Test: Sennheiser IE 100 Pro Wireless, In-Ear-Kopfhörer

15. April 2021

Günstiger In-Ear für Bühne, Bahn und Sport

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Sennheiser IE 100 Pro Wireless, In-Ear-Kopfhörer

Im mittlerweile recht hart umkämpften Markt der günstigen In-Ear-Kopfhörer möchte Sennheiser mit seinem neuen IE 100 Pro punkten und präsentiert diesen gleich in zwei Versionen und drei Farben. Nachdem auch der US-amerikanische Hersteller Mackie in den Bereich der In-Ear-Kopfhörer und Mikrofone und auch die Eigenmarken der großen Musikhäuser den Weg zum ein oder anderen Kunden gefunden hat, müssen Sennheiser, Shure & Co. offensichtlich nachlegen. Dabei stehen vermutlich nicht nur die Hobby- und Semi-Profi-Musiker im Fokus der Entwicklung, sondern auch der Consumer-Markt, der ungemein größer ist als der Bereich der Musiker. Schauen wir einmal, was der IE 100 Pro zu bieten hat.

Was bietet der Sennheiser In-Ear-Kopfhörer?

Gut zwei Jahre ist her, dass ich den Einsteiger-In-Ear-Kopfhörer IE 40 von Sennheiser bei mir zum Test hatte. Dieser hinterließ einen sehr guten Eindruck bei mir, vor allem im Hinblick auf den günstigen Preis von unter 100,- Euro. Im gleichen Preisbereich siedelt Sennheiser nun den IE 100 Pro an, macht man sich nun Konkurrenz im eigenen Haus? Nein, laut Sennheiser wird der IE 40 nicht mehr produziert. Aktuell werden also die letzten Kopfhörer dieses Typs abverkauft.

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Erhältlich ist der IE 100 Pro in den zwei Versionen „Wireless“ und „kabelgebunden“, wobei es die drahtlose Varianten in Schwarz und durchsichtig (clear) gibt, die kabelgebundene Version zusätzlich auch in Rot. Während die Wahl der Farbe keine Auswirkung auf den Preis hat, liegt der Preisunterschied zwischen Kabel- und Drahtlosversion bei 50,- Euro, vertretbar wie ich finde.

Für den Test stellte uns Sennheiser den Wireless Clear zur Verfügung. Geliefert wird der IE 100 in einem bedruckten Pappkarton. Darin befindet sich neben den In-Ear-Kopfhörern ein 130 cm langes Anschlusskabel, das auf einen vergoldeten 3,5 mm Klinkenstecker endet und per Steckverbindung an die Hörer angeschlossen werden kann. Wer also gerade keine Bluetooth-Verbindung zur Hand hat oder den Kopfhörer an bühnentaugliche In-Ear-Monitoringsysteme anschließen möchte, kann dies also ohne Probleme tun.

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Vier Ohrpassstücke und ein Mini-Transportbeutel gehören zum Lieferumfang des IE 100 Pro von Sennheiser

Ebenfalls zum Lieferumfang gehören eine Mini-Transporttasche sowie insgesamt vier verschiedene Ohrpassstücke in diversen Größen und Formen, ein USB-C auf USB-A-Kabel, eine mehrsprachige, gedruckte Kurzanleitung sowie die Garantiebedingungen. Zusätzlich legt Sennheiser dem IE 100 Pro ein kleines Werkzeug für die Reinigung des In-Ear-Kopfhörers bei, sehr schön.

Der Sennheiser IE 100 Pro Wireless im Detail

Der erste Eindruck des In-Ear-Kopfhörers ist sehr gut. Das in meinem Fall durchsichtige Kunststoffgehäuse des IE 100 Pro erlaubt ein paar Blicke ins Innere zu und ist mit wenigen Gramm angenehm leicht zu tragen. Entsprechend wenig bis gar nicht – vorausgesetzt man hat die passenden Ohrpassstücke aufgesteckt – merkt man den Kopfhörer im Ohr. Auf der Außenseite prangt das bekannte Sennheiser Logo, nach innen hin gerichtet findet sich die Bezeichnung des Kopfhörers.

Der dynamische Treiber des IE 100 wurde laut Sennheiser neu entwickelt und soll für „eine präzise akustische Übersicht bei Live-Sessions und -Sets“ sorgen. Auch bei hohen Pegeln soll der Klang des In-Ear-Kopfhörers stets verzerrungsfrei und klar bleiben.

