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Test: Roland AX-Synth, Keytar Synthesizer

AX-Synth umhängen und rocken

24. März 2010

Das große 80er Jahre Revival nimmt kein Ende, und nachdem in den letzen Jahren selbst die gefürchtete „Vo-Ku-Hi-La“ die Köpfe vieler junger Menschen wieder ziert, ist es aller höchste Zeit für die Wiederauferstehung der so genannten „Keytar“. Wie die Wortmischung aus Keyboard und Guitar schon verrät, geht es um das stark polarisierende Umhängekeyboard. Obwohl es die ersten Versionen schon in den 60er Jahren gab, erzielte dieses optisch eigenwillige Instrument seinen größten Erfolg in den 80er Jahren, danach wurde es weites gehend verpönt.
Die AX-Serie von Roland ist eine der bekanntesten seiner Art, die bereits 2002 wieder zum Leben erweckt wurde. Nun bietet Roland erstmalig ein neues Modell mit integrierten Rom-Sounds an – den AX-Synth.

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Das Roland Keytar auf den ersten Blick

Das äußerst solide Kunststoffgehäuse der neuen Roland „Keytar“ erscheint in strahlendem Weiß und wurde am Halsansatz , wie bei zahlreichen E-Gitarren, mit einem unteren Cutaway versehen. Was bei E-Gitarren durchaus Sinn macht, da leichter die oberen Bünde zu erreichen sind, ist hier eine rein optisch Aufwertung, die den AX-Synth ein bisschen wie eine riesige Axt mit überdimensioniertem Blatt aussehen lässt.
49 anschlagsdynamische Tasten zieren das Gehäuse, welches in der Länge 114 cm, in der Tiefe 26,6 und in der Höhe 8,7 cm misst.
Das Gewicht von 3,9 kg entspricht weitestgehend dem einer schweren E-Gitarre und ist im Vergleich zu einem Moog Liberation mit seinen 6,3 kg doch wesentlich rückenfreundlicher.
Damit direkt im Stehen losgerockt werden kann, ist im Lieferumfang ein einfacher Schultergurt enthalten, genau wie das externe Netzteil und die gut verständliche Anleitung. Optional kann die „Keytar“ auch mit acht AA-Batterien bis zu sechs Stunden betrieben werden, wodurch die Bewegungsfreiheit auf der Bühne natürlich deutlich wächst.
Die Sounds des AX-Synths sind in neun einfache Gruppen unterteilt, wie zum Beispiel Bass, Lead oder Brass, die sich bequem über üppige Knöpfe anwählen lassen. Ein überschaubares dreistelliges Display liefert dabei Auskunft über den angewählten Speicherplatz.

Modulationshals des AX-Synth

Der Hals ist mit unterschiedlichsten Echtzeitcontrollern ausgestattet, mit denen wilde Klangmodulationen verwirklicht werden können – bei Bedarf natürlich auch mit ganzem Körpereinsatz.
Zuerst einmal gibt es auf der Rückseite des Halses jeweils einen Regler für Volume und Aftertouch, sowie drei Druckknöpfe für Portamento, Bender und Hold. Der Bender-Mode-Taster beeinflusst das Verhalten des auf der Vorderseite liegenden Ribbon Controllers. Mit ihm lässt sich gleitend die Tonhöhe variieren, während der direkt daneben liegende Modulationshebel in der Regel für Vibrato- und Tremolo-Effekte zuständig ist.
Über den Octave/Variation-Taster kann der Klang des AX-Synths transponiert werden, was sowohl in ganzen Oktaven als auch Halbtonschritten möglich ist.
Zusätzlich wurde noch ein D Beam Controller eingebaut, der schon häufiger seinen Platz in Roland Synthesizern gefunden hat. Mit ihm lassen sich via Infrarot wahlweise Filter, Pitch oder eine beliebige Control-Change-Nummer kontrollieren. Die Steuerung erfolgt mit freien Handbewegungen in der Luft und erinnert ein bisschen an die Bedienung eines Theremin.

