Test: Waldorf PPG Wave 3.V, Synthesizer Plugin

15. Dezember 2010

Der PPG Wave als Plugin

Der PPG Wave (Hier unser Blue Box Report dazu) ist ohne Zweifel ein Meilenstein in der Synthesizergeschichte. Er war einer der ersten digitalen Synths und etablierte die Wavetable-Synthese als eigenständige Art der Klangerzeugung. Er ist der Vorfahr von Microwave, Wave und Blofeld der PPG-Nachfolgefirma Waldorf.

Für sein virtuelles Ebenbild, das VSTi-Plug-in Waldorf PPG Wave, gilt das in gewisser Weise auch, es war lange Zeit der einzige Software-Synthesizer aus diesem Hause. Erst vor kurzem kam der Largo heraus und machte den Wave 2.V eigentlich überflüssig. Statt diesen aber nun auf das Abstellgleis zu schieben, hat Waldorf ihm eine Frischzellenkur verpasst. Als Wave 3.V kommt er nun für 156,-€ mit einigen neuen Features auf den Markt, die ihn wieder interessant machen.

Ganz nebenbei sei erwähnt, dass es den PPG WAVE 3V auch als abgespeckte Variante Waldorf PPG WAVE 2.2 für nur 79,-€ innerhalb der Waldorf Edition 2 gibt.

Die leicht abgespeckte Variante 2.2 aus der Waldorf Edition 2

Überblick

Der Wave 3.V hat im Prinzip die übliche Synthesizer-Struktur: zwei Oszillatoren, Filter und Amp, dazu drei Hüllkurven und einen LFO. Die Oszis unterscheiden sich jedoch wesentlich von normalen, da sie nicht einfache Wellenformen erzeugen, sondern viele modulierbare bereitstellen, die sogenannten Wavetables. Mit ihnen kann man schon ohne Filter variantenreiche Klangverläufe erzeugen, und der erste Hardware-Wave hatte konsequenterweise gar keine Filter. Den späteren Modellen wurden aber welche eingebaut, da sie sich trotz aller Klangvielfalt als unverzichtbar erwiesen, und zwar hervorragend klingende analoge Filter. Im Wave 3.V sind sie gut emuliert.

Die neuen Features

Der Wave 3.V hat neben den 31 originalen eine satte Ladung neuer Wavetables an Bord, über 100 an der Zahl, die der Schöpfer des Hardware-Wave, Wolfgang Palm, höchstpersönlich beigesteuert hat. Es handelt sich dabei nicht um die, die man vom Largo oder Blofeld kennt, sondern um speziell für den Wave 3.V kreierte Tables.
Außerdem kann der Wave jetzt auch Samples wiedergeben. Er fungiert dabei nicht als schnöder Sample-Player, sondern es wurden die Eigenheiten des Waveterms nachgebildet, einem Computersystem, das an den originalen Wave angeschlossen werden konnte und neben Sampling auch der Erzeugung neuer Wellenformen und Wavetables diente (siehe Linksammlung am Ende). Folgerichtig kann der Wave 3.V auch die alten Waveterm-Dateien einlesen, ebenso wie die SysEx-Daten der Hardware-Waves.
Eine Frage liegt altgedienten Waldorf-Benutzern da sofort auf der Zunge: Kann man mit dem Wave 3.V auch selbst neue Wavetables erzeugen? Jein, dazu weiter unten.
Es gibt jetzt eine Effektabteilung mit der üblichen Standard-Auswahl und zusätzlich einen Tube-Overdrive, der dem Filter nachgeschaltet ist.
Die Bedienoberfläche wurde überarbeitet, es gibt nun einen Datei-Browser, der scheint noch ein paar Bugs zu haben (der Name eines per Nummern-Direkteingabe angewählten Sound wird nicht aktualisiert), des weiteren übersichtliche Grafik- und Multimode-Anzeigen.

Der File Browser der neuen Version

Das Plug-in

Die „analog“-Abteilung der Bedienoberfläche ist gegenüber Original und 2.V fast unverändert geblieben, lediglich der Drive-Parameter kam hinzu und einige Buttons haben jetzt andere Funktionen. Mit den zentralen LED-Schaltern kann man jetzt die Flankensteilheit des Filters von 24 auf 12dB und den Overdrive-Modus von symmetrisch auf Tube schalten. Der Dritte dient der Aktivierung des „True PPG“-Modus, der die digitalen und analogen Unreinheiten der damaligen Elektronik nachbildet, unter anderem Aliasing der antiken Wandler (8 oder 12 Bit), LFO-Kurven mit Aussetzern und leicht schwankende Filterfrequenzen.

