M 20X besitzt gleich mehrere Möglichkeiten, die anliegenden Signale aufzuzeichnen. Die einfachste Möglichkeit ist das Stereo-Recording auf einen USB-Stick oder eine Festplatte, die Stereoquelle für die Aufnahme lässt sich dabei auswählen. Aufgezeichnet wird mit 24 Bit und 48 kHz. Die Wiedergabe erfolgt auf den Kanälen 19 und 20. Eine Besonderheit ist, dass neben den üblichen WAV-Files auch AIF- und MP3-Dateien vom USB-Stick oder einer Festplatte wiedergegeben werden können. Als Format wird FAT32 unterstützt.

RCF M 20X Digital Mixer_closeup

Für das Recording stehen gleich drei Möglichkeiten zur Verfügung: Stereo USB-Recording auf Stick oder HD, Multitrack-Recording auf SD Card oder Multitrack-Recording über die USB2-Schnittstelle auf der Rückseite des Mischpults

Wer etwas mehr möchte, greift zum integrierten SD-Card-Recording: 20 Tracks können mit 24 Bit und 48 kHz in eine Multichannel WAV-Datei geschrieben. Für die Wiedergabe können die einzelnen SD-Card Streams im Routing-Menü den Kanälen zugeordnet werden.

Und wie wäre es, per USB-Stick einen Klick- oder Backing-Track wiederzugeben und diesen dann gemeinsam mit den live gespielten Signalen auf SD-Card aufzuzeichnen? Auch das geht.

Die maximale Dateigröße für eine Einzeldatei entspricht 4 GB. Wird diese überschritten, beendet der Mixer die Datei und startet nahtlos eine neue Datei. So können auch sehr lange Sessions aufgezeichnet werden.

Die dritte Möglichkeit der Aufnahme ist das Nutzen eines Computers und der USB2-Schnittstelle. Auf diese Art und Weise können 24 Streams in den Computer und wieder zurück gespielt werden. Insgesamt eine Menge Möglichkeiten, das Geschehen auf der Bühne mitzuschneiden.

The Show must go on

Natürlich verfügt der Mixer auch über Szenenspeicher, im RCF-Jargon Show genannt. 100 Shows speichern sämtliche Mischpulteinstellungen. Darüber hinaus gibt es noch die Möglichkeit, auch die globalen Mischpult-Settings zu speichern.

Damit die Show nicht nur vom Mischpult, sondern auch vom Tablet aus gesteuert werden kann, unterstützt der zweite USB-Port des RCF M 20X WIFI-Dongles. Drei Chipsätze werden erkannt: RTL 8192CU, RTL 8188EU und RTL 8192DU. Nach dem Einstecken müssen nur noch das WIFI Passwort, die SSID und der WIFI-Kanal festgelegt werden und schon kann es losgehen.

Eine andere Möglichkeit ist die Verbindung per LAN. Per CAT5-Kabel erfolgt die Anbindung an einen WLAN Router. Nach der Eingabe von IP-Adresse, Subnetzmaske und Gateway-Adresse ist das RCF M 20X bereit. Alternativ steht auch DHCP zur automatischen Zuweisung einer IP- und Subnet-Adresse zur Verfügung.

Wie auch andere Hersteller bietet RCF beim M 20X User-Keys an, die frei mit verschiedenen Funktionen belegt werden  können. Insgesamt stehen acht von diesen praktischen Tastern bereit. Ob es nun das Aufrufen einer bestimmten Show ist, das Steuern des Recorders, Copy & Paste-Funktionen oder der Zugriff auf Tap-Tempo oder Mute/DCA-Gruppen, es stehen viele Möglichkeiten zur Auswahl.

RCF M 20X Digital Mixer_User-Keys

Acht frei belegbare User-Keys ermöglichen es, viele Mischpultfunktionen immer im Direktzugriff zu haben

Busfahrplan

Hinsichtlich des Routings lässt das RCF Pult fast keine Wünsche offen. Im Routing-Menü stellen wir die Verbindungen für alle Ein- und Ausgänge, Busse, Recording-Ausgänge und SD/USB-Streams ein. Auch die Signale, die per AES/EBU ausgegeben werden sollen, werden hier konfiguriert. Damit man es einfacher hat, geben RCF verschiedene Routings vor, die dann frei verändert werden können. Auch der Abgriff der Ausgänge für das Recording lässt sich zwischen pre und post EQ umschalten beziehungsweise Signale vor oder nach dem Main-GEQ abgreifen.

Damit es in Zukunft schneller mit dem Routing geht, lassen sich verschiedene Konfigurationen abspeichern und bei Bedarf schnell wieder laden.

