Test: Synergy Module, Vorstufenslots

22. September 2020

Auf großer Ampreise mit Slot Technik!

Das Synergy Konzept befindet sich nun mehr schon ein paar Jahre auf dem Markt und ist trotz seines sehr hochwertigen Ansatzes nach wie vor vergleichsweise selten im Studio oder auf Bühnen zu sehen. Woran dies liegen mag, zumal gleich mehrere angesagten YouTuber die Produkte massiv bewerben, lässt sich auf die Schnelle keineswegs ergründen; um jedoch dem Argument der mangelnden Auswahl zuvor zu kommen, ist das Unternehmen noch weitere, interessante Kooperationen mit verschiedenen Herstellern eingegangen, um weiter Synergy Modules in Form von Vorstufeneinschüben anzubieten.

Einschübe, was’n das’n?

Ich möchte mich in diesem Test nicht mit dem Synergy Grundprinzip auseinander setzen, da man dieses sehr schön in meinem Test aus dem Jahr 2018 unter diesem Link nachlesen kann. Nur so viel vorneweg, das Synergy Prinzip beruht auf dem Konzept, dass man verschiedene Röhren- Vorstufenmodule von etablierten Ampherstellern wie Soldano, Fryette, Bogner, Diezel und vielen mehr entwickeln lässt und diese als analoge Module in einem Einschub platziert.

Dieser Einschub kann ein kompletter Head mit einem oder mehreren Slots sein, oder aber auch, wie in diesem Test, ein reiner Preamp mit nur einem Slot. Alle Module haben 2 Kanäle und liegen preislich meist um die 390 Euro. Das löbliche Prinzip basiert auf dem Versuch, mit echter analoger Technik einen Hauch von „Kemper-Praxis“ bei besserem Sound und vor allem, bei fairer Entlohnung der Original Amp Designer in Form einer Lizenzierung, umzusetzen und sie nicht wie bei der aktuellen Kemper Praxis, ohne jegliche Entlohnung für die Profiles, in die Röhre schauen zu lassen.

Der Synergy Testaufbau

Um die verschiedenen Module im direkten Vergleich testen zu können, wurde ein Synergy SYN-1 Preamp eingesetzt. Der Preamp, welcher mit einer 12AX7 Röhre bestückt ist, wurde von Steve Fryette entwickelt, welcher ebenfalls einer der Modul-Anbieter ist. Der Preamp verfügt über mehrere Einsatzbereiche und kann sowohl vor einer externen Endstufe, vor der Vorstufe eines Amps, im FX Loop eines Amps oder aber mittels eines Frequenz-korrigierten XLR-Ausgangs ebenfalls direkt in den Wandler einer DAW gespielt werden. Der XLR-Ausgang kann auch benutzt werden, um direkt in eine Aktivbox mit Hochtöner zu spielen. Des weiteren verfügt der Preamp über einen eigenen FX-Loop und einen mitgelieferten Fußschalter, welcher das Modul deaktiviert, respektive den Kanal wechselt. Man kann auf diesem Weg sehr schön seinen Amp um zwei weitere Kanäle aufwerten.

Sollte man den Synergy SYN-1 Preamp auf einem Vollröhren-Amp im FX-Loop platzieren wollen, so ist darauf zu achten, den Preamp nicht direkt über den Netztrafo (meist auf der Input Seite platziert) zu setzen, da es in diesem Fall gerne zu Einstreuungen kommen kann. Ebenso ist der Preamp bei einem Modulwechsel auf jeden Fall auszuschalten! Ich habe dies einmal während des Testbetriebs vergessen und bekam prompt beim Einsetzen des nächsten Moduls durch eine der Fixierungsschrauben einen elektrischen Schlag.