Das Analog-Panel des Wave 3.V

Die Buttons auf der rechten Seite rufen die digitalen Menüs des Wave auf.

PROG liefert eine Multimode-Übersicht mit Einstellungen für Kanal, Volume, Pan, Ausgang und auch Transponierung und Keyzones. Die TRANSIENT-Spalte (Waldorfianisch für Sample) dient der Anzeige und dem Laden von Samples. Ein Multisample ist nur via Multimode machbar, das heißt auch, dass maximal acht Samples verwendet werden können, eins pro Part.

PROG: Die Multimode-Übersicht

PROG: Die Multimode-Übersicht

DIGI ist ein wenig zusammengewürfelt, hier wählt man die Wavetables an (oder lädt stattdessen ein Sample) und stellt die mit True PPG aktivierte Wandlerqualität ein. Nach den Versionsnummern der Originale bedeutet 2.2 8-Bit- und 2.3 12-Bit-Ausgabe, 2.V heißt bis zu 32-Bit je nach Sample.
Auf dieser Seite findet man auch den Arpeggiator und den Keyboard Mode. Letzterer hat ein paar spezielle Eigenheiten, die in Zusammenspiel mit den Einstellungen auf der TUNE-Seite zum Tragen kommen. Der Poly-Mode ist ganz gewöhnlich, bis man Semitone-Key einschaltet, dann werden die Noten den Stimmen zyklisch zugeordnet, und diese kann man einzeln verstimmen. So kann man auf einer Taste eine Melodie spielen. DUAL, QUAD und MONO weisen jeder Note zwei bzw. vier oder acht Stimmen zu, die sich ebenfalls verschieden stimmen lassen, so dass man damit imposante Stack-Sounds oder Ein-Finger-Akkorde spielen kann. Semitone-Key ist dabei ebenfalls wirksam.

DIGI: Wavetable- und Sampleauswahl

DIGI: Wavetable- und Sampleauswahl

TUNE beherbergt das eben genannte Einzelstimmen-Tuning, Tonhöhenmodulationen und Gesamt- sowie Oszillatorstimmung. Hier gibt es eine willkommene Neuerung, bisher war das Detune zwischen den Oszis ganz originalgetreu nur in grobe Schritte unterteilt, jetzt gibt es einen FINE-Modus, der sehr viel feiner auflöst. Ohne FINE ist man manchmal geneigt, einen Bug zu vermuten, da man die Maus schon ein Stück schieben muss, bis der nächste Wert erscheint.

TUNE: Gesamt- und Einzelstimmentuning

TUNE: Gesamt- und Einzelstimmentuning

MOD ist wie zu erwarten die Modulationsmatrix des Wave, und auch hier wurde aufgebohrt. Die originale und 2.V-Matrix war in Sachen Modulationswege und Werterasterung sehr verbesserungswürdig, mit aktiviertem FINE hat man eine höhere Auflösung und mehr Modulationsmöglichkeiten. Einige bleiben jedoch gesperrt, was zwar nicht schmerzt, aber manche könnte man doch ab und zu gebrauchen.

Die neue Modulations-Matrix

GRAPH bietet einige grafische Displays für LFO, Oszis, Filter und Hüllkurven, die man mit der Maus editieren kann. Praktisch und übersichtlich, nur etwas klein geraten. Die Wellenformen der Wavtable-Oszillatoren lassen sich hier auch begutachten und verstellen.

GRAPH: Editierbar und übersichtlich

GROUP ermöglicht das Bearbeiten aller Multimode-Parts gemeinsam. Betätigt man einen Regler, wird dessen Einstellung auf alle anderen Parts übertragen. Leider gibt es keine relative Betriebsart, die Werte werden nur absolut übertragen.

EFFECTS ruft die neu hinzugekommene Effektabteilung auf. Es gibt zwar nur die Grundausstattung mit EQ, Overdrive, Phaser, Chorus, Delay und Reverb, aber wahlweise für jeden Multimode-Part oder global wirkend und sparsam, aber gut parametrisiert. Sie sind auf jeden Fall ein Zugewinn, speziell der Phaser passt klanglich perfekt zum Wave.

EFFECTS: Die Effekte sind neu hinzugekommen

EFFECTS: Die Effekte sind neu hinzugekommen

TRANSIENT ist die Seite für die Sample-Einstellungen. Loop-Parameter, Root Key, Sample-Startpunkt und Sample-Rate lassen sich hier editieren. Der Wave ermöglicht nur Vorwärts-Loops, keine alternierenden.

