Test: Waldorf Rack Attack E-Drum-Expander

14. Mai 2002

Waldorf goes E-Drums

Waldorfs Wege

Eine der Stärken der deutschen Synthesizerschmiede Waldorf war es schon immer, neue Wege zu beschreiten. Und so ist auch der „Rack Attack“ ganz im Zeichen von Innovation und Marktstrategien ein ganz typischer Waldorf-Neuling.

Während Firmen wie Native Instruments, Steinberg, Emagic und viele andere die Zukunft der Klangerzeuger auf reiner Software-Basis sehen und Plagiate erfolgreicher Hardware-Synthesizer als VST Plugin veröffentlichen, wagt Waldorf den umgekehrten Weg und geht einen Schritt – zurück – oder gar vorwärts?

Der Waldorf „Rack Attack“ ist nämlich nichts anderes als die greifbare Version des Waldorf VST-Plugins ATTACK, die seit März 2001 ihren Siegeszug angetreten hat und in keinem VST gestützten Studio mehr fehlen sollte. Einer Software, die prädestiniert ist für die Erzeugung von perkussivem Klangmaterial. Ob Handclap oder wuchtige Bass-Drum, ob vom Soundcharakter digital oder analog, ATTACK liefert eine unerschöpfliche Bandbreite an Klängen, ist intuitiv bedienbar und unschlagbar im Preis-/Leistungsverhältnis. Ebenso gibt es mittlerweile den Attack auch fürs iPad – HIER DER TEST.

Nun eine kostspieligere Hardware-Version des ATTACKS nachzuschieben, ist – man erlaube mir den Ausdruck – typisch Waldorf. Und das war vollkommen positiv gemeint! Statt auf Grund des wirtschaftlichen Risikos klein beizugeben, entschied man sich bei Waldorf wieder einmal, den Userwünschen nachzugeben.

Hardware Prefered

Klarer Fall: ATTACK als VST-Plugin unter LOGIC oder CUBASE ist immer nur so gut und so flexibel, wie das Gesamtsystem es erlaubt. Timing, Stimmenzahl, Effekte und die Zuweisung auf Einzelausgänge (unter LOGIC nach wie vor unmöglich) hängen von unzähligen Faktoren ab.

Ganz anders bei Verwendung eines Hardware-Moduls wie dem RACK ATTACK. Unabhängig von der Auslastung des „Zentralrechners“ im Studio leistet dieses Modul immer seine 100%. Da gibt es kein „Wenn und Aber“. Die Kiste wird eingeschaltet, angetriggert und ab geht die Post; keine ungewünschten Audioeinstreuungen im Signalweg, keine Systemabstürze und keine Drop-Outs, weil der CPU-Overload-Pegel mal wieder in den roten Bereich clipt.

Vor allem aber „live“ ist ein solches Modul von unschätzbarem Wert. Alleine die sechs Einzelausgänge erlauben erst am FOH-Mixer einen korrekten Mix der Live-Situation angepasst wurde.

Schon mal an dieser Stelle ein Zwischenergebnis: Gäbe es heute den Waldorf Micro Q (einer der besten Synthesizer, den ich kenne) als VST-Plugin, ich würde mich NIEMALS von meinem (damals noch gelben) 19″-Liebling trennen. Und so ist auch jetzt in meinem Studio schon abzusehen, dass ich baldigst 2HE frei machen muss um de RACK ATTACK zu integrieren.

Waldorf Rack Attack VS Waldorf VST Attack

Erstmal empfehle ich Ihnen den AMAZONA.de Test des VST ATTACKS sowie den dazugehörigen Workshop zu lesen, wenn Sie mehr über die ausgesprochen vielseitigen, klanglichen Möglichkeiten des ATTACKS wissen möchten.

Kommen wir also zu den Unterschieden:

Der RACK ATTACK hat zwei synchronisierbare LFOs mit verschiedenen Schwingungsformen, einen Sample&Hold-Filter für modulierbaren LoFi-Sound, 4 Effektslots (Rev / ModDelay / Delay / Chorus / Flanger / Phaser / Overdrive / LoFi). Es besteht auch die Möglichkeit, ein externes Audiosignal als Oszillatorschwingungsform (FM-bar) zu routen. Das Gerät verfügt weiterhin auch noch über zahlreiche Modulationsverknüpfungen, über Triggerbuttons für schnellen Liveeinsatz und über einen Pattern Sequencer pro Sound (24 Patterns pro Programm), der perfekt ist für den Live-Einsatz.

Die Plugin-Version des Waldorf Rack-Attack

Ganz nebenbei: Soundprogramme des VST ATTACKS sind kompatibel zum RACK ATTACK. Quasi könnte man den VST ATTACK als bequeme Editorsoftware für den RACK ATTACK missbrauchen. Hierfür ist ein kostenloses Konvertierungsprogramm für Mac und PC auf der Waldorf-Homepage erhältlich. Auch eine Sounddiver-Adaption ist bereits schon erhältlich.

Habitus

Der RACK ATTACKS gibt sich im neuen Millenium-Look (von Waldorf CLASSIC genannt), der auch die komplette Q-Serie ziert. Statt krachiger Farben, wie einst beim Q oder Microwave XT, soll das blau-schwarze Design mit dem typischen Waldorf-Wheel im „iMac-transparent Look“, wohl die Professionalität des Produktes unterstreichen.

Rein äußerlich sieht er damit dem Micro-Q auch zum Verwechseln ähnlich. Selbst die Aufteilung der Bedienelemente sowie des Displays wurden fast komplett vom Micro Q übernommen. Micro-Q User sollte sich also schnell zurechtfinden. Einzig die Navigationstaster in der Mitte des ATTACKS wurden auf UP and DOWN reduziert.

