Test: Tip Top Audio 808, Eurorack Drummodule

7. Mai 2017

808-To-Go

Tip Top Audio ist ein Hersteller von Eurorack-Modulen, der vor allem für die Z-DSP-Serie und das TriggerRiot-Modul bekannt ist. Mit den Tip Top Audio 808 Modulen haben sie aber auch rein analoge Klangerzeuger im Programm, deren Aufgabe es ist, einzelne Sounds der Roland TR-808 ins Eurorack zu bringen. AMAZONA.de hat sich die Zeit genommen, die verfügbaren 808-to-go Klangerzeuger einem genauem Test zu unterziehen.

Inzwischen gibt es von Tip Top Audio auch schon Module die die TR-909 emulieren. Den Test dazu findet Ihr HIER.

Alle sechs Module im Rack - TipTop Audio 808.

Alle sechs Module im Rack – TipTop Audio 808.

Fehlt da nicht was?

OK – direkt beim Auspacken bin ich zunächst ein wenig enttäuscht. Denn bei einer Übersicht über die lieferbaren Module finde ich nur sechs: Bass-Drum, Snare-Drum, Hi-Hats (open und closed in einem Modul), Cowbell, Maracas und Rimshot/Clave. Keine Toms/Congas, keine Cymbals und vor allem keine Claps. Ohne Cymbals und Claps fehlen aber gerade die wichtigen „Signature Sounds“ einer 808 – mal abgesehen von Bass und Snare natürlich.

Alle Ein- und Ausgänge der Tip Top Audio 808 Module sind fest verschraubt, bei den Potis handelt es sich allerdings nur um Trim-Achsen ohne eine Befestigung am Gehäuse. Daher haben sie ca. 1 mm Spiel zu jeder Seite. Die Panele aus gebürstetem Aluminium sind gefällig und die Schrift schnörkellos und gut lesbar.

Rack it up man!

Sei’s drum – ab ins Rack. Bis auf das Hi-Hats-Modul mit 8 TE sind alle anderen Module der Tip Top Audio 808 Serie schlank wie’s nur geht und lassen sich mit 3 TEs überall noch dazwischen quetschen. Die rein analogen Module verfügen über einen Level-Regler, einen Trigger-Eingang und einen Accent-Eingang mit Attenuator, wobei dem Hi-Hat-Modul selbstverständlich für Open- und Close-Variante eigene Eingänge spendiert wurden. Pro Modul gibt es dann meistens noch zwei Regler, um Sound-Parameter zu verändern.

Die Einstellmöglichkeiten sind also – ganz wie beim Original – eher spartanisch. Eine Ausnahme bildet das Rimshot/Clave-Modul, das durch zwei Kippschalter in insgesamt vier Modi genutzt werden kann. Dabei lassen sich neben den klassischen 808-Rimshots auch Clave- und Kick-ähnliche Klänge erzeugen. Aber alles der Reihe nach.

Alle Module bieten einheitliche Ein- und Ausgänge.

Alle Module bieten einheitliche Ein- und Ausgänge

Bass-Drum

Natürlich der klassischste aller 808-Klänge. Wie das Original ist auch das Modell von Tip Top Audio mit Tone- und Decay-Regler ausgestattet. Der Tone-Parameter sorgt für eine schärfere Attackphase, indem es das LowPass-Filter öffnet und so den Attack-Teil deutlicher hervortreten lässt. Von einem trockenem „wumpf“ bis zu einem substantiell scharfen Attack ist hier alles abgedeckt.

Der Accent ändert nicht nur die Lautstärke, sondern auch das Attack/Decay-Verhältnis.

Der Accent ändert nicht nur die Lautstärke, sondern auch das Attack-Decay-Verhältnis

Dabei verschiebt sich mit zunehmenden Accent die Amplitude der Attack-Phase zu Gunsten der Decay-Phase. Warum allerdings die Decay-Phase ab der 12-Uhr-Stellung des Potis in eine Selbstoszillation übergeht, bleibt unverständlich. Ebenso seltsam ist das Trigger-Verhalten, wenn zwei Trigger schnell hintereinander folgen. Denn der zweite Trigger scheint die Lautstärkehüllkurve nicht gänzlich neu zu starten, sondern beginnt leiser. Dieser Effekt wird deutlicher, je länger die Decay-Zeit eingestellt ist.

Snare-Drum

Auch die Snare besitzt wie das Original zwei Parameter: Tone für den Bauchanteil und Snappy für den Teppich. Das klingt aber auch anders als beim Vorbild, zumal es beim Zumischen des Snappy-Anteils deutlich an Höhen fehlt, um eine knallige Snare zu erzeugen. Natürlich kann ein EQ hier Abhilfe schaffen, aber begeistert hat mich die Snare jetzt nicht – auch nicht, wenn ich sie als ganz eigenständigen Sound unabhängig von der Vorlage betrachte.

Wie angesprochen gibt es keine Toms/Congas. Und obwohl durch Herunterregeln des Snappy-Anteils ein perkussives Element übrigbleibt, fehlt es leider an einem echten Tune-Regler, um die Toms nachzuahmen. Der Tone-Regler sorgt auch in keiner Weise für eine Verlängerung der Decay-Phase wie bei der TR.

