Test: Waldorf Attack in der Waldorf Edition 2

2. März 2019

Coole E-Drums für die DAW

Als wir 2001 die ersten Version des Waldorf Attack testeten, hätten wir uns nie erträumt, dass es dieses wunderbare Plugin bis ins Jahr 2019 schaffen würde. Tatsächlich wurde ATTACK aber immer wieder verbessert, für neue Betriebssysteme aufgewertet und auch grafisch überarbeitet.

Seit einiger Zeit gibt es den ATTACK nun nur noch im Waldorf Bundle Edition 2, allerdings für gerade mal 79,- Euro.  Deshalb haben wir nun ganz frech unseren ursprünglichen Attack Testbericht ausgegraben, leicht überarbeitet und legen diesen erneut dem kritischen Leser vor, denn für Freunde ist dieser außergewöhnliche Percussion- und Drumsound-Synthesizer immer noch eine echte Empfehlung.

Ganz „nebenbei“ erhält man den ATTACK innerhalb der Edition 2 mit einem abgespeckten, aber klanglich vollwertigen Waldorf PPG 2.2V sowie dem Filter-Plugin Waldorf D-Pole. Das ist doch was.

Kurz nach Erscheinen des Waldorf ATTACK im Jahr 2002 erschien übrigens auch die Hardware-Variante WALDORF RACK ATTACK. Auch diesen Test haben wir ein wenig angepasst und aufgemöbelt. Und ebenfalls interessant, den Waldorf Attack gibt es mittlerweile auch fürs iPad: FÜR TEST HIER KLICKEN.

Zuletzt sei noch auf den ATTACK-Workshop verwiesen, der Euch knackig und kurz wichtige Tricks für die Programmierung verrät. HIER KLICKEN

Waldorf Attack – Percussion Synthesizer

von Dominik Moser / März 2001

Alles in allem kann ich den Attack uneingeschränkt jedem empfehlen, der für seine Musik ausdrucksstarke elektronische Schlagzeugklänge benötigt und diese einfach in sein Sequencer-Setup einbinden will.

Attacke

Auf der diesjährigen Musikmesse zeigte Waldorf neben den Q-Synthesizern, die mittlerweile um das schicke microQ Keyboard erweitert wurden, ein neues VST-Instrument-Plugin namens „Attack“ für den PC und die Mac-Plattform.
Klanglich soll der Attack vor allem Schlagzeugklänge erzeugen können. Da schon der PPG Wave 2.V ein sehr gut klingendes Instrument ist, war meine Erwartungshaltung dementsprechend hoch gewesen. Aber schon alleine die kurze Attack-Vorführung innerhalb der Waldorf-Demo zeigte eindrucksvoll, was ein paar Zeilen Code aus dem Hause Waldorf zu leisten vermögen.
Wer sich selbst vom Sound des Plugins überzeugen möchte, kann einige Demosongs von der Steinberg Website herunterladen.
Aber bitte natürlich erst nach der Lektüre dieses Tests.

Die Ur-Version des Waldorf Attack von 2001

Ansichtssache

Der Attack ist in erster Linie ein Synthesizer, der aber für die Erzeugung von Drum- und Percussion-Klängen optimiert wurde und dazu einige Features enthält, die man sonst in Klangerzeugern vergeblich sucht. Je Plugin können 24 Sounds gleichzeitig mit bis zu 64 Stimmen (natürlich wie immer abhängig von der verfügbaren Rechenleistung des Computers) erzeugt werden.
Aber Drumsounds sind doch monophon, was will man da mit 64 Stimmen? Ganz einfach, 12 Sounds können zusätzlich polyphon über MIDI gespielt werden. Dabei „klappt“ am unteren Rand des Plugins eine Tastatur mit einem besonderen Lichteffekt auf – alleine das ist schon ein Kaufgrund. Die Synthesestruktur des Attack ermöglicht nämlich auch die Erzeugung zum Beispiel von Bass- und Leadsounds. Die erreichen natürlich nicht ganz die Qualität eines Hardware-Synthesizers (besonders nicht die eines von Waldorf), klingen aber trotzdem druckvoll und ergänzen den Klangvorrat des Attack sinnvoll.
Bis zu acht Ausgänge sind innerhalb der Host-Applikation pro Plugin verfügbar, um einzelne Sounds getrennt nachbearbeiten zu können. Das sollte für die meisten Anwendungen genügen. Ansonsten öffnet man einfach noch eine Instanz und erhält erneut acht Ausgänge.