Die Bedienmatrix auf der rechten Hälfte hat bereits beim Urahnen Microwave erstmals für schnellen und direkten Zugriff aller Parameter gesorgt, ist aber durch die vier Endlos-Drehknöpfe noch viel komfortabler geworden.

Frontseitig befindet sich zusätzlich ein Kopfhöreranschluss für den schnellen Soundcheck am Gerät. Auf der Rückseite folgen die sechs Audioausgänge, die sich auch zu drei Stereopärchen konfigurieren lassen. Immer noch üblich, das Midi-Trio und leider – der Anschluss für ein externes Netzteil (auch Wandwarzen genannt). Krönender Abschluss ist der Stereoeingang, der die Zuführung externer Audiosignale erlaubt.

Dank Digital-Technik und leistungsfähigen Chips ist der RACK ATTACK ein leichtes und kleines Gerät, das sich ohne viel Mühe zu jedem Gig transportieren lässt.

Bedienung

Natürlich sind hier Abstriche hinzunehmen gegenüber der komfortablen Bedienung des VST-Plugins, aber als gravierend würde ich sie nicht bezeichnen. Dank der zuvor erwähnten Matrix konnte ich nach einer kurzen Eingewöhnungsphase alle gewünschten Soundänderungen gezielt und schnell vornehmen. Als Liebhaber von realen „Knöpfen“ (ich hasse virtuelle Drehknöpfe an Software, die ich mit der Maus verstellen muss) griff ich während der Produktion eines Demosongs sogar lieber an den RACK ATTACK, als das Edit-Fenster des Plugins zu öffnen und dort Änderungen vorzunehmen (aber das ist reine Geschmackssache).

Den viel gerühmten Bedienvorteil von Software würde ich jedenfalls nicht zu hoch bewerten. Testen Sie am besten den RACK ATTACK im Laden und schrauben Sie an den Knöpfen (ohne Studium der Bedienungsanleitung), und Sie werden sehen, es macht Spaß und ist irgendwie „direkter“ als am Computer.

Für alle anderen gibt es ja die bereits oben erwähnte Sounddiver-Adaption.

Timing

Selbst bei voller Auslastung der maximal 24stimmigen Polyphonie ließ sich der RACK ATTACK nicht aus der Ruhe bringen. Mehr ist zu diesem Punkt nicht zu sagen.

Der Sound des Rack Attack

Der RACK ATTACK beherrscht ALLE Spielarten moderner Dance-Sounds. Ob filigran zirpende Noises oder HiHats, Fantasie-Percussions oder wuchtige Kick-Drums mit einem tiefen Sub-Bass-Fundament, all das fabriziert der RACK ATTACK ohne Probleme.

Vergessen Sie ganz schnell, dass in der Kiste nur eine CPU werkelt. Sie werden es nicht merken, dass ihre analogen Drumsounds gar nicht analog produziert werden. Die Filter gehören zum absolut Feinsten, was der digitale Markt zu bieten hat.

Aber auch der digitale Sektor ist dank FM und verschiedenster Schwingungsformen kein Problem für den RACK ATTACK. Gerade diese Vielseitigkeit erlaubt Ihnen die Zusammenstellung von Drumkits, die es in sich haben. Dazu kommen die Echtzeit-Modulationen (siehe ATTACK Test), die für lebendige Klänge und abwechslungsreiche Grooves sorgen.

Sogar für SOLO Sounds ist der RACK ATTACK in gewissem Maße ideal. Zwar gibt es hier Soundmodule, die wesentlich besser auf Bass- und Leadsounds abgestimmt sind, doch für den ein oder anderen Hintergrundbass liefert der RACK ATTACK das perfekte Werkzeug.

Features:

  • Virtual-Modeling Synthesizer für Drum-, Percussion- und Solosounds
  • bis zu 25 Stimmen
  • 50 Drumsets
  • 24 Sounds pro Drumset (1200 Sounds)
  • Pattern Play Mode
  • Attack VST kompatibel
  • 2×20 Zeichen Display
  • 6 analoge Ausgänge (als 3 Stereoausgänge einsetzbar)
  • 2 analog Eingänge (als 1 Stereoeingang einsetzbar)
  • 1 Kopfhöreranschluss
  • MIDI In/Out/Thru
  • 2 Ozcillatoren pro Sound, optimiert für Drumsound-Synthese
  • Schwingungsformen: triangle, sine, square, saw, s&h, noise, 3 samples + external audio signal
  • FM
  • Ring Modulation
  • ‚Crack‘-Module for authentische Hand-Claps
  • 1 Multimode Filter pro Sound mit verschiedenen Filtertypen und Overdrive
  • 4 Effekte inklusive Mod Delay, Reverb, Chorus, Flanger, 5 FX etc.
  • 2 LFO pro Sound
  • 2 extrem schnelle Hüllkurven

Der Waldorf Rack Attack on YouTube

Fazit

Für Synthese-Freaks die schon immer nach einem vielseitig einsetzbaren Drumexpander gesucht haben, gibt es derzeit ABSOLUT KEIN KONKURRENZPRODUKT auf dem Markt. Der RACK ATTACK klingt gut, ist einfach zu programmieren und ist in vielen Bereichen seinem VST-Bruder überlegen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr gut.

Plus

  • Klang
  • Bedienung
  • Timing
  • Einzelausgänge

Minus

  • externes Netzteil

Preis

  • 820,- Euro
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