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Test: Sonuscore Elysion 2, Ambient Scoring Tool

1. Dezember 2021

The Orchestra für den Weltraum

The Orchestra, Lyrical Phrases, Action Strings, Action Strikes, Emotive Strings und vieles mehr – die Liste der Produktionen mit vorproduzierten, aber flexibel anpassbaren Arrangements und Phrasen, die Dynamedion-Ableger Sonuscore bisher vorzuweisen hat, ist lang und beachtlich. Kein Wunder, ist Dynamedion seit 20 Jahren doch die unangefochtene Nummer eins, wenn es um Vertonung von Blockbuster-Games geht; ausreichend Erfahrung im Umgang mit Orchestern, Sounds und Sounddesign darf man da also getrost voraussetzen. Diese Erfahrungen fließen dann in diverse, oben genannte Library-Produktionen ein (z.B. aber auch die Boom Library). Dass sich die Mainzer aber auch außerhalb des Orchestergrabens wohl fühlen, hatten sie unter anderem vor zwei Jahren mit „Elysion“ bewiesen. „Das Sonuscore Elysion Software-Instrument überzeugt durch eine hervorragende Klangqualität, eine leicht zu durchschauende Bedienung und durch schnell produzierte, brauchbare Ergebnisse“ – schrieb Peter Grandl in seinem Testbericht. Jetzt ist die Fortsetzung erschienen. „Nur“ ein paar neue Klänge? Oder hat sich sonst etwas getan? Hören wir mal rein.

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Elysion 2

Elysion 2 – The Encounter

Download und Installation

Elysion 2 (das auch den Namen „Elysion 2 – The Encounter“ trägt)  kann direkt über die Webseite von Sonuscore, aber auch (wie in meinem Fall) bei Best Service als Download heruntergeladen werden. Die rund 22 GB sind in 12 Pakete gepackt, die nach dem Download noch eben in ein Verzeichnis der Wahl entpackt werden müssen. Was ebenso schnell und unkompliziert geht wie die Online-Registrierung und -Aktivierung der Library über Native Access? Warum Native Access? Weil Elysion 2 zusammen mit Kontakt (Player oder Vollversion an Version 6.6.0) läuft, was einerseits von Vorteil ist – da dieses GUI ja inzwischen jedem hinlänglich bekannt ist – andererseits wegen der immer noch fehlenden Skalierbarkeit aber nie das übersichtlichste System gewesen ist und inzwischen in Zeiten von hochauflösenden, großen Monitoren dringend einer Modernisierung bedarf. Das umfangreiche deutsche PDF-Handbuch gehört nicht mit zum Download-Paket, kann aber leicht separat über die Best Service-Seite bezogen werden.

Elysion 2 / Kontakt läuft auf dem Mac und auf Windows-Rechnern und unterstützt die Formate VST, AU und AAX, kann aber auch standalone betrieben werden.

Elysion 2

Elysion 2 läuft im Kontakt-Player 6

Das ist neu in Elysion 2

An Content sind 65 neue Instrumente hinzugekommen, dazu 161 neue Themes. Die Inhalte von Elysion 1 sind weiterhin mit dabei, wer Ausgabe 2 kauft, bekommt Ausgabe 1 also gleich mit dabei. Neben dem gut 2 GB großen „Main Instrument“ (Elysion 2.nki) wird Elysion 2 auch mit drei wesentlich schlankeren Einzelinstrumenten (Ambiance FX, Hits, Sustains) geliefert, die anstelle des Gesamtfiles geladen werden können. Die allerdings verzichten auf die meisten Features der Ensemble Engine, da geht’s dann eher nur um den Sound an sich. Auch noch neu: Verbesserte Effekte, ein neues GUI (das aber auch auf das alte umgeschaltet werden kann), Tags im Theme Browser und einiges mehr.

