Test: Waldorf Largo

27. Mai 2009

Waldorf Largo

Das ist er also, der Largo, der zweite aus den Reihe der Bond-Bösewichter, die Waldorf seit ihrer Neugründung auf die Welt loslassen, um ihr die Syntheseklänge beizubringen.

Hauptfenster

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Die Familientradition der Waldorf Synthies (nicht der Bond-Filme) ist dabei unverkennbar, zum micro Q (den großen Q dabei immer mitgedacht) und zum Blofed sowieso. Und wie in den Bond-Filmen ist es auch hier der Q, der im Hintergrund an der Agentenausrüstung weiterarbeitet, die später dem Waldorf Stromberg zugute kommen wird.
Auch wenn ich kein Mr. Bond bin, so ist für mich die Möglichkeit, einen Waldorf  testen zu können, mit der Ausstellung einer Agentenlizenz vergleichbar. Deswegen werde ich beim Largo dreimal hinsehen und nachprüfen, was den Neuling von seinen Vorgängern micro Q und Blofed unterscheidet und natürlich ob er ein der ultimative Bösewicht ist oder nicht.

Da der Gesamtaufbau des Largo sich im wesentlichen seit dem Q nicht verändert hat (lesen Sie dazu bitte die entsprechenden Tests) gehe ich hier nicht auf alle Einzelheiten des Largo ein, wohl aber auf die Unterschiede zu micro Q und Blofeld. Der Komplexer von Terratec basierte zwar ebenfalls auf der Q- bzw. Micro Q-Architektur, doch da er zur Zeit nicht mehr weiterentwickelt wird, bleibt er außen vor. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt. Das Review bei Amazona (siehe Verweise) zeichnet jedoch ein umfassendes Bild vom ersten micro Q-Klon. Nun bringt Waldorf selbst einen Softsynth mit Q-Architektur auf den Markt bringt, der ihren eigenen Anforderungen hinsichtlich Produktpflege, Unterstützung mehrerer Plattformen und einem Interface-Design im Waldorf-Look entspricht. Lesen Sie also, wie sich Largo für’s Haifischbecken wappnet.

Installation

Die von Waldorf zur Verfügung gestellte Version ist eine 1.0 Testversion. Deswegen gibt es hier und da noch ein paar kleine Bugs und fehlende Funktionen, die in der endgültigen Verkaufsversion behoben bzw. implementiert sein werden.

Den Largo gibt es erst mal als Boxed Version und später als Download-Produkt. Das wichtigste ist aber der Aktivierungscode für die Largo Lizenz. Aktiviert wird Largo nach der Installation über das eLicenser Control Center (früher Syncrosoft). Die Lizenz selbst ist ein Soft-eLicenser, d.h. eine Software-Autorisation, die Largo für genau einen Rechner freischaltet, nämlich den, auf dem das Plug-in aktiviert wurde. Alternativ kann die eLicense aber auch auf einen Syncrosoft-Dongle wie von Steinberg oder Korg übertragen werden, um ihn somit auch auf anderen Rechnern benutzen zu können. Ich habe die Lizenz auf meinen Korg-Dongle übertragen, was auch vorschriftsmäßig geklappt hat. In jedem Fall wird aber eine aktive Internetverbindung benötigt, um die Aktivierung durchzuführen. Anschließend steht Largo als VSTi und AudioUnit für PC und Mac zur Verfügung. Eine Standalone-Version oder eine RTAS gibt es noch nicht. Laut Waldorf wird aber darüber nachgedacht. Für das Plug-in diente als Testgerät ein Macbook 1,83GHz mit 2GB RAM und Leopard 10.5.7. Als minimale Anforderung nennt Waldorf einen 1GHz Pentium oder einen 800MHz G4 – das dürfe aber wirklich die unterste Grenze sein.
Als Host diente der allseits bekannte Cross Plattform Host Bidule von Plogue. Ok, ok – die Software kennt kaum jemand. Ist auch keine DAW, sondern ein modulares Live-Environment (nein, nicht MAX für Ableton). Aber zurück zum Wesentlichen.

