Test: Rocktron Mainline, Endstufe für Gitarre

14. Mai 2019

Rocktron Mainline: Die 19-Zoller kehren zurück!

Rocktron Mainline 1

Rocktron Mainline

Man hatte eigentlich gedanklich schon mit der 19″-Ära abgeschlossen, da tauchten doch in der jüngeren Vergangenheit mit einer gewissen Regelmäßigkeit stets wieder neue Effektgeräte, Gitarrenendstufen, Vorstufen etc. auf dem Markt auf, die dieses altbewährte Format besitzen. Der Höhepunkt der Racks mit den gestapelten 19″ Aggregaten war in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Wer damals etwas auf sich hielt, versuchte den Gitarrenidolen und Studiomusikern dieser Zeit, allen voran Steve Lukather oder Mike Landau, nachzueifern, indem er versuchte, mit einem möglichst gut bestückten 19″ Rack im Studio oder beim Gig aufzutauchen. Dieser Trend war gegen Beginn des neuen Jahrtausends gestoppt, da nun alle plötzlich wieder mit herkömmlichen Verstärkern und vor allem auch vielen einzelnen Tretminen spielten.

Multieffektgeräte und 19″ Komponenten kamen dann irgendwie aus der Mode. Man muss nur fünfundzwanzig Jahre warten, dann ist das anscheined veraltete Equipment wieder voll in Mode bzw. als „Vintage“ zu bezeichnen und somit wieder gefragt. Unser heutiger Testkandidat ist die kraftvolle Rocktron Mainline Solid-State-Endstufe (Transistor), die 150 Watt pro Seite (Stereoendstufe) bereitstellt, die für quasi alle Gelegenheiten ausreichen sollten. Die Rocktron Mainline ist somit vornehmlich etwas für den professionellen Bereich, da diese Leistung für viele Einsatzbereiche als „Overkill“ bezeichnet werden kann, zumal die Leistung im „gebrückten“ Modus im Monobetrieb dann sogar 300 Watt (an 8 Ohm) beträgt. Die Mainline Endstufe ist sicherlich auch konzipiert, um hervorragend mit den vier 19″ Preamps von Rocktron (Plexi, Blackface, Top Boost und High Gain) zu harmonieren, die in naher Zukunft gleichfalls von uns getestet werden.

Rocktron Mainline Cover

Rocktron Mainline – Facts & Features

Der Bolide ist, wie man dies bei Produkten des Herstellers Rocktron gewohnt ist, sehr solide und absolut roadtauglich verarbeitet. Beim Öffnen des Kartons fällt sogleich das erhebliche Gewicht von 8,5 kg auf. Hier wurde der Fokus auf Qualität und Zuverlässigkeit gelegt, außerdem haben wir es mit einer Transistorendstufe zu tun, die leider ein höheres Gewicht als eine Class-D Endstufe erfordert. Klanglich soll die Rocktron Mainline den Sound und das Verhalten einer Röhrenendstufe emulieren.

Die Abmessungen betragen Abmessungen (B x T x H): 483 x 241 x 44 mm. Die Rocktron Mainline hat somit eine Höheneinheit und ist nicht übermäßig tief (wie z. B. eine Marshall JMP-1 Vorstufe oder auch die 2x 80 Watt-Stereoendstufe von Marshall) und sollte problemlos in den meisten Racks unterzubringen sein. Die an der Ober- bzw. rechten Seite angebrachten Lüftungsschlitze garantieren eine sichere Abfuhr der entstehenden Wärme, die bei Abrufen hoher Leistungen durchaus beträchtlich sein kann.

Stereo betrieben, erreicht der Bolide 150 Watt pro Kanal an 4 Ohm, 75 Watt pro Kanal an 8 Ohm, Stereo 37,5 bzw. Watt pro Kanal an 16 Ohm. Möchte man die Endstufe lediglich in Mono betreiben, kann im gebrückten Zustand eine maximale Leistung von 300 Watt an 8 Ohm bzw. 170 Watt an 16 Ohm erreicht werden.

Die grüne Leuchtdiode am Frontpanel signalisiert ein eingeschaltetes Gerät, die rote LED leuchtet, wenn beide Endstufenseiten gebrückt wurden.

Rocktron Mainline – Regler

Rocktron Mainline Front 1

Beide Kanäle wurden mit unabhängigen Reglern bestückt. Wir finden pro Kanal einen Regler für die Ausgangslautstärke (LEVEL), einen PRESENCE-Regler und einen RESONANCE-Regler, mit deren Hilfe sich effektiv der gewünschte Klang erreichen lässt, natürlich in Abhängigkeit der anderen Komponenten im Signalweg. Wie wir später im Abschnitt Sound noch hören werden, ist der RESONANCE-Regler aber nichts weiter als ein Bass-Regler, der nur eine etwas „anspruchsvollere“ Bezeichnung erhielt.