Elysion 2

Der Arpeggiator / Step Sequencer

Die Motoren von Elysion 2

Die Ensemble Engine von Elysion 2 ist grundsätzlich nicht verändert worden. Sie besteht aus fünf Slots, die mit je einem Sound/Sample bestückt werden (das hier im Manual etwas verwirrend „Instrument“ heißt); jedes Preset besteht also aus fünf Einzelsounds. Das sind laut Hersteller „handgefertigte Synthesizerklänge, die wie akustische Instrumente gesampelt wurden“, mit bis zu drei Round Robins und fünf Velocity Layern. Für jeden Slot wiederum gibt es einen Arpeggiator aka Stepsequencer mit recht flexiblen Features, wie „Bar Reset“, „Note Selction“, „Not Repeat“, „Skip“, „Pattern Transpose“ und einiges mehr. Wer sich hier etwas Zeit nimmt, der kann seinem Sound schon ordentlich Leben einhauchen. Alternativ kann jeder Slot auch mit dem „Envelope“ verschönt werden, sofern es sich um ein Sustain-Instrument handelt. Damit lässt sich eine sich wiederholende dynamische Form für anhaltende Noten festlegen; die dafür benötigte Hüllkurvenform kann frei mit der Maus gezeichnet werden. Dazu kann ich auch wählen, welche Noten in einem Akkord vom Envelope bearbeitet werden sollen (nur die tiefsten, mittleren oder höchsten), kann einen Stutter-Effekt hinzufügen, „Retrigger“ oder „durchlaufend“ wählen, die Taktlänge bestimmen, über die die Envelope läuft und einiges mehr – auch hier werden sich Bastler wohl fühlen.

Elysion 2

Für Sustain-Instrumente gibt es die Envelope

Und weil das gerade doch alles ziemlich theoretisch klingt, will ich das mal mit ein paar Beispielen veranschaulichen. Das Preset ORION Extreme Heat (5-8) besteht aus fünf Slots: Vier Envelopes, wobei drei davon mit einem Stutter-Effekt versehen sind:

…plus einem mit einer „unbestutterten“, normal durchlaufenden Envelope…

… plus einen Slot mit einem Stepsequencer/ARP:

Zusammengesetzt zum Preset „Orion Extreme Heat (5-8)“ klingt das dann so:

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Anderes Beispiel, mal ein Preset mit fünf Envelopes ohne Stutter-Effekt, mit unterschiedlichen Laufzeiten und Notenpräferenzen (unten, Mitte, oben). Einzeln klingen die so:

Nun setzen wir die fünf Sounds / Layer mal zusammen und erhalten das Preset SIRIUS PAD Celestial Menace:

Zum Ausgleich dann noch ein Preset mit fünf ARPs, mit unterschiedlichen „Rates“ (1/32 bzw. 1/16), „Bar Resets“ (legt fest, nach wie vielen Takten das Muster wiederholt wird) und „Repeats“ (wie oft wird eine Note wiederholt, bevor es zur nächsten geht). Hier die fünf Slots erst einmal einzeln:

Und so klingt das Preset ORION Pulses 16th (6-8) 02 dann fertig:

 

Elysion 2

Die Motion Engine für das Panning

Euch ist vielleicht aufgefallen, dass auch das Panning in Bewegung ist. Dafür sind hier bei der Ensemble Engine zwei „Pan Engines“ zuständig, denen jeder Instrumenten – Steckplatz zugeordnet werden kann. Wie in den Envelopes auch kann man hier mit der Maus einen Verlauf zeichnen, Anzahl der Steps und Rates einstellen und einiges mehr. Hier mal eine Pan Engine mit 54 Steps, aber nur einem sanft gezeichneten Seitenwechsel:

Und hier eine mit 64 Steps und mit gleich zehn harten Wechseln

Das deutsche Manual – das anscheinend hin und wieder mit Hilfe von Google Translate übersetzt wurde – spricht hier stellenweise von „Schwenkmaschine“. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich verstanden habe, was da gemeint ist.