Anhörung

Laut Waldorf war es ein erklärtes Ziel, die Syntheseformen der klassischen analogen Drumcomputer mit den Möglichkeiten von heute (Echtzeitsteuerung, Einbindung in ein bestehendes MIDI/Audio-System) zu kombinieren.
Das scheint nicht nur klanglich, sondern auch optisch gelungen sein. Die grundlegende Oberfläche des Attack hat große Ähnlichkeit mit dem Design des neuen microQ Keyboard.
Damit hebt sich Waldorf auf jeden Fall von anderen Plugin Mitbewerbern ab.

Die Oberfläche wirkt edel und aufgeräumt. Ein Display zeigt immer die aktuelle Parameteränderung und auch den dazugehörigen MIDI-Controller an – Pluspunkt. Klanglich reicht das Spektrum des Attack von der Emulation klassischer Kultmaschinen wie 808, 909 oder Simmons SDS-5 bis hin zu vollkommen neuartigen Klangschöpfungen, die vielleicht sogar selber Standard innerhalb der Musikszene werden könnten. Gerade auch im Percussion-Bereich vermag der Attack mit vielen analogen Pendants zu Congas, Rimshots oder Shakern zu überzeugen.

Ausstattung

Auf der linken Seite des Attack befinden sich die 24 Sound-Taster, mit denen der entsprechende Sound schnell mit einem Mausklick angewählt werden kann. Selbstverständlich lassen sich die Taster auch benennen, so dass man immer den Überblick behält.
Die 24 Sounds repräsentieren ein sogenanntes Kit, von denen bis zu 16 Stück pro Attack verfügbar sind. Selbstverständlich lassen sich einzelne Kits oder Bänke abspeichern oder laden. Im Lieferumfang sind fast 30 Kits enthalten, also erst einmal genug, um sich einen Überblick über die klanglichen Möglichkeiten des Attack zu verschaffen. Dabei reichen die Stilistiken von Techno über HipHop bis hin zu Effekt-Kits.
Zwei Menüs beinhalten Funktionen zum Kopieren, Vergleichen und Wiederherstellen von Sounds und Kits sowie einige Init-Presets für Bassdrums, Snares, HiHats und weitere Sounds. Sehr anschaulich wird im beiliegenden Handbuch auch die Erzeugung von Drumsounds bei analogen Klassikern und die jeweilige Umsetzung mit dem Attack erklärt.

Antriggern

Die oberen 12 der 24 Sounds können, wie schon eingangs erwähnt, polyphon gespielt werden. Über eine angeschlossene MIDI-Tastatur lassen sich diese 12 Sounds auf den MIDI-Kanälen 1 bis 12 in den oberen Oktaven mehrstimmig anschlagen. Dabei bleiben die unteren 12 Sounds aber auch immer spielbar – ein etwas kompliziertes, aber gelungenes Konzept. Ebenso sind alle Parameter über MIDI-Controller steuerbar. Dementsprechend umfangreich ist die Belegung der MIDI-Controller: Die ersten 12 Sounds empfangen niedrige MIDI-Controller auf den Kanälen 1 bis 12, die Sounds 13 bis 24 höhere MIDI-Controller auf den Kanälen 1 bis 12. Der MIDI-Kanal 16 ist für die Controller-Steuerung der Delays reserviert.
Alles in allem eine gewöhnungsbedürftige Sache, jedoch bei der riesigen Anzahl von nötigen Controllern (weit mehr als 1100) sinnvoll gelöst. Alle Regleränderungen können aber auch direkt beispielsweise in Cubase aufgenommen und so automatisiert werden.
Wie bei allen VST-Instrumenten können auch einzelne oder alle MIDI-Spuren des Attack einfach als Audiospuren exportiert werden.

Ausgangsposition

Aber nun ans Eingemachte: Die Syntheseabteilung des Attack besteht aus zwei Oszillatoren, die in der Lage sind, verschiedene Schwingungsformen zur Verfügung zu stellen. Neben den Standards Sinus, Dreieck, Sägezahn und Puls gibt es noch färbbares Rauschen und S&H (Zufallswert). Es können wahlweise aber auch drei Samples (Closed HiHat, Open HiHat und Crash) abgespielt werden, wobei eigentlich nur das Crash-Becken wirklich sinnvoll ist, da es nur unter großem Aufwand synthetisch generiert werden kann.
Die beiden HiHats sehe ich aber als gelungene Ergänzung, wenn man schnell entsprechende Sounds erzeugen möchte, vor allem da man die Samples auch durch die Synthese des Attack schicken kann. Alle Oszillatoren starten mit einem Phasen-Offset, so dass ein typisches Klicken am Anfang hörbar ist. Was sich hier etwas negativ liest, schafft in der Praxis die Grundlage für knackige Schlagzeugklänge, die immer punktgenau gestartet werden.

