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Test: the t.bone SC 140 Mikrofon-Stereoset

9. September 2021

Zwei Kondensator-Mikrofone zum Preis von einem

Das the t.bone SC 140 Mikrofon-Stereoset

Kleinmembran-Mikrofone wie das the t.bone SC 140 Mikrofon-Stereoset gehören in den Audio-Werkzeugkoffer wie Gaffer-Tape und Lötkolben. Ob als Overhead für Schlagzeug und Perkussion, Chor, die Mikrofonierung von Klavier oder akustischer Gitarre – so ein Kondensator ist als Allround-Lösung einsetzbar. Gerade im Einsteigerbereich muss so ein Modell nicht nur preislich attraktiv sein, was beim Verkaufspreis von 99,- Euro für das the t.bone SC 140 Mikrofon-Stereoset gegeben ist. Es muss auch als qualitativ überzeugendes Audio-Werkzeug funktionieren. Ein schwieriger Balance-Akt.

Test: the t.bone SC 140 Mikrofon-Stereoset

Das the t.bone SC 140 Mikrofon-Stereoset wird in einem Transportkoffer inklusive Stereoschiene und zweier elastischer Halterungen samt Windschutz geliefert

Ausstattung des the t.bone SC 140 Mikrofon-Stereoset

Seit 1994 gehört the t.bone zum Portfolio der Eigenmarken des Musikhauses Thomann. Artikel wie Kopfhörer, Drahtlossysteme, In-Ear-Ausstattung sowie diverse Mikrofone und passendes Zubehör werden unter dem Markennamen angeboten. Das the t.bone SC 140 ist seit 2006 erhältlich, die Popularität im Budget-Bereich lässt sich durch zahlreiche User-Kommentare ablesen. Es handelt sich um ein Kleinmembran Kondensator-Mikrofon mit 18-mm-Kapsel und Nierencharakteristik. Das Gewicht beträgt 93 g pro Mikrofon (laut Datenblatt 91 g), die elastische Halterung wiegt 61 g. Inwieweit die beiden Mikrofone als Stereoset aufeinander abgestimmt wurden, geht aus den technischen Daten nicht hervor. Das muss kein negatives Kriterium sein, aber bei preislich höher angesiedelten Mikrofonen legen Hersteller besonderen Wert auf die Auswahlkriterien eines Stereosets. Das Set wird in einem praktischen Transportkoffer inklusive einfacher Stereoschiene, elastischer „Spinnenhalterung“ und aufsteckbarem Windschutz geliefert. Die technischen Daten auf der Website geben den maximalen Schalldruck mit 130 dB SPL an. Dies ist ein Wert, mit dem sich in vielen (lauten) Situationen gut arbeiten lässt. Bezüglich der Empfindlichkeit notiert das Internet 12,6 mV/Pa. Solange die Empfindlichkeit zwischen 10 und 25 mV/PA rangiert, gibt es meist auch keinen Grund zur Sorge (zum Vergleich: das Neumann KM 184 ist mit 15 mV/Pa angegeben). Der Frequenzgang geht von 20 bis 20.000 Hz (10 cm, -10 dB Abweichung). Erstaunlich gering ist mit 9,2 dB(A) das Eigenrauschen des the t.bone SC 140 angegeben, wodurch es auch für Quellen mit großem Dynamikumfang (Klavier, Perkussion) geeignet scheint. Interessant und eher ungewöhnlich in dieser Preisklasse ist die Ausstattung mit Lowcut (-3 dB @ 75 Hz o. 150 Hz) und Pad-Schalter (-10 oder -20 dB). Die mitgelieferte elastische Halterung (hier von einer Spinne zu sprechen, wäre zu viel der Ehre) ist etwas „fummelig“ in der Anwendung. Und die Stereoschiene auch kein „Luxusartikel“. Aber, einem geschenkten Gaul … Und falls die Ansprüche mit der Erfahrung steigen, lässt sich in diesem Bereich durch vielfältig angebotenes Zubehör trefflich optimieren.

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Test: the t.bone SC 140 Mikrofon-Stereoset

Trio für die Klangbeispiele: Neben dem the t.bone SC 140 (links), waren das dynamische the t.bone MB 85 Beta und das M-Audio Nova Großmembran-Mikrofon im Einsatz

Übrigens: Das in der Budget-Mikrofonklasse gerne geöffnete Fass zur Diskussion, ob es sich um eine vermeintliche „semi-professionelle“ Elektret-Kondensator- oder demgegenüber „professionelle“ Echtkondensatorkapsel handelt, darf hier getrost geschlossen bleiben, da das the t.bone SC 140 mit einer Echtkondensatorkapsel ausgestattet ist.