Inbetriebnahme

Laden wir also den AU- oder VST-Host unserer Wahl und öffnen eine Instanz von Largo. Das Plug-in bietet einen MIDI-Eingang, acht Audioausgänge im Stereomodus und 4 als Monoinstanz und kann 4 verschiedene Sounds auf den korrespondierenden MIDI-Kanälen 1-4 ansprechen. Auf MIDI-Kanal 5 gibt’s dann alle 4 Layer gleichzeitig. Das Layer-Konzept im Largo entspricht dabei nicht dem Multimode des micro Q und Blofeld, die 16 unabhängige Sounds im Multimode ansteuern können. In die Layer des Largo können keine einzelnen Sounds geladen werden, da diese schon alle vier Layer beinhalten. Die Layer können nur innerhalb eines Sounds und zwischen verschiedenen Sounds kopiert werden. Bis auf eine Verwendung als Unisono Effekt oder zur Ablage von „Sound-Snapshots“ fällt mir aber keine sinnvolle Verwendung für diesen Modus ein. Ein Update mit einem richtigen Multimode ist allerdings schon angekündigt. Der Largo ist also pro Instanz wirklich vierfach multitimbral.
Auch besitzt der Largo keine gesonderten Key-Zones für seine einzelnen Sounds. Das wird alles über die Host-Software realisiert.

Klangbeispiele
Forum
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    Tastonaut

    Vielen Dank für den guten, ausführlichen Bericht! Klasse finde ich die Gegenüberstellung zu den Hardsynths. Den Satz „… die Waldorfer … zu den wenigen Synthies gehören, die digitale Klarheit mit warmem Dreck verbinden können.“ muss ich mir merken für den Fall, dass man gefragt wird, wie Waldorf so klingt.

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    AMAZONA Archiv

    Wavetableeditor und das PPG-Filter sollten eigentlich einzug in den Largo halten. Gerade das erstellen von eigenen Wavetables bringt viele neu Klänge. Auch könnte man diese neuen Wavetables in der Soundcorner von Waldorf uploaden.
    Auf jeden Fall ein super Bericht der sich schön flüssig liest.

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    Philipp

    hab mir die Zeit bis zum Release des Largo mit dem Lennar Digital Sylenth1 vertrieben. Der Sylenth1 ist so unheimlich Fett und deckt Klanglich alles ab was ich brauche, so dass ich den Largo nun nicht mehr ins Auge fasse.

    Ich hätte dem Largo als Ergänzung vielleicht noch eine Chance gegeben, aber bei der Copy Protection habe ich aufgehört weiterzulesen… Der Lennar kommt vorbildlich nur mit einer Seriennummer aus, spart so den Ärger der zwangsläufig bei jeder Neuinstallation / Update aufkommt.

    Grüße Philipp

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      AMAZONA Archiv

      Hast Du einen Dongle gibts gar kein Ärger bei einer Neuinstallation. Ohne Dongle ist der Aufwand verschwindend gering. Installierst DU XP hast mehr Aufwand.

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        Philipp

        Hi, da ist meine bisherige Dongle erfahrung eine andere… und selbst wenns läuft unterwegs machts damit am MacBook wenig Spaß – wenn dann andere Hersteller eine (nach meiner Einschätzung klanglich auch bessere) Lösung ohne Dongle / Challenge – Response anbieten seh ichs halt nicht ein mich darauf einzulassen. Grüße Philipp

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          AMAZONA Archiv

          Einen Synth nur wegen des Kopierschutzes abzuwerten ist doch wohl ziemlich trashig:

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            Philipp

            wenn er was hätte was andere Synths ohne Dongle nicht bieten würd ichs auch nicht tun – aber das sehe ich beim Largo einfach nicht.

            Andere Hersteller haben hübschere Töchter ohne Dongle ;-)

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    Jesus

    Ich hab den Komplexer und unterm Strich ist der Largo also laut Test nicht wirklich wesentlich besser.

    Zumdem ist der Preis einfach zu hoch und dank Dongle-Schutz wird man das Teil wohl auch nichtmal als Demo testen können.

    Es gibt einfach zu viele „amtliche“ Synths im Angebot und der Largo reiht sich da einfach nur ein, mehr nicht.

    Außerdem hat der hier schon erwähnte Sylenth1 eine riesige Userbase wo ständig Patches nachgeliefert werden und wo man schnell Hilfe bekommt.

    Der Largo ist eher ein Einzelgänger für Einzelgänger :-)

    Da kann man den alten Microwave-Tagen noch so nachheulen, aber das Teil ist leider kein „Must-have“.