Elysion 2

Die Instrument-FX

Und das ist noch nicht alles an Engines, auch die Effekte haben eine eigene bekommen, die „(FX) Motion Engine“. Die sorgt dafür, dass den Effekten kein fester Wert, sondern ein Min Value und ein Max Value zugeordnet wird, zwischen denen sich die ausgewählten (geht nicht mit allen) Parameter bewegen, wenn man das Modulationsrad betätigt (alternativ auch Steuerung über CC10 oder CC11). Dessen Stellung übrigens mit dem atmosphärischen Planetenbild auf dem GUI korreliert: Je weiter ich das hochziehe, desto mehr geht hinter dem Planeten eine rote Sonne (oder was auch immer) auf, es wird in jedem Fall heller – sehr schöne Spielerei.

Zur Wahl stehen bei den Instrumenten-Effekten die Klassiker, also EQ, Flange, Phaser, Chorus, Saturation, dazu Lowpass-, Highpass- und Bandpass-Filter plus Attack und Decay. Reicht, auch, weil ich im Mixer (zu dem komme ich gleich noch) da noch weitere Möglichkeiten habe.

Elysion 2

Die Mixpage

Die Mixpage von Elysion 2

Bevor ich zu den Sounds komme, ein paar Worte eben noch zur Mixpage – denn auch die hat einige kleine Besonderheiten zu bieten. Dass ich hier Volume und Panning für jeden der fünf Slots einstellen kann, ist klar, ebenso Solo/Mute für jede Spur. Ist die eben beschriebene Pan-Engine für einen Slot bereits im Instrument  aktiviert, sind die Panning-Einstellungen im Mixer wirkungslos; so kann man sich nicht aus Versehen seine zuvor getroffenen Soundkonstrukte zerschießen, gute Sache.

In der Mixpage kann ich aber überdies auch noch für jede Spur ein Delay mit eigener Motion Engine aktivieren (ja, noch eine, hier ist einiges in Bewegung). Das Delay gehört zur Master FX-Sektion im Mixer. Die enthält neben dem Delay mit zwanzig Presets und den Reglern Time, Feedback und Hi Cut noch einen Kompressor und ein Reverb (ebenfalls mit rund 20 Presets). Und schließlich lässt sich über die Mixpage auch noch jedem Slot ein eigener Kontakt-Ausgangskanal zuordnen, so dass ich dann die Kanäle in der DAW noch einzeln weiter bearbeiten kann.

Apropos DAW: Über das Symbol „MIDI exportieren“ auf der Hauptseite des GUI lässt sich die Themen-Performance auf verschiedene MIDI-Kanäle in der DAW exportieren; dazu muss einfach das Symbol in die DAW gezogen werden. Dort kann ich die Daten dann zum Beispiel mit neuen Sounds füttern oder einfach noch ein wenig weiter bearbeiten – sehr praktisch.

Elysion 2

Das GUI korreliert mit dem Modulationsrad: Je weiter das aufgedreht wird, desto heller wird es

So klingt Elysion 2

Elysion ist in der griechischen Mythologie die Insel der Seligen am Rande der Welt, auf der die von den Göttern geliebten Helden auf blumigen Wiesen ihre Unsterblichkeit genossen. Sonuscore dagegen hat Elysion kurzerhand ins Weltall verlegt und deshalb seine Sounds dann auch nach Klang, Rhythmus und Gesamtgefühl in Planeten-Kategorien einsortiert. Im übersichtlichen Browser kann ich die insgesamt 418 Sounds nach Librarys (Elysion, Elysion 2.0. User Presets), Kategorie (Spheres, Pulses, Animated), Feel (8th, 16th, Triplet), Takt (4/4, ¾, 6/8, 5/8, 7/8) und Character (Aggressive, Energetic, Dramatic, Rhythmic, Mysterious, Magical, Cheerful, Intimate, Bright, Warm, Soft, Distorted, Sinister, Calm) eingrenzen und gezielter suchen. Wobei das mit dem Character ja dann doch eine recht subjektive und schwammige Vorsortierung ist, aber besser als nichts – und anders/besser wohl auch kaum machbar.