Das mitgelieferte Datenblatt für das the t.bone SC 140 Mikrofon-Stereoset ist „übersichtlich“ gehalten. Mehr allgemeine Informationen bietet die entsprechende Produktseite vom Musikhaus Thomann. Immerhin finden sich auf dem Datenblatt der Frequenzgang und die Darstellung der Richtcharakteristik, Letzteres allerdings nur für 1 kHz. Die Richtcharakteristik eines Mikrofons ist von der Frequenz abhängig und – je nach Modell – häufig im Mittenbereich wirksam. In den Bässen und im Hochtonbereich lässt die Richtwirkung konstruktionsbedingt nach, die Niere nimmt mehr und mehr die Form einer Kugel an. Die Richtcharakteristik ändert sich über den gesamten Frequenzbereich. Deswegen ist es deutlich informativer, wenn ergänzend Werte zur Richtcharakteristik unter und über 1 kHz angegeben werden. Insgesamt ist die Beschriftung der grafischen Darstellung so klein, dass ohne Lupe der Erkenntniswert als „überschaubar“ bezeichnet werden kann.

Test: the t.bone SC 140 Mikrofon-Stereoset

Das the t.bone SC 140 Kleinmembran-Kondensatormikrofon wiegt knapp 100 g und ist sowohl mit einer schaltbaren Pad-Funktion als auch einem Lowcut ausgerüstet

Wofür eignet sich das the t.bone SC 140 Mikrofon-Stereoset?

Wie eingangs schon erwähnt, für nahezu alle akustischen Instrumente mit Ausnahme von Kontrabass und Bassdrum, denn tiefe Frequenzen sind keine Domaine dieser Kleinmembraner. Wer jetzt an die Mikrofonierung von Klavieren, Chören oder Perkussion denkt, dem sei noch folgender Tipp ans Herz gelegt. So ein Kleinmembran-Paar ist schon die „halbe Miete“ bei der Drum-Mikrofonierung, solange es sich um ein übersichtlich ausgestattetes Drumset für den Clubgig handelt. Ein Exemplar dient der Übertragung von Snare und HiHat, das verbleibende zweite wandert in die Nähe des Ride-Beckens. Optimal ist so ein Setup, wenn das Ride-Becken aus Sicht des Drummers zwischen Hänge-Tom (links) und Stand-Tom (rechts) positioniert wird. Genau dort, oberhalb des Ride Beckens, ist der Platz für das Overhead, um Toms und Ride-Becken bei dieser Art von Club-Gigs leicht durch die Mikrofonierung zu stützen. Dann fehlt nur noch ein spezielles Mikro für die Bassdrum, wie beispielsweise das AKG D 112, das derzeit in der Mk II-Version für 115,- Euro angeboten wird. Eine Kombination, bestehend aus dem the t.bone SC 140 Mikrofon-Stereoset zusammen mit dem erwähnten 112er von AKG, kostet unter 215,- Euro. In diesem Fall ist weniger nicht nur mehr, sondern klingt auch gut. Zum Thema minimalistische Drum-Mikrofonierung habe ich einige Tipps & Tricks in einem AMAZONA.de-Praxisbericht zusammengefasst – der findet sich hier.

Klangbeispiele zum the t.bone SC 140 Mikrofon-Stereoset

Ich sage es mal bewusst polarisierend: Klangbeispiele bei Mikrofonen sind überbewertet – so zumindest meine Einschätzung. Besser selbst ausprobieren, denn der Raum prägt das Audio-Ergebnis ebenso wie Abstand und Art der Mikrofonierung (oft unterschätzt), die zu mikrofonierende Quelle und die Spielweise – derartige Parameter sind individuell und lassen sich nicht allgemeingültig simulieren. Was aber Erkenntnisse bringen kann, ist die Gegenüberstellung ganz unterschiedlicher Mikrofontypen, die dieselbe Quelle aufnehmen.

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Test: the t.bone SC 140 Mikrofon-Stereoset

Immer wieder eine interessante Alternative bei der Mikrofonierung: Großmembran-Mikrofone wie das M-Audio Nova