Anschlüsse des Umhänge-Keyboards

Der Roland AX-Synth kann wahlweise mono oder stereo genutzt werden und besitzt dafür zwei 6,3 mm Klinkenausgänge und einen Kopfhöreranschluss. Damit es bei der Verwendung eines empfindlichen Funksystems nicht zu Übersteuerungen kommt, kann das Ausgangssignal herabgesetzt werden, was einmal mehr in Hinblick auf die Bühnentauglichkeit sehr durchdacht wirkt.
Gleiches gilt auch für die Kabelsicherungen neben der Netzteilbuchse und dem obligatorischen MIDI-Duo (In/Out). Dieses kann aber auch bei der Arbeit mit einem Computer durch den USB-Port ersetzt werden, der dann die Übertragung der MIDI-Daten übernimmt. Zusätzlich dient der USB-Anschluss zur Datensicherung oder als Verbindung zum Software Editor.
Wem die zahlereichen Modulationsmöglichkeiten am Hals noch nicht genügen, kann optional noch ein Pedal verwenden.

Klangerzeugung des tragbaren Synthesizers

Bei dem Roland AX-Synth handelt es sich um einen Rompler, das heißt, dass als Wellenformen Samples genutzt werden. Die Klangerzeugung basiert auf der des Fantom-X und verfügt über maximal 128 Stimmen. Sehr umfangreich ist der Speicher, der 256 Plätze für normale Sounds, acht Plätze für besonders natürliche Klänge und 16 zum Sichern der eigenen Favoriten bietet. Mit der Software AX-Synth Librarian lassen sich Programme und Bänke einfach verwalten, sobald die „Keytar“ mit einem Rechner verbunden wird.
Obwohl es sich bei dem AX-Synth um einen Rompler handelt, können eigene Sound kreiert werden, wozu der AX-Synth Editor notwendig ist. Leider wurden beide Applikationen nicht zusammengefasst, was etwas zeitgemäßer und einfacher in der Handhabung gewesen wäre.
Zudem fallen die Bezeichnungen für Programme und Bänke am AX-Synth und in der Software unterschiedlich aus, obwohl das gleiche gemeint ist. Das ist anfänglich recht irritierend und lässt sich erst mit Hilfe einer Übersetzungstabelle im Manual entschlüsseln.

Das Gestalten eigener Klänge ist via Editor allerdings sehr komfortabel. Ein Sound bzw. Patch kann maximal aus vier so genannten Tones bestehen. Ein Tone setzt sich wiederum aus einem Wave-Generator mit bis zu zwei Wellenformen, Filter und Amplifier zusammen, wobei jede der drei Komponenten über eine eigene Hüllkurve verfügt. Zusätzlich kann ein Tone mit zwei LFOs moduliert werden. Der Wave-Generator besitzt ganze 313 Roms, während bei den LFOs 13 unterschiedliche Wellenformen zur Auswahl stehen. Für das Filter können wahlweise sechs verschieden Typen verwendet werden.
Im Patch lässt sich die Summe der Tones schließlich mit einer riesigen Auswahl an Effekten versehen. Die Liste reicht von gängigen Modulations-, Delay- und Reverb-Effekten bis hin zu Amp-Simulationen, LoFi- und Kombinationseffekten.

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Weitestgehend erinnert die Arbeit mit dem AX-Synth Editor an einen Fertigbaukasten, mit dem hochwertige Presets zusammengesetzt werden können. Durch die sehr große Auswahl an Roms und die enormen Modulationsmöglichkeiten ist es durchaus möglich, individuell klingende Sounds zu erstellen. Gerade Anfänger dürften schnell zu passablen Ergebnissen gelangen, da die Roms wirklich sehr gut klingen und die Software übersichtlich gestaltet ist.

Praxis und Sound ds AX-Synth

Obwohl es recht ungewohnt ist, zum ersten Mal ein Keyboard an einem Gurt um den Hals hängen zu haben, gestaltet sich das Spielen auf Anhieb recht einfach. Mit der rechten Hand werden die Tasten bedient, und die Linke sorgt für subtile oder wilde Modulationen am „Keytar-Hals“.
Das Spielgefühl ist wirklich anders als bei einer waagerecht ausgerichteten Tastaturen, was besonders am Anfang zum Schmunzeln anregt, gerade wenn der Spieler zu übermäßigem Körpereinsatz neigt. Während bei einer Gitarre durch extreme Hand- und Armbewegungen der Ton immer weiter verändert werden kann, darf beim dem AX-Synth natürlich nicht vergessen werden, dass bei einem Controller-Wert von 127 Feierabend ist. Letztendlich muss das aber ja im Publikum keiner wissen – Hauptsache es macht Spaß!
Tatsächlich entstehen aber, bedingt durch die Körperhaltung und die zahlreichen Modulationsmöglichkeiten, ungewohnte Betonungen und Varianten, auf die man vielleicht mit einem gängigen Keyboard nicht kommen würde. Ein Gitarrist würde sein auf dem Tisch liegendes Instrument sicherlich auch erst mal etwas anders bedienen. Etwas unkomfortabel wirkt jedoch das Spielen mit zwei Händen, da der Gurt, der über die linke Schulter führt, auch stets den linken Arm stört. Für derartige Anwendungen kann die Keytar natürlich auch wieder zum Keyboard werden, indem sie ganz klassisch auf einen Ständer gelegt wird.