TRANS: Die Sample-Parameter

TRANS: Die Sample-Parameter

PANEL blendet die aufgerufene digital-Seite aus und zeigt stattdessen den schwarzen Deckel des PPG. Das ist reine Kosmetik, dementsprechend kurz ist das Kapitel dazu in der Anleitung. Die übrigens lässt leider den Waldorf-typischen Humor vermissen und glänzt mit staubtrockenen Formulierungen wie:
„Auf der Effekt-Seite stellen Sie die im PPG Wave 3.V verwendeten Effekte ein. Sie öffnen die Effekt-Seite durch Mausklick auf den EFFECTS-Taster. Der Taster leuchtet blau auf.“
Freunde actionreicher Kinospektakel erinnert das vielleicht an folgenden Dialog aus „Rambo III“:
„Was ist das?“ – „Blaues Licht.“ – „Was macht es?“ – „Es leuchtet blau.“

Blaues Licht...

Blaues Licht…

GLOBAL schließlich ist zuständig für Stimmenzahl, Ausgänge (stereo oder 8xStereo), Gesamtlautstärke (allerdings nur Anhebung), Maus-Modus (zirkular oder linear) und für gezielte Frequenz- und Resonanzverstellungen der Filter, die wieder analoge Ungenauigkeiten emulieren sollen. Sie werden zyklisch vergeben und ergänzen den True-PPG-Modus, bei dem zufällige Schwankungen erzeugt werden. Gezielt und sparsam eingesetzt kann so etwas sehr dazu beitragen, einen Klang lebendiger und organischer zu machen.

GLOBAL: Hier kann man gezielt analoge Ungenauigkeiten einstellen

GLOBAL: Hier kann man gezielt analoge Ungenauigkeiten einstellen

Wavetables

Genug der trockenen Funktionen, kommen wir zum interessanten Teil. Der Wave 3.V hat nagelneue Tables mitbekommen. Sie sind in sechs Bänke unterteilt (Synthesis, Analysis, Mix, Harmonic Split, Voice und Utterance), was aber nicht unbedingt eine Kategorisierung erlaubt. Man muss schon jede einzeln erkunden oder vielmehr hat die schöne Gelegenheit dazu.
Eine Bewertung abzugeben, ist schwierig, da man sich lange mit den einzelnen Tables beschäftigen muss, um ihre Sweet Spots zu finden. Aber soviel lässt sich sagen: Es sind viele dabei, die sich nahtlos an die alten des PPG anreihen, und einige, die unerwartet ergiebig sind und sehr schöne Spektren haben, wie die analysierten Percussion-Samples (Analysis-Bank). Bei anderen dagegen fragt man sich unwillkürlich, wozu sie gut sein sollen, aber da ist Phantasie gefragt bei der Soundprogrammierung.
Diejenigen mit einem U-Zusatz hinter ihrem Namen haben nicht die üblichen 64, sondern 128 Waves, was man bei der Modulation berücksichtigen muss. An die zusätzlichen 64 Waves kommt man, indem man die Upper Wavetable aktiviert oder Osc-Waves und Env1-Waves kombiniert. Der LFO kann den ganzen Bereich modulieren.

Hier ein paar der neuen Tables mit Hüllkurve durchgesweept:

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Neue Wavetables sind immer prima, denn selbst welche herzustellen, ist nicht einfach. Microwave und Waldorf Wave ermöglichen das (der Micro via Editor), und manche Software-Synths wie NI Reaktor oder VAZ Modular können entsprechend geloopte Samples als Wavetables verwenden.
Die Antwort auf die zu Anfang gestellte Frage, ob man mit dem Wave 3.V nun selbst Wavetables machen kann, ist daher von besonderem Interesse.
Nein, es gibt keine Editierfunktionen, mit denen man aus Audiomaterial Wellen zu Tables zusammenfügen kann. Aber man kann die Loop bei Samples modulieren.
Ein geladenes Sample wird normal abgespielt, wenn Env1-Waves auf 63 steht. Mit jedem Schritt abwärts wird die Loop um 128 Samples Richtung Sample-Start verschoben, die Envelope selbst hat dabei gar keine Funktion mehr. Mit Osc-Waves kann man die Loop beliebig im Sample hin- und herschieben. Man hat also so etwas wie eine Wavetable, nur ist sie nicht mit Envelope und LFO modulierbar. Und: Das funktioniert nur, wenn ein Wellendurchgang 128 Samples lang ist, und zwar exakt, und das Sample selbst eine Länge von mindestens 8192 Samples gleich 64 Wellendurchläufen.
Das entspricht einer Frequenz von 344,53125 Hz und einer Länge von 0,186 Sekunden. Nicht gerade praxisnahe Werte, denn das liegt irgendwo zwischen den Halbtönen, und dieses kurze Sample muss auch einen brauchbaren Klangverlauf aufweisen.
Diese Feature macht einen etwas unfertigen Eindruck, denn bei längeren Loops ist eine Verschiebung um 128 Samples praktisch unhörbar. Und warum man dann nicht wie bei Tables modulieren kann, will sich auch nicht so recht erschließen. Aber der Wave wird damit nicht beworben, und es wird auch nur in einer zusätzlichen Kurzanleitung erwähnt, deshalb gibt es dafür kein Minus. Vielleicht wird ja noch ein Schuh daraus beim nächsten Update.

