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Test: VOX Mark III Mini, Shortscale E-Gitarre

Die Kleine für unterwegs? VOX Mark III Mini

15. März 2022

Man schleppt im Laufe seines Lebens so viele Kilos an Equipment mit sich herum, dass man manchmal (oder immer öfter) auch einfach keine Lust mehr darauf hat. Von der Wohnung in den Proberaum, ins Studio, auf die Bühne und wieder zurück. Muss die schwere Les Paul wirklich auch noch mit? Der Rücken dankt es einem – nicht! Aber es macht doch so viel Spaß mit mehr Gear. Tja ja, wer Spaß haben will, muss eben schleppen oder wie war das? VOX hat sich wohl gedacht, „klein und leicht kann auch Spaß machen“ und mit der VOX Mark III Mini die „Teardrop“-förmige Mark VI Gitarre der 1960er-Jahre als Shortscale-Modell aufleben lassen.

 

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VOX Mark III Mini Modellreihe

VOX Mark III Mini, shortscale E-Gitarre – Unboxing

Das kleine Ding wird im VOX Karton verpackt und in eine einfache Styropor-Folie gewickelt geliefert. Neben der VOX Mark III Mini E-Gitarre findet man beigelegt, einen Plastikbeutel mit passendem Inbusschlüssel für den Halseinstellstab der Axt sowie ein sehr softes Gigbag für den Transport. Bis hierher nichts besonderes, aber für den sehr günstigen Preis absolut ausreichend. Optisch sieht das Ganze natürlich erst mal etwas amüsant aus, aufgrund der „ungewohnten“ Größenverhältnisse von Kopfplatte zu Hals und Korpus. Shortscale eben! Die Lackierung hat auf jeden Fall ihren Charme. Mal sehen, was denn in dem Baby so alles drinsteckt.

Test: VOX Mark III Mini, Shortscale E-Gitarre

VOX Mark III Mini, shortscale E-Gitarre – SPECS & FACTS

Wie der Name schon vermuten lässt, ist die Gitarre wirklich ziemlich mini (!!!). Wir sprechen hier von einer 3/4-Mensur bzw. 476 mm (18,7″) Mensur (Standard-Mensuren bewegen sich um die 648 mm oder 25,5″ bei beispielsweise einer Strat). Der Korpus der VOX ist aus Terentang-Holz gefertigt, der Hals besteht aus Ahorn und das Griffbrett wiederum aus Purple Heart (auch bekannt als Amaranth). Auf besagtem Ahornhals mit einer normalen Sattelbreite von 42 mm, findet man 19 Jumbo-Bünde. Auf der Kopfplatte sind VOX hauseigene, speziell für dieses Modell angefertigte Stimm-Mechaniken verbaut, die dafür sorgen sollen, dass man das Instrument genauso stimmen kann wie eine herkömmliche Gitarre mit normaler Mensur. Ab Werk kommt die Mark III Mini in Standard-Tuning: E1, B2, G3, D4, A5 und E6.

Von technischer Seite aus ist alles Standard: Es sind zwei Singlecoils auf dem Pickguard montiert, die per 3-Wege Schalter einzeln oder in Kombination aktiviert werden können, den 60s-Sound reproduzieren sollen und mit den neben dem Pickguard angebrachten Volume- und Tone-Poti in Lautstärke und Höhenanteil eingestellt werden können. An den üblichen Stellen findet man eine Standard-Klinkenbuchse sowie Aufhängungen für einen Gitarrengurt. Dieser ist auch nötig, da das Instrument durch die „Teardrop“- Form und geringe Größe beim Spielen nur schwer auf dem Oberschenkel bleibt.

Das Instrument wiegt nur sage und schreibe 2,1 kg, hat die absoluten Minimaße von 243x65x810 mm (BxTxH) und ist in den folgenden drei verschiedenen Lackierungen erhältlich: „Aqua Green“, „Marble“ und „Loud Red“.

 

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Test: VOX Mark III Mini, Shortscale E-Gitarre

 

 

VOX Mark III Mini, shortscale E-Gitarre – Pickup-Verdrahtung

Die beiden Singlecoils der Gitarre sind standardmäßig verdrahtet: In Position 1 erklingt der Bridge-Tonabnehmer. Schaltet man weiter in die Mitte, so werden die beiden Pickups kombiniert. Auf Position 3 des 3-Wege-Schalters verabschiedet sich der Bridge-Tonabnehmer wieder und der Hals-Pickup verrichtet seine Arbeit fortan alleine. Laut Hersteller sollen die Singlecoils den klassischen VOX MarkVI 60s-Sound generieren.