Abfahrt

Beide Oszillatoren können über einen weiten Bereich in ihrer Tonhöhe geregelt werden. Neben einem Pitch-Regler gibt es auch einen Wahlschalter für Halbtonschritte und Detune. Ebenso steht eine Tonhöhenmodulation durch wahlweise eine der beiden Hüllkurven zur Verfügung. Schön ist die Möglichkeit, die Tonhöhe in Verbindung mit der Hüllkurve auch über die Anschlagdynamik zu regeln, bei Waldorf-Usern eine hinreichend bekannte Funktion.
Oszillator 1 kann zusätzlich durch Oszillator 2 frequenzmoduliert werden, wobei auch hier die gleiche Modulationsmöglichkeit wie für die Tonhöhe vorhanden ist. Dabei ist der Regelbereich der FM besonders groß, so dass schnell chaotische Klangverläufe generiert werden können. Die für die Erzeugung von HiHats besonders wichtig sind.

Angekommen

Im Mixer werden die Audiosignale der Oszillatoren zusammengeführt. Ein Ringmodulator ergänzt die Klanggestaltungsmöglichkeiten. Zusätzlich lässt sich die Lautstärke von Oszillator 2 über eine der beiden Hüllkurven einblenden, ebenso auch wieder über die Anschlagdynamik. Ist die Summe aller Mixersignale größer als 100 %, wird der Filtereingang gesättigt.

Anorganisch

Der integrierte Crack-Modulator dient der Erzeugung von Handclap-artigen Klängen. Im Prinzip ist dieser Modulator eine zeitlich begrenzte Amplitudenmodulation des Summensignals, so dass die typische Charakteristik von Claps entsteht. Geschwindigkeit und Länge dieser Modulation können selbstverständlich getrennt eingestellt werden.

Aromaporen

Im nachfolgenden Filter kann das Signal nochmals entsprechend bearbeitet werden. Dafür stehen sechs Filtertypen zur Verfügung. Tiefpass, Hochpass, Bandpass und Bandsperrre sind mittlerweile alte Bekannte. Zusätzlich gibt es noch zwei EQ-Typen, die den Klang frequenzmäßig betonen oder abschwächen sollen. Die Resonanz lässt sich bis zur Selbstoszillation aufdrehen.
Auch das Filter kann mittels Hüllkurven und Anschlagdynamik moduliert werden. Ein integrierter LFO mit Dreieckschwingung sorgt für zusätzliche Filterbewegungen, bei Bedarf sogar rhythmisch zum Songtempo. Hinter dem Filter liegt der eingebaute Verzerrer, der eine Übersteuerung des Signals um bis zu 54 dB ermöglicht und gerade Bassdrums den nötigen Kick verleiht.

Ausfahrt

Im Verstärkermodul lassen sich neben Lautstärke und Panorama des Sounds die Ausgangsbelegung, Anschlagdynamik und der Effektmix einstellen. Zusätzlich lassen sich XOR-Gruppen bilden, so dass beispielsweise eine offene HiHat durch eine geschlossene abgeschnitten werden kann. Melodiesounds lassen sich auf diese Weise monophon spielen.

Ausdehnen

Die beiden nachfolgenden Delay-Einheiten sind jeweils für die beiden Stereoausgänge des Attack verfügbar.
Ist Output 1+2 angewählt, kann auch nur Delay 1 genutzt werden.
Beide Delays können natürlich zum Songtempo synchronisiert werden. Neben dem üblichen Delay-Feedback können mit dem Spread-Parameter die Delay-Zeiten ausgangsabhängig verzögert werden, was typische Ping-Pong-Delays ermöglicht. Lo- und HiCut dämpfen die entsprechenden Frequenzen des Effektsignals, ein LFO zur Modulation der Delay-Zeiten rundet die Delay-Sektion ab. Entsprechend eingestellt vermögen die Delays auch Chorus- und Flanger-artige Effekte zu erzeugen, selbst Kammfiltersounds sind mit kleinen Delay-Zeiten möglich.

Abfall

Der Attack besitzt zwei Hüllkurven, die auch grafisch editiert werden können. Hüllkurve 2 ist fest der Lautstärke zugeordnet. Neben den Parametern Attack, Decay und Release (Sustain gibt es nicht, kann aber durch Aufdrehen von Decay und Minimieren des Release-Parameter simuliert werden) können die Phasen der Hüllkurve mit Shape in ihrer Kurvenform stufenlos geändert werden.
So sind beispielsweise Überblendungen von linear nach exponentiell möglich. Schön ist, dass dies auch grafisch dargestellt wird.