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Erhältlich ist der IE 100 Pro in den drei Farben Schwarz, Clear (durchsichtig) und Rot, die Wireless-Version lediglich in Schwarz und Clear

Entgegen vieler Mitbewerber setzt Sennheiser beim IE 100 nicht auf ein 2- oder 3-Wege-System, sondern einen „dynamischen Treiber der nächsten Generation“, weitere Informationen gibt es seitens Sennheiser dazu aber leider nicht. Dass dies nicht zwingend schlecht sein muss, weiß jeder, der schon einmal 2- und 3-Wege-Studiomonitore im direkten Vergleich hören konnte. Nicht zwingend führen mehr Wege auch zu seinem besseren Klang. Hierzu auch ein kurzes Statement von Axel Ritt, dem Autor unseres In-Ear-Monitoring-Workshops, den ihr hier findet.

Wie viele Treiber/Wege sollte mein In-Ear-Monitoring-System haben?

Im Allgemeinen gilt bei den meisten Nutzern der Satz: „Je mehr Treiber, desto besser der Klang.“ Sofern es sich um den HiFi-Bereich handelt, ist dieser Ansatz auch meistens zutreffend, aber je nach Instrumentengattung kann dies auch völlig anders ausfallen. Ein gutes Beispiel ist eine verzerrte Gitarre, die ihr Hauptaugenmerk auf den Mittenbereich legt. Ich konnte zwei Versionen des gleichen Ohrhörers, einmal mit zwei Treibern, einmal mit vier Treibern direkt miteinander vergleichen und die vermeintlich einfachere Ausführung klang deutlich besser. Zwar mangelte es an den Ultra-Lows und Ultra-Highs, aber das persönliche Instrument war deutlich prägnanter und ausgewogener im Klang.

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Bezüglich der technischen Daten gibt Sennheiser für den IE 100 Pro einen Frequenzbereich von 20 Hz bis 18 kHz, einen maximalen Schalldruckpegel von 115 dB, eine Impedanz von 20 Ohm und einen Klirrfaktor von <0,1 % an. Zur Information: Die Daten mit denen des eingangs erwähnen IE 40 komplett identisch.

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Der IE 100 Pro mit angeschlossenem BT Connector (Akku und Steuerung)

Wie klingt der Sennheiser IE 100 Pro Wireless?

Klanglich bekommt man mit dem IE 100 Pro einen guten Allrounder geboten. Der wirklich tiefgehende Bassbereich überzeugt mit druckvollem Sound und einer klaren Abbildung, auch bei höheren Lautstärken. Schwammig wird er nie und auch kurze akzentuierte Anschläge bekommt der neueste In-Ear-Kopfhörer von Sennheiser gut abgebildet.

Wandert man frequenztechnisch weiter nach oben, bleibt das akkurate Klangbild weiter erhalten. Etwas Schwierigkeiten machen dem IE 100 Instrumente bzw. Signale, die frequenztechnisch sehr eng beieinander liegen, das habe ich bei höherpreisigen In-Ears durchaus schon besser gehört.

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Trotzdem ist der Sound klar und der IE 100 Pro macht für einen In-Ear-Höhrer unterhalb der magischen 100,- Euro Grenze einen wirklich tollen Job.

Ein weiterer kleiner Kritikpunkt sind allerdings die Höhen, hier empfinde ich den IE 100 teilweise als leicht scharf. Da mir dies aber bereits beim IE 40 aufgefallen ist, mag es auch einfach die Sennheiser’sche Abstimmung sein, die nicht ganz mit meinem eigenen Hörempfinden übereinkommt. Umso wichtiger ist da natürlich das eigene Testen und Probehören.

Auch wenn Live-Auftritte aktuell nicht möglich sind, konnte der In-Ear-Kopfhörer während mehrerer Proben und Live-Streams getestet werden. Dabei kam er sowohl an einem Sennheiser Drahtlossystem als auch kabelgebunden zum Einsatz. Die produzierte Lautstärke reichte in beiden Konstellationen vollkommen aus.

Auch zum Musikhören zu Hause oder in der Bahn und beim Sport macht der IE 100 Pro einen sehr guten Eindruck. Unter anderem sorgt die niedrige Impedanz dafür, dass er auch an mobilen Endgeräten (während des Tests an einem iPhone SE) mit ausreichend Kraft versorgt und ordentlich aufspielen kann.

Drahtlos-Verbindung mit dem IE 100 Pro Wireless

Die drahtlose Bluetooth-Verbindung kann beim IE 100 Pro, im Test zusammen mit einem iPhone SE, ohne Probleme hergestellt werden. Im Gegensatz zur kabelgebundenen Version wird für die drahtlose Verbindung der zum Lieferumfang gehörende BT-Adapter an die In-Ears angeschlossen. Dieses lässt sich galant um den Nacken legen und verfügt über zwei kleine Kunststoffrechtecke, in dem einerseits der Akku, andererseits die Steuerungsmöglichkeit untergebracht ist. So ganz drahtlos ist das also nicht, denn die In-Ears brauchen natürlich eine Möglichkeit, um Signale zu empfangen.