 

Test: VOX Mark III Mini, Shortscale E-Gitarre

 

VOX Mark III Mini, shortscale E-Gitarre – Praxistest 1: Handling

Das Offensichtliche ist auch das, was einem beim Spielen am meisten auffällt und für „normale“ Mensur-Player am ungewohntesten ist: die Mensur. Das ist aber nicht nur ein Nachteil. Klar, erst mal hat man trotz des gleichen Tunings und Griffbrettbreite andere Abstände zwischen den Bundstäbchen und auch die „blinde“ Orientierung auf dem Griffbrett ist erst mal etwas ungewohnt. Der erste Bund auf der VOX hat etwa die Breite des sechsten Bundes meiner Strat, der zwölfte der VOX etwa die Größe des 17. Bundes der Strat. Diese Verkleinerung macht aber auch Dinge spielbar, die sonst nur Menschen mit sehr großen Händen zur Verfügung stünden, wie zum Beispiel extravagante Chords oder four notes per String-Fingersätze von Tonleitern und teilweise sogar von Pentatoniken. Man gewöhnt sich relativ schnell an die Abmessungen des Instruments.

Ohne Gurt ist die Gitarre allerdings sehr unbequem zu spielen. Die Teardrop-Form sieht zwar sehr schick aus, bietet aber keinen Ort, wo das Instrument nicht „wegrutscht“. Also erst mal den Gurt umgeschnallt.

Die Potis und der 3-Wege-Schalter sind an einer angenehmen Position angebracht, um weder beim Spielen zu stören, noch zu weit entfernt zu sein, um nicht jederzeit „einsatzbereit“ zu sein.

Die Teardrop-Form des Korpus lässt durch die Richtung Hals angelegte „Spitze“ auf ganz natürliche Weise eine relativ gute Bespielbarkeit der „hohen Lagen“ (das Griffbrett endet ja am 19. Bund) zu. Die drei „fehlenden“ Bünde (zu den gewohnten 22 Bünden) stören nicht, auch wenn man anfangs vielleicht 1x oder 2x daneben greift oder das Ziel verfehlt, wenn man ein Ganzton-Bending zum hohen „e“ spielen möchte, da kommt man dann beim C#/Db raus.

In Sachen Setup verliert die Gitarre einen Stern. Das verwendete Material macht zwar einen guten Eindruck, scheint ordentlich verarbeitet zu sein und tut seinen Dienst, die werkseitigen Einstellungen sind aber nicht mal ansatzweise überzeugend. Die Saitenniederhalter auf der Kopfplatte sind viel zu locker eingestellt (da schwingt fast alles mit), der Hals ist zwar sauber eingestellt, aber die Bundreinheit ist nur halb ok. Na ja, lässt sich ja zum Glück einstellen, aber für den ungeübten Kunden, stünde hier erst mal der Gang zum nächsten Musikladen auf dem Plan.

Ein großes Manko tritt auf

Hauptproblematik bei diesem Instrument sind leider die Bünde. Die Gitarre reagiert in extremem Ausmaß auf die Intensität des Drucks der greifenden Finger. Die Intonation variiert um ca. einen Viertelton. Akkorde lassen sich so sehr schwer intonieren und auch beim Melodienspielen kostet es mehr Kontrolle, die Intonation halbwegs in den Griff zu kriegen, als Musik machen zu können. Kann man als Challenge sehen, um seine Kontrolle darüber zu schulen, muss man aber nicht.

In diesem Klangbeispiel hört man deutlich, wie sich die Intonation ohne „Ziehen“ der Saite nur durch die Änderung des Drucks senkrecht zum Griffbrett ändert.