RCF M 20X Digital Mixer_Routing

Das Routing-Menü des RCF M 20X Digital-Mixer

Mute & DCA Gruppen

Der Mixer bietet vier DCA- und vier Mute-Gruppen. Die DCAs bieten relative Lautstärke und Mute, die Mute-Gruppen nur Mute. Möchte man also alle Schlagzeug-Kanäle gemeinsam regeln, weist man diese einer DCA-Gruppe zu. Nun ist nur noch eine Reglerbewegung notwendig, um die Gesamtlautstärke des Schlagzeugs zu regeln oder alle Kanäle gemeinsam stummzuschalten. Die Gesangsmikrofone auf der Bühne könnte man einer Mute-Gruppe zuweisen, so dass in den Pausen schnell alle Mikrofone stummgeschaltet werden können.

RCF M 20X Digital Mixer_DCA

DCA- und Mute-Gruppen

Was sonst noch?

Es gibt noch einige weitere Menüseiten und Funktionen, dazu gehören Custom-Fader, Formatierung von SD-Card und USB-Sticks, ein Signal Generator (Pink Noise, Sinus), Link, Phantomspeisung, Pre/Post-Konfiguration der Busse, Import und Export von Mischpult-Settings sowie Backup und Restore. Für den Remote-Zugriff stellt RCF zwei Apps im App-Store von Apple zur Verfügung: M20 MIXREMOTE und M20 MYREMOTE. Letztere stellt eine einfache Mix-Umgebung für Smartphones zur Verfügung, um eigene IEM-Mixe zu erstellen, während MIXREMOTE den kompletten Funktionsumfang des Pults in schöner Aufmachung auf dem iPad präsentiert.

Qualität steht im Vordergrund

Der M 20X ist nicht nur äußerst gut verarbeitet, sondern klingt auch gut. Die Mikrofonvorverstärker machen einen prima Job. Alles klingt schön transparent und druckvoll. Hier einige Messungen, die das unterstreichen:

RCF M 20X Digital Mixer_Frequenzgang_Messung_01

Gerader geht es wohl nicht

RCF M 20X Digital Mixer_Frequenzgang_Messung_02

Einige der Filteroptionen des 8-Band PEQs: Highpass mit 12 dB/Oktave und 24 dB/Oktave, Peak-Filter mit variabler Breite

Auch die Fader des RCF M 20X Digital-Mixers haben eine sehr gute Qualität. Sie reagieren flott und laufen schön weich. Das Display ist gestochen scharf und die LEDs aller Buttons sind recht hell, manchmal sogar schon fast zu hell für meinen Geschmack. Alle Taster besitzen einen guten Druckpunkt und wirken stabil. Kaputtgehen sollte hier so schnell nichts.

Konkurrenz des M 20X Digital Mixer

Das RCF M 20X bewegt sich preislich aktuell bei 1.395,- Euro. Damit ist es nicht ohne Konkurrenz, denn in dieser Preisklasse hat Behringer gleich drei Mischpulte der X32-Serie positioniert. Die deutlich günstigere Variante ist das X32 Producer mit aktuell 1.149,- Euro Ladenpreis. Mit 1.279,- Euro etwas günstiger als das RCF M 20X ist das X32 Compact. Etwas teurer als das M 20X ist das große X32 mit 1.625,- Euro Ladenpreis.

Hinsichtlich der Ausstattung steht das RCF M 20X zwar nicht schlecht dar, kann aber mit einem der X32-Vertreter nicht ganz mithalten. Mehr Effekte, erheblich mehr Kanäle, AES50 Schnittstelle für digitale Stageboxen, Ultranet, mehr Bänder in den EQs, erheblich mehr Effekte, mehr USB-Streams sind nur einige der Möglichkeiten, die die X32-Plattform zu bieten hat. Nur auf das SD-Card-Recording muss man von Haus aus verzichten, es sei denn, man stattet das X32 mit der X-Live-Card aus. Dann steht sogar 32-Kanal-Recording auf gleich zwei SD-Karten mit Buffering für den Fall eines Stromausfalls nichts mehr im Wege.

Eine kleine Rechnung: Das X32 Producer plus X-Liv- Card kostet 1.348,- Euro, besitzt bis zu 40 Kanäle und mehr Fader und Regler. Nur ein Touch-Display gibt es nicht. Wer auf Scribble-Strips nicht verzichten möchte, bezahlt für ein X32 Compact samt X-Live Card 1.478,- Euro und damit nur 83,- Euro mehr als für das M 20X, bekommt aber ebenfalls einen höheren Funktionsumfang und mehr Möglichkeiten hinsichtlich der maximalen Kanalzahl.