Wer die Fantom-Serie von Roland kennt, kann sich natürlich schon ausmalen, wie der AX-Synth klingt. Er ist druckvoll, sehr klar und sauber und bietet durchgehend solide Brot- und Buttersounds aus allen Bereichen. Es gibt viele einfache analoge Bässe, breite und große Flächen, knarzige Leadsounds und Synthbrasses. Tendenziell sind die reinen Synthklänge recht 70er und 80er Jahre lastig.

Auch E-Piano, Orgel oder E-Bass wissen zu überzeugen, wogegen die stark verzerrten E-Gitarren Presets etwas überzüchtet wirken, aber sicherlich live aber auch mal als Gimmick eingesetzt werden können. Erstaunlich sind die Simulationen akustischer Instrumente, zu denen die unveränderbaren Super Natural und Special Tones gehören. Das Grand-Piano hat einen schönen vollen Klang, und selbst die Solo-Geige hat bei wohl bedachter Anschlagstärke und sensibler Modulation eine gewisse Authentizität.
Auch manche Bläser oder sogar Scatsounds wirken sehr echt, wobei immer die Spielart maßgeblich für ein reelles Klangbild verantwortlich ist, was insbesondere an den Tonübergängen auffällt.

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Fazit

Wie Eingangs erwähnt, gehört die Keytar zu den Instrumenten, die man nun eben mag oder nicht. Losgelöst davon ist der AX-Synth ein Prachtexemplar seiner Art! Er ist zu allererst einmal rückenschonend, äußerst solide verarbeitet und besitzt einen sehr hochwertigen Klang. Zudem bietet er dank Batteriebetrieb und Funksender-freundlicher Buchse die Möglichkeit, sich völlig frei mit einem Keyboard auf der Bühne zu bewegen. Auch der Hals mit seinen zahlreichen Modulationsmöglichkeiten lässt keine Wünsche offen und lädt regelrecht zu großen Klangveränderungen und Gesten ein.
Selbst seine etwas einfache Beschaffenheit als Rompler steht dem AX-Synth sehr gut, da es sich um keinen Synthesizer für Klangexperimente, sondern um ein waschechtes Show-Keyboard handelt.

Plus

  • Verarbeitung
  • Sound
  • Modulationsmöglickeiten

Preis

  • 995,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    ich find das teil macht zwar was her auf der bühne, aber der preis ist viel zu hoch für so einen bühnengag. ich würde mir das nicht kaufen.

  2. Profilbild
    Alex_KIDD

    schick sieht er ja aus…nur finde ich den Preis
    persönlich auch zu hoch. Keytars sind zwar
    nicht nur etwas für die 80s aber es kann auch schnell „kindisch“ wirken.

    Für die Zielgruppe sicherlich ein gutes Stück
    Roland.

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    auf der musikmesse wurde noch einer (meiner meinung nach) kleinere version vorgestellt. schwerer zu spielen, als ich gedacht habe. für arpeggios ganz gut, doch nicht so gut taglich für fetzige Akkorde. so genau hab ich ihn dann aber doch nicht getestet. das teil ist cool.

  4. Profilbild
    Radschlaeger

    Typischer Roland-Sound, wie in vielen ihrer Keyboards. Die verwenden im Grunde immer die gleichen Soundboards, so dass es hier nix Neues gibt.
    Idealer wäre ein angepasses ROM für Solostimmen wie Synth-Lead und GUTE E-Gitarren.

    Ansonsten nettes Gimmick.

  5. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Warum ist die Schwarze Version fast 100 € teurer?

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