Samplerfunktionen

Als reiner Sample-Player ist der Wave etwas eingeschränkt, aber es sollte auch nur das Waveterm emuliert werden und nicht eine neue Megasample-Schleuder geschaffen werden. Er versteht die Formate wav, aif, ogg, flac, mp3, mp4 und m4a in mono. Leider keine Sampler-Formate, aber immerhin sind 8-fache Multisamples machbar, und man kann Loop-Start und -End sowie Sample-Start  und -Rate justieren. Dass er nun Samples wiedergeben kann, bereichert sowohl den Wave als auch die Samples, denn es gibt ja noch das Filter.

Filter

Es handelt sich dabei um eine Emulation der analogen SSM-Chip-basierten 24dB Tiefpassfilter aus dem Original, die man auch im Waldorf Blofeld (hardware) findet, nicht jedoch im Largo (software). Den Klang kann man mit Worten wie seidig, silbern beschreiben und er unterscheidet sich angenehm von dem anderer Filter. Außerdem gibt es beim Wave 3.V einen sonst nirgendwo implementierten „SSM“-12dB-Modus. Für akustische Samples ist dieser meistens vorzuziehen, und er unterstützt den Klangcharakter des Filters, da er mehr Obertöne übriglässt. Die Resonanz reicht bis in die Oszillation und schwächt den Pegel etwas ab, was aber originalgetreu und beabsichtigt ist.

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Der Overdrive ist ziemlich fetzig, hier erst Normal- und dann Tube-Modus:

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Trotz des eher weichen Klangs der Filter kann der Wave durchaus fett klingen:

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Und schnell genug für perkussive Sounds ist die Filtermodulation mit Envelope auch:

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Die Emulation kann man als sehr gelungen bezeichnen, zusammen mit dem Tube-Overdive ergibt sie eindeutig ein echtes Plus beim Wave 3.V.

Amp

Er hat eigentlich keine Besonderheiten, aber mit BASIS kann man die Stimmen im Stereopanorama verteilen. Davon profitieren sowohl Flächensounds wie auch Sequenzen. Dieses Feature hat Suchtpotenzial, einmal aktiviert möchte man es nie wieder abdrehen.

Erst ohne, dann mit BASIS:

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LFO und ADSRs

Der LFO wird immer mit dem Mod-Wheel oder Aftertouch in der Amplitude geregelt, auch eine Besonderheit des Originals. Er hat als Wellenformen Dreieck, Auf/Ab-Sägezahn und Rechteck, die maximale Frequenz liegt bei 24 Hz (MIDI-synchronisierbar).
Die Envelopes 1 und 2 sind klassische ADSRs, Nummer 3 eine AD mit regelbarer Amplitude in positiver und negativer Richtung.

Sonstiges

Die Bedienung des Wave ist manchmal etwas fummelig, wenn man auf die kleinen dreieckigen Schalter angewiesen ist. Meistens gibt es aber alternativ ein Pop-Up-Menü. Die Regler der Bedienoberfläche sind fest bestimmten MIDI-Controllern zugeordnet, eine Learn-Funktion gibt es hier leider nicht.
Die mitgelieferte Programmbibliothek ist recht umfangreich, und hier haben ein paar fähige Leute neue Sounds beigesteuert. Es macht wirklich Spaß, sie durchzuhören. Selbstverständlich sind auch die Werksprogramme des Wave 2.V dabei und wie gesagt die alten Waveterm-Dateien, die so manche kleine Überraschung bereithalten.

Eine Auswahl aus den Werkssounds:

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Bei einigen war es nötig, die Stimmenzahl zu reduzieren (auf einem Mittelklasse-Rechner), der Wave 3.V braucht aufgrund der neuen Effekte und des Drives etwas mehr Rechenpower als die Vorgängerversion. Das hält sich aber noch im Rahmen des erträglichen.