Im Testaufbau habe ich aus Linearitätsgründen eine Koch ATR-4502 Endstufe verwendet, https://www.amazona.de/test-koch-atr-4502/ welche zwar gerne mit Überhitzungsproblemen zu kämpfen hat, klanglich aber zum dem Besten zählt, was man für eine Gitarrenverstärkung im Solid State Bereich bekommen kann. Sowohl der Höhen- als auch der Bassbereich wurde durch die beiden Kippschalter leicht geboostet. Als Cabinet kam eine Marshall 412er mit Celestion G12 75T zum Einsatz, abgenommen mit 2 Stck. SM 57.

Synergy Module Test

Synergy Module Testaufbau

ENGL Powerball

Der Engl Powerball ist einer der großen Klassiker im Engl Programm, bekannt durch seine Vielseitigkeit und wie nahezu alle Engl Amps, durch seinen High Gain Sound. Beide Kanäle haben ein sehr dichtes Klangbild und verfügen über die klassische Engl Kompression, welche für einen ungemein druckvollen Sound verantwortlich zeichnet. Der allgemeine Charakter des Vorbildes in Head Form wurde recht gut eingefangen, der allgemeine Sound überzeugt.

Synergy Module Test

Synergy Engl Module Front

Steve Vai Module

Das große Zugpferd im Synergy Stall ist erwartungsgemäß der Name Steve Vai, welcher zusätzlich durch seine typisch gewagte Farbgebung auch im Modul Bereich auf sich aufmerksam macht, wobei das verwendete Grün mir persönlich sehr zusagt. Steve Vai zeichnet sich seit Dekaden durch den wahrscheinlich weichsten High Gain Gitarrensound aus, welcher insbesondere im Hals Pickup immer kurz vor dem großen Mulm steht, selbigen aber immer mit seiner Pickup- und Holzauswahl vermeiden kann. Anders gesagt, Steve Vai’s Setup mit einer Les Paul über den Neck Pickup gespielt und man hat das Gefühl, Biene Maja hätte die Flügel angeworfen.

Synergy Module Test

Synergy Vai Module Front

Im cleanen Bereich macht er keinen Hehl daraus, dass Jimi Hendrix einer seiner größten Einflüsse war, die er stets mit hohem handwerklichem Können und geschmackvoller Harmonisierung einzuweben vermag. Die von mir verwendete FAME Firecat vermag aufgrund der verwendeten EMGs den cleanen Bereich in seiner Ausrichtung nicht ganz perfekt zu treffen, aber es gibt einen Eindruck über die Ausrichtung. Bzgl. des Red Channel, nein, dies ist nicht der Halstonabnehmer, der Kanal klingt in der Tat so höhenarm, auch wenn man wie in diesem Fall den Bridge Pickup benutzt. Ein guter Ansatz, um den großen Vai Instrumental Hit „For The Love Of God“ zu praktizieren, aber mir persönlich doch etwas zu „muffig“ für den Mainstream Betrieb.

Bogner Ecstasy und Überschall

Einer der großen Namen der Achtziger ist Reinhold Bogner, welcher es als einer der wenigen deutschen Namen geschafft hat, mit seinen Bogner Amps in die seinerzeit gigantisch erfolgreiche  USA – Gitarrenheldenphalanx einzubrechen. Bogner Amps klangen generell immer etwas luftiger und durchsichtiger als der überwiegende Teil der angesagten High Gain Amps, was dem Amp zwar etwas weniger Druck im Einzelspiel, aber deutlich bessere Ortbarkeit im Bandkontext ermöglicht.

Synergy Module Test

Synergy BOGNER Ueberschall Module Front

Wie man bei dem Exstasy Modul erkennt, ist der Grundsound vergleichsweise höhenlastig mit reduzierter Bass- und Mittenwiedergabe, trotzdem klingt das Modul etwas muffig. Mir persönlich fehlt etwas die Spritzigkeit der Original Heads, was sich allerdings bei der Verwendung einer anderen Endstufe noch kompensieren lässt.

