Test: Two Notes Captor X, Effektgerät für E-Gitarre

9. Juni 2020

"All-in-one-Lösung"- leise aufnehmen in Spitzenqualität

Two Notes Captor X

Test: Two Notes Captor X

Der Trend zum „silent guitar recording“ ist aufgrund der mittlerweile ausgezeichneten Qualität vieler Produkte des Marktes ungebrochen, nicht zuletzt auch, da man keine geeigneten Räumlichkeiten (Studio, Proberaum etc.) mehr benötigt, um den entstehenden „Lärm“ eines (teilweise) aufgerissenen Röhrenverstärkers in die DAW zu bekommen. Der Two Notes Captor X ist ein Werkzeug, auf das alle „aufnehmenden Elektrogitarristen“ gewartet haben, denn es stellt alle benötigten Werkzeuge bereit, um eine hochklassige Gitarrenaufnahme bei verschwindend geringer Lautstärke (auf Wunsch auch komplett lautlos) z. B. bei jeder Tages- und Nachtzeit zu erstellen. Es ist preislich deutlich unter dem sehr beliebten Universal Audio OX angesiedelt und somit sicherlich nochmals attraktiver. Bis jetzt waren die kompletten Features des Two Notes Captor X nur getrennt zu erwerben, also z. B. in einer Kombination aus einem Captor (oder einer vergleichbaren Load-Box, Silencer, Suhr Reaktive Load etc. und beispielsweise ein Torpedo C.A.B. M bzw. vergleichbaren Lautsprecher- (plus Endstufensimulationen) wie Mooer Radar, Bluguitar Blue Box, etc., es sei denn, man griff auf ein Torpedo Studio bzw. das oben erwähnte UA-OX zurück, das einerseits eine Loadbox integriert hat und gleichfalls viele Boxen- und Endstufensimulationen anbietet.

Der Two Notes Captor X eignet sich vor allem für den Heimeinsatz, aber selbstverständlich kann man ihn im Studio auch hervorragend einsetzen. Selbst auf der Bühne wäre es denkbar, den Boliden ins Spiel zu bringen, da er es ermöglicht, den „Sweet Spot“ (z. B. wenn die Endstufe des  Röhrenverstärkers etwas in die Sättigung geht etc.) des Amps auszutarieren und mithilfe des Attenuators und der Lautstärkeregelung das perfekte Ergebnis zu erhalten.

Two Notes Captor X Cover 2

Im Zuge einer ständigen Anpassung an die Bedürfnisse des aufnehmenden Gitarristen wurden neben den bereits existierenden Features neue Funktionsmerkmale wie ein Stereo-Expander (Stereo-Hall und Twin-Tracker), Voicing-Regler, Noise Gate und XLR-DI-Ausgänge mit drei Routing-Optionen (Stereo, Dual-Mono oder Dry/Wet) hinzugefügt.

Two Notes Captor X – Facts & Features

Bei der „All in one-Lösung“ Two Notes Captor X handelt es sich letztlich um eine Symbiose der beiden Two Notes Produkte C. A. B. M und Captor. Der Captor X bietet alle notwendigen Werkzeuge, um einen Röhrenverstärker leise (auf Wunsch sogar bis zu lautlos) zu betreiben und das Ausgangssignal mit Impulsantworten vieler Boxenmodelle zu bestücken und das gewonnene Signal auch mit guten Effekten, (Delay, EQ, Kompressor, Hall etc.) zu versehen. Die Abmessungen des Boliden betragen 128 x 175 x 64 mm. Er bringt das Gewicht von 1,3 kg auf die Waage, schließlich muss die Leistung (bis zu einer Belastbarkeit von 100 Watt) am Ausgang eines Röhrenverstärkers mittels größerer Lastwiderstände sicher in Wärme umgewandelt werden. Schauen wir uns zunächst die Hardware an, die jedoch erst in Kombination mit der mitgelieferten Software die wahrhafte Fülle an ausgezeichneten Klangergebnissen liefert.