Maracas

Die Maracas bieten nur Attack als Parameter an, haben dafür allerdings einen Audioausgang für das benutze „808-Rauschen“. Dabei sind sie nicht vom Original zu unterscheiden. Auch im Verhalten mit Accent ist der Klang identisch.

Rim-Shot/Clave

Auch dieser Klang ist fest mit der TR-808 verbunden. Und mit den Parametern Snap und Pitch kann man auch genau den originalen Rim-Shot einstellen, hat aber durch diese Extras ein viel weiteres Spektrum. Zumal es noch einen zweiten Maracas-Modus gibt, in dem eine leichte FM-Modulation der Rim-Shot einen mehr gläsernen Klang verleiht. Eingeschaltet wird dieser über den rechten Regler. Der Linke sorgt für den Clave-Sound, der ebenfalls ein weit größeres Spekturm als das Original hat, zumal dazu auch noch eine Variation vorliegt. Dabei wird der Clave-Sound sehr verkürzt und gleicht am ehesten einem Metrononom-Klick.

Die Potis sind einfache Trimpoti-Achsen ohne Verschraubung.

Die Potis sind einfache Trimpoti-Achsen ohne Verschraubung.

Cow-Bell

In unzähligen HipHop-Beats alter und neuer Provenienz ist die 808 Cow-Bell ebenso ein den Song prägender Klang. Tip Top Audio hat auch diesen um zwei Einstellungen erweitert. Der Charakter ist auch hier sehr gut getroffen und durch die Verwendung eines Pitch-LFOs, der über Depth und Rate gesteuert wird, lässt sich die Cow-Bell sehr prägnant einstellen. Das ist manchmal schon fast zu plakativ, aber dennoch nützlich.

Hi-Hats

Als einziges Modul mit einem CV-steuerbaren Parameter wartet das Hi-Hats-Modul auf. Die Einstellung „Q“ ermöglicht einen deutlich flexibleren Hi-Hat-Sound. Aber in keiner der Einstellungen kommt er an den diesen „fluffig“-metallischen Klang der TR-808 heran, sondern klingt immer ein wenig zu scharf. Das gilt vor allem für die Open-HiHat. Aber auch das kann man im Mix einigermaßen bändigen und die größere Vielfalt entschädigt dafür – obwohl es einige „Q“-Einstellungen gibt, die wirklich grässlich klingen. Interessant wird es, wenn man diesen Eingang dann moduliert – so gelingen sehr lebendige Hi-Hat Figuren.

Fazit

Insgesamt fiel auf, dass die Lautstärkeunterschiede zwischen den Tip Top Audio 808 Modulen teils erheblich waren, bezogen auf die Stellung des Level-Reglers. Das macht die intuitive Einstellung etwas kompliziert, ist aber kein Beinbruch.

Gerade die Signature-Sounds der Bass- und Snare-Drum finde ich aber wenig gelungen – und das sowohl in Bezug auf das Vorbild als auch als eigenständigen Sound. Auf Nachfrage konnte ich erfahren, dass je nach Kalibrierung das BD-Modul durchaus zur Selbstoszillation neigt, bei meinem Exemplar diese nur einfach sehr früh einsetzte. Die Snare konnte überhaupt nicht überzeugen und klang einfach nur schlaff. Anders sieht es bei den anderen Modulen aus. Diese sind ihrem Vorbild gerecht geworden und manchmal überflügeln sie diese sogar.

Das erste Mal war ich versucht, eine schlechtere Bewertung aufgrund von den eben nicht vorhandenen Modulen Cymbals und Claps zu vergeben – aber das wäre ein wenig wie einer Staffel einen Zeitmalus aufzubrummen, weil der Ersatzläufer nicht auf der Bank saß. Claps und Cymbals gibt es dennoch von TipTop Audio, allerdings in der 909 Variante. Alle vorgestellten Module kosten zusammen 710,00 Euro, was ich für einen (unvollständigen) 808-Klon dann doch happig finde, aber man muss ja eben nicht das Gesamtpaket kaufen.

Plus

  • angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis bei den meisten Modulen
  • zum Teil sehr gute Nachbildungen der Originale mit sinnvollen Erweiterungen
  • Accent-Eingang mit Attenuator

Minus

  • Snare klingt flach
  • Bass-Drum neigt zur Selbstoszillation
  • Bass-Drum Re-Trigger ist uneinheitlich

Preis

  • Ladenpreise:
  • Bass-Drum - BD808 99,- Euro
  • Snare-Drum - SD808 129,- Euro
  • Maracas - MA808 99,- Euro
  • Rim-Shot/Clave - RS808 99,- Euro
  • Cow-Bell - CB808 99,- Euro
  • HiHats - Hats808 185,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Everpure  

    Sich 808 nennen, aber keine Clap an Bord? Wäre das ein Artikel in einer Online Publikation, würde ich es Clickbait nennen. Oder auch einfach Etikettenschwindel.

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