Preislich in der Nähe liegt  mit 1.569,- Euro außerdem noch das schon länger am Markt eingeführte Allen & Heath Qu-16. Auch hier bekommt man viele Vorteile: absetzbare digitale Stagebox, Kompatibilität zum ME Personal Mixing System, mehr Ausgangs-Busse, Mikrofon-Presets für alle angesagten Mikrofone bekannter Hersteller (ähnlich wie beim Yamaha TF-1). Auch hier gibt es Multitrack-Recording direkt auf eine Festplatte, allerdings nur von 16 USB-Streams.

Die übrigen Vertreter wie PreSonus oder Yamaha sind entweder erst in deutlich höheren Preisgefilden um/ab 2.000,- Euro anzutreffen oder verfügen über keine direkt vergleichbaren Produkte in der genannten Preiskategorie zwischen 1.000,- und 1.500,- Euro. Bis auf die direkte Konkurrenz durch Behringer X32 Producer und X32 Compact ist der RCF M 20X Digital-Mixer also in dieser Preisklasse so gut wie alternativlos, wenn man Behringer meiden möchte.

RCF M 20X Digital Mixer_Top

Viele Features auf kleinstem Raum

M 20X Digital Mixer – für wen?

Der RCF M 20X Digital-Mixer ist vor allem für kleine Bands interessant sowie für das Home-Studio. Für mich persönlich tritt der M 20X Digital-Mixer das direkte Erbe der PreSonus StudioLive Classic Mischpulte an, die für viele Musiker und Bands vor einigen Jahren zu einer guten Alternative zum analogen Mischpult geworden sind. Nur wurde dieses Konzept hier durch Motor-Fader, SD-Card-Aufnahme, flexibles Routing, Touch-Display und einiges mehr sinnvoll erweitert.

Wer auf Features wie eine digitale Stagebox oder Personal-Monitoring-Systeme verzichten kann, findet hier ein gutes Produkt mit uneingeschränkter Road-Tauglichkeit. Die Bedienungsstruktur ist schnell erlernt und es gibt auf geringem Raum eine Fülle an Features. Besonders Umsteiger von analogen Mischpulten werden sich deshalb schnell zurechtfinden. Auch für Schulen oder Kirchengemeinden, die noch mit analoger Technik arbeiten, dürfte das M 20X deshalb sehr interessant sein. Durch die acht Combo-Buchsen ist der Mixer auch für Keyboarder als Submixer auf der Bühne und Heimstudios interessant. Vielleicht bietet RCF ja in Zukunft noch ein Einbau-Kit für das Rack an? Eine gepolsterte Tasche zum Transport gibt es bereits.

Fazit

Mit dem RCF M 20X haben die Italiener ein interessantes Produkt am Start, das insbesondere Umsteiger von analogen Mischpulten bewegen soll, den Einstieg in die Welt der Digitalpulte zu wagen. Sehr gute Verarbeitungsqualität, gepaart mit guten inneren Werten und einer sehr gut durchdachten Bedienstruktur, sprechen für sich und sorgen dafür, dass man am RCF M 20X lange Freude hat. Wer kein Audio-over-Ethernet für die Anbindung digitaler Stageboxen benötigt, findet hier vielleicht das passende Mischpult zu einem attraktiven Preis.

Plus

  • Touch-Display
  • MotorFader
  • viele Routing-Möglichkeiten
  • SD-Card Aufnahme von 20 Streams
  • Stereo-USB-Aufnahme auf Stick/HD
  • 24/24 I/O USB2-Interface
  • Remote-App
  • arbeitet mit vielen W-LAN USB-Sticks zusammen
  • AES/EBU-Ausgang
  • Verarbeitung

Minus

  • kein Audio-over-Ethernet für digitale Stageboxen
  • EQ-Frequenzen über Encoder nur grob einstellbar

Preis

  • 1.355,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Dalai Galama  

    „Per CAT5-Kabel erfolgt die Anbindung an einen WLAN Router.“
    Interessant. Anscheinend hat endlich mal Jemand nachgedacht und bringt wieder Kabel in die Funkstrecke. Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten!

  2. Profilbild
    DerAndy

    Schöner Artikel, aber Reggio Emilia ist kein Städtchen in der Lombardei, sondern liegt in der Region Emilia Romagna und ist mit 170.000 Einwohnern auch eher eine Großstadt.
    Schönen Gruß aus Italien

    • Profilbild
      Markus Galla  RED

      Hallo,
      das stimmt. Falsch gelesen. Grenzt an die Lombardei, wäre richtig gewesen. Da sieht man es wieder: Ich bin zu selten in Italien :-)

      Vielleicht berichtigt ja ein Redakteur meine geographische Fehlleistung.

  3. Profilbild
    Chris OldMan

    Mich hätte ja noch ein Vergleich zum QSC TouchMix16 interessiert, das preislich ja ungefähr in der gleichen Region angesiedelt ist.

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