Two Notes Captor X – Bedienelement Front

An der Front des Two Notes Captor X sind Regler für die wichtigsten Aufnahme-Parameter, die schnell zugänglich sein sollten, übersichtlich angeordnet. Hier lässt sich über einen sechsstufigen Drehschalter (PRESET), die als Lieblings-Presets abgespeicherten Boxensimulationen schnell abrufen. Ebenso kann hier schnell auf die Ausgangslautstärke (OUT LEVEL bzw. den PAD-Schalter HIGH/LOW), den Hallanteil oder die Verzögerungszeit des Twin-Trackers (SPACE) zugegriffen werden. Mit dem Regler VOICING (letztlich ein einfacher Tonregler) kann der Klang des Presets im Handumdrehen den individuellen Bedürfnissen angepasst werden. Möchte man das Signal mit einem Kopfhörer „monitorieren“, kann dieser über eine 6,3 mm Stereo-Klinkenbuchse angeschlossen werden.

Two Notes Captor X Test

Der Two Notes Captor X, übersichtlich und praxistauglich aufgebaut

Rückseite

Der Lautsprecherausgang des Verstärkers wird über ein Lautsprecherkabel mit der roten SPEAKER IN-Buchse des Two Notes Captor X verbunden. Möchte man seinen Verstärker hören, kann das Signal an die Box mittels eines zweiten Lautsprecherkabels „durchgeschleift“ werden (SPEAKER OUT). Die Lautstärke (OUT LEVEL) lässt sich an der Front einstellen. Das Ausgangssignal (Line Level) wird über die beiden XLR-Buchsen mit einem Mischpult bzw. den Eingängen des Audiointerfaces verbunden. Die Stromversorgung erfolgt mittels des mitgelieferten  Netzadapters über die Hohlsteckerbuchse (12-V-DC, 5,5 x 2,1 mm, Minuspol innen).

Two Notes Captor X Review

Gut bestückt mit luxuriöser Ausstattung, bei Bedarf auch in Stereo

Der schaltbarer Groundlift hilft, eventuell entstehende Brummschleifen zu beseitigen, der schaltbare PAD könnte bei Bedarf einen zu hohen Pegel bändigen (absenken).

Schnittstellen

USB

Über die USB-Buchse kann der Two Notes Captor X mit einem Computer verbunden werden, um beispielsweise die gewünschten Lieblings-Presets in den Speicher des Captor X zu senden. Hiermit lassen sich auch zusätzlich erworbene Boxenmodelle von Two Notes oder auch Impulsantworten von Drittanbietern in den Two Notes Captor X laden und die Organisation der Sounds bewerkstelligen.

Bluetooth

Natürlich kann auf einem Tablet (bzw. Smartphone, PC) auch die entsprechende App installiert werden und das Editing bequem mithilfe z. B. eines iPads etc. vorgenommen werden.

MIDI-Eingang

Mit der integrierten MIDI-Unterstützung (MIDI-Eingang) wäre es durchaus möglich, in einem MIDI-Live-Setup auch eine Umschaltung des Two Notes Captor X vorzunehmen, also bestimmte Boxenmodelle für verschiedene MIDI-Presets, welche Effekte, Amps etc. umschalten, einzusetzen. Hierfür muss noch ein Adapter auf den gängigen 5-poligen Stecker erworben werden.

Two Notes Captor X – Software-App

Die Software ist sehr übersichtlich und benutzerfreundlich aufgebaut und erlaubt den intuitiven, schnellen Zugriff auf alle Klangparameter (Boxensimulation, EQ, Effekte, Reverb, Mikrofonierung, Mischverhältnis der Mikros etc.), was auch in den folgenden Videos eindrucksvoll demonstriert wird, deswegen verzichte ich auf eine allzu detaillierte schriftliche Zusammenfassung aller Möglichkeiten. Im folgenden Video „geht es recht hart zu“, die Funktionalität ist jedoch gut ersichtlich:

Auch der nette und sicherlich ausgesprochen kompetente britische Gitarren-Kollege hat ein sehr informatives Video ins Netz gestellt, das die Features des Captor X inkl. der Software und auch die sehr intuitive Handhabung nochmals ausführlich beleuchtet:

Two Notes Captor X – Sound

Für die folgenden Klangbeispiele greife ich das Signal des Lautsprecherausgangs meines Peavey Classic 20 ab und füttere damit den Two Notes Captor X. Dessen Ausgangssignale (stereo) führe ich an den Eingang meines Audiointerfaces (Apogee Duett) und nehme in Apples Logic auf. Die Phrasen wurden teilweise in einen Looper eingespielt, um einen besseren Vergleich der Boxenmodelle und Mikrofonierung, Effekte etc. zu bekommen.