Fazit

Der Waldorf PPG Wave hat in der 3er Version einige neue Features, die ihn sehr aufwerten. Über 100 neue Wavetables, Effekte, erweiterte Modulationsmöglichkeiten und Sample-Import. Die Eigenheiten, aber auch einige Einschränkungen des Originals sind geblieben. So ist es immer noch nicht möglich, für die zwei Oszillatoren verschiedene Wavetables anzuwählen, es gilt immer eine Table für beide, und die Verteilung der Parameter auf eine „analoge“ und „digitale“ Oberfläche ist manchmal etwas unübersichtlich.
Es ist eine prinzipielle Frage: Ist es besser, einen Vintage-Synth bei der Portierung in die virtuelle Welt der Plug-ins möglichst original nachzubilden oder ihn zu verbessern? In letzerem Fall kann man nämlich auch gleich einen neuen Synthesizer programmieren. Waldorf hat es geschafft, diesen Klassiker ordentlich aufzubohren und trotzdem seinen etwas sperrigen Charakter zu erhalten. Das Ergebnis ist durchaus interessant, der Wave 3.V hat ein paar Kaufanreize: Spezielle Wavetables, die SSM-Filteremulation mit 12 und 24dB und seine Vintage-LoFi Betriebsarten. Und er kann alte Waveterm-Dateien lesen, von denen ein Haufen auch mitgeliefert wird. Für Klangarchäologen sind die ein kleines Schatzkistchen, sie enthalten neben prä-GM Standardsounds auch einige sehr spezielle Samples.

Wie alle Wavetable-Synthesizer ist der Wave 3.V ein Chamäleon. Hauchige Flächen, fette Analogsweeps, Glockiges und Gläsernes, schräge Experimentalsounds, nichts scheint unmöglich.
Nur das Bessere ist der Feind des Guten, der Largo aus gleichem Hause hat nicht die Einschränkungen des Originals, zwei Multimodefilter und weitere interessante Features, allerdings nicht das SSM-Filter.
Eine voll lauffähige Demoversion des Wave 3.V mit einer 100-Tage-Lizenz steht bei Waldorf zum Download, die sollte man auf jeden Fall ausprobieren.

Plus

  • über 100 neue Wavetables
  • gut klingendes Tiefpassfilter, 12 und 24dB-Modus
  • erweiterte Modulationsmöglichkeiten gegenüber Wave 2.V/Original
  • Sample-Import
  • verbesserte Bedienoberfläche
  • gute Programmbibliothek

Minus

  • teilweise etwas klein geratene Schalter
  • kein MIDI-Learn für Parameter

Preis

  • 156,-€
Klangbeispiele
Forum
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    tsching

    „Die Anleitung übrigens lässt leider den Waldorf-typischen Humor vermissen“

    Dann sollte der Autor mal im Glossar unter dem Stickwort „Handbuch“ nachschlagen!

    LG,
    Holger

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      Barely

      Danke, liebe Waldis! ;)
      Schon wieder so ein wunderschönes Instrument, ganz eigenständig, fruchtig und doch cremig :)
      Klingt tatsächlich wesentlich besser als die sowieso schon tolle 2.v, und eure Sounddesigner haben diesmal alle Register gezogen, echt klasse und sehr inspirierend. Jetzt macht da bitte noch ne blaue Kiste mit Tasten rundrum und ich kauf’s dann das 3. Mal ;)

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          Barely

          Gute Idee, Herr Fischer ;)
          Allerdings würde ich halt gerne in 10 Jahren das Ding auspacken und loslegen können, und bei softsynths bin ich da immer noch skeptisch, ob die in 10 Jahren für Windows 35 und RaubtierxyOS noch unterstützt werden, und da hilft mir auch ein schöner Controller nix. Insofern bin ich ein konservativer Technologieskeptiker. Aber momentan und für den Preis kammer da nix sagen, vor allem als Update von den anderen Versionen.

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    Moogli

    Ich benutze Hermann Seibs Waveterm C Paket und das bietet mir nicht nur dem Papier nach einiges mehr an Authentizität und Klangbearbeitungsöglichkeiten als der Waldorf 3.v.

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      h.gerdes  AHU

      Ist das schon erhältlich? Auf der Website sieht es nach beta-Version aus. Und anscheinend läuft es nicht ohne die Hardware, wenn ich das richtig verstehe.

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        AMAZONA Archiv

        Kann Hermann Seib sicher viel besser erklären. Also, Waveterm C ist als 1:1 Softwareentsprechung eines kompletten PPG Wave Systems (bis auf PRK) gedacht. Fehlende Peripheriegeräte (üblicherweise Waveterm A/B) kann der Benutzer durch die Waveterm C Software ersetzen und hat so im Prinzip das komplette System zur Hand. „Im Prinzip“, weil Waveterm C wohl eher als ein Entwicklungprojekt zu verstehen ist, d.h. derzeit fehlen noch einige nicht unbedeutende Features im Wavterem B wie z.B. das Mischen von 4 Transient Sounds sowie sämtliche Sequencer-Operationen. Daher sicher auch „Beta“. Davon abgesehen bietet das System ein ganze Menge für das wenige Geld (Wavetablebasteln z.B.) ;). Ich selbst habe für den derzeitigen Waldorf-Upgradepreis die Vollversion Wavesim 2.2/2.3/EVU, den Waveterm C Mini mit der gesamten PPG System Library sowie die Waveterm A/B/C Vollversion erhalten. Angenehmer Nebeneffekt: Zur richtigen Bedienung des Systems muss man sich – auch wenn man nur die Software benutzt – natürlich durch die originalen PPG Handbücher arbeiten… was einen dann aber auch zum Betrieb der originalen Hardware befähigt ;)