Synergy Module Test

Synergy Bogner XTC Module Front

Beim Überschall Modul verhält es sich ähnlich, der Amp geht allerdings noch etwas mehr in die Kompressionsecke. Was hingegen auch massiv zunimmt, ist der Nebengeräuschpegel, welcher jeden FOH zu wilden Schimpfattacken anstacheln wird. Da sich dieser Pegel auch nicht durch das Zudrehen des Gitarrenvolumepotis beeinflußen lässt, da er vom Modul erzeugt wird, muss dieses Modul auf jeden Fall mit einem Noise Gate im FX Loop verwendet werden, oder aber man muss in jeder Spielpause auf den blauen Kanal schalten, welcher dann im Gain entsprechend reduziert sein muss.

Fryette Deliverence und Pittbull

Steve Fryette, früher der Kopf von VHT und immer noch einer der angesagtesten amerikanischen Amp Designer, ist nicht nur für seinen schrägen Humor, sondern auch für einen sehr speziellen Amp Sound bekannt. Das Deliverence Modul geht hierbei trotz der zwei Gain Regler je Kanal deutlich moderater zu Werke, während der Pittbull, welcher als einziges Modul über einen schaltbaren grafischen Equalizer verfügt, kompromisslos auf High Gain setzt.

Synergy Module Test

Synergy Fryette Deliverance Module Front

Synergy Module Test

Synergy Fryette Pittbull Module Front

Beide Module klingen ungemein straff, ohne zu stark zu komprimieren, allerdings können beide Module nicht die schwer zu beschreibende Ausstrahlung der Original Heads aufbauen. Im Ansatz gut, aber letztendlich doch nur eine Tendenz von dem, was den Originalsound ausmacht. Die Arbeit mit dem fünfbandigen Equalizer entpuppt sich zwar als eine ziemliche Fummelarbeit, lässt allerdings eine umfangreiche Veränderung des Sounds zu, teilweise auch weit über einem sinnvollen Einsatz hinaus.

Interessant ist die Tatsache, dass einige Soundfiles mit den Fryette Modulen bei verschiedenen YouTubern unfassbar kratzig und höhenlastig klingen, während ich bei meinem Sound immer eine eher höhenarme Wiedergabe bemerken musste. Dies zeigt einmal mehr, wie unterschiedlich die Ergebnisse trotz ähnlichem Einsatz sein können. Hier ein Beispiel:

Fazit

Mit den Synergy Modules bietet der Hersteller ein umfangreiches, sehr aufwändiges System von verschiedenen Modulen an, welches in seiner Konzeption vorbildlich ist. Je nach Ausführung, schafft man es dem Original Amp vergleichsweise nahe zu kommen und hat somit die Möglichkeit, sein vorhandenes Setup mit vergleichsweise wenig Aufwand um mehrere Kanäle zu pimpen.

Außerdem bindet das System die Designer der Module in das Finanzmodell mit ein und ermöglicht ihnen eine Teilhabe am Gewinn, so wie es bei einem fairen, für alle Seiten zufriedenstellenden Deal sein sollte. Wie viel Chancen jedoch ein Finanzmodell hat, welches auf das ethische Gefühl des Users als Basis setzt, kann sich jeder ausmalen, der seinerzeit noch das Kundenverhalten in der frühen MP3 Problematik miterlebt hat.

Plus

  • Verarbeitung
  • Konzept
  • Auswahl

Preis

  • Je nach Slot zwischen 329 bis 389 Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    SynergyMan  

    Das ist alles kein Synergy, aber ein klasse Idee für flexible Vorstufen, vielleicht nicht nur für Gitarren. Danke für den Bericht.

  2. Profilbild
    Armin Bauer  RED 1

    Ja, Randall hat das auch schon versucht, aber so richtig gezündet hat es auch da nicht.
    Ich denke, dass bei einem authentischen Röhrenamp einfach Pre- und Endverstärker abgestimmt sein müssen und perfekt harmonisieren sollten. Das ist bei dem Konzept schwierig. So höre ich bei den Soundbeispielen bei den durchaus vorhandenen Unterschieden immer die gleiche Kratzigkeit der Endstufe mit durch. Reicht evtl.für eine Annäherung, wenn es der Originalsound sein soll, muss wohl das Original her.

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