Aus den unendlichen Möglichkeiten pickte ich zuerst einen klaren Sound meines Peaveys und eine Strat (Singlecoil am Hals), um die „Realitätsnähe“ des Captor X zu testen. Hier wurde der Hall und Twin-Tracker des Two Notes Captor X einsetzt, der quasi ein kurzes Delay hinzufügt, damit es so wie eine Dopplung bzw. zwei Gitarren klingt. Durch die beiden Features klingen die Sounds bei Bedarf räumlicher und fetter.

Nun schickte ich das noch im Looper gespeicherte Signal dann durch eine „4x 10 Box“, Effekte sind bis auf das Minimum reduziert und somit kaum wahrnehmbar (leider aber das naturgemäße Brummen des Singlecoil-Pickups). Der Klang wird aufgrund der deutlich größer gewählten Box dementsprechend fülliger.

Jetzt schickte ich dasselbe Signal durch den zweiten Kanal meines Peaveys, der leicht zerrt, das Ganze geht dann durch eine „2x 12-Boxensimulation (VOX)“, das Signal ist diesmal gleichfalls quasi trocken. Der Klang bekommt einen „nasalen Charakter“, der allein möglicherweise dünn klingt, sich aber innerhalb eines Mixes für eine Dopplung evtl. sogar gut eignet:

Nun ein paar rockige Phrasen mit einer PRS Custom 24 (Stegtonabnehmer), dem recht heftig verzerrten Kanal meines Peaveys, einer 2x 12″ Box und zwei Mikrofonen (SM57 plus Ribbon).

Schließlich hören wir dasselbe Beispiel mit einer 4x 12″-Box amerikanischen Vorbilds (MESA BOOGIE):

Die Möglichkeiten des Two Notes Captor X sind wahrhaft vielfältig und klanglich voll überzeugend. Hier untermauert der französische Hersteller wieder einmal seinen Anspruch auf eine Spitzenposition im Bereich „virtual recording“. Vermissen kann man hier letztendlich rein gar nichts, da auch der Preis für das Gebotene vergleichsweise moderat ist.

Anbei zwei wichtige Hinweise:

Bevor man sich einen Two Notes Captor X zulegt, ist es wichtig, die benötigte Impedanz des zur Aufnahme verwendeten Verstärkers zu kennen. Der Captor X ist mit 4, 8 oder 16 Ohm Widerstand zu erstehen. Die Impedanz ist festgelegt und kann nicht geändert oder umgeschaltet werden.

Es ist unbedingt darauf zu achten, dass (vor allem bei Röhrenverstärkern) immer eine Last am Lautsprecherausgang anliegt, sodass der Ausgangstransformator nicht in Mitleidenschaft gezogen, bzw. beschädigt wird.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

Stratocaster (Halstonabnehmer) bzw. PRS Custom 24 (Steg-Pickup) – Peavey Classic 20 MH  – Two Notes Captor X am Lautsprecherausgang – Stereo-Ausgang in Apogee Duett – Mac mit Logic.

Fazit

Der Captor X der französischen Herstellers Two Notes ist das ideale Werkzeug, um auch bei erschwerten Bedingungen (nachts aufnehmen, genervte Nachbarn etc.), ein absolut perfektes und bei Bedarf sehr leises Gitarrensignal aus einem (Röhren-) Verstärker herauszuholen. Die „All in one-Lösung“ lässt keine Wünsche offen. Die Qualität der Two Notes Produkte ist bekannt und die klanglichen Möglichkeiten des Captor X sind nicht zuletzt durch die Stereoausgänge, dem Hall und u. a. dem Twin Tracker enorm. Das Preis-Leistungs-Verhältnis des Captor X geht mehr als in Ordnung.