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          AMAZONA Archiv

          Zur Verbesserung: Waveterm C besteht auch aus Hardwarekomponenten von Paul Maddox aber die sind nicht zwingend notwendig um mit der Software arbeiten zu können. Die Software funktioniert mit und ohne PPG Hardware.

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            h.gerdes  AHU

            Ahja. Vor allem das mit dem Wavetable-basteln ist interessant! Das fehlt definit beim Waldorf PPG.

            Für alle Leser: Der Wave Simulator (VSTi) von Seib ist als Donationware zu haben, hat allerdings nicht ganz den Funktionsumfang des Waldorf PPG. Und die Bedienung ist sehr original, etwas fummelig. Hatte ich mal ausprobiert, mir dann aber einen Blofeld zugelegt ;-)

            Respekt vor dem, was Seib da macht, seine Seite ist Pflichtlektüre für alle Wave-Fans! Auch ein paar Tables von Palm stehen da zum Download, neben Soundbänken etc.

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              AMAZONA Archiv

              Sprichst Du von der WaveSim ? Klingt so. Ich meine Waveterm C – das Paket ist deutlich umfangreicher als die Waldorf PPG Produkte.

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                h.gerdes  AHU

                Ja, ich meine den einfachen PPG Wave von Seib, der ist ja eine 1:1 Umsetzung des PPG Wave 2.3 und entspricht etwa dem Waldorf PPG Wave 2.V, aber zum Donation-Preis.
                Das Waveterm C kann deutlich mehr und scheint ja die Messlatte noch höher zu legen. Das wäre auch mal einen Test wert…

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                  Arakula

                  Nein, das ist eine Kopie eines Wave 2._2_.

                  Der Unterschied ist der, dass der Wave 2.2 mit 8bit-DACs und nur einer Bank ausgestattet ist, der Wave 2.3 hingegen mit 8 Bänken und 12bit DACs.

                  Was die internen Wavetables anbelangt, ist der klangliche Unterschied allerdings marginal – die sind in beiden Geräten als 8bit-Daten gespeichert, insofern bringt der 12bit Wandler auch recht wenig. Interessant wird’s bei selbstgebastelten Wavetables, die im einen Fall nur 8bit-, im anderen Fall hingegen 12bit-Samples aufweisen.

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                    AMAZONA Archiv

                    Ha, selbstgebastelt Wavetables. Irgend eine Idee warum man sich bei Waldorf so dagegen streubt oder das sogar als Langweilig einstuft? Für den Microwave gabs tolle Software um sich die Wavetables zu basteln und ein Programmierer hat mir damals erzählt das sich die Software wie geschnitten Brot verkauft hat. Zwar noch auf dem Atari aber nun is tote Hose was die Editoren angeht. Gibts da wirklich kein Intersse mehr sich die eigenen Sounds basteln zu können?

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                      Arakula

                      Leider, aber…

                      Ich bin nicht bei Waldorf beschäftigt und kann dazu nichts sagen; mir gegenüber privat geäußerte Meinungen werde ich auch nicht weitergeben.

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                  Arakula

                  Nachsatz: falls das falsch rübergekommen ist, ich habe natürlich auch eine 2.2/2.3/EVU-Simulation, nur ist das eben nicht die „Donationware“.

                  • Avatar
                    AMAZONA Archiv

                    Ja, aber der preisliche Unterschied ist inetwa so marginal wie der klangliche Unterschied zwischen Wave 2.2 und Wave 2.3 :-)

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              AMAZONA Archiv

              Auf jeden Fall ist das erstellen von eigenen Wavetables ne tolle Sache. Hab mit dem Microwave1 damals tolle Sachen programmieren können. Leider sieht man das bei Waldorf nicht so denn das erstellen von Wavetables sei langweilig. Naja, wer es meint……

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                h.gerdes  AHU

                Wavetables basteln ist ???langweilig??? wer hat denn den Spruch auf dem Gewissen… es mangelt an guten Werkzeugen dafür! Ich habe nur den Creator von Laszlo Lehel für den Blofeld, und der ist noch buggy.