 

Test: VOX Mark III Mini, Shortscale E-Gitarre

 

VOX Mark III Mini, shortscale E-Gitarre – Praxistest 2: Sounds

Der Grundsound der Gitarre ist drahtig und direkt. Sehr schön eigentlich! Man merkt und hört das „wenige“ Holz. Shortscale klingt eben etwas – im Positiven – eigen. Das hat definitiv seinen speziellen Reiz und kann im richtigen Kontext gut eingesetzt werden um einen individuellen Klang zu erhalten. Der Sound überzeugt. Auch die unterschiedlichen Klangnuancen, die durch die zwei Pickup-Positionen, sowie der Kombination beider entstehen, lassen sich gut in verschiedenen musikalischen Kontexten einsetzen. Das Tone- und das Volume-Poti arbeiten sehr sauber, ohne Knacken und haben einen tollen Bereich von warm-jazzy bis glitzernd funky bzw. laut zu leise. Da geht was. Die Potis laufen auch butterweich, ohne zu kratzen.

Für die geringe Größe hat die Gitarre auch einen recht ausgewogenen Sound. Nicht zu dünn untenrum, aber natürlich auch kein Basswunder (woher auch). Man bekommt einen etwas höher/mittigen Sound als bei einem Modell „normaler“ Mensur.

Das große Manko bleibt aber

Eine enorme Einschränkung bleibt aber das extreme Reagieren des Instruments auf den Druck der greifenden Hand. Man hört deutlich, wie ich zu kämpfen habe, die Akkorde halbwegs in tune klingen zu lassen, obwohl das Instrument technisch erst mal gut eingestellt ist (flache, aber nicht schnarrende Saitenlage, saubere Oktavreinheit, ordentlich gestimmt etc). Hier klarer Punktabzug!

Die unten zu hörenden Klangbeispiele wurden folgendermaßen erstellt: VOX Mark III Mini -> UAD Apollo Twin X Hi-Z Input -> Universal Audio Amp Simulationen (Fender Tweed Deluxe ’55 und Marshall Plexi Classic) -> aufgenommen Cubase 12 PRO (es gab kein Postprocessing).

Es sind immer alle drei Positionen des Tonabnehmerwahlschalters pro Klangbeispiel zu hören in der Reihenfolge: Neck – Middle – Bridge. Das Jazz-Beispiel wurde mit Fingern gezupft, alle anderen Beispiele sind mit Plektrum gespielt.

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Fazit

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die VOX Mark III Mini an sich kein schlechtes Instrument ist. Gut verarbeitet und bietet sowohl für unterwegs als auch im Studio oder Live eine spannende, eigene Klanglichkeit. Leider bleibt eben das Manko, dass die extreme Sensibilität für Druck der Greifhand auf die Saiten die Intonation in so weitem Maße beeinflusst, dass man hier mehr kämpft als Freude zu haben.

Plus

  • praktisch zu transportieren
  • gute Sounds
  • normale Halsbreite

Minus

  • extrem anfällig auf Druckunterschiede der Greifhand (Intonation)

Preis

  • 249,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    MatthiasH

    Das Intonationsproblem muss mit der geringen Saitenspannung zu tun haben. Vielleicht wäre es mit einem Satz stärkerer Saiten (mehr schwingende Masse, dafür stärker gespannt) zu beheben?

    Edit: Ah nein, der Hersteller wirbt bereits mit „heavy gauge strings“. Noch dicker wird dann wohl nicht mehr drin sein.

    • Profilbild
      gaffer AHU

      Das kann so nicht gehen. Um mit normalen Saiten die tiefste auf E zu stimmen muss man sie in den Schlabberbereich runterdrehen. Es müsste, unabhängig von der Saitenstärke problemlos gehen, wenn ich die Gitarre 5-7 Halbtöne höher stimme. So, als hätte ich einen Capo drauf.

  2. Profilbild
    harrymudd AHU

    Ich spiele selber 2 Shortscales – da helfen wirklich nur dicke Saiten oder Hochstimmen. Meine Standardstärke 10-53 sind bei E-Stimmung sehr weich, aber 3 Halbtöne auf G gestimmt sehr gut spielbar.

    • Profilbild
      gaffer AHU

      Ist einfache Physik. Eine Saite erzeugt bei bestimmter Stärke, Länge und bestimmtem Zug einen Ton bestimmter Höhe. Verkürze ich die Saite, erhöhe ich die Spannung, wähle ich dünnere Saiten, wird sie höher. Um das auszugleichen verkleinere ich den Zug. Dann wird sie schwierig sauber zu spielen sein. Dicker senkt die Frequenz ebenfalls. Der sauberste Weg ist höher stimmen. Oder dicker und etwas höher stimmen.

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