Plus

  • Sounds
  • Verarbeitung
  • Bluetooth für bequemes Phone, Tablet-Editieren der App
  • guter Hall, Twin Tracker
  • Stereoausgänge
  • intuitive Bedienung
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis

  • 549,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Django07

    I/II
    Nun ja, nachdem der Artikel gelesen wurde stellt sich die Frage, was denn jetzt anders als beim Torpedo Studio ist, abgesehen von dem Umstand, dass man die einzelnen Cabs (IR) nicht am Gerät auswählen kann, der digitale Ausgang eingespart wurde und man auf das sinnvolle R(a/o)ck-Format verzichtet hat.

    Die deutlich höhere Latenz? 2.2ms (Produktspezifikation) sind ein Wert, den man heutzutage mit einer guten Soundkarte erreicht. Bei den Werten benötige ich keine dedizierte Hardware, sondern kann mit einer beliebigen (dummen) Loadbox in den Rechner gehen… Tatsächlich bin ich dann wesentlich besser aufgestellt, weil ja nochmals eine AD-Wandlung und die Latenz des Rechners bei dieser Loadbox hinzukommt.

    Leider muss man selbst recherchieren, wie viele Boxen „viele“ sind (32, für die anderen Leser – siehe einfach auf der Produktseite) . Dort kann man dann auch lernen, dass das Gerät weitere 480 IR verträgt.

    Mangels einer Torpedo-entsprechenden Oberfläche ohne Display kommt man aber nicht ran: Man muss eine App verwenden. Also Rechner her – wie beim normalen Captur…

    • Profilbild
      Rainer  

      Die Latenz ist übrigens die gleiche wie beim Torpedo-Studio.
      Man kann sie nur verringern wenn man dort einzelne Funktionen deaktiviert.

      Auf mich wirkt das Gerät wie eine Brücke, die Two Notes baut, um die Zeit bis zum nächsten Evolutionssprung wirtschaftlich zu gestalten.

  2. Profilbild
    Django07

    II/II
    Leider wird überhaupt nicht darauf eingegangen, dass man den Sound am Gerät nicht einstellen kann, sondern für Micro-Positionierung, IR-Auswahl etc. IMMER die App benötigt. Das so eingestellte Preset kann dann dem Auswahlschalter zugewiesen werden.

    Für mich ist das Fazit, dass der Captor X weniger kann als C.A.B. M zusammen mit einem „dummen“ Captor, dafür aber MEHR kostet (siehe Hauptsponsor aus Bayern…).

    Es mag sein, dass die einzelnen Infos bei YT zu finden sind. Dann braucht aber kein Artikel geschrieben zu werden. Eine kurze Info wie: „GEAR!! —> YT reicht dann aus. Wenn etwas wichtig ist, dann schreibt das in den Artikel hinein. Es wurde ja auch SEO-technisch drauf geachtet, dass Captor X immer fett geschrieben ist.

    Hier meine Bewerbung als Autor:
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    Fakten: egal! Captor X Captor X Captor X Hallo Google
    Captor X Captor X YouTube!!! Captor X Captor X

    PS: Die Artikel zum Captor und zu C.A.B. M finde ich gut geschrieben!

  3. Profilbild
    Rainer  

    Hallöchen Johannes,
    Du hast getestet mit einem Peavy Classic 20 Watt Verstärker oder?
    Ich finde allerdings keinen Soundtest der Attenuator Funktion.
    Kann ja auch nicht … denn bei den beiden Attenuator-Stufen (20 … 3x db) hört man von dem Amp nicht mehr allzu viel als die Saitenamschläge.
    Es sollte unbedingt beachtet werden, dass die Minimal-Belastung bei 75 Watt liegen sollte.
    Also nur was für 100 Watt Amps und eben NICHT für kleinere Amps.

    Der THM-Wettbewerb schreibt das sogar in die Produktbeschreibung … und reduziert dadurch ggf. Die Return-Rate.

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