    Euer Jesus

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      AMAZONA Archiv

      Viele vergessen das der Komplexer zwei Wavetables hat. Der Largo dagegen 67. Schon deswegen kann der LArgo ganz andere Sounds als der Komplexer. Desweitern haben die Programmierer seit erscheinen des Komplexer nicht unter einem Stein gelebt und die Synth-Engine weiter verbessert was ja dem Klang zugute kommt. Außerdem werden bestimmt einige neue Features als Update in den Largo einfliessen wie etwa die PPG-Filter oder den Sampleimport oder vielleicht auch ein Editor für WT.
      Wenn en Waldorfsound nicht mag muß ja nicht zugreifen. Ich bin Quasi mit den Microwaves aufgewachsen und deren SOund gehört einfach in meine Musik.

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        matzemaria

        @FischerZ
        werkseitig hat der Komplexer sicherlich weniger an Wavetables im Osc als der Largo, dafür hat der Komplexer aber einen entscheidenen Vorteil; im Gegensatz zum Largo kann er dank des „Stromeko-Tools“ eigene Daten laden, also „fremde“ WT importieren! – so gesehen „kann“ der Largo „weniger“ Sounds ;)

        Wie bereits beim Blofeld dauert es auch mit dem Largo etwas länger als angekündigt, bis das Teil endlich beim Händler und Kunden ankommt :( Waldorf sollte am Vertrieb arbeiten, den Kopierschutz überdenken und den Preis entsprechend reduzieren.

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          Für den Komplexer gibt es laut Stromeko 30 WT beim Largo sind es 67. Der Komplexer ist abgehackt was die Updates betrifft, der Largo ist seit ca. 14 Tagen verfügbar und Updates werden kommen. In diversen Tests ist zu lesen was noch alles kommt oder könnte. Wenn es bei Deinem Händler noch keinen Largo gibt hat er wohl zu spät bestellt. Wer zuerst kommt mal zuerst und außerdem ist es Mühselig zu disskutieren was besser ist oder was nicht. Wenn ich keinen Spinat mag, esse ich auch keinen.

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    4damind

    Ein guter Synth, der aber auch ordentlich bei der CPU zulangt. Von nahezu allen bemängelt: der nicht vorhandene Presetbrowser. Für ein Plugin diesen Formats eigentlich schon sträflich.

    Die Presets empfand ich eher durchschnittlich, da hat man wohl leider nur die zweite Reihe an Soundschraubern für verpflichten können. Waldorf Largo als Presetschleuder wohl eher ein „nein“. Hier ist auf jedenfall selber schrauben angesagt ;)

    Viele haben sicherlich ein brachial klingendes Monster erwartet, dass alles in den Schatten stellt ;) Dem wird der Largo aber IMHO nicht gerecht, er reiht sich aber durchaus in die Reihe der besseren Synth ein und zeigt gleichzeitig das Waldorf nach der damaligen Insolvenz wieder komplett da ist, mit Hard-und Software.

    Für mich insgesamt kein Plugin was ich kaufen muss. Ich bin allerdings auch noch nie ein Freund des „Waldorf Sounds“ gewesen und das hat sich mit dem Largo auch nicht geändert.

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    AMAZONA Archiv

    erreicht man denn mit dem Largo auch Klangniveau eines Waldorf XT?

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      Markus Schroeder  RED

      ich weiß jetzt nicht genau was du meinst.
      Der Largo gehört zu Q Familie und nicht zur Wave Famile von Waldorf.

      Vom Klangniveau her ist es auf alle Fälle Waldorf! Aber ein Micro/wave/XT ist doch wieder was anderes als ein Q.

      :)

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    daslicht

    Das GUI war selbst nach dem 1.5.1 update immer noch super lahm (zumindest die demoversion) unter Windows7 sobald Noten eintreffen. Dieses Verhalten kann jedoch unterdrueckt werden sobald das virtuelle Keyboard nicht mehr sichtbar ist, wenn man es zB aus dem sichtbaren Bereich des Fensters schiebt.
    Scheint so als ob das „redrawing“ des GUIs(der Tastatur) dieses verhalten ausloest.

  8. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Klanglich gesehen nicht schlecht aber es gibt doch viel tollere alternativen… Habe meinen Largo sofort wieder verkauft… Ganz abgesehen davon werd ich auch nie wieder ein elicencer Synth kaufen… Nur probleme… Laut waldorf support liegts an meinem usb port… Mein PC von da-x ist wohl der schuldige ;)

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      Sabinchen

      Habe meinen Largo sofort wieder verkauft…

      Ich auch das GUI ist super schlecht Programiert entäushend

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