Deswegen habe ich dem the t.bone SC 140 Mikrofon-Stereoset ein betagtes Großmembran-Kondensatormikrofon von M-Audio (Modell Nova) und ein dynamisches Budget-Mikrofon zu Demonstrationszwecken gegenübergestellt. Bei Letzterem handelt es sich um das für 39,90 Euro angebotene the t.bone Beta 85. Als  Quelle diente eine höhenbetont klingende 10“ Pearl Firecracker Snare. Zudem aufgenommen von den drei Mikrofonen wurde ein E-Piano-Loop aus der PreSonus Bibliothek von DAW StudioOne 4, abgespielt über einen Neumann KH 120 Aktivmonitor (auch die Original-Wave-Datei des Loops ist unter den Klangbeispielen). Abschließend wurde das the t.bone SC 140 Mikrofon-Stereoset mit Weißem Rauschen aus dem NTi Audio MI-PRO Signalgenerator beschickt, das Ergebnis analysiert in Steinbergs Audio-Software Wavelab. Es galt, beide SC 140 Mikrofone mit dem Testsignal zu konfrontieren, um die Paargleichheit hinsichtlich des Frequenzgangs zu untersuchen. Diesbezüglich gab es bei dem zu diesem Test zur Verfügung stehenden Paar nichts zu bemängeln.

Als Audiointerface diente ein Roland Super UA Audiointerface (24 Bit/44,1 kHz). Die Mikrofone gingen direkt in das Audiointerface und von da in die PreSonus DAW – weiteres Equipment kam nicht zum Einsatz. Um möglichst unverfälschte Ergebnisse zu präsentieren, wurde auf eine Wandlung der kurzen Audio-Schnipsel ins MP3-Format verzichtet.

Bei den Aufnahmen des E-Piano-Loops muss allerdings auch im Hinterkopf behalten werden, dass selbst sehr linear wiedergebende Lautsprecher wie der Neumann KH 120 und ebenso die Raumakustik als klangprägende Variablen ihre Bedeutung haben. Hier muss für die Unterschiede bei den Klangbeispielen schon genau über Kopfhörer hingehört werden. Speziell an der Pearl Firecracker Snare gefiel mir das the t.bone SC 140, wobei in dieser Disziplin ebenso das M-Audio Nova Großmembran-Mikrofon interessante Ergebnisse lieferte. Dazu im Vergleich wirken manche Kleinmembraner wie auch das the t.bone SC 140 in den Höhen etwas „hart“. Aufgrund von Größe und Gewicht sind Großmembraner wie das Nova sicherlich keine Lösung für die Bühne, aber insgesamt immer mal wieder eine Alternative, nicht nur für Gesangsaufnahmen.

Wer mit wem? Alternativen zum the t.bone SC 140 Mikrofon-Stereoset

Klangbeispiele und Messungen prägen nur die eine Seite der Medaille, die praktische Erfahrung im individuellen Kontext bleibt unentbehrlich. Mal angenommen, das the t.bone SC 140 Mikrofon-Stereoset würde bei einer anstehenden Kaufentscheidung zu meiner engeren Auswahl gehören. Dann  stünde der Vergleich an, beispielsweise mit einem Pärchen Røde NT 5 MP (289,- Euro) und den Lewitt LCT 40 (189,- Euro). Beide zugegebener Weise in einer anderen Preisklasse, aber deswegen gut geeignet, um herauszufinden, ob die höhere Preisklasse im Vergleich zum the t.bone SC 140 Mikrofon-Stereoset auch mit einer gesteigerten Audioqualität einhergeht. Geht es noch günstiger? Durchaus, beispielsweise mit dem the t.bone SC 700 Mikrofon-Stereoset, angeboten für 55,- Euro. Die Mikrofone verfügen über eine 16-mm-Kapsel mit Supernierencharakteristik und bieten ebenfalls Lowcut und Pad (schaltbar). Und Behringers C 2 Mikrofon-Stereoset kann diesen Preis noch toppen, es liegt bei 40 Euro.

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Fazit

Würden sich alle Stationen der Signalkette auf dem Niveau des the t.bone SC 140 Mikrofon-Stereoset bewegen, dann ließen sich – das entsprechende Know-how mal vorausgesetzt – in einem Budget-Studio bereits hörenswerte Audioaufnahmen herstellen. Ausstattung und technische Daten passen – letztendlich ist mir lediglich die etwas „schludrige“ Dokumentation aufgestoßen. Auch als Basis für eine überschaubare und preisgünstige Drum-Mikrofonierung in Kombination mit einem Bassdrum-Mikrofon kann ich mir das The t.bone SC 140 Mikrofon-Stereoset gut vorstellen. Insgesamt also ein preiswertes Kleinmembran-Stereopaar, das, ausgestattet mit „echten“ Kondensator-Kapseln, für die Aufgaben im Homestudio oder auf der Bühne (Stichwort: Overheads) gewappnet ist.

Plus

  • günstiger Preis
  • Paargleichheit
  • Pad und Lowcut schaltbar
  • Anwendungsmöglichkeiten eines Kleinmembran Stereosets
  • Lieferumfang mit Koffer, Stereoschiene, Windschutz und elastischer Halterung

Minus

  • Dokumentation

Preis

  • 99,- Euro
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