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                  AMAZONA Archiv

                  Nur soviel. In anderen Foren wurde schon eine Menge darüber geschrieben und die Aussage kam von jemand der es Wissen muss.

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                    AMAZONA Archiv

                    Na, Wolgang Palm wird´s wohl nicht gewesen sein und in Sachen Wavetable hat immer noch er das letzte Wort, oder ?! :-)

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          AMAZONA Archiv

          Sehr interesannt. Danke für die Infos. Also würde s ja doch klappen mit dem Wavetablebasteln.

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            AMAZONA Archiv

            Nein, nicht „wuerde es ja doch klappen“ sondern „es klappt“ !! ;)

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        Arakula

        Ich versuch‘ mich mal an einer Erklärung.

        Waveterm C wurde ursprünglich mit dem Gedanken geschrieben, dass echte PPG-Synths (Wave 2.2 / 2.3 / EVU) damit an einem modernen PC betrieben werden können. Ein echtes Waveterm hat nun mal nicht jeder Wave-Besitzer dabei, wodurch dann allerdings 50% der Möglichkeiten der Waves brachliegen.

        So weit, so gut – das Waveterm C-Hardwareprojekt (ein Gerät, das per USB an den PC angeschlossen wird und auf der anderen Seite über den PPG-Bus mit den Waves spricht) haben Paul Maddox und ich vor mittlerweile ziemlich vielen Jahren fast fertig gebracht – dann ging es halt den Weg vieler Freizeitprojekte und ging schlafen. Ins Koma, besser gesagt; es gibt also auf der Welt exakt 2 Prototypen, die prinzipiell fast voll funktionieren. Paul hat mittlerweile auch gar keinen Wave mehr, soweit ich weiß.

        Ich habe allerdings auch ein kleines Betriebssystemupgrade für den „echten“ Wave auf Lager, das es mir erlaubt, über MIDI praktisch den kompletten PPG-Bus-Funktionsumfang abzubilden. Waveterm C funktioniert also, sofern die angeschlossenen Geräte über mein Betriebssystem verfügen, auch über MIDI und benötigt den Hardwareteil nicht. MIDI ist zwar deutlich langsamer als der PPG-Bus, aber wer schon mal mit PPGs gearbeitet hat, wird bestätigen: das ist kein System, in dem mal eben blitzartig neue (Multi-)Samples eingeladen werden, das ist auch mit einem echten Waveterm ein System, in dem man sich vorab überlegt, was man tun möchte, weil ein Wechsel eben dauert.

        Nebenbei habe ich auch noch die Wave-Simulation geschrieben – das war eigentlich hauptsächlich als Debugging-Hilfe gedacht, als ich das Betriebssystemupgrade verfasste. Das Ding ist nicht eben die Durchschnitts-„Emulation eines analog/digitalen Klassikers“ – es geht weit darüber hinaus. Der komplette Computerteil des Waves, inklusive 6809-Prozessor und sämtlichen angeschlossenen Peripheriechips wird da simuliert, und es läuft auch die originale Firmware darauf – das IST ein „PPG Wave“ (bis auf die Klangerzeugung selber, die ist nicht 100%ig den Originalbauteilen nachprogrammiert, das wäre zu aufwendig).

        Gelangweilt? Keine Angst, wir sind fast schon da…

        Der simulierte Wave kann auch über einen simulierten PPG-Bus mit dem simulierten Waveterm sprechen. Man kann ein komplettes System aus einem Waveterm, 2 Waves und 2 EVUs im Computer simulieren, wenn man das möchte.

        Waveterm C ist dabei ein eigenständiges Programm; die Wave/EVU-Simulation kann entweder ein Standalone-Programm sein oder ein VSTi, das innerhalb eines Hosts läuft.

        Jetzt zum aktuellen Status: ja, ich erachte das Gesamtpaket als unfertig. Ich bin unverbesserlicher Perfektionist, und Waveterm C umfasst nicht den vollen Umfang des Original-Waveterms. Ob das jemals der Fall sein wird… wage ich auch zu bezweifeln.

        Wer’s aber haben möchte, kann mich gerne kontaktieren.

        Caveat emptor: was die Timing-Genauigkeit anbelangt, ist Waldorfs 2/3.v um viele Klassen besser. Hier ist die genaue Simulation von Nachteil, da der 1.5MHz-6809 nun mal bis zu 5 Millisekündchen braucht, bis er einen eingehenden MIDI-Befehl komplett interpretiert hat. Samplegenauen Einsatz kann man vergessen.

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          h.gerdes  AHU

          Danke für die umfassende Auskunft! Das ist doch mal Butter bei die Fische.
          Hört sich an, als hätte das länger als ein Wochenende gedauert ;-)
          Kann das Waveterm C denn auch Tables als Sysex speichern, die man dann mit soft/hard-Waldis einlesen kann?