Rocktron Mainline – Rückseite

Um weltweit mit der Rocktron Mainline arbeiten zu können, lässt sich die jeweils benötigte Betriebsspannung mittels eines kleinen roten Schiebeschalters nach Bedarf anpassen. Der Auslieferungszustand für den europäischen Markt ist natürlich 230 Volt. Falls der Bolide wider Erwarten einmal Mono betrieben werden sollte, kann man mithilfe eines weiteren roten Schiebschalters die Leistung beider Endstufen durch „Brücken“ verdoppeln. Sinnvoll ist auch die Möglichkeit der Anpassung des Eingangspegels. So kann hier zwischen “Instrument“ und “Line“ gewählt werden, je nachdem, was die Vorstufe an Pegel liefert. Somit ergibt sich die Möglichkeit, ein Pedalboard ohne weitere Vorstufe an der Rocktron Mainline zu betreiben. Dann sollte der Regler auf „Instrument“ stehen.

Rocktron Mainline Back 1

Die Rückseite der Rocktron Mainline

Die beiden 6,3 mm Mono-Klinkeneingangsbuchsen und die vier Mono-Klinkenausgänge sind sinnvollerweise hinten zu finden. Die Rocktron Mainline ist, was die Impedanz der angeschlossenen Lautsprecher betrifft, recht anspruchslos, 4 Ohm müssen es laut Anleitung aber mindestens sein. Eine Möglichkeit zur Anpassung der Impedanz ist nicht vorgesehen.

Rocktron Mainline – Sound

Für die Audiobeispiele kommt mein Peavey Classic 20 MH zum Einsatz. Das Signal wurde nach der Vorstufe an der Send-Buchse des Effektweges abgegriffen und in die Rocktron Mainline geschickt. Als Lautsprecherbox diente eine MESA Boogie 1x 12″ Thiele Box, abgenommen mit einem Shure SM57. Durch die beiden Regler PRESENCE und RESONANCE vorne lassen sich alle nötigen Klangänderungen vornehmen und somit effektiv an die verwendete(n) Lautsprecherbox(en) anpassen. Die Rocktron Mainline bleibt klanglich neutral, verändert sich also charakterlich nicht mit zunehmender Lautstärke.

Wir hören zunächst einen klaren Sound meiner PRS Custom 24 auf dem Hals-Pickup. Die Regler RESONANCE und PRESENCE befinden sich auf 12.00.

Gefolgt von einem crunchy Sound. RESONANCE und PRESENCE stehen jeweils auf 14.00.

Nun mit recht ordentlicher Verzerrung und Klangregelung auf 12.00.

Auch wenn man direkt mit dem Pedalboard in die Rocktron Mainline geht (der kleine Druckschalter neben der Eingansbuchse steht für diesen Zweck auf „Instrument Level“), bekommt man ein gutes Ergebnis. Die kräftige Endstufe erledigt auch diesen Job gut und hat selbst ohne den Einsatz einer Vorstufe die nötigen Lautstärkereserven, um auch gegen einen lauten Drummer zu bestehen.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

PRS Custom 24 – Pedalboard bzw. Vorstufe eines Peavey Classic 20 MH –  Rocktron Mainline – MESA/Boogie 1 x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Shure SM57 – Apogee Duett – Mac mit Logic (etwas Hall hinzugefügt).

Fazit

Die Rocktron Mainline Endstufe ist sehr solide verarbeitet und bietet einen linearen Klang auch bei Abrufen hoher Leistungen. Die Regler RESONANCE und PRESENCE erlauben eine deutliche Klangverbiegung und somit eine flexible Anpassung an die verwendeten Gitarrenboxen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Rocktron Mainline ist noch als gut zu bezeichnen, da sie klanglich voll überzeugt.

Plus

  • Sound
  • Leistung
  • Verarbeitung

Minus

  • Gewicht

Preis

  • Ladenpreis: 579,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    ArvinG  

    Welchen Ausweg ausser 19 Zoll könnte es denn sonst noch geben, nachdem die 37te Tretmine den Boden zustellt, ähnlich wie bei den Desktop Tischhupen. Vielleicht liegt die Wahrheit doch in der Mitte.

    • Profilbild
      Johannes Krayer  RED

      Da hast Du Recht, Alternativen gibt es nicht wirklich, wie warten also weiterhin auf „Brain to MIDI“,
      Wer weiß, was wir alles noch erleben werden.

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