Der IE Pro BT Connector ist auch separat erhältlich, d. h. man kann die kabelgebundene Version später auch mit der drahtlosen erweitern. Preislich liegt man dann aber 50,- Euro höher als wenn man direkt zur Wireless-Version greift.

Der Adapter stellt die Bluetooth-Verbindung zum mobilen Endgerät über Bluetooth 5 her und unterstützt die Profile A2DP, AVRCP, HSP und HFP. Der verbaute Akku reicht laut Sennheiser für einen Betrieb von 10 Stunden, über einen USB-C-Port lässt sich der BT-Connector zwecks Aufladung an einen Computer oder mit Hilfe eines USB-Netzteils an eine Steckdose anschließen.

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Der Sennheiser IE 100 Pro zusammen mit dem BT Connector und dem „Nackenkabel“

Im Verlauf des Tests gab es beim drahtlosen Bluetooth-Betrieb keinerlei Probleme oder Einschränkungen. Die Kopplung mit einem iPhone SE gelingt auf Anhieb und die vier Bedienelemente des BT-Connectors sind schnell verstanden und lassen sich ohne Weiteres nutzen. Neben der Möglichkeit, die Lautstärke per Plus/Minus-Taster anzupassen, kann man den gekoppelten Audio-Player auch starten, stoppen und zum nächsten bzw. vorherigen Tracks navigieren. Auch eine Funktion zur Annahme von Telefonanrufen ist integriert.

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Auf Wunsch lässt sich sogar ein Voice-Assistant aktivieren, der darüber Auskunft gibt, welche Funktion gerade gesteuert wird – sehr schön. Zur Not hilft hier aber auch die beiliegende Kurzanleitung weiter, die alles mit Hilfe von passenden Bildern erklärt.

Fazit

Mit dem IE100 Pro hat Sennheiser einen günstigen Einstieg in die Welt der In-Ear-Kopfhörer entwickelt, der in den zwei Varianten „kabelgebunden“ und „wireless“ erhältlich ist. Knapp unterhalb der 100,- Euro Marke ist die kabelgebundene Version angesiedelt, die drahtlosen In-Ears kosten 145,- Euro. Für diesen Preis bekommt man sehr gut verarbeitete In-Ears mit einem sehr guten Klang. Egal ob auf der Bühne, zum Musikhören oder auf Reisen, die IE100 Pro machen einen sehr guten Job und können uneingeschränkt empfohlen werden. Drei Sterne, toll!

Plus

  • Klang
  • Verarbeitung
  • Lieferumfang

Minus

  • etwas scharf in den Höhen

Preis

  • IE 100: 95,- Euro
  • IE 100 Pro Wireless: 145,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    gaffer  AHU

    Wären mehr Wege bei Lautsprechern besser, hätten wir 10 oder 20 Wege Boxen. Die gibt es aber nicht. Eine Weiche erzeugt einfach zu viele Probleme. Dazu die verschiedenen Positionen der Lautsprecher. Der Ansatz ist eher (zumindest nach den 70ern) so wenig Wege wie möglich, daher die große Zahl von 2-Wege Boxen. Jeder ernsthafte Designer wird sich immer wieder am 1-Weg System versuchen.

    • Profilbild
      martin stimming  

      Ja, im Sinne der Phasengenauigkeit ist ein Treiber viel besser als Mehrere – ich hatte mal das top-modell von audiotechnica ath70 oder so, das klang auf den ersten blick ganz toll, feinaufgelöst, etc. aber sobald ich genauer hingehört habe war das komplette klangbild wie aus vier verschiedenen teilen zusammengesetzt, und an den nahtkanten gab es schmierereien die sehr verstörend waren. selbst ue-7 haben dieses problem.
      phasengenaue ein-membraner sind wirklich toll (die IE serie von sennheiser, auch die ER-4XR sind super) aber diese treiber schlacht ist meiner erfahrung nach leider reines marketing für leute die nicht wirklich hören können.

  2. Profilbild
    Dimension D  

    Ich selbst besitze die IE40 und bin recht zufrieden damit aber mich hätten schon die klanglichen Unterschiede zwischen dem IE40 und IE100 mal interessiert.
    Ist da mit den neuen Treibern Soundtechnisch was größeres passiert?
    Die technischen Werte sind ja komplett identisch wie es im Test schon steht und die leicht scharfen Höhen haben die IE40 ja auch.

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