          • Profilbild
            Arakula

            Naja… es hat wirklich etwas länger als ein Wochenende gedauert. Das Abenteuer hat so etwa zum Jahrtausendwechsel begonnen :-) … und abgeschlossen wird es wohl so bald nicht werden.

            Nein, WTC kann leider keine SysEx-Exports für Waldorf machen (egal ob Wave, µWave, Largo, Blofeld oder sonst ein Bösewicht).

            Eine Unterstützung dieser Produkte war eigentlich nie beabsichtigt, hier ging’s immer um die PPG-Linie.

            Was nicht heißt, dass es theoretisch unmöglich ist, nur stellt sich halt die Sinnfrage… gibt’s da nicht schon genug Sachen?

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              h.gerdes  AHU

              Selbst Wavetables erstellen geht afaik sonst nur mit den Sounddiver + MicrowaveII und Lehel-WT-Creator + Blofeld. Sehr spezialisierte Programme und nicht so richtig flüssig zu bedienen. Und wenn die Mittel fehlen, das mal eben schnell und einfach selbst auszuprobieren, entsteht auch kaum Bedarf, also ist der Standpunkt „Tables machen ist langweilig“ eine klassische selbsterfüllende Prophezeiung… wer schonmal den Uhe Zebra ausprobiert hat oder mit den Wavetable-Features von Reaktor herumgespielt hat, weiß aber, das das durchaus eine sehr ergiebige Sache ist und auch Spaß macht.

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                AMAZONA Archiv

                Die Frage ist doch vielmehr: Aus welchem vernünftigen Grund sollte ich Wavetables aus dem Waveterm C heraus exportieren wollen… und dann noch ausgerechet in einen Waldorf-Softi ? Ich Würde sagen solchen Gedankenspiel kosten 5 Euro in die Schäm-Dich-Kaffeekasse :-)

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                  h.gerdes  AHU

                  Hmm… liefert ein Multimode-Filter nicht schon mehrere Gründe? Und dann noch zwei von der Sorte? Und Zwei Oszis mit freier Table-Anwahl? Mal ganz abgesehen von einer besseren Modmatrix, den Modifiern, … …

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                    AMAZONA Archiv

                    Na ich will mal so antworten: Als Purist brauche ich PPG Haptik, 1985 Workflow, die gennanten Timingprobleme bei der Samplewiedergabe … und zwar mehr als eine FX Sektion und einen Filter Drive. Im Vergleich liefert mir Waldorf weniger PPG Merkmale als Seibs Waveterm C womit Letzterer zu meinem Arbeitspferd in Sachen PPG Sound geworden ist. Und damit entfallen natürlich für mich Gedanken an den SysEx-Export. Das Thema beurteilt aber wohl jeder mit Blick auf sein Equipment und Vorhaben anders… was ja auch ganz richtig ist. Daher Friede und wir haben uns lieb ;-)

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                AMAZONA Archiv

                Genau und weil das so viel Freude bereitet hab ich schon so etwa 200 von den Wavetables gemacht. Mit einer kleinen Software Wave2Zebra – wunderbar. Das ist u.a. auch der Grund warum sich das Teil so gut verkauft. Urs weis was Musiker wünschen.

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      AMAZONA Archiv

      Hab ich mir auch geholt und bin begeistert. Hat zwar a bisserl Einarbeitung gekostet aber jetzt hauts hin. Sogar in Cubase läuft die Emulation und bisher keinen einzigen Crash. Für die paar Öcken ist Hermanns WavetermC-Kombi z.Z. am Markt wohl einmalig. Mein Respekt vor dieser genialen Umsetzung auf den Rechner.

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    Despistado  

    Nicht ganz uininteressant wäre auch noch ein kurzer Vergleich mit dem Vorgänger-Plugin gewesen (Fazit?), da dieses ja immer noch (inklusive 2 weiterer Waldorf-Plugins) für einen Bruchteil des Preises (des PPG Wave 3.V) erhältlich ist.

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      h.gerdes  AHU

      Die wichtigen Besonderheiten des Wave 3.V sind unter „Neue Features“ aufgelistet (ein paar Detailverbesserungen sind im weiteren Text erwähnt). Und sie sind ihr Geld wert! Insbesondere das Filter mit Overdrive und 12dB-Modus fand ich klasse. Wenn man einen Wave intensiv einsetzen will, sollte man ohne mit der Wimper zu zögern zum 3.V greifen. Wenn es noch besser klingen soll, muss man einen Kredit für den neuen Waldorf Wave aufnehmen ;-) aktuell liegt der bei knapp 10.000 Euros…

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