Elysion 2

Die Planeten und ihre Stimmungen

„Elysion 2 – The Encounter schlägt einen eigenen Weg ein und bereichert die Klangpalette von Elysion um aggressive, rohe, sowie wilde Instrumente und Effekte, mit epischen Sphären, kraftvollen Impulsen und erschütternden Themes“ – schreibt Sonuscore. Dann fliegen wir doch mal eine stimmungsvolle Runde durchs All. Elysion 2 liefert dazu den passenden Soundtrack und bedient dabei alle möglichen Stimmungen – nicht nur die „aggressiven, rohen und wilden“. Da gibt es zum Beispiel breite Pads, die mal bombastisch sind…

… mal düster bedrohlich…

… mal ganz relaxt…

… oder auch eine Spur melancholisch.

All diese Sounds arbeiten viel mit den Envelopes und verzichten auf Stutter oder Arpeggios. Aber es geht natürlich auch anders, mit mehr Bewegung. Etwa, wenn auf Antares ein Raumschiff gestohlen wird…

…wir es auf der Erde im Achtelrhythmus pulsieren lassen…

… auf dem Merkur lebensfeindlichen Temperaturen ausgesetzt sind…

… oder auf dem Mars den „God of War“ treffen.

Da sind dann vermehrt Stepsequencer und Stutter gefragt. Neben den Pads und den Motion-Figuren hat Elysion 2 auch noch die „Hits“ im Angebot. Das klingt schwer nach brachialen Explosionen, sind aber meist Keys oder Bells, wie etwa dieser hier.

Wie das alles zusammen mit anderen Sounds (und Bildern) wirkt, seht ihr auch gut im Trailervideo zu Elysion 2.

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Wie eingangs erwähnt, liefert Elysion 2 nun auch die Instrumente, aus denen die Presets gebastelt werden, einzeln, was den Vorteil hat, dass die dann jeweils nur wenige Megabyte statt mehr als 2 GB im RAM zu belegen. Dabei muss man zwar dann auf die Motion-Effekte, auf ARP oder Envelope verzichten, bekommt dafür aber ein großes Paket brauchbarer und vor allem eben schmaler Sounds an die Hand, so dass man dann auch mehrere Instanzen laden und nutzen kann. Oder mit den Sounds die in die DAW importierten MIDI-Spuren weiter bearbeiten kann. Ein nützliches Extra also.

Unterteilt sind die Instrumente in Ambiance, Hits und Sustains, im Browser dann jeweils noch einmal zur besseren Auffindung in Hard und Soft. Hier mal eine Soundauswahl aus jeder Kategorie.

 

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Fazit

Wie schon der Vorgänger, so überzeugt auch Elysion 2 mit seiner herausragenden  Klangqualität und den vielen Motoren, die die Klänge lebendig werden lassen. Das Interface ist übersichtlich und leicht verständlich und wird nur durch die Begrenzungen des immer noch nicht skalierbaren Kontaktfensters etwas ausgebremst. Dank der Presets mit ihren vorgefertigten ARP- und Motion-Figuren ist Elysion 2 – The Encounter ein schöner Ideenlieferant, mit dem man schnell zu brauchbaren Ergebnissen kommt. Wer mehr will, kann mit Hilfe der MIDI-Export-Funktion und der nun auch einzeln vorliegenden Instrumente auch seine eigene Kreativität in den Ring schicken. Mit seinen synthetischen Sounds ist Elysion 2 zudem eine gelungene Ergänzung zu der Orchestra-Reihe – sehr gut geeignet zur Film- und Games-Vertonung. Deshalb: Absolut empfehlenswert.

Plus

  • ausgezeichnete Klangqualität
  • zahlreiche Motion-Engines für mehr Lebendigkeit, teilweise per CC steuerbar
  • einfache Bedienung
  • übersichtliches GUI
  • MIDI-Sequenzen per Drag & Drop in der DAW nutzbar
  • Inhalt von Elysion 1 mit dabei
  • Instrumente jetzt auch schlank einzeln ladbar (dann aber ohne Engines)
  • gelungene Ergänzung zur Orchestra-Reihe

Preis

  • 249,- Euro
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