Anpreisen

Die beschriebenen Features klingen auf dem virtuellen Papier schon ganz gut und auch die Screenshots des User-Interfaces machen was her; aber wie klingt der Attack denn nun und ist er überhaupt „alltagstauglich“?
Zunächst mal macht es auf jeden Fall Spaß, mit dem Attack Drumsounds zu erzeugen, da dies sehr schnell vonstatten geht, ein gewisses Basiswissen bei der Erstellung derselben vorausgesetzt. Aber auch „Neulinge“ können durch Editieren der umfangreichen Library oder der Preset-Klänge schnell Ergebnisse erzielen. Dabei ist das Handling für ein Plugin ziemlich gut, da die Regler eine angenehme Größe haben und recht übersichtlich angeordnet sind.
Gute elektronische Drumsounds sollten druckvoll und durchsetzungsfähig klingen. Beides meistert der Attack mit Bravour.
Gerade die typischen Techno-Bassdrums erzeugt der Attack mit „links“, wahlweise mit oder ohne Übersteuerung.
Erstaunlich ist die klangliche Vielfalt: Percussionsounds, LoFi-Effekte oder abgedrehte modulierende HiHats – es gibt eigentlich nichts, was der Attack nicht hinkriegt. Dabei hört man immer den Unterschied zum statischen Sampleplayer, in etwa vergleichbar mit dem Unterschied zwischen Rompler und richtigem Synthesizer.
Selbst bei extensiver Nutzung bleibt die System-Performance im angenehmen Bereich. Ein Demosong mit 16 Stimmen verbraucht auf einem Apple Pismo Powerbook gerade mal an die 40 % Prozessor-Power.

Der Waldorf Attack auf YouTube

Wir haben ein schönes Sounddemo von der alten ATTACK-Version auf YouTube gefunden:

Fazit

Alles in allem kann ich den Attack uneingeschränkt jedem empfehlen, der für seine Musik ausdrucksstarke elektronische Schlagzeugklänge benötigt und diese einfach in sein Sequencer-Setup einbinden will.
Es gibt eigentlich nur einen einzigen Wunsch, den ich im Zusammenhang mit dem Attack äußern möchte:
Bitte diesen Drumsynthesizer als Hardware mit eingebauten Step-Sequencer. Ansonsten kann ich abschließend nur sagen/schreiben, dass Waldorf mit dem Attack wieder einmal dem Ruf gerecht geworden ist, sehr gut klingende Musikinstrumente zu bauen – in diesem Fall zu programmieren.

Preis

  • Innerhalb der Waldorf Edition 72,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Atarkid  AHU

    Die sollten lieber mal ihren RACK ATTACK neu auflegen, wenn sie meinen alten schon nicht reparieren können… grrrml

    • Profilbild
      Waldorf Music

      Hallo Atarikid, was stimmt denn nicht mit deinem Rack Attack? Bitte schicke uns doch einmal eine detaillierte Fehlerbeschreibung über unser Supportformular auf unserer Webseite, dann schauen wir uns das gerne einmal an. In vielen Fällen können wir auch die älteren Geräte von uns wieder fit machen.

  2. Profilbild
    utopia3000  

    Zitat:

    Es gibt eigentlich nur einen einzigen Wunsch, den ich im Zusammenhang mit dem Attack äußern möchte:
    Bitte diesen Drumsynthesizer als Hardware mit eingebauten Step-Sequencer

    Antwort:

    Sonic Potions LXR. Genau dieser Drumsynth/machine kann genau das und noch mehr (samples, FM etc.)

    • Profilbild
      Coin  AHU

      @utopia3000 – Ja die LXR ist attraktiv!
      Leider ist das Forum off.
      Wo bekommt man die Kiste denn nun fertig gebaut zu kaufen ?
      Und was kostet die LXR zusammengebaut ?
      (auf ebay ist eine für 499 Eu – bissl überzogen oder ?)

  3. Profilbild
    Der_Brechreiz  

    Finde ich schade das Waldorf noch keinen Nachfolger released hat. Für mich immer noch die ultimative Drummaschine. Die VST Oberfläche ist sehr zugänglich und erleichtert Anfängern den Einstieg.

    Osc und Filter brauchen ein Update. Ein Sequenzer sollte heutzutage Standard sein.

    Also Waldorf es ist zeit für Upgrade.

    Ich würde mir auch Hardwarenachfolger ins Zimmer stellen.

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